Also, berkut, ich komme zurück auf Deine anfangs gestellte Frage. Ich bin Baujahr 1975 und empfinde zu exakt 0,00000% Schuld an den Ereignissen des 2. Weltkrieges. Schlicht und einfach deswegen, weil ich damals nicht gelebt habe. Und was lernen wir Spätgeborenen aus den Ereignissen von anno dunnemals, egal ob man Deutscher ist oder Russe? Das wir propagandistischem Geschwafel von schnurbarttragenden Diktatoren wie Stalin und Hitler misstrauisch, ja ablehnend gegenüberstehen soll, dass wir lieber friedlich nebeneinander leben sollten statt im Krieg miteinander, und dass man die historische Interpretation der Eregnisse von damals besser aufarbeitet, denn Russen haben ihre Sicht auf die historischen Ereigniss, Balten beispielsweise eine andere. Und solange die historische Interpretation von damals nicht gänzlich unter ALLEN Kriegsbeteiligten von damals aufgearbeitet ist, wird der 2. WK in Form von Ressentiments, Denkmalabrüstungen, Beutekunstdiskussionen, Forderung nach Anrechnung von Toten bei Stimmrechten in der EU etc. noch nachwirken und unseren alltag vergrätzen.berkut hat geschrieben:Als spaetgeborener deutscher stellt sich mir immer wieder die frage danach, wie ich den krieg gegen die UdSSR in mein gewissen einbauen kann- damit umzugehen lerne, ohne in schwermut zu verfallen.
In der letzten "Zeit" war ein sehr eindringlicher artikel betreffend dieses themas.
Ich werde versuchen einmal in wolgograd am mamajew huegel um vergebung bitten zu koennen. Doch diese schuld, die ich ganz persoenlich mit mir trage und empfinde ist nicht auszuloeschen. An keinem ort der welt ?
-leningrad
-murmansk
-smolensk
-kursk
-demjansk
-babir jar
-charkow
schuld
ohne ende ?
Wie geht ihr damit um ? Stellt sich die frage ueberhaupt ? Oder bin ich einfach zu tief in die historie eingetaucht-ist die zahl von 27'000'000 toten der UdSSR ueberhaupt erfassbar, irgendwie vorstellbar ?
vernichtungskrieg 1941-45
- Kultgrieche
- Zar/iza

- Beiträge: 1292
- Registriert: 14 Jan 2005, 09:29
- Wohnort: Wiesbaden
Re: vernichtungskrieg 1941-45
"Eines der zentralen Probleme heutzutage ist, dass die Politik so eine Schande ist. Gute Menschen gehen nicht in die Politik." (Donald Trump)
-
papasha
Re: vernichtungskrieg 1941-45
so gewagt ist diese these gar nicht.aber sie gehört nicht in das heile weltbild (böser faschist-guter kommunist) vieler menschen.manuchka hat geschrieben:Jemand in meinem russischen (!) Bekanntenkreis hat mal die These aufgestellt, dass Hitler mit dem Angriff auf die Sowjetunion Stalin einfach nur zuvorgekommen ist, sonst hätte Stalin losgeschlagen. Aber das ist natürlich eine gewagte These.
kerngedanke:
kommunistische weltrevolution-aber im westen ohne krieg unmöglich
deshalb brauchte stalin einen kriegsanstifter, der wieder einen krieg anzettelt, damit stalin dann die kriegsmüden nationen westeuropas überrennen kann. denn an wen erinnern sich die historiker? an den, der den krieg entfesselte oder an den, der später in den konflikt eintritt?
beweise und indizien gibt es zuhauf. über v.suworov sollte man erst urteilen, nachdem man ihn gelesen hat und sich nicht von dubiosen internetseiten blenden lassen, nur weil deren betreiber eine andere meinung dazu haben.
stalin wusste von hitlers plänen, hitler von stalins plänen aber nicht. erst in den ersten tagen des angriffes wurde es als präventivkrieg propagandistisch ausgeschlachtet. es handelt sich aber nicht um DIE seriös geführte geschichtshistorische diskussion über einen präventivkrieg.
-
Rotech
Re: vernichtungskrieg 1941-45
Was waehre wenn es diesen Krieg nicht gegeben haette, unabhaengig das ich Krieg und jede Form von Militarismus ablehne? Dann wuerde die Russen immernoch die Befreiung von 1812 feiern. Was soll das der Krieg ist seit 62 Jahren vorbei und einige Personen tun immer noch als waehre es gestern vorbei gewesen. Wieso werden eigendlich auf solchen Aufmaerschen um den grossen vaterlaendischen Krieg zu gedenken Fahnen mit dem Abbild von Stalin geschwenkt, doch bestimmt nicht weil man nur fuer sein Vaterland gekaempft hat. Damals war Stalin der 1. Mann im Statt und ein wenig Propaganda, einige gut iniziierte Schauprozesse, in dehnen die Gegner Mundtot gemacht worden und schwups jeder denkt das alles richtig ist was er tat.Mit gut gemachter Propaganda/Werbung bekommt man alles hin.
