Wobei sie ja leider nicht ganz unrecht haben.....Bephep hat geschrieben: Ich habe noch gestern mit Russen diskutiert die haben einfach keine Meinung wie man etwas ändern oder verbessern kann.Sie trauen niemanden mehr und glauben das alle nur in die eigene Tasche wirtschaften.
Lesenswerter Artikel: Das Versagen der Intelligenzija
Re: Lesenswerter Artikel: Das Versagen der Intelligenzija
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)
W. Churchill (1940)
- Zejtnot
- Globaler Moderator

- Beiträge: 14590
- Registriert: 30 Jun 2006, 11:25
- Wohnort: Sibirien, Sachsen
Re: Lesenswerter Artikel: Das Versagen der Intelligenzija
Das große Problem ist meiner Meinung auch: Jeder wünscht sich eigentlich auch, die anderen genauso bescheißen zu können! Jeder will auch Chef werden, der das fünffache verdient. In Deutschland kann sich ein Abteilungsleiter kein fünffaches Gehalt auf Kosten seiner Untergebenen zuweisen - das würde als inkorrekt gelten. In Russland ist das leider normal.Bephep hat geschrieben:Sie trauen niemanden mehr und glauben das alle nur in die eigene Tasche wirtschaften.
Re: Lesenswerter Artikel: Das Versagen der Intelligenzija
Stimmt, in Deutschland geht das erst ab "Aufsichtsrat". Dann darf es aber auch gerne mal das 10- oder 20-fache sein.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)
W. Churchill (1940)
- Zejtnot
- Globaler Moderator

- Beiträge: 14590
- Registriert: 30 Jun 2006, 11:25
- Wohnort: Sibirien, Sachsen
Re: Lesenswerter Artikel: Das Versagen der Intelligenzija
Und ich träume aber auch nicht davon, jemals in einem Aufsichtsrat zu sitzen. 8)
-
Paulchen
Re: Lesenswerter Artikel: Das Versagen der Intelligenzija
wirklich ein sehr interessanter Artikel, der mal etwas differenzierter als diese Fastfood-Artikel auf Spiegel online und die kalter-Krieg-Artikel in der FAZ die Gemengelage beleuchtet. Herr Ziesemer hat als ehemaliger KPDler, Russland Korrespondent und Menschenrechtsverfechter wahrscheinlich auch bessere EInblicke in die Mechanismen als manch anderer.
Trotzdem enttäuscht mich irgendwie die Reaktion, die der Artikel hier im Forum auslöst. Klar, Ihr lebt alle überwiegend in der RF und kennt die Zustände nur zu genau. Aber kann das wirklich zum Ergebnis haben, dass man diese Zementierung eines Geheimdienststaates durch seinen Oberschlapphut frustriert mit Schulterzucken hinnimmt? Ist es wirklich nicht so schlimm? Aus meiner bescheidenen Sicht geht das doch bis auf gewisse wirtschaftliche Verbesserungen (zumindest für jüngere Leute in Ballungszentren) alles total in die falsche Richtung! Und zwar auf praktisch jeder anderen Ebene. Das aller aller aller wichtigste schien mir bisher in Russland immer ein Mentalitäts- oder Einstellungswechsel zu sein. Dass nämlich immer weniger Leute sagen "oochh, korrupt sind die Säcke doch sowieso alle, aber Beziehung schadet eh nur dem der keine hat" sondern dass die Leute sich mal richtig öffentlich empören über das was ihnen passiert und das auch zum Ausdruck bringen. Und nun les ich aus Euren Zeilen, dass mans eigentlich eh alles vergessen kann ... :(
Trotzdem enttäuscht mich irgendwie die Reaktion, die der Artikel hier im Forum auslöst. Klar, Ihr lebt alle überwiegend in der RF und kennt die Zustände nur zu genau. Aber kann das wirklich zum Ergebnis haben, dass man diese Zementierung eines Geheimdienststaates durch seinen Oberschlapphut frustriert mit Schulterzucken hinnimmt? Ist es wirklich nicht so schlimm? Aus meiner bescheidenen Sicht geht das doch bis auf gewisse wirtschaftliche Verbesserungen (zumindest für jüngere Leute in Ballungszentren) alles total in die falsche Richtung! Und zwar auf praktisch jeder anderen Ebene. Das aller aller aller wichtigste schien mir bisher in Russland immer ein Mentalitäts- oder Einstellungswechsel zu sein. Dass nämlich immer weniger Leute sagen "oochh, korrupt sind die Säcke doch sowieso alle, aber Beziehung schadet eh nur dem der keine hat" sondern dass die Leute sich mal richtig öffentlich empören über das was ihnen passiert und das auch zum Ausdruck bringen. Und nun les ich aus Euren Zeilen, dass mans eigentlich eh alles vergessen kann ... :(
-
Bephep
Re: Lesenswerter Artikel: Das Versagen der Intelligenzija
Zejtnot
Nach Ende des ersten Weltkrieges waren wir den Kaiser und die Russen den Zaren los.In DE gab es eine Demokratie, die dann allerdings im Chaos und Diktatur endete. In RU eine Diktatur des Proleteriats .
