Ostern

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csey

Ostern

Beitrag von csey »

Hallo Achim,

mit großem Interesse habe ich Euren Artikel über das Osterdatum gelesen. Ihr habt da ein Faß aufgemacht, bei dem man gar nicht so genau weiß, was letzten Endes drin ist.

Ich habe schon lange diesen Text auf meiner Seite, der sich auch mit dem Datumsthema beschäftigt. Jeder Mathematiker kennt die Formel von Gauß für den Ostersonntag, die sich an dieser Definition orientiert.
Nun haben wir die Sache, daß Zar Peter die englische Kalendervariante der römischen Papst Gregors vorzog und die Russen das spätere Einlenken der Engländer erst 170 Jahre später mitbekamen.
Was ich einfach nicht kapiere, ist Folgendes. Wenn die Ostkirche wegen ihrem anderen Kalender nicht rechtzeitig die Kurve zum Frühlingsanfang kriegt, warum unterscheiden sich dann griechisches und römisches Ostern in einem Jahr um eine Woche, im nächsten um zwei oder drei und dann auch mal gar nicht ?

Da die Vollmonde nun mal in festen Abständen von mehr als einer Woche kommen, müßte es doch so sein, daß es im konkreten Jahr entweder keinen Unterschied oder vier Wochen Unterschied gibt ?!

Ich habe diese Frage auch schon oft an Griechen gestellt, aber nie eine vernünftige Antwort bekommen.

Ich habe den leisen Verdacht, daß die ganz präzisen Erklärungsversuche einfach nicht hinhauen, sondern daß irgendwann einmal eine heimliche Versammlung von Rauschebärten einfach die Osterdaten mehr oder weniger frei Schnauze festgelegt hat.

Oder ?????

.
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Dietrich
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Beitrag von Dietrich »

Hallo Csey,

DAS interessiert mich jetzt aber auch!!
Also wenn du es irgendwie rausbekommen hast, dann teil mir die Loesung bitte mit!

Dietrich.
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Dietrich
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Beitrag von Dietrich »

Karsten Packeiser hat geschrieben:
Nach orthodoxer Regel muss das Osterfest jedenfalls zudem auf einen Sonntag nach dem jьdischen Pessah-Fest fallen, wodurch es noch seltener zu einem Zusammenfallen der Osterfeste kommt.
Das klang fьr mich zumindest ьberzeugend.
Ja, aber dann kann man (leider) mit der schoenen Grafik nix anfangen :-(

Dietrich.
MoskvaReka

Beitrag von MoskvaReka »

Hat jemand von Euch abgesehen vom Osterfest Ahnung von der russischen Orthodoxie, kennt sich in unterschiedlichen Gruppierungen/ Randgruppen aus oder hat gar Kontakte diesbzgl.?

Würde mich sehr interessieren!
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Zejtnot
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Beitrag von Zejtnot »

Die russische Kirche geht ja nicht nur nach dem falschen (Sonnen)kalender, sondern auch noch nach dem falschen Mondkalender. Da kann es also passieren, dass der Mond schon Vollmond ist, aber die russische Kirche festlegt, dass es sich dabei um eine Halu handelt und Ostern deswegen erst eine Woche später gefeiert wird. In der Wikipedia ist das irgendwo auch noch genauer beschrieben, vor allem wissenschaftlicher.

Ich habe es mal banal beschrieben: "Etwas eigenartig ist die Festlegung des Ostersonntags. Wie auch bei den westlichen Kirchen, ist Ostern am Wochenende nach dem ersten Vollmond im astronomischen Frühling (nach dem 21. März).

Die russische Kirche folgt jedoch dem alten julianischen Kalender, der hier und da ein paar Schaltjahre vergessen hat. Derzeit sind es 13 Tage Unterschied zum gregorianischen Kalender. So kommt es vor, dass Ostern eine Mondphase später ist.

Dieses Jahr fielen beide Osterfeste in dieselbe Mondphase, dennoch wurde mit einer Woche Unterschied gefeiert. Denn die russische Kirche orientiert sich auch nicht am richtigen Mond sondern am metonischen Zyklus - berechnet im Jahre 432 vor unserer Zeitrechnung! Dieser hatte aber ebenso einen kleinen Fehler, der sich inzwischen zu einigen Tagen addiert hat.