Es ist hier in Russland leichter einem Vaeteran einen Orden zu verpassen als im eine anstaendige Rente zu geben.
Das war mein Mostrich dazu.
rotech
Es ist hier in Russland leichter einem Vaeteran einen Orden zu verpassen als im eine anstaendige Rente zu geben.
Das war mein Mostrich dazu.
rotech
-
MpaK
Re: vernichtungskrieg 1941-45
Vor 1812 gab es noch Befreiung von Polen, dem Ereignis ist der Tag der Einheit gewidmet. Der wird auch noch gefeiert...Rotech hat geschrieben:Was waehre wenn es diesen Krieg nicht gegeben haette, unabhaengig das ich Krieg und jede Form von Militarismus ablehne? Dann wuerde die Russen immernoch die Befreiung von 1812 feiern. Was soll das der Krieg ist seit 62 Jahren vorbei und einige Personen tun immer noch als waehre es gestern vorbei gewesen. Wieso werden eigendlich auf solchen Aufmaerschen um den grossen vaterlaendischen Krieg zu gedenken Fahnen mit dem Abbild von Stalin geschwenkt, doch bestimmt nicht weil man nur fuer sein Vaterland gekaempft hat. Damals war Stalin der 1. Mann im Statt und ein wenig Propaganda, einige gut iniziierte Schauprozesse, in dehnen die Gegner Mundtot gemacht worden und schwups jeder denkt das alles richtig ist was er tat.Mit gut gemachter Propaganda/Werbung bekommt man alles hin.
Es ist hier in Russland leichter einem Vaeteran einen Orden zu verpassen als im eine anstaendige Rente zu geben.
Das war mein Mostrich dazu.
rotech
Es mag sein, dass in De aufgrund der Geschichte etwas mehr Aufmerksamkeit dem Sauffest geschenkt wird. In Ru ist es anders...
Was die Rente angeht, hast du vollkommen Recht.
Kurze Zusammenfassung des Threades, meiner Meinung nach:
Anfang: Habt Ihr Schuldgefühle?
Fortsetzung: Nein, ist Vergangenheit, wir sind nicht verantwortlich...
Danach: Die Sowjets haben nicht um uhr Leben gekämpft, sondern haben die Befehle des Diktators ausgeführt.
Später: Wenn nicht wir, dann hätten die uns angegriffen... Stalin wusste alles, Hitler wusste nichts... Schuld an den Toten - Sowjetische Führung.
Logisches Ende: Wieso feiern die das noch?
Fazit:....
-
papasha
Re: vernichtungskrieg 1941-45
wo steht das?MpaK hat geschrieben:Schuld an den Toten - Sowjetische Führung.
Re: vernichtungskrieg 1941-45
.....
nun, viel kann ich über den Krieg nicht sagen! Glücklicherweise zu jung um dabei gewesen zu sein, und klug genug mich nicht mit "Erbschuld" zu behaften. Klar habe ich eine Einstellung, d.h. lehne jede Art von Gewalt ab, rege mich immer fürchterlich all der Manipulationen auf....aber bin genauso hilflos irgend etwas dagegen zu machen; Ausser: mein eigenes Leben so zu führen, das nichts von dem beinhaltet, was ich ablehne.
Wissen d.h. erlesen, habe ich einiges. Beeindruckend war:
http://www.amazon.de/Vaterland-ohne-V%C ... 3548263712
Klar, ein Roman, werden jetzt einige sagen. Doch diese schlichte einfachheit und menschlichen Figuren in diesem Buch
von Arno Surminski, konnte mir mehr vermitteln als so manches Geschichtsbuch. Würde sagen:lesenswert!
nun, viel kann ich über den Krieg nicht sagen! Glücklicherweise zu jung um dabei gewesen zu sein, und klug genug mich nicht mit "Erbschuld" zu behaften. Klar habe ich eine Einstellung, d.h. lehne jede Art von Gewalt ab, rege mich immer fürchterlich all der Manipulationen auf....aber bin genauso hilflos irgend etwas dagegen zu machen; Ausser: mein eigenes Leben so zu führen, das nichts von dem beinhaltet, was ich ablehne.
Wissen d.h. erlesen, habe ich einiges. Beeindruckend war:
http://www.amazon.de/Vaterland-ohne-V%C ... 3548263712
Klar, ein Roman, werden jetzt einige sagen. Doch diese schlichte einfachheit und menschlichen Figuren in diesem Buch
von Arno Surminski, konnte mir mehr vermitteln als so manches Geschichtsbuch. Würde sagen:lesenswert!
