Frage zu üblichen Bewerbungsweisen für Jobs u.a. in RUS

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Zeppelin
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Frage zu üblichen Bewerbungsweisen für Jobs u.a. in RUS

Beitrag von Zeppelin »

Hallo zusammen.

Wer von Euch kann mir verraten, wie in RUS die gängige Art und Weise ist, sich um einen Job oder auch um Fördergelder oder Stipendien o.ä. zu bewerben?

Hintergrund meiner Frage ist, dass sich aus meinem russländischen Bekannten- und Freundeskreis hier in D immer wieder Leute recht hilflos an mich wenden, wenn sie sich um irgend etwas des o.g. bewerben wollen oder müssen und mich dabei um Hilfe und Unterstützung bitten.

Das ist für mich eigentlich kein Problem, weil ich dafür ausgebildet bin und lange Jahre in der Personal- und Organisationsentwicklung und ähnlichen Bereichen gearbeitet habe, die viel mit irgend welchen Bewerbungen zu tun haben.

Hier ist es ja zu fast 98% so, dass man
a) so etwas schriftlich macht und
b) für so ziemlich alles was man im Leben mal gemacht hat irgend welche Belege, Nachweise, Zeugnisse, Zertifikate etc. bekommt, die man als Referenzen verwenden kann und auch muss.

In RUS scheint mir dies nur sehr begrenzt so üblich zu sein, da die Leute (die ich oben nannte), meistens nur ihre Schul- und Studienzeugnisse in der Hand haben, aber keine Nachweise für bereits geleistete Arbeiten etc.

Da steht man dann hierzulnade ganz schön auf dem Schlauch.
Ich frage mich daher, wie das ganze Bewerbungswesen in RUS wohl funktioniert. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass das alles nur durch persönliche Beziehungen, durch Zurufe aus dem Bekanntenkreis und mündlich bzw. persönliche Vorsprache funktioniert.

Wenn Ihr mir also etwas dazu sagen kann, wie das so läuft, wäre ich ganz dankbar. Meine Frau konnte mir dazu keine brauchbaren Antworten geben, weil sie die wirkliche Berufspraxis dort nie selbst kennen gelernt hat.

Als Lehrerin hätte man sie wohl von Ihrer Hochschule aus an irgend eine Schule zugewiesen oder ihr zumindest Vorschläge gemacht, wo man sie "einsetzen" könnte.
Und in ihrem Familien- und Bekanntenkreis haben die Leute ihre Jobs alle irgendwie durch "Beziehungen" bekommen.

Grüße und Dank im Vorraus,
Zeppelin
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zimdriver
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Re: Frage zu üblichen Bewerbungsweisen für Jobs u.a. in RUS

Beitrag von zimdriver »

Zeppelin hat geschrieben:Hallo zusammen.

Wer von Euch kann mir verraten, wie in RUS die gängige Art und Weise ist, sich um einen Job ...zu bewerben?
......
In RUS scheint mir dies nur sehr begrenzt so üblich zu sein, da die Leute (die ich oben nannte), meistens nur ihre Schul- und Studienzeugnisse in der Hand haben, aber keine Nachweise für bereits geleistete Arbeiten etc.
....
Jobs: Wie in der gesamten Welt durch Blindbewerbungen, Personalagenturen, Empfehlungen von Bekannten und Freunden und durch Ansprache durch headhunter
Zeugnisse: Qualifiziertes Personal hat Arbeitszeugnisse. Facharbeiter haben meist irgendwelche Zertifkate wie Schweißerpaß, Staplerpass, Berechtigungen zum Führen von irgendwelchen Maschinen, Ausbildungsdiplome irgendwelcher Weiterbildungseinrichtungen usw. Alle haben das sogen. Arbeitsbuch (trudovaya knizhka), denke ich, vielleicht zu vergleichen mit dem früheren SV- Buch. Da steht die Karriere drin.
Weiterhin ist es durchaus sehr üblich, Telefonnummern von Referenzen anzugeben, die der potentielle AG anrufen kann.
fremantle

Beitrag von fremantle »

Also meine Freundin und mein Kollege haben es in der Architekturbranche so gemacht:

- Im Internet auf einschlägigen Jobseiten, die es zu hauf wohl gibt, nach interessanten Angeboten gesucht
- Dort angerufen und um einen Vorstellungstermin gebeten
Und haben zu diesem Termin mitgenommen:
- Lebenslauf natürlich, eventuell auch Bewerbungsschreiben/Motivationsschreiben
- das Arbeitsbuch
- die Zeugnisse bzw. das Notenbuch der Uni (da z.T. noch Student)
- die wichtigsten Projekte, an denen sie in der Uni oder in bisherigen Büros gearbeitet haben als Kostprobe
- sowie auf USB-Stick oder ähnlichem Datenträger ebenso aussagekräftige Arbeitsproben, die dann zusammen mit dem Chef angesehen oder auch dortgelassen wurden zur Überprüfung.

