Was ich an Russland mag
Was ich an Russland mag
Ich habe kürzlich nochmal ein wenig darüber nachgedacht, was mir an Russland eigentlich gefällt, und irgendwann damit begonnen, ein bisschen differenzierter aufgeschreiben, was mir dazu einfällt. Vielleicht passt das ja ganz gut zum Thema, auch wenn sich das Folgende mit früheren Beiträgen überschneiden sollte. Darum dieser etwas längere Beitrag.
Leider, das muss ich eingestehen, komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass mir sehr viele Dinge sehr unsympathisch sind, bzw. geworden sind, je länger ich über sie nachgedacht habe. Besonders die Aspekte, über die es sich lohnt, zu reden (oder vielleicht auch einmal freundschaftlich zu streiten), führen bei mir regelmäßig zu der Erkenntnis, dass es andernorts einfach besser ist. Das betrifft fast alle Bereiche der Politik, sei es Außen- oder Innenpolitik, Umweltschutz, Ressourcenmanagement, Rechtssicherheit, soziale Gerechtigkeit oder von mir aus auch Nichtraucherschutz. Natürlich die Bürokratie. Die Menschen in Russland können zuweilen auch ziemlich rücksichtslos zueinander sein, zumindest im Vergleich vielen anderen Ländern.
Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Aspekte, die ich an Russland und den Russen sehr mag.
Zum einen finde ich den Fleiß bewundernswert, mit dem viele sich für ihre Sache ins Zeug legen, zum Beispiel bei der Arbeit (sofern sie anständig bezahlt wird), aber nicht nur dort. Die Menschen übernehmen sehr früh für sich selbst Verantwortung und sind auch dazu in der Lage, sich ihr Recht zur Not auch auf informellem Wege zu erkämpfen, etwa beim Umgang mit Gesetzeshütern. Russen sind allgemein, meiner Erfahrung nach, ziemlich durchsetzungsfähig.
Mir fällt auch auf, dass Familienwerte sehr hochgehalten werden. Ich will sicher nicht behaupten, dass Deutsche zum Beispiel ihre nächsten Verwandten weniger liebten, aber Russen sind sich dessen vielleicht eher bewusst. Eine ganze Menge Westeuropäer denkt ganz unwillkürlich zuerst oft an sich selbst, dann erst an Eltern oder Geschwister. Ich möchte es einmal so erklären: Ich frage Bekannte und Freunde manchmal, was sie tun würden für den Fall, eine Million Euro frei zur Verfügung zu haben. Bei Westeuropäern hört man viel eher Antworten wie: „eine Weltreise machen“, „das Geld gewinnbringend anlegen“, „ein Haus [oder etwas anderes beliebiges] kaufen“. Russen haben mir dagegen öfter auch geantwortet: „Meine Eltern im Sommer in den Kurort schicken“, oder: „meinem Bruder das Studium finanzieren“.
Das Leben in Russland ist auch in vielerlei Hinsicht nicht so kompliziert wie in westlichen Ländern. In Russland weiß man normalerweise ziemlich klar, welche Rolle man zu erfüllen hat. In Deutschland hingegen herrscht breite Orientierungslosigkeit. Beispielsweise wird Frauen von den Medien das Bild der Frau suggeriert, die problemlos und selbstbewusst Karriere, Kinder und einen interessanten gutaussehenden Ehemann miteinander vereinbart – was letzten Endes aber frustriert, weil das nur eine Minderheit wirklich vollbringen kann. Aufgrund dieser Unsicherheit wissen aber auch viele Männer nicht, was nun eigentlich von ihnen erwartet wird: Einerseits will man sich den modernen Bedürfnissen der Frauen anpassen, andererseits haben auch Männer ein traditionelles (womöglich aber ebeso durch Medien vermiteltes) Idealbild von sich vor Augen, nämlich als erfolgreicher, durchsetzungsfähiger Leader im Beruf und normalerweise auch in der Beziehung (welcher Mann würde schon „pod kablukom“ leben wollen?). Unheimlich viele Menschen aus meinem Umfeld, also etwas Mitte bis Ende 20, finden nicht mehr zueinander, weil niemand den Erwartungen des Anderen entspricht. Irgendwie macht das die Menschen ziemlich schizophren, oft auch unglücklich. In Russland ist das aber tendenziell nicht so.
