kirchlich Heiraten in Moskau

Du willst eine russisch-deutsche Ehe eingehen, die allgemeinen Tipps im Internet helfen Dir aber nicht mehr weiter? Oder Du bist schon russisch-deutsch verheiratet und hast einen guten Rat für andere binationale Ehen? Dann melde Dich hier zu Wort!
sbj

kirchlich Heiraten in Moskau

Beitrag von sbj »

Hallo zusammen,
ich wollte euch mal fragen, ob Ihr mir Tipps geben könnt, wie man eine kirchliche Hochzeit in Russland vorbereitet. Meine Frau ist Russin und ich Deutscher.

Wir sind bereits in Deutschland standesamtlich getraut und möchten eine kirchliche Hochzeit in Moskau feiern.

Ich hab nur leider keinen Überblick was ich alles an Papieren benötige.

Könnt Ihr mir Tipps geben. Danke.

Grüße

Björn
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Dietrich
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Beitrag von Dietrich »

Was Papiere betrifft, weiss ich nicht.
Allerdings braucht deine Frau einen sehr sehr guten Draht zu "ihrer Kirche", denn soweit ich weiss sind die sehr eigen, was solche gemischten Trauungen betrifft. Denn ich nehme an, du bist nicht russ. orthodox...

Meine Frau haette vor 3 Jahren auch gerne hier in RU kirchlich geheiratet. Aber da ich Protestant bin, ging das wohl nicht....
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Kultgrieche
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Beitrag von Kultgrieche »

Ich selber bin griechisch-orthodox, meine Ehefrau russisch-orthodox. Wir beide haben in Nishnij Nowgorod kirchlich, also russisch-orthodox, geheiratet.
Guter Draht zur Kirche, von dem Dietrich sprach? Nö, war nicht notwendig, nur Rubelscheine für Chorgesang, Glockengeläut etc. Ist auch richtig so.
Dokumente? Wollte der Pope von keinem von uns sehen, er hat uns aufs Wort geglaubt, dass wir orthodoxe Christen sind. "Wenn ihr gelogen habt, dann habt ihr nicht mich, sondern Gott belogen. Was soll ich mit Dokumenten?" - Die gleiche Ansicht vertrat auch der Pope, der unseren Sohn in der russisch-orthodoxen Kirche in Wiesbaden getauft hatte, auch ihn haben unsere eigenen Taufurkunden und die Heiratsurkunde nicht interessiert.

Jetzt zum Formellen: Zwischen der katholischen Kirche und dem ökumenischen Patriarchat, das stellvertretend für allen anderen Patriarchate unterzeichnet hat, existiert ein Abkommen über die gegenseitige Anerkennung der Sakramente. Darüber hinaus kann ein Katholik von einem orthodoxen Popen getraut werden (und umgekehrt ein orthodoxer Christ bei einem katholischen Priester), was dann in der katholischen Kirche annerkannt wird. Mein Vater - Katholik - hat auf Grund dieses Abkommens 1974 meine Mutter - griechisch-orthodox - in Köln in der griechisch-othodoxen Kirche geheiratet.
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manuchka
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Beitrag von manuchka »

sbj - Kultgrieche hat Recht und Dietrich ausnahmsweise nicht, viel ist da nicht zu organisieren. Und soweit ich weiß, trauen die Orthodoxen auch gemischt-konfessionelle Paare unter der Bedingung, dass
- beide getauft sind und christlichen Kirchen angehören (mit Muslimen z.B. wird eine Trauung nicht vollzogen, und manche Freikirchen werden auch nicht als Kirche anerkannt, sondern als Sekte)
- einer der Ehepartner orthodox ist
- dass die Kinder orthodox getauft und erzogen werden (was dann aber letztlich in der Praxis ja keiner kontrollieren kann - wird oft auch nicht explizit verlangt, manchmal muss man da aber sogar was unterschreiben)
- das Paar die Erlaubnis vom zuständigen Bischof hat (archirej).

Aus diesem Grunde hat man das gemeinsame Abendmahl während der Trauung durch das bloße (symbolische) Trinken von Wein aus einem Kelch ersetzt, damit eben auch Christen, die offiziell keine Abendmahlsgemeinschaft mit der orthodoxen Kirche haben, mit einem orthodoxen Partner getraut werden können.