"Ducunt volentem fata, nolentem trahunt"
>>Das Schicksal führt den voran, der es bejaht und zerrt den mit sich, der es verneint<<
>>Das Schicksal führt den voran, der es bejaht und zerrt den mit sich, der es verneint<<
-
Soletschnogorsk
Re: vernichtungskrieg 1941-45
Doch! Gerade eine eigene Meinung, und nicht das indoktrinierte Widerkäuen von Politikerstatements, kann die Wiederholung solcher Dilemmata vermeiden.Zeppelin hat geschrieben:MpaK hat geschrieben: Ach ja, wir sind so kritisch und vorsichtig ,dass wir uns keine eigene Meinung leisten dürfen...
Doch wer seine Meinung aus Medienbeiträgen schöpft, kann eben nur wiederkäuen.
Zeppelin, laß die Toden ruhen!
Niemand wird eine höhere Stufe erreichen, geistig oder kulturell, diese Vergangenheit zu durchschauen, aber darum geht es nicht.
Vielmehr liegt es an uns, die Welt besser zu gestalten als unsere Vorgänger. Schei..auf alle Diktatoren und Generäle, die Knochen liegen längst unter der Erde.
Dein Leben und der meisten Anderen auch, ist viel zu kurz, um sich darüber den Kopf zu zerbrechen zu müssen.
Schau in Zukunft und nicht zurück! Die Vergangenheit ist gewesen!
-
Stefan
Re: vernichtungskrieg 1941-45
Du magst mit deiner Aussage: "...die Vergangenheit ist gewesen..." vollkommen Recht haben - zumindest temporär gedacht, doch vergiss nicht, wer die Vergangenheit kennt, kennt die Zukunft hilft dadurch die Fehler zu vermeiden.
Ich persönlich denke, dass jeder die Vergangenheit in sich aufsaugen sollte, damit solche schlimmen Dinge, wie sie in der "VERGANGENHEIT" geschehen sind nicht noch einmal geschehen.
Jedes Volk auf dieser Erde - oder zumindest der große Teil davon - hat Blut auf seiner weißen Weste. Bei uns Deutschen war es die Tötung der Juden, bei den Russen die Gulags, bei den Spaniern die Azteken und die Mayas.....
Ich persönlich denke, dass jeder die Vergangenheit in sich aufsaugen sollte, damit solche schlimmen Dinge, wie sie in der "VERGANGENHEIT" geschehen sind nicht noch einmal geschehen.
Jedes Volk auf dieser Erde - oder zumindest der große Teil davon - hat Blut auf seiner weißen Weste. Bei uns Deutschen war es die Tötung der Juden, bei den Russen die Gulags, bei den Spaniern die Azteken und die Mayas.....
-
Soletschnogorsk
Re: vernichtungskrieg 1941-45
Hallo Stefan,Stefan hat geschrieben:Du magst mit deiner Aussage: "...die Vergangenheit ist gewesen..." vollkommen Recht haben - zumindest temporär gedacht, doch vergiss nicht, wer die Vergangenheit kennt, kennt die Zukunft hilft dadurch die Fehler zu vermeiden.
Ich persönlich denke, dass jeder die Vergangenheit in sich aufsaugen sollte, damit solche schlimmen Dinge, wie sie in der "VERGANGENHEIT" geschehen sind nicht noch einmal geschehen.
Jedes Volk auf dieser Erde - oder zumindest der große Teil davon - hat Blut auf seiner weißen Weste. Bei uns Deutschen war es die Tötung der Juden, bei den Russen die Gulags, bei den Spaniern die Azteken und die Mayas.....
nicht temporär sondern praktisch , temporär ist vorübergehend, tja, und die Geschichte ist vorüber!
Warum soll jemand die komplette Vergangenheit aufsaugen, ist paradox!
Für Forscher vielleicht interresant, aber für die meisten nicht; sehe es einmal von diesem Aspekt!
Re: vernichtungskrieg 1941-45
Guido Knopp schreibt in einem seiner letzten Buecher ueber folgenden Vorfall: Im Fruehjahr 1933 traf sich Hitler mit der Fuehrung der Wehrmacht zu einer geheimen Besprechung. In dieser Besprechung informierte er ueber seine Plaene zur Eroberung und Zerstoerung der Sowjetunion. Dies zum Thema, Hitler sei nur Stalin zuvorgekommen. Dies ist evtl. richtig - aber nur weil Stalin Hitlers Plaene schon lange kannte !! Diese Besprechung wurde erst kuerzlich bekannt, weil in den sowjetischen Archiven ein Protokoll mit Stalins Kommentar von 1934 gefunden wurde. Es stellte sich heraus, dass die Tochter des Wehrmachtsgenerals, in dessen Haus die Besprechung stattfand, eine Kommunistin war und das Protokoll an Agenten weitergab.
Die Wehrmacht wusste also seit 1933 von Hitlers Plaenen und hat sich auf diesen Vernichtungskrieg vorbereitet. Dadurch erscheint vieles, was Stalin nachher tat, in einem anderen Licht.
Die Wehrmacht wusste also seit 1933 von Hitlers Plaenen und hat sich auf diesen Vernichtungskrieg vorbereitet. Dadurch erscheint vieles, was Stalin nachher tat, in einem anderen Licht.