Somit wird das orthodoxe Osterfest doppelt falsch berechnet. Vielleicht kann mir ein Theologe erklären, warum der Gott gegebene Mond und die Gott gegebene Sonne für die orthodoxen Christen weniger zählen, als von Menschenhand erdachte Kalender aus Zeiten vor Christi Geburt?!"

Was die Griechen nun noch falsch machen, weiß ich aber nicht!
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manuchka
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Beitrag von manuchka »

@ MoskvaReka - ich kenne mich ein wenig mit der orthodoxen Kirche aus.

@ all - Das mit dem Osterfest ist deswegen so, weil außer dem ersten Vollmond im Frühling und der Kalenderverschiebung noch ein wichtiger Faktor maßgeblich ist: das jüdische Passahfest. Da Christus nämlich nach selbigem auferstanden ist, kann Ostern jedes Jahr - laut orhtodoxer Auffassung - auch nur nach dem Passahfest gefeiert werden.

Siehe dazu auch Wikipedia
In allen orthodoxen Kirchen wird bei der Berechnung des Osterdatums am julianischen Kalender festgehalten. Nach diesem findet der 21. März (im 20. und 21. Jahrhundert) 13 Tage später statt als im gregorianischen Kalender und entfernt sich immer weiter vom astronomischen Frühlingsbeginn. (Übrigens war das Zusammenlegen des "liturgischen" mit dem "astronomischen" Frühlingsbeginn einer der Hauptgründe für die Einführung des gregorianischen Kalenders). Daher findet das orthodoxe Osterfest manchmal eine Mondphase später statt. Außerdem berechnet die orthodoxe Kirche das Osterdatum nach einer bereits in der Antike festgelegten Rechenvorschrift, eben dem oben beschriebenen Metonischen Zyklus. Die Länge des 19-jährigen Mondzyklus wurde damals um ca. 2 Stunden zu lang angenommen, was sich im Laufe von 17 Jahrhunderten zu einigen Tagen addiert hat. Dies ist ein weiterer Effekt, der dazu führen kann, dass das orthodoxe Osterfest eine Woche oder im Extremfall, wenn er sich mit dem obigen Effekt addiert (z. B. 2005), fünf Wochen später stattfindet als das lateinische. Von diesem letzteren Effekt ist übrigens auch der Jüdische Kalender betroffen.
Bei der Berechnung des orthodoxen Osterfestes gibt es des Weiteren die Regel, dass es um eine Woche verschoben wird, wenn es mit dem jüdischen Pessachfest zusammenfällt (wie beispielsweise im Jahr 2006) oder sogar davor liegt. Diese letzte Regel ist der Hauptgrund, der von den Ostkirchen für die Ablehnung einer neuen, rein astronomischen Osterformal angeführt wird, denn diese führt relativ oft zu einem Ostertermin vor dem jüdischen Passah.
Du erntest, was du säst.
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7punkt
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Beitrag von 7punkt »

@Zejtnot: protestiere gegen das Wort "falsch" in Deinem Beitrag [protest] und poste hier noch ein Link zum Thema http://astro.websib.ru/istor/2/cal_xri.htm auf russisch.

7punkt
"Ich weigere mich, einen Unterschied zwischen den Voelkern zu machen und von guten und schlechten Nationen zu sprechen, aber einen Unterschied zwischen den Menschen muss ich machen." F. Duerrenmatt "Der Verdacht"
MoskvaReka

Beitrag von MoskvaReka »

manuchka hat geschrieben:@ MoskvaReka - ich kenne mich ein wenig mit der orthodoxen Kirche aus.
Danke für die Info! Falls Du ansonsten noch irgendwie Einblicke hast, mich interessiert alles diesbzgl. Ich schreibe momentan an meiner Diss und untersuche auf einer gemeinsamen Basis von Religions- und Kulturwissenschaften Russische Orthodoxie in Zush. mit "modernem Slavophilentum". Bin allerdings noch am Anfang. Insbesondere Randgruppen, Traditionalisten, etc. stehen auf meiner Liste.
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manuchka
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Beitrag von manuchka »

Bitte... aber ich kann dir keine Abhandlung schreiben. Du stellst Fragen, und ich antworte oder leite sie weiter. Schreib mir doch mal ne PN. Mein Mann war jahrelang Altardiener (Ministrant heißt das bei den Katholiken), ich habe also eine kompetente Quelle und außerdem massig orthodoxe Literatur zu Hause.
Du erntest, was du säst.
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