Ich als Deutscher hab es auch so gemacht, aber da haben Arbeitsproben (digital und analog) sowie Lebenslauf mit englischem (konnte damals noch gar kein Russisch) Anschreiben gereicht, denn den Rest hab ich ja als Deutscher nicht bzw. könnte eh niemand lesen und richtig interpretieren.

Das Arbeitsbuch sollte vollständig sein. Falls da mal plötzlich mehr als ein Monat fehlt, gibt es angeblich unangenehme Nachfragen, wurde mir gesagt - so ähnlich wie man bei uns ja auch Lücken des Lebenslaufs irgendwie erklären können sollte.
Falls betreffende Person frisch von der Uni kommt und noch kein Arbeitsbuch hat - diese werden bei ersten Job automatisch von der Personalabteilung ausgestellt. (Lustigerweise hat meine Süßeste noch vor einem Jahr eins mit den Insignien der SU vorne drauf bekommen :) )
Zeppelin
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Re: Frage zu üblichen Bewerbungsweisen für Jobs u.a. in RUS

Beitrag von Zeppelin »

zimdriver hat geschrieben:Jobs: Wie in der gesamten Welt durch Blindbewerbungen, Personalagenturen, Empfehlungen von Bekannten und Freunden und durch Ansprache durch headhunter
Zeugnisse: Qualifiziertes Personal hat Arbeitszeugnisse. Facharbeiter haben meist irgendwelche Zertifkate wie Schweißerpaß, Staplerpass, Berechtigungen zum Führen von irgendwelchen Maschinen, Ausbildungsdiplome irgendwelcher Weiterbildungseinrichtungen usw. Alle haben das sogen. Arbeitsbuch (trudovaya knizhka), denke ich, vielleicht zu vergleichen mit dem früheren SV- Buch. Da steht die Karriere drin.
Weiterhin ist es durchaus sehr üblich, Telefonnummern von Referenzen anzugeben, die der potentielle AG anrufen kann.
Oh danke Zimdriver,
das erklärt schon mal einiges.
Wenn ich es richtig verstehe, bekommt man ein qualifiziertes Arbeitszeugnis - oder auch eines z.B. über eine ehrenamtliche Tätigkeit o.ä. - wohl nur dann, wenn man sich selbst darum kümmert; also die zuständige Stelle dazu bewegen kann, einem schriftlich zu bestätigen, nicht nur DASS, OB und WANN man etwas gemacht hat, sondern auch WIE?
Andernfalls muss man sich allein auf das berufen, was man im Rahmen des von Dir Genannten belegen kann, oder eben auf anderweitige - von Außenstehenden nachvollziehbare - selbst erbrachte Leistungen, die man ggf. vorweisen kann.

Daher kann ich nur allen raten, die sich in irgend einer Form (kürzer oder länger und in welchem Gebiet auch immer) in die Welt der sog. westlichen Industrienationen begeben wollen, sich selbst über eine 'Kleinigkeit' wie z.B. der Mitwirkung in der Fußballmanschaft der Schule, einer Ferientätigkeit auf dem Bau, einem Praktikum im Studium oder auch nur einer rein hobbymäßigen Nebentätigkeit als Stadtführerin für Touristen irgenwie bescheinigen zu lassen.
Die gilt aber eigentlich auch für eine Zukunft, die man sich in RUS aufbauen möchte. Jedenfalls schadet man sich damit nicht, hat aber fü den Bedarfsfall etwas in der Hand.

Letzteres schrieb ich nur deshalb, weil es erfahrungsgemäß sehr schwierig ist, sich solche Zeugnisse nachzubeschaffen - weil man nach kurzer Zeit längst verfessen ist, niemand mehr da ist, der sich an einen erinnert o.ä.

Ich schreibe dies vor dem Hintergrund, dass es selbst mir relativ schwer fällt, mir aus den oft für mich kaum nachvollziehbaren Schilderungen der Leute, denen ich dabei helfen möchte, einen schlüssigen und aussagefähigen Lebenslauf zusammenzubasteln oder gar Eigenbelege über Lebensstationen aus den oftmals sehr wortreichen Erlebnisberichten der Betroffenen zu exzerpieren.

Grüße,
Zeppelin
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fremantle

Beitrag von fremantle »

Also in meinem Büro in Petersburg haben sie zuerst komisch gekuckt, als ich am Ende des ersten Praktikums dort eine Einschätzung haben wollte. Dann sollte ich es selber schreiben, der Chef hat es sich durchgelesen, noch ein paar Sachen angefügt und per Stempel und Unterschrift offiziell gemacht.

