2.Teil Umgang mit "ungeliebten" Ausländern in Russ

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manuchka
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2.Teil Umgang mit "ungeliebten" Ausländern in Russ

Beitrag von manuchka »

Edit: Der Anfang der Diskussion ist hier

Simone, Rassismus finde ich auch Mist, aber dein Beitrag klingt ein wenig marktschreierisch - du hast einiges in einen Topf geschmissen, was da nicht zusammen passt, und dann mal kräftig umgerührt. :wink:

GUS-Ausländer, auch die, die vorher illegal in Russland waren, können nun nach den neuen Gesetzen seit 15.1. ohne großen Aufwand innerhalb von wenigen Tagen eine generelle (d.h. nicht an einen bestimmten Arbeitgeber gebundene) Arbeitserlaubnis und eine zunächst befristete Aufenthaltserlaubnis bekommen. Wenn sie sich nicht selber drum kümmern wollen, macht das eine Agentur für 5.000 Rubel - und die bezahlt oft noch der Arbeitgeber. Diese Gesetze sind also nicht auf die Verdrängung oder Abschiebung von GUS-Ausländern gerichtet. Der russische Staat weiß schon, dass er auf die billigen Arbeitskräfte nicht verzichten kann - er will die aber kontrollieren und nicht zusehen, wie unversteuerte Gelder ins benachbarte Ausland abwandern. Nachvollziehbar, oder?
Und auch die GUSler dürften ein Interesse daran haben, einen legalen Aufenthaltsstatus zu haben, pflichtkrankenversichert zu sein (darum muss sich nämlich der Arbeitgeber jetzt kümmern) und unter die Arbeitsgesetze zu fallen. Und der Staat hat nun ein Auge auch auf die abgeführten Steuern (und damit auf die Löhne).
Es ist also fraglich, ob deine Kritik an den neuen Gesetzen zumindest in Bezug auf die GUS-Ausländer berechtigt ist. Schlecht sind die nämlich in erster Linie für Arbeitgeber, die viel Leistung für minimalste Löhne wollen, keine Steuern und keine Sozialabgaben für ihre Arbeitnehmer zahlen.

Mein Mann ist sich nicht zu fein für körperliche Arbeit, aber von solchen Hungerlöhnen kann man nun mal als Moskauer in Moskau, noch dazu mit Familie, nicht leben. Für die Ausländer sind diese Ausbeuterlöhne immer noch viel Geld im Gegensatz zu den Löhnen, die sie zu Hause bekämen und weil sie in Moskau kaum Ausgaben haben. Usbeken und Tadschiken auf dem Bau kriegen 1 $ pro Stunde bei einem 12-Stunden-Tag und wohnen kostenlos in Containern auf dem Baugelände. Die arbeiten eine Saison und gelten in ihrer Heimat dann als reich. Dafür sind es ungelernte Arbeiter, Hirten und Bauern, die oft kaum russisch sprechen. Welche Arbeiten machen solche Menschen den in Deutschland?

Was nun die ungeliebten Ausländer betrifft, so sind das eher solche wie du und ich - denn für uns aus dem Westen ist es nach wie vor ein tierischer Aufwand, Arbeits- und Aufenthaltserlaubnisse zu bekommen.

Zu den Märkten: Richtig ist, dass Ausländer seit 1.4. nicht mehr als Verkäufer auf Einzelhandelsmärkten arbeiten dürfen. Es hindert sie aber keiner daran, ihr Geschäft legal anzumelden, einheimische Verkäufer einzustellen und denen normalen, angemessenen Lohn zu zahlen.
Diese Vorschrift ist recht krass, hat aber auch einen Hintergrund: oft (nicht immer) gelingt es einheimischen (russischen) Bauern oder Farmern, z.B. aus den angrenzenden Oblasten, nicht, auf die russischen Lebensmittelmärkte vorzudringen - denn die sind fest in der Hand vor allen von azerbaidschanischen und anderen Gruppen, die entsprechend auch die Preise bestimmen. Wusstest du z.B., dass diese Leute für einen Spottpreis Obst und Gemüse von den einheimischen Bauern und Farmern aufkaufen? Das Kilo Tomaten wird in Moskau dann für den fünffachen Preis weiterverkauft! "Na dann sollen die Bauern den Großhändlern doch nix verkaufen!" Auf die Märkte lässt die aber keiner, oder sie haben nicht die Möglichkeit hinzufahren - und von irgendwas müssen sie leben oder eben die Ernte wegschmeißen. Nach Kaluga und so fahren die Moskauer nun mal nicht zum Einkaufen.

