Den' dobry, Grüß Gott und Grüezi !

Wer nicht wie ein Elefant ins Glashaus trampeln möchte, hat hier die Möglichkeit dezent auf sich aufmerksam zu machen. (ist keine Pflichtveranstaltung) Herzlich Willkommen!
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manuchka
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Beitrag von manuchka »

Hab übrigens mal einen Teil der Beiträge, die sich um den Wandel in Russland drehen, hierhin verschoben, damit wir nicht den Vorstellungsbeitrag zuschreiben: http://www.aktuell.ru/forum/viewtopic.p ... highlight=
Du erntest, was du säst.
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Zejtnot
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Beitrag von Zejtnot »

Danke Manu. Und damit noch einmal: Willkommen!
Naumova

Beitrag von Naumova »

Zeppelin hat geschrieben:Um so mehr hast Du aber auch Respekt verdient. Denn ich kenne nur allzu viele, die davor resignieren.
Was machst Du denn so beruflich?
Du weisst doch noch gar nicht, ob ich nicht vielleicht auch zu den resignierten gehöre :wink:
Doch hast Du nicht schlecht geraten: Ich konnte mich in Deutschland ziehmlich gut beweisen.
Das ist gerade die zweite - positive - Seite meines zwiespältigen Gefühls. Im privaten Leben, was das Gewinnen neuer Freunde betrifft, kommt man in Deutschland viel langsamer vorwärts als in Russland.
Dafür hat man im Berufsleben viel bessere Chancen, so kann ich zumindest aus meiner Erfahrung behaupten. Deine Begabungen und Stärken werden hier früher oder später annerkannt, nicht so in Russland, wo eine persönliche Beziehung das A und O eines jeden Berufserfolges ist!
Nach ein paar Monaten, als ich in Deutschland ansässig wurde, gelang es mir, eine Stelle in der Sprakasse zu bekommen - nicht dank der entsprechenden Ausbildung (ich studierte vorher in Russland zwei Jahre Soziologie) sondern dafür, dass ich (aus der Sicht des Direktors) erstaunlich wenig Akzent hatte und dass ich Klavier spielen kann. Das mag vielleicht nicht sehr überzeugend und nach Willkür des Direktors klingen, aber andererseits will ich glauben, dass er einfach schnell erkannte, dass ich mit allfälligen Aufgaben leicht fertig werden kann, und sah sein Personal nicht nur als "Bausteine" eines Finanzinstitutes sondern als Menschen, die in dem oder anderem Bereich seine Hochachtung verdienen. Ich arbeitete in innenbetrieblichen Bereichen und im Service und machte nebenberuflich die entsprechende Fernausbildung zur Sparkassenkauffrau.
Soviel zu meiner beruflichen Erfolgsstory (die ich in Russland ohne Beziehungen hätte niemals haben können).

Nun würde ich aber Dich fragen, woher Du mein Verlustgefühl so gut nachvollziehen kannst, und ob Du dich woanders auch als Fremder beweisen musstest - wenn in Russland, was für Gefühle Dir das alles hinterlassen hat.

manuchka, Dave
, danke für die Tipps!
Wenn ich mal irgendwo dort landen sollte, würde ich euch eine Postkarte von dort aus schuldig sein!
Naumova

Re: Den' dobry, Grüß Gott und Grüezi !

Beitrag von Naumova »

7punkt hat geschrieben:Ach, Naumi, in die Vergangenheit fuehren keine Wege zurueck, egal, ob man die Heimat verlassen hat oder immer an einem Ort bleibt. Du bist bestimmt auch anders geworden :wink: Alles fliesst, alles aendert sich........
Weisste, ich denke, ich hätte sicher nicht so viel Sehnsucht nach den alten Zeiten gehabt, lebte ich ununterbrochen in Russland. Die Vergangenheit ändert sich in deinem Gedächtnis unbemerkt und passt sich deinem neuen "ich", wenn Du nicht einmal ein Schußstrich gezogen und ein ganz neues Leben angefangen hast - in diesem Fall bleibt das hinterm Strich Gebliebene wie erstarrt, wie ein Foto in deinem Gedächtniss und um so mehr ist es fest und bildlich, wie viel sich dein neues Leben davon unterscheidet.
Ich weiss nicht, wie ich das loshaben kann.
Hypnose-Behandlung? :wink:
Zeppelin
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Beitrag von Zeppelin »

Naumova hat geschrieben:Nun würde ich aber Dich fragen, woher Du mein Verlustgefühl so gut nachvollziehen kannst, und ob Du dich woanders auch als Fremder beweisen musstest - wenn in Russland, was für Gefühle Dir das alles hinterlassen hat.