Alles was es in DE schon zur Kaiserzeit gab,Parteien Gewerkschaften Vereine das alles gab es in Russland nicht.Es gab also in RU keine,auch nicht in Ansätzen,Demokratische Wurzel.
Auch in Demokratien versucht die herrschende Partei an der Macht zu bleiben,als Beispiel Grossbritannien wo der Premier dann Neuwahlen ansetzt wenn er der Meinung ist das die Zeit und Wählerstimmung günstig ist.
In Russland hat der Präsident die Macht und Putin regierte 2X4 Jahre als Präsident.In DE hat der Kanzler die Macht und Kohl regierte 16 Jahre also doppelt so lange.Was ist jetzt undemokratisch, dass Putin länger regieren will oder Kohl der zu lange regiert hat.
Für Deutschland war es auch ein langer Weg zur Demokratie und ich wünsche Russland das Ihnen eine Zeit wie bei uns 1933 bis 45 erspart bleibt.
Als Nachtrag.
Auch Schröder hat nicht ganz Gesetzeskonform Neuwahlen erzwungen,aber dabei die Macht verloren.Demokratisch war das auch nicht.Und die Wahlbeteiligung sinkt,weil die Leute meinem man kann nichts ändern das ist auch eine parallele zu Russland.
Naja,mal ehrlich, das träumen doch auch viele DeutscheDas große Problem ist meiner Meinung auch: Jeder wünscht sich eigentlich auch, die anderen genauso bescheißen zu können!
Nach Ende des ersten Weltkrieges waren wir den Kaiser und die Russen den Zaren los.In DE gab es eine Demokratie, die dann allerdings im Chaos und Diktatur endete. In RU eine Diktatur des Proleteriats .
Alles was es in DE schon zur Kaiserzeit gab,Parteien Gewerkschaften Vereine das alles gab es in Russland nicht.Es gab also in RU keine,auch nicht in Ansätzen,Demokratische Wurzel.
Auch in Demokratien versucht die herrschende Partei an der Macht zu bleiben,als Beispiel Grossbritannien wo der Premier dann Neuwahlen ansetzt wenn er der Meinung ist das die Zeit und Wählerstimmung günstig ist.
In Russland hat der Präsident die Macht und Putin regierte 2X4 Jahre als Präsident.In DE hat der Kanzler die Macht und Kohl regierte 16 Jahre also doppelt so lange.Was ist jetzt undemokratisch, dass Putin länger regieren will oder Kohl der zu lange regiert hat.
Für Deutschland war es auch ein langer Weg zur Demokratie und ich wünsche Russland das Ihnen eine Zeit wie bei uns 1933 bis 45 erspart bleibt.
Als Nachtrag.
Auch Schröder hat nicht ganz Gesetzeskonform Neuwahlen erzwungen,aber dabei die Macht verloren.Demokratisch war das auch nicht.Und die Wahlbeteiligung sinkt,weil die Leute meinem man kann nichts ändern das ist auch eine parallele zu Russland.
Zuletzt geändert von Bephep am 09 Nov 2007, 03:00, insgesamt 1-mal geändert.
- Hero 1964
- Zar/iza

- Beiträge: 531
- Registriert: 30 Apr 2007, 00:24
- Wohnort: Karlsruhe-Penza
- Kontaktdaten:
Re: Lesenswerter Artikel: Das Versagen der Intelligenzija
Ich verstehe deine Worte sehr gut Paulchen. Ich bin auch oft am verzweifeln darüber. Ich verbringe sehr viel Zeit in einer russischen Provinzstadt, dort sind diese letargischen Stimmungen teilweise noch extremer zu erkennen als in den russischen Metropolen. Aber ich verstehe auch manchmal diesen Zustand, denn es gibt kaum ein Mittel gegen manche Mißstände die durch politische Kunkeleien aufgebaut wurden und werden. Wie denn auch?? Viele Jahre wurden den Menschen das Reden verboten und jetzt auf einmal sollen sie den Mund aufmachen? Jeder ist mit sich zu sehr selbst beschäftigt, jeder versucht mit der kleinen Freiheit (egal ob poiltisch(?), beruflich oder sonst was) das dein sogenannter "Oberschlapphut" geschaffen hat, zurecht zu kommen. Manche sind einfach auch nur zu müde um zu reden weil sie 2 Jobs auf einmal machen müssen oder dürfen. Bedenke, Russland war lange in Beton gegossen, das ist nicht so einfach wie mal ne Berliner Mauer abzumeisseln. Die Menschen dort brauchen Zeit sich selbst zu finden. Und eine Hoffnung gibt es doch, denn so wie dein "Oberschlapphut" Russland geöffnet hat, hat er den Menschen "unfreiwillig" gezeigt das es kein zurück mehr gibt in die Betonzeit....Paulchen hat geschrieben: Und nun les ich aus Euren Zeilen, dass mans eigentlich eh alles vergessen kann ... :(
Eine russische Rentnerin sagte mir: "In Letargie zu verfallen und der ‘guten alten Zeit’ nach zu trauern, in der die Menschen machtlose Marionetten ohne eigene Stimmen waren, ist ebenso die Vorbestellung des eigenen Grabsteines......"