So, und zum Rassimus: Es ist natürlich schlimm, dass viele schweigend hinnehmen oder sogar begrüßen, dass immer wieder Ausländer ermordet werden. Wir hier haben aber keine Statistik zur Kriminalität von Ausländern, die in Russland wohnen. Und wenn man da einzelnen Berichten glauben darf, ist die wohl recht hoch. Ich will keinen in Schutz nehmen und rassistisches Verhalten auch nicht verteidigen, aber auch dazu gibt es halt eine andere Seite der Medaille - wie in Deutschland auch. Wenn sich nämlich einige Gäste irgendwo dauerhaft daneben benehmen und ihre eigene Hausordnung mitbringen, als wären sie die eigentlichen Hausherren, gucken sich letztere das vielleicht einige Zeit mit an. Irgendwann reicht es aber, und dann kriegen die Gäste eins auf den Deckel. Dass daraus dann eine allgemeine Ablehnung gegen alle Gäste wird, ist sehr traurig, aber leider eben oft Folge.
Zuletzt geändert von manuchka am 12 Apr 2007, 10:59, insgesamt 2-mal geändert.
Du erntest, was du säst.
fremantle

Beitrag von fremantle »

Manuchka,
ich danke Dir für diese ausführliche Darstellung Deiner Meinung zum Marktproblem. Ich kannte bisher nur die Version aus der Presse, unter anderem von Russland Aktuell und hatte mir genau so eine Meinung wie Simone daraus gereimt: der böse Staat wird immer rassistischer. Aber Deine Argumentation klingt einleuchtend und rückt die Situation für mich in ein ganz anderes Licht.
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Oletsch
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Beitrag von Oletsch »

Manu, ich wusste auch nicht, wie genau das mit der Arbeitserlaubnis und den Märkten geregelt ist, und finde es o.k. und bin mit Dir einverstanden. Aber, was Rassismus angeht, bin ich anderer Meinung. Es werden leider öfter andersfarbige geschlagen oder getötet, Afrikaner, Inder etc., und ich glaube nicht, dass sie sich in Russland wie Hausherren benehmen, im Gegensatz zu den "Schwarzen" aus Südrepubliken, die Handel unter Kontrolle haben und dafür gehasst werden. Das Thema ist älter. Ich bin unweit von der Lumumba-Uni aufgewachsen und weiß, WIE die dunkelhäutige Studenten angeguckt wurden. Bei uns in der Schule war ein schwarzes Mädchen, sie wurde nicht für voll genommen. Russland ist halt nicht so kosmopolitisch und Moskau ist nicht London oder Frankfurt. Warum, steht auf dem anderen Blatt, aber das ist Fakt. Das habe ich übrigens im vollen Maße erst nach der Auswanderung realisiert.

Gruß
Oletsch
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manuchka
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Beitrag von manuchka »

Oletsch - wir sind schon einer Meinung, ich hatte mich wahrscheinlich missverständlich ausgedrückt. Nochmals meine Worte bissel anders ausgedrückt:
Einige Gäste (eben z.B. solche aus den Südgebieten) benehmen sich daneben, kontrollieren den Handel, bilden Banden und werden dafür abgelehnt. Leider betrifft diese Ablehnung auch andere Gäste (aus Afrika, Indien etc), die sich nicht daneben benehmen.

Na und dazu kommt wahrscheinlich dann eben auch noch die Ablehnung gegenüber den Fremden an sich, mangelnder Kosmopolitismus, wie du sagst.
Du erntest, was du säst.
MpaK

Beitrag von MpaK »

@ manuchka
Ein super Beitrag. Sehr realistisch und objektiv.

@ Oletsch
Ich glaube du hast nicht so ganz verstanden, was in dem Beitrag zum Ausdruck kam. Ich werde ein Paar Stellen zitieren:

du hast einiges in einen Topf geschmissen, was da nicht zusammen passt, und dann mal kräftig umgerührt.

Ich will keinen in Schutz nehmen und rassistisches Verhalten auch nicht verteidigen, aber auch dazu gibt es halt eine andere Seite der Medaille - wie in Deutschland auch.

