germanisator hat geschrieben:Ich finde es ehrlich gesagt etwas merkwürdig, dass jemand der mitten in Russland lebt, lässt sich von D aus die Russen beschreiben.
@ germanisator: Zum einen sehe ich nicht, weshalb Du meinst, die Eingangsfrage des Threads sei an Deutschland gerichtet oder die Anwortversuche von deutschen Forumsteilnehmern wären evtl. weniger treffend.
Zum anderen stimme ich Dir zu, dass zumindest Slavisten, die sich auf die Russ. Föderation konzentrieren erwarten sollte, dass sie sich auch invensiv mit Land und Leuten befassen. Dazu gehört sicher auch, einie Zeit direkt in dem Kand zu leben.
Aber dies gilt keineswegs für Slavisten mt anderen Regionalen Schwerpunkten. Denn die gleiche Binnendifferenzierung, wie Du sie dann etwas weiter untern bzgl. Europas und der Russ. Föd. anmahnst (m.E. zu Recht), halte ich ganz besonders für die vielfältigen slavischen Völker für geboten.
Es sieht danach aus, dass du die sogennante eurasische Theorie vertritts. Eurasische Idee kursierte ziemlich lange in den russländischen Intellektuellenkreisen Ende 19/ Anfang 20. Jhr. Solche Persönichkeiten wie Alexander Block (übrigens ethnischer Deutscher) waren Anhänger dieser Theorie. Doch spätestens in den 30er Jahren wurde diese Idee mehrheitlich und endgültigvon von russländischen Intellektuellen (Schriftsteller, Philosofen, Wissenschaftler und sonstigen gesellschaftlichen Eliten) beerdigt. Heute wird diese Theorie sehr oft von Ausländern vertreten.
Zumindest liefert diese Theorie plausible Erklärungen, die man anderswo vergeblich sucht.
Ich betrachte sie keineswegs als Universalthorie und bin auch nicht direkt im Zusammenhang mit dem Postkommunismus darauf aufmerksam geworden.
Vielmehr habe ich mich früher im Rahmen der Komparatistik mit den unterschiedlichen Ausmaßen der gesellschaftlichen Akzeptanz von Gewalt (in allen Ausprägungen) recht ausführlich beschäftigt.
Dabei orientiere ich mich allerdings durchaus am bügerlich-liberalen Humansimus, der Aufklärung und der Luhmannschen funktional-strukurellen Gesellschaftstheorie.
Dass die russländischen Intellektuellen diese Theorie seit den 30ern nicht mehr vertreten, verwundert mich angesichts der ideologischen Entwicklung jener Zeit ganz und gar nicht.
Das war schließlich mit dem "Genie" Lenins und dem Bild vom "neuen Menschen" vereinbar. In diesem Kontext ist ja auch fast die gesamte empirische Sozialanthropologie bei den kommunistisch angehauchten Intellektuellen den Bach herunter.
Nun, wenn Du anderer Meinung sein solltest, und andere, bessere, nicht normative Erklärungen vorzuweisen hast, werde ich sie mit Interesse lesen.
Aber reine Polemik nach dem Motto: "Das ist alles falsch und ganz anders, aber ich sage Euch nicht wie "wirklich" ist" mag ich nicht hören. Ich bin es einfach leid, mir argumentationslos vorschreiben zu lassen, wie ich dies oder jenes Land zu sehen hätte.
Ansonsten muss ich sagen, dass die Binnenperspektive zwar viele detaillierte Informationen liefert, oft aber verhindert, einen Überblick zu behalten und die Dinge in ihrer Gesamtheit zu sehen. In Deutschland nennt man dies: Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.
Sehr informativ sind jedoch häufig die Schilderungen von Russländern, die ins Ausland gegangen sind, sowie die von Leuten, die von hier nach RUS gegangen sind.
Ich finde es sehr begrüßenswert, dass Du auf die gebotene Differenzierung von russisch und russländisch hinweist. Damit stehe ich hier und anderswo nämlich sonst recht allein da.
Bedauerlich - um nicht zu sagen kritikwürdig - ist es jedoch, dass Du keinerlei Angaben über Dich in Deinem Userprofil eingetragen hast und bislang auch nichts über Dich in der Rubrik
Mitglieder stellen sich vor geschrieben hast.
Über die Literaturlage zu RUS in dt. Sprache brauchst Du Dich nicht zu wundern. Der Deutschsprachige Büchermarkt ist einfach zu klein dafür, wie für die allermeisten anderen sozialwissenschaftlichen Themengebiete auch.
Die Fachöffentlichkeit publiziert deshalb seit langer Zeit fast ausschließlich in Englisch und zumeist in New York oder Chicago.
Ferner erscheinen gute Aufsätze von Experten häufig - wenn überhaupt - nur in der sog. 'grauen Literatur', also in universitätsinternen Publikationen, die im Handel nicht erhältlich sind.
Es wäre interessant zu erfahren, welcher ethnischen Gruppe Du selbst angehörst.
Deinen Patriotismus in alle Ehren, aber angesichts Deiner Beiträge zur Frage, ob Namen absichtlich zu dirkriminierenden Zwecken "unrichtig" geschrieben werden, habe ich schon den Eindruck, dass Du etwas zu voreingenommen bist.
Wenn Du Dir und Deinem Land einen Gefallen tun möchtest, rate ich dringend davon ab, überall nur Feinde zu wittern.
Grüße,
Zeppelin
Grüße
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)