Nun, das hat mehrere Gründe.
Zum Einen bin ich selbst in Ostdeutschland (DDR) aufgewachsen und sehr viel Menschen dort haben die dt. Wiedervereinigung schwer oder gar nicht verkraftet, Die empfinden das Ganze auch weitgehend als Verlust ihrer Heimat.
Zum Zweiten bin ich selbst Soziologe, (und noch einiges mehr) und war in den ersten zehn Jahren nach der "Wende" sehr intensiv mit der Enzwicklung der Verhältnisse danach beschäftigt. Iregendwann habe ich dann aber vor dem zähen Widerstand meiner Landsleute kapituliert und bin nach Bayern "ausgewandert" bzw ins Exil gegangen. Für jemanden der ganz fest mit Berlin und Brandenburg verwurzelt ist, bedeutet ein Wechsel nach Bayern tatsächlich den Verlust seiner Heimat.

Ferner stammt ja auch meine Frau aus der RF und alle ihre Angehörigen leben noch in Tatarstan. Sie fühl sich hier zwar sehr gut aufgeboben, geborgen und ist allgemein sehr anerkannt, aber selbstverständlich hat sie schon ab und zu mal Heimweh, was ich sehr fut verstehen kann. All ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen sind ja damit verbunden.

Und dann kenne ich noch eine Vielzahl anderer Aussiedler, die diesen Schritt mehr oder weniger bereuen. Ein entfernter Verwander meiner Frau, der wegen seiner Frau und seinen Töchtern aus Kasachstan hierher gekommen ist, brachte das mal so auf den Punkt: "Zuhause war ich ein angesehener Mann, habe als Ingenieur eine gute Arbeit gehabt, wir hatten ein eigenes Haus mit einem Garten, hatten ein Auto, viele Freunde und Bekannte. Und hier in D bin ich ein Bettler, der froh sein muss, wenigstens ab und zu mal einen Job als Hilfsarbeiter zu bekommen."

Der arme Mann ist über 50 und spricht nur sehr schlecht Deutsch. Das einzige, woran er sich noch festhalten kann, sind seine beiden Töchter, die hier sehr gute Schulergebnisse erzielen und akzentrei Deutsch sprechen. Aber dennoch kann ihn dies nur bedingt trösten. Zum Glück trinkt er nicht, denn das wäre vermutlich sein Untergang.

Grüße,
Zeppelin
Naumova

Beitrag von Naumova »

Oh, interessant! Als Soziologe, der sich mit dem Thema beschäftigt hat, müsstest Du doch ein paar Tipps in der Tasche haben, wie man am besten mit dem besprochenen Problem fertig werden kann. Deine Kapitulation vor dem zähen Widerstand deiner Landsleute bedeutet doch bestimmt nicht, dass Du keinem von ihnen in- oder direkt helfen konntest, oodr?
Ich vermute, als allerwichtigstes dabei ist es, alle schnulzigen Erinnerungen bewusst zu verdrängen und an die Musik von der alten Zeit zu verzichten.
(ich sah gerade im engl.wörterbuch: das wort schnulzig heisst im englischen soppily - das hört sich auf russisch sehr treffend an :D )

Überigens, ich verbrachte ein Jahrzehntel in der Gegend, wo hasen hosen und die hosen husen hasen. Vermutlich lebst du da weider droben, oder?
Hast Du dich da mehr oder weniger eingelebt und mit der Sprache angefreundet? (zur prüfung: oachkatzlschwoaf - sagt dir das schon etwas? ) :wink:
Naumova

Beitrag von Naumova »

oh, da habe ich oben ein Jahrzentel wohl mit einem Jahrzehnt verwechselt :shock:
fremantle

Beitrag von fremantle »

Naumova hat geschrieben:oh, da habe ich oben ein Jahrzentel wohl mit einem Jahrzehnt verwechselt :shock:
Kleiner Hinweis :wink: : kannst Du auch per Knopf "Edit" in der Kopfleiste Deines postings ändern - (solange es nicht den Sinn des postings entstellt).
Zeppelin
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Beitrag von Zeppelin »

Naumova hat geschrieben:oh, da habe ich oben ein Jahrzentel wohl mit einem Jahrzehnt verwechselt :shock:
Och, das Jahrzentel (oder bessser noch Jahrzähndel) ist doch nett, solltest Du Dir patentieren lassen. :wink:
Ich mag solche Wortschöpfungen sehr. :blumen2:

Aber zu Deinen Fragen: Ich konnte durchaus in meinen Jahren als Soziologe, Politik- und Untenehmensberater einiges dazu beitragen, dass es hier nicht noch schlimmer kam oder sich bald wieder stabilisierte, die Leute sich leichter umgewöhnen konnte.
Aber es gab einen großen zurückbleibenden Rest der aus welchen Gründen auch immer einfach aufgegeben hatte oder sich in verklärte Wahnvorstellungen verstier, weil er / sie gar nicht mitbekommen hatte oder wahr haben wollt, was sich hinter den Kulissen der DDR abgespielt hatte.
Selbst in meiner eigenen Familie gab es Leute, die sich als Kollaborateure der Stasi herausstellten aber felsenfest davon überzeugt waren, damit keinesfalls etwas negatives getan zu haben.