Ich denke eine klare Trennung zwischen den gesetzlichen Maßnahmen und Rassismus ist deutlich zu erkennen. Auch die eigene Einstellung ist dabei ausgedrückt worden. Eine andere Einstellung würde dabei die Befürwortung des Rassismus bedeuten. :D

Und eine Frage noch, wie habt ihr denn die dunkelhäutigen Studenten angequckt? Neugier oder Hass? Mann sollte nicht irgendwelche Vermutungen erwecken mit solchen Aussagen.
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Simone
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Beitrag von Simone »

Rassismus finde ich auch Mist, aber dein Beitrag klingt ein wenig martschreierisch - du hast einiges in einen Topf geschmissen, was da nicht zusammen passt, und dann mal kräftig umgerührt. Wink
Manu, lese einfach mal diesen Artikel. Ist der auch marktsschreierisch?
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/ ... nt=1112467

Von der Einschätzung Manus mit der "Arbeitserlaubnis ohne großen Aufwand" kann ich mal meiner ukrainischen Freundin erzählen... Sie hat dafür eine ganze Woche frei nehmen müssen, ca. 1500 Rubel Schmiergeld hingelegt für die ärztlichen Tests. Sie beschrieb die Situation in der zugewiesenen Klinik als chaotisch und sowjetisch. Jetzt hat sie die Arbeitserlaubnis. Der Arbeitgeber war nicht involviert.

Was das Thema "NIEDERE ARBEITEN" anbetrifft, weiß wohl jeder, was gemeint ist. Damit sollte sich niemand persönlich getroffen fühlen. Ich selbst weiß, was das bedeutet, denn ich habe mir so einen Teil meiner Ausbildung finanziert - im Gartenbau.

Den Dreck putzen doch zumindest hier in Moskau fast nur noch die "unbeliebten Ausländer" weg. Und wenn sie auf den Baustellen arbeiten, heißt es doch nur, daß man sie nach Strich und Regeln ausbeuten kann. Man schafft aber die Ausbeutung nicht ab, indem man den Ausländern den Zugang zu ihren Marktständen verbietet. Dazu benötigt man scharfe Kontrollen - überall. Ich glaube auch nicht, daß die Arbeitsbedingungen dieser Leute irgend jemanden interessiert haben, als diese Gesetze verabschiedet worden sind.

Ausbeutung von Menschen ist zweifelsohne negativ, aber der usbekische Markthändler, der zu Hause seine Familie ernähren muß, hat nun Niedriglohn mit Null Lohn tauschen müssen.

Ehrlich gesagt, für mich ist es völlig egal, ob das Kilo Tomaten 100, 200 oder 300 Rubel kostet. Aber für die russischen Niedriglöhner und Rentner sind diese Preise eine schiere Katastrophe. Da beißt sich halt die Katze in den Schwanz.

PS:
Welche Arbeiten machen solche Menschen den in Deutschland?
Die arbeiten z.B. in der Ernte (brandheißes Thema gerade wieder in Deutschland) oder bekommen HartzIV.
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Kundun
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Beitrag von Kundun »

Das mit den ungeliebten Ausländern kommt mir hier in Prag seltsam bekannt vor.....

Hier arbeiten zigtausend Ukrainer als Bauarbeiter, Zimmermädchen, Müllmann, Scheuerfrau usw, dazu noch die Slowaken.
Die Märkte werden von Vietnamesen dominiert, sie stehen eben Sommer und Winter auf der Straße und verkaufen Klamotten und sonstwas.

Viele Tschechen schimpfen auf diese Menschen, aber die Arbeit will keiner machen, die sie verrichten. Es bräche die Wirtschaft zusammen, wenn sie nicht mehr da wären.

Auch hier wurden Gesetze verschärft, was die Arbeitserlaubnisse betrifft. Und so wie Manuchka es schreibt, dient es auch dem Schutz der Arbeiter und richtet sich gegen die Ausbeuter dieser Menschen.
Auf Baustellen arbeiten hier die Ukrainer auch für 1,50 Euro brutto, an sieben Tagen die Woche.
Im Sommer bei 37 Grad im Schatten als Dachdecker, ich glaube, Ihr wißt, was das heißt.

