Eine Frage an alle die in Russland leben

Hier findest Du Insiderinformationen zum mittel- oder langfristigen Aufenthalt in Russland die Dir helfen das Leben in Russland zu meistern. Du lebst (noch) nicht in Russland? Dann könnte dieses Unterforum für Dich besonders interessant sein, damit Du von unseren Erfahrungen profitierst. Expats are welcome!
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zimdriver
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Beitrag von zimdriver »

Ich lebe auch hier, in Moskau, und hatte zufällig gestern ein ähnliches Gespräch.
Ein paar Dinge daraus.
- Sehr viele beruflich hierher entsandten Ausländer sind hier, weil es gerade nichts anderes gab, weil es für die Karriere in großen Firmen dienlich ist oder weil das große Geld lockte. Oder weil alle drei Dinge zusammen kamen.
- Sehr viele leben hier mit großem Unbehagen und freunden sich nie mit Russland an. Sie sind nur hier, weil s.o.
- Wirklich nerven kann die Bürokratie. Sie ist aber leichter als erwartet zu meistern, man muß nur ein bißchen Geduld mitbringen, manchmal ein bißchen Geld, immer aber Humor. Es gibt aber weitaus anstrengendere Länder der ehem.UdSSR!
- Nicht gewöhnen kann ich mich an die mangelnde Achtung menschlichen Lebens, im Kleinen wie im Großen. Egal, ob im Straßenverkehr, im Umweltbewußtsein (ich bin wahrhaft kein Grünen- Sympathisant!), im Verkauf von Surrogat- Vodka oder im Polonium- Einsatz, der Einzelne spielt keine große Rolle. Ein Grund hierfür ist sicher in der russ. Geschichte zu finden.

Trotzdem kann ich nur sagen: Überzeuge Deine Frau! Wenigstens für ein paar Jahre lohnt es sich, in einem anderen Land zu leben.
- Ich kenne nicht alles. Wenn Ihr die Chance habt, in Moskau bei der Botschaft Arbeit zu finden, dann wird es Euch auch an nichts Wichtigem fehlen. An gar nichts. Wie die Regeln da sind, weiß ich allerdings nicht im Detail.
- Ja, Kuchen, Leberwurst, Christstollen können fehlen. Gerade das macht aber auch den Reiz aus und fordert ein bißchen Phantasie und Organisationsgeschick. Ist eigentlich nicht schlimm.
- Auch für Deine Frau wird es sehr anders sein, mit einem deutschen Paß hier zu leben. Deutsche sind sehr willkommen,in der Arbeit wie im täglichen Leben. Als ich im Krankenhaus war, kümmerten sich die Schwestern mehr als genug um mich und übten ihre deutschen Sprachkenntnisse-obwohl ich leidlich Russisch spreche.
- Zu guter Letzt: Hier entwickelt sich wenigstens noch was. Ein russischer Geschäftspartner hielt eine industrielle Investition für unprofitabel, da sie erst nach 3 Jahren amortisiert sein sollte. Steigerungsraten von 50 und mehr Prozent in einigen Märkten sind normal, es gibt aber auch 100 %.

In Deutschland ist alles schön ordentlich geregelt. Hat ja auch was. Gesetze gelten, Verhaltensnormen auch, alles ist berechenbar, xmal TÜVgeprüft, sauber, hygienisch. Für Bedürftige wird gesorgt- und das ist sehr richtig.

Trotzdem sag ich's gerne nochmals:
Besser in Moskau arbeiten als in Deutschland mit Hartz4 zu verbittern, die Löcher im sozialen System zu suchen oder sich gar aufgeben zu müssen.
Zeppelin
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Beitrag von Zeppelin »

zimdriver hat geschrieben: - Nicht gewöhnen kann ich mich an die mangelnde Achtung menschlichen Lebens, im Kleinen wie im Großen. Egal, ob im Straßenverkehr, im Umweltbewußtsein (ich bin wahrhaft kein Grünen- Sympathisant!), im Verkauf von Surrogat- Vodka oder im Polonium- Einsatz, der Einzelne spielt keine große Rolle. Ein Grund hierfür ist sicher in der russ. Geschichte zu finden.
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- Ja, Kuchen, Leberwurst, Christstollen können fehlen. Gerade das macht aber auch den Reiz aus und fordert ein bißchen Phantasie und
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- Zu guter Letzt: Hier entwickelt sich wenigstens noch was. Ein russischer Geschäftspartner hielt eine industrielle Investition für unprofitabel, da sie erst nach 3 Jahren amortisiert sein sollte. Steigerungsraten von 50 und mehr Prozent in einigen Märkten sind normal, es gibt aber auch 100 %.
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In Deutschland ist alles schön ordentlich geregelt. Hat ja auch was. Gesetze gelten, Verhaltensnormen auch, alles ist berechenbar, xmal TÜVgeprüft, sauber, hygienisch. Für Bedürftige wird gesorgt- und das ist sehr richtig.