Aber gerade diese Verweigerung zu Kollaborieren hätte dem Spuk viel früher ein Ende bereitet. Ich möchte das aber nicht weiter auswalzen, weil ich froh bin nur noch selten an all dies denken zu müssen.

Und mit den Tipps ist das so eine Sache. Welcher Mensch lässt sich schon gern etwas sagen? Das geht halt nur mit Leuten, die sich weder total verweigern noch von selbst ihren Weg finden. Und hinzu kommt dass ich mit meinem Beruf nicht wirklich eine Missionarische Verpflichtung verbinde, sondern eher nach der Devise vorgehe, "Wer nicht Will, der hat schon" bzw. "Wer nicht hören will wird fühlen."
Ich habe einfach keine Lust mehr, mir den A**** aufzureißen und mich dafür auch noch dumm anmachen zu lassen.

In meinen knapp drei Jahren, die ich im Land der "Schwammderl" und Oagbatzten" verbringen musste, habe ich mich nicht so recht aklimatisieren können (wollen). Z.B. hat ja ein Champignon Lamellen unterm Schirm und kann daher kein "Schwammderl" sein.
Aber es ist vergeblich darüber zu einer Einigung kommen zu wollen.

Zwischendurch war ich einige Jahre in dem Land, wo die hübschen Mädchen auf den Bäumen wachsen und wo die Lehrer Leerohr genannt werden (mit entsprechenden Zeugnisnoten in Deutsch für die dortigen Schülerinnen und Schüler).

Da bin ich dann an einem einem äußerst beratungsresistenten, kleinwüchsigen Spitzenpolitiker gescheitert, der aus Wessiland dorthin abserviert worden war und die Gelegenheit nutze, eine Reihe sehr dubioser Geschäfte zu machen.
Doch das Volk folgte diesem neuen Landesvater bis in den Schlachthof.
Da nahm ich halt meinen Hut und ging dort hin, wo mein Rat gefragt war....

Aber lassen wir das besser.

Was aber nun die Migranten betrifft, mit denen ich zu tun habe, da verhält sich das ähnlich: Manche sind offen und entschlossen und finden dann auch ohne wirlich große Probleme ihren Weg und die entsprechende Anerkennung aber manche kapitulieren auch zu schnell, unterschätzen sich, sind zu misstrauisch oder was auch immer und versuchen gar nicht erst, die Einstiegsschwierigkeiten zu überwinden.

ein ganz wesentlicher Grund dafür, meine jetzige Frau danach zu fragen ob sie ihr Leben künftig mit mir teilen wolle, war z.B. dass sie mich von vornherein davon überzeugt hatte, dass sie hier zumindest zeitweilig ihre Wahlheimat sieht, sie aber gar nicht erahnen konnte, wo da trotz bester Absichten überall die unsichtbaren Fußangeln lauern.
Da hinein zu tappen wollte ich ihr einfach nicht zumuten.
Also habe ich ihr zeitweilig "die Steigbügel gehalten" und kann mich nun freuen wie schnell und gut sie es geschafft hat, die Pferdchen im Zaum zu halten.
(Inzwischen kann sie ihren Gaul auch selbst aufzäumen und würde mich auslachen, wenn ich ihr die Steigbügel noch immer halten wollte. (Immerhon stammt sie aus einem Reitervolk und nicht ich. )
:reiter:

Aber die "Gestrandeten", die hier irgendwie so durchkommen, sind ein Problem, dem auch ich nicht beizukommen vermag.

So weit dazu.

Grüße
Zeppelin
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manuchka
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Beitrag von manuchka »

Zeppelin, nur ne kleine Anmerkung am Rande:
Der kasachische Aussiedler, dem es in Kasachstan an nix fehlte, musste ja nicht nach Deutschland ziehen. Niemand hat ihm versprochen, dass Deutschland ein Paradies ist. Das ist ein Irrglaube, dem viele Aussiedler unterliegen und die sich dann beschweren - dann sollen sie halt da bleiben, wo sie herkommen, oder zurückgehen (so wie du ja auch aus Bayern wieder nach Berlin gezogen bist). Aber nein, sooo schlecht isses ja in DE mit diversen Soziallleistungen etc. offensichtlich dann doch nicht.

Ich hab nix gegen Aussiedler und kann auch verstehen, dass Leute dahin streben, wo es ihnen vielleicht materiell besser geht, und die Chance zum Umzug nutzen, wenn sie sich ihnen bietet. Aber als "Deutsche" nach Deutschland kommen, kein Wort deutsch sprechen und sich dann aufregen, dass man sie nicht versteht, sie keine angemessene Arbeit finden etc.m dass alles ganz anders ist als zu Hause - das nervt ein wenig. Das nur allgemein und nicht speziell auf deinen Bekannten bezogen, den ich ja nicht kenne.

Aber wollen wir die Diskussion nicht in dem Beitrag weiterführen, den ich extra für das Thema eröffnet habe? Das ist doch die Vorstellungsecke... Herzliche Einladung: http://www.aktuell.ru/forum/viewtopic.p ... highlight=
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