Und das Problem Rassismus kocht anscheinend überall dort hoch, wo soziale Brennpunkte entstehen.
In Tschechien arbeiten z.B. in einer kleinen Stadt zirka 300 Mongolen bei einem Zulieferer von Skoda-VW am Band.
Ringsum dort fanden sich keine tschechischen Arbeitskräfte, warum auch immer. Der Verdienst ist gut, das weiß ich, aber man muß auch Leistung bringen dafür. Das scheint das Problem für meine "Schwejks" zu sein.

Urplötzlich kommt neulich sonntags mehrfach in den Nachrichten, daß die Neonazis am Nachmittag dort eine Demo planen, um gegen die Kriminalität unter den Mongolen zu protestieren. Mehr dazu nicht.

Abends dann der Bericht im TV:
Sowohl Bürgermeister als auch Polizeichef betonen, daß es mit diesen "Gastarbeitern" keinerlei Probleme gab oder gibt. Im Gegenteil, sie hätten sich sehr gut in das öffentliche Leben integriert.
Einwohner meinten vor laufender Kamera, daß sie nicht verstehen, was das Ganze soll. Protestiert haben rund 20-30 Leute.....

Aber die Neonazis hatten es geschafft, vorher quasi eine "Einladung" in die Medien zu kriegen und irgendwie bleibt was im "Gehirn des Volkes" hängen über die bösen Ausländer.

Schlimm, sowas.

Gruß
Kundun
Du wirst erst alt, wenn Dich die Versuchung meidet.
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manuchka
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Beitrag von manuchka »

Simone, danke für den Artikel. Aber da ging es eben nur um die Marktproblematik und die damit verbundenen Einschränkungen (seit 1.4.)und nicht um die ganzen anderen Ausländergesetze, die ab 15.1. gelten.

Übrigens werden bald weder Ibragim, Tafik und Nadir, noch Larissa, Sergej und Ivan auf Moskauer Klamottenmärkten handeln - die sollen nämlich jetzt endgültig weg. http://www.gzt.ru/business/2007/04/11/114009.html

Dass Ukrainer (und Georgier) es schwerer haben, ihre Arbeitserlaubnis zu bekommen, mag daran liegen, dass die Ukraine eine antirussische Politik verfolgt. Da wird vielleicht auf diese Weise zurückgeschlagen. Auf jeden Fall hat deine Bekannte ihre Arbeitserlaubnis in einer Woche bekommen und muss nicht erst zu einer Behörde (Centr Zanjatosti Naselenia) und Papiere einreichen, um von da zwei Wochen später einen Wisch zu kriegen, den man dann in die Föderale Migrationsbehörde für Westausländer trägt (die am Arsch der Welt ist), wo man wieder einen Berg Papiere anschleppen und Schlange stehen muss, um dann im günstigsten Fall 1-1,5 Monate später die Beschäftigungerlaubnis für den Arbeitgeber und dann die Arbeitserlaubnis für den Arbeitnehmer wieder schlangestehend abholen zu dürfen, nachdem man den Gesundheitstest des Arbeitgebers vorgelegt hat (den man während der monatlichen Bearbeitungszeit machen kann). Ich mach diese Prozedur gerade zum zweiten Mal durch (denn eine einfache Verlängerung ist nicht drin) und beneide die GUS-Ausländer ein wenig um das vergleichsweise relativ einfache Verfahren, das jetzt für sie gilt. Über die Aufenthaltserlaubnis, die sie neuerdings in 10 Tagen bekommen, unsereins nach 6-x Monaten, spreche ich gar nicht erst.
Du erntest, was du säst.
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Simone
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Beitrag von Simone »

Die Migrationsgesetze und die seit 1.4. bestehenden Einschränkungen für die Ausländer auf den Märkten stehen im engen Zusammenhang und zielen in die gleiche Richtung.

Was die Arbeitserlaubnis für die Ukrainerin anbetrifft - sie hat eine Woche für das Einholen des Gesundheitszeretifikates benötigt. Für die Arbeitserlaubnis hatte sie ähnlichen Stress, wie Manu beschrieben hat.

Viele Westeuropäer in Russland haben in der Tat leichteren Zugang zur Arbeitserlaubnis, indem alles über den Arbeitgeber und dessen Agentur abgewickelt wird, ohne persönlich aktiv werden zu müssen oder sie arbeiten hier nur auf Basis eines Dienstreise-Visums (häufig anzutreffen bei kleinen Mittelständern).
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