Und nun kommt das immer ganz automatisch auch für alle anderen Kollegen.
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zimdriver
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Re: Frage zu üblichen Bewerbungsweisen für Jobs u.a. in RUS

Beitrag von zimdriver »

Zeppelin hat geschrieben:[...
Wenn ich es richtig verstehe, bekommt man ein qualifiziertes Arbeitszeugnis - oder auch eines z.B. über eine ehrenamtliche Tätigkeit o.ä. - wohl nur dann, wenn man sich selbst darum kümmert; also die zuständige Stelle dazu bewegen kann, einem schriftlich zu bestätigen, nicht nur DASS, OB und WANN man etwas gemacht hat, sondern auch WIE?...
Ist das in D anders???
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Re: Frage zu üblichen Bewerbungsweisen für Jobs u.a. in RUS

Beitrag von Zeppelin »

zimdriver hat geschrieben:Ist das in D anders???
Ich sag's mal so:
Weil es üblich, 'selbstverständlich' und rechtlich abgesichert ist, muss man sich in D (ich rede hier nicht von der Ex-DDR) eigentlich nur in Ausnahmefällen mit besonderem Nachdruck um (qualifizierte) Zeugnisse bemühen.
Man tut jedoch immer gut daran (und sich selbst einen Gefallen), wenn man der entsprechenden Unternehmung/Institution etc. schon mal einen Entwurf für ein Zeugnis zur Verfügung stellt, dass diese dann entweder einfach autorisiert oder mit wenig Aufwand so abändern kann, wie sie es für vertretbar hält.
Der Grundsatz im Arbeitsrecht besagt jedoch, dass ein Zeugnis auf keinen Fall Formulierungen enthalten darf, die dem weiteren Erwerbsleben des Beurteilten offenkundig entgegenstehen. - M.a.W., auch wenn man begründeten Anlass zu massiver Kritik vermutet, darf man sich mit einem Zeugnis nicht "rächen" für (vermeintliches oder tatsächliches) Fehlverhalten des Beurteilten.
Zulässiges Maximum ist, dass man seinen Unmut über den Beurteilten nur hochgradig verschlüsselt formuliert zum Ausdruck bringen darf.
Ansonsten riskiert man als Unternehmen eine teure Schadenersatzforderung des Betroffenen, zu der man per Gericht schlicht und einfach verknackt wird.

Aber das ist ja auch nicht das Thema meiner Frage. Es geht nicht um die gängige Prraxis in D oder sonstwo, sondern um das, was ich gefragt hatte!

Auf die sonstigen bishreigen Antworten konnte ich noch nicht eingehen, hole dies aber nach, wenn Zeit dafür ist.

Grüße,
Zeppelin
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Beitrag von Zeppelin »

fremantle hat geschrieben:Also in meinem Büro in Petersburg haben sie zuerst komisch gekuckt, als ich am Ende des ersten Praktikums dort eine Einschätzung haben wollte. Dann sollte ich es selber schreiben, der Chef hat es sich durchgelesen, noch ein paar Sachen angefügt und per Stempel und Unterschrift offiziell gemacht.

Und nun kommt das immer ganz automatisch auch für alle anderen Kollegen.
Ich danke Dir für Deine Fallschilderung! :blumen2:
Das komische Gucken kenne ich im umgekerten Fall aus den Augen der Leute, die ich manchmal betreue. :?

Und Du bestätigst ja, dass es offenbar nicht (überall) in RUS usus ist, am Ende einer Tätigkeit ein Zeugnis auszustellen, bzw. ein solches zu verlangen.

Ebenso ist die von Dir gewählte Lösung natürlich goldrichtig: Schreibt man selbst schon einmal einen Entwurf für das, was man bestätigt haben möchte, spart man der Firma/Institution/Einrichtung, die man verlässt, schon mal eine Menge Arbeit.
Selbstverständlich wird so etwas nur selten 1:1 übernommen, aber im Normallfall gibt es dann nur noch geringfügige Ergänzungen.

Mit einem russländischen Arbeitsbuch allein weiß man hierzulande wenig anzufangen. Das ist letzlich nicht mehr als eine Verifizierung der Daten in einem chronoligischen Lebenslauf.
Aber da steht halt nicht drin, WAS man tatsächlich WO und vor allem WIE man es gemacht hat.

Grüße,
Zeppelin
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Beitrag von fremantle »

Zeppelin hat geschrieben:Mit einem russländischen Arbeitsbuch allein weiß man hierzulande wenig anzufangen. Das ist letzlich nicht mehr als eine Verifizierung der Daten in einem chronoligischen Lebenslauf.
Aber da steht halt nicht drin, WAS man tatsächlich WO und vor allem WIE man es gemacht hat.
Zeppelin, wenn ich mich richtig erinnere, war da ein klitzekleine Spalte bei meiner Freundin drin, die zumindest besagte, als was sie dort eingestellt war. Daraus kann man zu mindest ansatzweise schlußfolgern, was für Arbeiten sie dort erledigt hat. (Bin mir aber nicht mehr 100% sicher). Über das WIE war da aber nichts zu finden, stimmt.

In welchem Fall auch immer, sowenig eine russische Gesellschaft mit meinen Abschlußzeugnissen etwas anfangen kann, soviel können deutsche Firmen sicherlich das Arbeitsbuch gebrauchen. Das stimmt...
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Beitrag von zimdriver »

WAS und WO steht sehr wohl drin im russischen Arbeitsbuch, das WIE nicht.
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