Mit der Faehre MS Translubeca nach St. Petersburg

Erlebinsse einer Wolga-Kreuzfahrt und Abenteuer-Reisen nach Kamtschatka können hier diskutiert werden. Aber natürlich auch, ob Aeroflot die wirklich günstige Flugverbindung nach Moskau ist.
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Andy
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Mit der Faehre MS Translubeca nach St. Petersburg

Beitrag von Andy »

Reisebericht: mit Translubeca von Luebeck nach St. Petersburg

Nachdem wir einige Monate in Deutschland verbrachten wollten wir mit unserem (in Russland zugelassenen) Auto wieder nach Moskau zurueckkehren. Die direkte Route ueber Polen und Weissrussland wollten wir nicht nehmen. Mir graut vor so einer langen Fahrt. Im Herbst hatten wir die Faehre von Hangko (Finnland) nach Rostock genommen. Der Vorteil war – nur 24 Stunden auf dem Schiff. Der Nachteil: 3 Uebernachtungen, jeweils in St.Petersburg, Helsinki und Rostock.
Diesmal suchten wir eine Alternative und stiessen im Internet auf die Faehre “Translubeca” von Luebeck direkt nach St.Petersburg. Eigentlich eine LKW-Faehre, sie nimmt aber eine begrenzte Anzahl von Passagieren mit PKW mit. Abfahrt sollte Samstag abend in Luebeck, Ankunft Dienstag morgen in St.Petersburg sein. Sehr praktisch – am Samstag vom Ruhrgebiet nach Luebeck fahren, dann zwei volle Tage gemuetlich auf der Faehre verbringen und am Dienstag von St. Petersburg nach Moskau fahren. Den Preis mussten wir aber verdauen – 912 Euro fuer zwei Personen mit PKW inklusive Vollpension. Die Faehre von Rostock nach Hangko waere guenstiger, dafuer muessten wir aber wieder einige Uebernachtungen einplanen.
Schliesslich ging es Mitte Februar los. Fahrt nach Luebeck, Einchecken am Lehmannkai. Da noch Zeit blieb machten wir einen Ausflug nach Travemuende mit Abendessen. Dann zwei Tage auf der Faehre. Die Kabine war sehr geraeumig und gemuetlich. Die Verpflegung – ordentliche Hausmannkost. Ein lustiger philippinischer Kost und sein freundlicher russischer Gehilfe sorgen fuer nette Atmosphaere. Noch gibt es eine Sauna mit kleinem Pool. Neben dem Restaurant war abends und nachmittags die Bar geoeffnet. Generell hat alles nicht die Atmosphaere einer Luxuskreuzfahrt, sondern eher eines kleinen einfachen Hotels, auf dem es gemaechlich zugeht. Neben uns gab es noch ein deutsches Ehepaar, das mit Motorraedern unterwegs war. Sie wollten von Petersburg weiter nach Murmansk – na, wem`s Spass macht im Februar. Ansonsten etwa 40 russische LKW-Fahrer. Nette, ruhige Leute.
Dienstag morgen wachten wir auf einmal auf: der Motor hatte ploetzlich gestoppt, wir standen. Ein Blick aus dem Fenster: rundum Eis. In etwa 3 km Entfernung die Insel Kronstadt.
Wegen schwerem Eisgang gab es nur eine Fahrrinne in den Hafen, und diese war jetzt nur fuer den auslaufenden Verkehr geoeffnet. Erst um ein Uhr ging es weiter. Wir kamen nicht im Faehrhafen, sondern im Gueterhafen an. Was sich dann noch als Problem herausstellen sollte. Pass- und Zollkontrolle erfolgte an Bord. Was wiederum einige Stunden dauerte. Schliesslich rollten wir erst um sieben Uhr abends von Bord. Aber das war noch nicht alles. Am Hafentor fragte man uns nach einem “materialnij propusk” fuer das Auto und das Gepaeck. Was? Wie? Schliesslich schickte man uns zurueck zu einem Verwaltungsgebaeude. Dort mussten wir etliche Dolumente ausfuellen, eine weitere Zollbeschau ueber uns ergehen lassen und bekamen nach knapp einer Stunde das ersehnte Dokument. Wie man das aber ohne russische Sprachkenntnisse schaffen soll, bleibt mir ein Raetsel.
Wir entschlossen uns, doch noch ein Stueck Richtung Moskau zu fahren. Die Strassen waren aber in einem katastrophalen Zustand. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h krochen wir bis zum Waldai und uebernachteten praktisch auf halber Strecke. Im Herbst war die Strecke noch prima. Damals nervte eher zu viel Verkehr. Aber diesen Unterschied von Herbst zu Winter haette ich doch nicht erwartet. Besser wurde es dann ab Tver. Mittwoch abend waren wir endlich in Moskau.
Fazit: Faehre teuer, aber empfehlenswert. Im Sommer wahrscheinlich sehr schoen. Auf Probleme im Hafen muss man sich einstellen. Die Reederei sollte hier die Passagiere im voraus informieren.
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manuchka
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Beitrag von manuchka »

Danke für den Bericht! Ich wusste nicht, dass es eine Fähre von Lübeck nach Spb gibt.
Du erntest, was du säst.
Frank

Beitrag von Frank »

Hallo Andy,

wir haben im Sommer die Fähre von Saßnitz nach Piter gebucht und wollen von dort mit Wohnmobil weiter. Ich hoffe, dass es auch im Sommer noch so gemütlich zugeht, wie von dir beschrieben.
Unklar ist mir aber das auch für dich überraschende Dokument “materialnij propusk”. Was ist das nun wieder? Ist das obligatorisch für alle Fährpassagiere mit eigenem Auto? Kann man diesen Propusk auch schon irgendwie in Deutschland vorbereiten/beschaffen/ausfüllen? Was ist der Inhalt dieser Bescheinigung? Kurzum: was sollte man tun, um nicht den ganzen Tag in Piter mit dem Ausfüllen von Formularen zuzubringen, zumal unser Behördenrussisch nicht wirklich gut ist. Danke schon im Voraus.