Am besten trifft man sich einige Zeit (ein paar Tage/Wochen, wie es halt möglich ist) vor der Trauung mal mit dem Priester, der das Paar oder einen von beiden kennt und die beiden trauen soll, mal zum Gespräch. Wenn ihr keinen bekannten Priester habt, könnt ihr im Prinzip in einer x-beliebigen Kirche eine Trauung "bestellen", das kostet bissel Geld - je nach Kirche und je nachdem, ob ihr - wie Kultgrieche schon sagte, auch eine Chor oder so dazu haben wollt (zwischen 1000 und 3000 Rubel). Außerdem kann man dann Traukerzen und ein Tuch kaufen (oder zur Trauung eigene mitbringen). Manchmal wollen sie die Eheurkunde sehen, in der Regel schreiben sie nur die Namen auf. Möglicherweise wird gefragt, ob der nichtorthodoxe Ehepartner getauft ist. Den Termin kann man oft recht kurzfristig vereinbaren, gerade wenn es keine große, überlaufene, für Hochzeiten beliebte Kirche ist.

Du hast nicht geschrieben, wann ihr kirchlich heiraten wollt - beachten solltet ihr, dass während den Fastenzeiten keine Trauungen stattfinden (also nicht jetzt bis Ostern am 8.4., nicht vom 4.6. bis 9.7., nicht vom 14.8. bis 27.8. und nicht vom 28.11. bis 6.1.), außerdem auch nicht samstags und dienstags und donnerstags und an einigen besonderen Feiertagen. Aber das wird man euch in der Kirche sagen. Besonders beliebt sind Trauungen in der Woche nach Ostern.

Anmerkung: Ich hab noch mal nachgelesen - gemischt-konfessionelle Paare müssen für eine Heirat in der orthodoxen Kirche die Erlaubnis des zuständigen Bischofs einholen (siehe oben, ergänzt). Wie und wo man das macht, weiß ich leider nicht, aber dazu sollte eben auch der Priester Auskunft geben können, der euch trauen soll.
Zuletzt geändert von manuchka am 28 Feb 2007, 13:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Dietrich
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Beitrag von Dietrich »

Vielleicht moegen die auch einfach die Protestanten nicht.... man weiss ja nie. Ich frage nochmal bei meiner Frau nach....
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manuchka
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Beitrag von manuchka »

Dietrich, für Protestanten (zumindest "richtige" :wink: keine Freikirchler) gilt das Gleiche wie für Katholiken (siehe oben), sie können in der orthodoxen Kirche mit einem orthodoxen Partner getraut werden unter der Bedingung, dass die Kinder orthodox getauft und erzogen werden. Aber andersrum erkennt die orthodoxe Kirche in dem Fall eine protestantische Trauung nicht an.

Hier gibts im ersten Teil des Interviews Antworten zum Thema: http://orthodoxy.org.ua/ru/node/1860 und ich muss oben meinen Beitrag korrigieren, weil es wohl doch nicht ganz so einfach mit interkonfessionellen Trauungen ist, wie ich dachte - dafür braucht man die Erlaubnis des Bischofs.
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Oblomski

Beitrag von Oblomski »

manuchka hat geschrieben:Du hast nicht geschrieben, wann ihr kirchlich heiraten wollt - beachten solltet ihr, dass während den Fastenzeiten keine Trauungen stattfinden (also nicht jetzt bis Ostern am 8.4., <...> Besonders beliebt sind Trauungen in der Woche nach Ostern.
Stimmt nicht ganz. Die Woche nach Ostern (=die "lichte Woche") finden auch keine Trauungen statt. Erst ab dem ersten Sonntag nach Ostern (= Thomassontag, Antipascha, "Krasnaja gorka") sind sie erlaubt.
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manuchka
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Beitrag von manuchka »

ok tut mir leid, verwechselt.
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Glider
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Beitrag von Glider »

Zum Thema Konfession des Kandidaten eine kleine Anekdote:
Mein Schwiegerneffe wollte, dass ich die Patenschaft für seinen Sohn übernehme.
Es tauchte natürlich die Frage nach der Konfession des Paten auf, die mit röm.-katholisch angegeben wurde.
Der Pope in Svetlogorsk hat mich dann bei der Taufe des Kleinen vorher ersteinmal umgetauft. Sicher ist sicher!
Irgendeine Dokumentation gabs für keinen der anwesenden Täuflinge dort. Es war eine faszinierende Veranstaltung...
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