Dawai Towarisch....
Ты неси меня река : Расторгуев
Re: Lesenswerter Artikel: Das Versagen der Intelligenzija
Wenn man sich anguckt, aufgrund welcher Verhältnisse viele Leute in D die Haltung haben, "Politik interessiert mich nicht, sind eh alle Politiker faul und korrupt", kann man Russen kaum einen Vorwurf machen, dass sie sich in ihrem Land politisch wenig betätigen.
-
Paulchen
Re: Lesenswerter Artikel: Das Versagen der Intelligenzija
Ja, Du hast natürlich Recht, dass sich Deutsche heutezutage auch nicht gerade wahnsinnig politisch ins Zeug legen. Dass sie es aber auch anders können, wenn es sein muß, beweist der 17.Juni 1953 und auch das Jahr 1989...auch diverse andere Mini-Aufständen gegen Pershing II, Atomkraft usw.harald63 hat geschrieben:Wenn man sich anguckt, aufgrund welcher Verhältnisse viele Leute in D die Haltung haben, "Politik interessiert mich nicht, sind eh alle Politiker faul und korrupt", kann man Russen kaum einen Vorwurf machen, dass sie sich in ihrem Land politisch wenig betätigen.
Wenn man ein halbwegs eingefahrenes und funktionierendes System der Gewaltenteilung (Exekutive, Legislative, Judikative + freie Presse) hat, dann muß man halt auch nicht unbedingt gleich auf die Strasse rennen um gegen politische Maßnahmen erfolgreich vorzugehen. Da diese Gewaltenteilung in der RF aber leider nur als Lippenbekenntnis vorhanden ist bleibt meiner Meinung nach nix anderes als Demo, Demo und nochmal Demo. Und zwar nicht unbedingt gleich gegen Wladimir Wladimirowitsch persönlich sonder vielmehr gegen die Ungerechtigkeiten des Alltags. Eine Bausünde hier, eine Korruptionsaffäre dort, eine Schikane da. Und das müßten ECHTE Opositionsgruppierungen organisieren, so wie es damals im Deutschland der 70iger die Grünen gemacht haben. Mit viel Schweiß und Arbeit wurde auch da plötzlich mal eine echte (Oppositions- und sogar Regierungs-!)Partei draus und die vielen Fundi-Realo-Metamorphosen scheinen irgendwie in grauer Urzeit entrückt zu sein. Und genau sowas sehe ich weit und breit in Russland mit über 140.000.000 Einwohnern nirgends. Woran liegt es? Keine Knete? Schon zu viel Einschüchterung? Desinteresse? Verzweiflung?
- Zejtnot
- Globaler Moderator

- Beiträge: 14590
- Registriert: 30 Jun 2006, 11:25
- Wohnort: Sibirien, Sachsen
Re: Lesenswerter Artikel: Das Versagen der Intelligenzija
Keine Leute.Paulchen hat geschrieben:Woran liegt es? Keine Knete? Schon zu viel Einschüchterung? Desinteresse? Verzweiflung?
Die Leute, die das Zeug dafür hätten, sind intelligent genug, um bei der Regierungspartei mehr zu erreichen als in riskanten Oppositionsbündnissen. Oder sie sind intelligent genug, die Finger ganz von der Politik zu lassen (weil sie ein Business haben, dem ihre Rolle in der Opposition schädlich sein könnte).
Es gibt hier und da Leuchttürme. Ein wunderschöner Artikel dazu, eine Geschichte aus Novosibirsk, findet ihr hier: http://tayga.info/analit/593/ - leider nur in Russisch und zu lang zum Übersetzen. (Lasst Euch vom Titel nicht abschrecken, ist wirklich ein sehr guter Artikel - es macht Spaß, sich durchzukämpfen.)