Trotzdem sag ich's gerne nochmals:
Besser in Moskau arbeiten als in Deutschland mit Hartz4 zu verbittern, die Löcher im sozialen System zu suchen oder sich gar aufgeben zu müssen.
Zimdriver,
da hast Du einige Worte gefunden, denen ich nur zustimmen kann.

Doch entgegen früherem Anschein hat sich nun offenbar für Stefan eine andere Jobofferte in D ergeben, die man wohl nicht so ohne weiteres in den Wind schlagen würde.
Und wenn seine Frau ohnehin keinen Bock hat, sich nochmal nach RUS zu begeben..., hm hmmm

Nun ja, wir werden sehen, wie es weiter geht.

Gruß,
Zeppelin
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)
Stefan

Beitrag von Stefan »

Ich bin ehrlich gesagt auch gespannt, wie es bei mir weiter gehen wird.

Mein absoluter Traum ist natürlich bei der deutschen Botschaft in Moskau zu arbeiten - aber nur mit der Option, daß meine Frau mit dabei ist und das ich schnell russisch lerne.

Ich denke aber, daß über kurz oder lang das OLG bei mir ankopfen wird und ich dann beim OLG arbeiten werden - auch keine schlechte Wahl, da ja immer hin das OLG die Macht hat, mir einen Festvertrag zu besorgen.
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zimdriver
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Beitrag von zimdriver »

Stefan hat geschrieben:...auch keine schlechte Wahl, da ja immer hin das OLG die Macht hat, mir einen Festvertrag zu besorgen.
Beamtenstatus? Wenigstens hast Du dann keinen Stress mit dem Kredit fürs Häuschen... :lala:
Zeppelin
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Beitrag von Zeppelin »

zimdriver hat geschrieben:... Beamtenstatus? Wenigstens hast Du dann keinen Stress mit dem Kredit fürs Häuschen... :lala:
Höre ich da sowas wie "Sozialneid" heraus? :lol:
Quatsch beiseite: Mit Verbeamtungen ist man heute sehr zurückhaltend. Die Tätigkeitsbeschreibung sah mir eher nach einem Angestelltenverhältnis aus.
MoskvaReka

Re: Eine Frage an alle die in Russland leben

Beitrag von MoskvaReka »

Stefan hat geschrieben:Habt Ihr eigentlich "Heimweh"??
Als ich begann, in Russland zu arbeiten, hatte ich nach ca. 3 Monaten ganz fürchterliches Heimweh, das erste Mal in meinem Leben, obwohl ich auch schon vorher mal im Ausland war.

Im Prinzip wusste ich auch, dass - falls es gar nicht klappt - ich jederzeit hätte wieder zurück gehen können, aber da waren dann doch der persönliche Ehrgeiz und die erste berufliche Herausforderung stärker, die mir sagten: "Halt durch"! Und letztlich war es genau richtig so. Ich habe sehr wertvolle Erfahrungen gemacht, weiß jetzt sogar wie eine Waschmaschine von hinten aussieht :wink:

Nein, Quatsch beiseite. Ich möchte die komplette Zeit nicht missen, obwohl ich wirklich sagen muss, dass es oft anstrengend war sich durchzusetzen, sei es im Job - wenn manch eingefleischter Kollege dachte, die kleine Deutsche frisch von der Uni könnte ihm den Job vor der Nase wegschnappen - oder auch im Leben.

Einmal bei der russischen Miliz gesessen, knickt man nicht mehr bei jeder Kleinigkeit ein. Allerdings habe ich damals festgestellt, dass es bei aller Bürokratie auch hin und wieder sympathisch zugehen kann, wie bei besagtem Milizionär, der uns eigentlich sehr nett behandelt hat, sehen wir mal ab von allem anderen Aufwand, der uns aufgrund der "Straftat" einer verspäteten Registrierung mindestens 2 volle Arbeitstage gekostet hat...