Frank
Andy
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Beitrag von Andy »

Hallo Frank,
in diesem Frachthafen stehen Tausende von unverzollten Containern herum. Dieser "propusk" soll den Waechtern am Tor zeigen, dass Ihr nix geklaut habt und keine unverzollte Handelsware ins Land schleppt. Ihr muesst zuerst zum Vertreter der Reederei, der sich dort in einem Buerocontainer nicht weit schon Anlegeplatz befindet. Dort zeigt Ihr Eure Tickets, Paesse und Zulassungspapiere fuers Auto. Er macht Euch einige Papiere fertig und bringt Euch zum Zoellner. Unser Zoellner war nett und ziemlich cool. Der Zoellner kontrolliert Euer Auto und macht eine Aufstellung des Gepaecks. Mit dieser Liste bekommt Ihr dann im Hafenbuero (befindet sich alles zusammen in diesen Containern) den propusk. Die Russen sind eigentlich sehr tolerant was die Einfuhr von privatem Krempel angeht. Zwar ist das Gewicht auf 35 kg pro Person begrenzt, aber das wird nicht so eng gesehen. Und selbst wenn, die Zollgebuehren sind nicht hoch. Es geht dem Zoll vor allem darum, dass keine Handelsware ins Land geschleppt und als Privatgepaeck deklariert wird. Also nemmt nicht 10 neue Fernseher oder 5 Pelzmaentel mit :)
Ich rate Euch, vorher eine relativ genaue Aufstellung Eures Gepaecks und Inventars der Wohnmobil zu machen. In russisch, versteht sich.
Ausserdem Klamotten in Koffer oder Taschen zu packen und in die Aufstellung aufnehmen als "1 Koffer persoenliche Kleidung".
Ansonsten gilt: cool, freundlich und gedulgig bleiben. Dann klappt alles. Ich hoffe, ich konnte Euch etwas helfen.
Frank

Beitrag von Frank »

Hallo Andy,
vielen Dank für die schnelle Antwort und die gegebene "Entwarnung". Wir sind für ca. 6 Wochen unterwegs und wollen doch ein paar Dinge auch als kleine Geschenke für unterwegs mitnehmen, wie 0,1l-Fläschchen Schnaps oder eingeschweißten Schinken etc., vielleicht auch eine Palette Büchsenbier. Siehst du das als Problem an? Öffnen die Zöllner u.U. auch die Koffer und durchstöbern alles - nicht, dass wir etwas schmuggeln wollten, aber vielleicht ist ja nicht jeder Zöllner so cool wie eurer. Und ein Wohnmobil hat ja nun einmal wesentlich mehr Stauraum, Fächer und Schübe usw....
:roll:
Andy
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Beitrag von Andy »

Frank, ich habe in letzter Zeit selten erlebt, dass russische Zoellner die Koffer durchwuehlen. Das scheint eher eine Domaene deutscher Zoellner zu sein .... Aber ausgeschlossen ist das nicht. Was Lebensmittel angeht, da darfst Du schon einiges mitnehmen. Allerdings gibt es in Russland ALLES einschliesslich Parmaschinken und Dosenbier in allen Marken. Schnaps ist auf 2 Liter pro person begrenzt. Ich hoffe, wir sehen im Forum einen Reisebericht im Sommer ?
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Zejtnot
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Beitrag von Zejtnot »

Andy hat geschrieben:Allerdings gibt es in Russland ALLES einschliesslich Parmaschinken ...
Richtiger vernünftiger Schinken ist in Russland nicht sonderlich verbreitet! Findet man nur in teuren Spezialitätenläden. Insofern ist das schon ein prima Geschenk ... also meine russische Verwandtschaft freut sich sehr, wenn das die deutsche Sippe mitbringt!
Frank

Beitrag von Frank »

Andy, dass es insbesonder in den Großstädten, und dabei denke ich speziell an Moskau, praktisch alles gibt, was des Feinschmeckers Gaumen begehrt, habe ich mit eigenen Augen gesehen - und darüber nicht schlecht gestaunt. (Sieh es mir bitte nach, denn darüber erfährt man nichts in den Medien...) Da ich aber nach Sibirien und nach Kasachstan will, denke ich, dass solche Dinge dort durchaus von Interesse sein könnten, denn schon in Irkutsk sah es nicht mehr so besonders gut mit dem Angebot aus. Und der Schnaps ist als "give away" gedacht, denn ich will ja keinen "Samowar nach Tula" tragen, wie es so schön schon an anderer Stelle im Forum hieß.

Der Reisebericht ist versprochen - freue mich selbst schon riesig darauf!

Frank
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