Nichtsdestotrotz, ich denke, dass man Empfindungen von Russlanddeutschen, Spätaussiedlern und Deutschen nicht über einen Kamm scheren kann. Deine Frau, Stefan, wird ein Bild im Kopf haben, das wir uns gar nicht vorstellen können, selbst wenn wir den ein oder anderen Nachteil hinnehmen mussten. Letztlich fahren wir doch immer wieder hin, weil wir irgendwo das Land liebgewonnen haben und eine Faszination damit verbinden. Manchmal ist das komisch, dass gerade "Ausländer" eine engere Verbindung zu Russland spüren als Russen, die ausgewandert sind. Mir ist das schon öfter zu Ohren gekommen.

Eine mögliche Chance für Deine Frau, sich wieder mit allem "Russischen" zu versöhnen ist vielleicht der persönliche Kontakt - mgl.-weise freut sie sich ja sogar, mal wieder ihre Muttersprache zu sprechen. Außerdem muss man sagen, dass Moskau wirklich kein Repräsentant für ganz Russland ist, für Kasachstan schonmal gar nicht. Ich war selber in Almaty und habe mich dort komplett anders gefühlt. Man darf nicht vergessen, dass dort eine ganz andere Kultur herrscht, aber gleichzeitig viele Russen dort vertreten sind. Ein Mischmasch wie auch beispielsweise in Tatarstan. Ich war 1996 ca. ein halbes Jahr lang dort und habe das Miteinander von Russen und Tataren als angenehm empfunden, es gab auch m.E. keine religiösen Probleme. Berichtet wurden mir allerdings von Landsmännern/-frauen andere Geschichten, aber (zumindest damals noch) nichts wirklich Schlimmes. Aber das ist ein anderes Thema. Um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt meiner Meinung nach mehrere Möglichkeiten:

1. Du gehst alleine nach Moskau - rein jobmäßig, allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum und der Option, dass Ihr Euch so oft wir möglich besuchen könnt. Dann hast Du Deine Erfahrung gemacht, jagst keiner unerfüllten Sehnsucht mehr hinterher und kannst später nutzen, was Du erlebt und gelernt hast.

2. Du überzeugst Deine Frau mit Dingen, die sie ja noch irgendwie als vertraut und liebgewonnen empfinden muss: Sprache, Freunde, evtl. sogar Verwandte. Es ist ja auch ein Riesenunterschied, ob man irgendwo in der Peripherie aufwächst oder mit Mann und Familie in einer Großstadt lebt.

3. Ihr bleibt halt in Deutschland und fahrt mal in Urlaub nach RU, bzw. ins Gebiet der ehemaligen UdSSR. Da gibt es sicher viel zu entdecken.

P.S.: Ich denke, dass Deine Frau russisch spricht, oder? Nutze das Potential doch einfach und lern ein bisschen von ihr. Vielleicht kommt sie ihrer ursprünglichen Identität dadurch wieder von selbst näher...?!

P.P.S.: Alles nur Denkkonstrukte. Ich wünsch Dir was und hoffe, Du triffst die richtige Entscheidung!
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zimdriver
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Beitrag von zimdriver »

Zeppelin hat geschrieben:...
Höre ich da sowas wie "Sozialneid" heraus? :lol:
...
Nöö, ist nichts für mich. Dann dürfte ich hier erst recht nicht in den Schlaf kommen, wenn ich in der Zeitung täglich die Gesichter derjenigen sehe, die die Wirtschaft Russlands kontrollieren. Obwohl ... Ein strafzettelfreies Deutschland könnte mir auch gefallen, nur weil ich mal eine Yacht in irgendeinem Hafen festgemacht und mit Investitionen gewinkt habe...
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Re: Eine Frage an alle die in Russland leben

Beitrag von Zejtnot »

Stefan hat geschrieben:Aus sicherer Quelle habe ich gehört, daß Botschaftsangestellte gerne aus den Reihen ehemaliger oder noch arbeitenden Behörden recrutiert werden.
Also das stimmt schon, einige der Konsulatsmitarbeiter hier in Novosibirsk hier kommen von der BfA, von der Bundeswehr, ... sie wurden also vom AA (Auswärtiges Amt) übernommen. ABER sie können sich vorher nicht raussuchen, wohin sie geraten!

Das AA hat ein Rotationsprinzip: Alle vier Jahre wechselst Du den Wohnort, Russland - Afrika - Deutschland - Asien - ... In Moskau landest Du also nur zufällig. Wenn Du noch Verwandte in Moskau hast, sinkt die Wahrscheinlichkeit weiter, wegen Bestechlichkeit und so.

Du kannst Dich als Ortskraft bewerben, mit russischem Lohn. Dann kannst Du ewig bleiben, Du brauchst allerdings eine Arbeitserlaubnis. Dass scheint mir in Deinem Fall ausgeschlossen zu sein!
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Simone
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Beitrag von Simone »

Heimweh kommt im Winter öfters als im Sommer; weil es schmutzig und dunkel ist. Doch die Depri kann man umgehen, in dem man hier auf einen großen Freundes- und Bekanntenkreis zurückgreifen kann und das reiche Kulturangebot der Stadt nutzt.

Zimdriver hat es in seinem langen Artikel auf den Punkt gebracht. Alles hat seine positiven und negativen Seiten. Ich kenne auch mehrere Deutschrussen, die aber mit Begeisterung immer wieder nach Moskau kommen. Für Deutsche, die nie hier waren, ist es eh die exotischste und verrückteste Satdt Europas... Du solltest Deine Frau einfach einpacken und Ihr verlebt ein schönes und stilvolles verlängertes Wochenende hier.

Aus meiner Erfahrung mit vielen Kollegen kann ich Dir nur raten, NICHT ohne Ehefrau hierher zu gehen, denn die Trennung tut nur für kurze Zeit gut (belebt die Liebe). Aber auf Dauer ist es schlecht, denn Du kämpfst Deine Probleme hier alleine aus und kannst sie nicht teilen, wenn Du abends heim kommst. Darüberhinaus sind die Verlockungen groß und die Untreue läßt nicht lange auf sich warten. Wenn ich mit meinen deutschen jungen Kollegen+Bekannten manchmal in die Disco gehe, bin ich immer wieder erstaunt, wie sich die hübschen Mädchen den Jungs an den Hals werfen - und die sind nicht vom Gewerbe wohl gemerkt, just want to have fun... ;-)

Die deutsche Botschaft in Moskau ist die grösste Auslandsvertretung der BRD, ist sehr gut ausgestattet - schöne Wohnungen, Arztpraxis, Schwimmbad, Sporthalle, Tennisplätze - alles im Gelände. Life could be harder, much harder. Die Zulage ist eine der höchsten weltweit.

Also, Deine Prinzessin soll sich mal nicht so haben und mit Dir in den Flieger steigen und ihre Vorurteile zurücklassen. Hier sind 15 Jahre ins Land gegangen und es hat sich echt was in Punkto Lebensqualität getan. Feindliche Bemerkungen von Russen gegenüber uns Deutschen habe ich niemals erlebt - sie lieben uns!!!

Und übrigens, eine Bemerkung von mir als (Ehe)Frau: Eine Frau, die sich kategorisch gegen die Entwicklung ihres Mannes stellt, sollte überlegen, was eine Ehe ausmacht. Einen Versuch sollte man immer wagen und damit Entgehenkommen zeigen.
Stefan

Beitrag von Stefan »

Zeppelin hat geschrieben:
zimdriver hat geschrieben:... Beamtenstatus? Wenigstens hast Du dann keinen Stress mit dem Kredit fürs Häuschen... :lala:
Höre ich da sowas wie "Sozialneid" heraus? :lol:
Quatsch beiseite: Mit Verbeamtungen ist man heute sehr zurückhaltend. Die Tätigkeitsbeschreibung sah mir eher nach einem Angestelltenverhältnis aus.
Vollkommen richtig, ich bin kein Beamter und kann es leider auch dem Alter her nicht mehr werden - hatte es ausprobiert, war leider ein halbes Jahr zu alt -.

Ich bin übrigens beim OLG angenommen worden und trete meinen Dienst dort ab dem 02.01.2007 an. Ich freue mich schon auf die neue und verantwortungsvolle Arbeit - trotzdem ist etwas Nervösität und Angst vor dem Ungewissen dabei.
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