Nur, um das klarzustellen. Ich bin nicht gegen die Emanzipation von Frauen. Sie passiert, und Frauen haben natürlich ebenso das Recht auf freie Entfaltung wie Männer. Ich sage nur: Es ist echt kompliziert geworden.
Zum Schluss: Russen haben ein Identitätsbewusstsein. Sicher, das schlägt insbesondere in letzter Zeit mit dem Nationalismus eine ganz ungesunde Richtung ein. Aber allgemein fehlt mir zuweilen die Bekenntnis zum eigenen kulturellen Erbe in einem Land wie Deutschland. Das Volkslied wird doch nur von ein paar Seniorengesangsvereinen gepflegt, Volkstänze sind praktisch ausgestorben. Klar, auch in Russland habe ich noch nie erlebt, dass irgendwer auf einer Party anfängt, einen Säbeltanz aufzuführen, die Volkskultur wird nicht so gepflegt wie z.B. auf dem Balkan; aber Russen kennen wenigstens noch ein paar Lieder, die sie gemeinsam singen können.
Ich bin schon lange nicht mehr der Meinung, dass abseits der Poesie eine Art „russische Seele“ existiert, die das alles erklärten könnte. So könnte man die hohe Wertschätzung der Familie beispielsweise darauf zurückführen, dass auf den Schutz durch die Gesellschaft nunmal kein Verlass ist, man also Freunde und Familie einfach viel dringender braucht als in Westeuropa. Aber das ändert nichts an meiner Sichtweise.
So, das nur als persönliche Meinung, natürlich ohne Anspruch auf Richtigkeit.
Leider, das muss ich eingestehen, komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass mir sehr viele Dinge sehr unsympathisch sind, bzw. geworden sind, je länger ich über sie nachgedacht habe. Besonders die Aspekte, über die es sich lohnt, zu reden (oder vielleicht auch einmal freundschaftlich zu streiten), führen bei mir regelmäßig zu der Erkenntnis, dass es andernorts einfach besser ist. Das betrifft fast alle Bereiche der Politik, sei es Außen- oder Innenpolitik, Umweltschutz, Ressourcenmanagement, Rechtssicherheit, soziale Gerechtigkeit oder von mir aus auch Nichtraucherschutz. Natürlich die Bürokratie. Die Menschen in Russland können zuweilen auch ziemlich rücksichtslos zueinander sein, zumindest im Vergleich vielen anderen Ländern.
Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Aspekte, die ich an Russland und den Russen sehr mag.
Zum einen finde ich den Fleiß bewundernswert, mit dem viele sich für ihre Sache ins Zeug legen, zum Beispiel bei der Arbeit (sofern sie anständig bezahlt wird), aber nicht nur dort. Die Menschen übernehmen sehr früh für sich selbst Verantwortung und sind auch dazu in der Lage, sich ihr Recht zur Not auch auf informellem Wege zu erkämpfen, etwa beim Umgang mit Gesetzeshütern. Russen sind allgemein, meiner Erfahrung nach, ziemlich durchsetzungsfähig.
Mir fällt auch auf, dass Familienwerte sehr hochgehalten werden. Ich will sicher nicht behaupten, dass Deutsche zum Beispiel ihre nächsten Verwandten weniger liebten, aber Russen sind sich dessen vielleicht eher bewusst. Eine ganze Menge Westeuropäer denkt ganz unwillkürlich zuerst oft an sich selbst, dann erst an Eltern oder Geschwister. Ich möchte es einmal so erklären: Ich frage Bekannte und Freunde manchmal, was sie tun würden für den Fall, eine Million Euro frei zur Verfügung zu haben. Bei Westeuropäern hört man viel eher Antworten wie: „eine Weltreise machen“, „das Geld gewinnbringend anlegen“, „ein Haus [oder etwas anderes beliebiges] kaufen“. Russen haben mir dagegen öfter auch geantwortet: „Meine Eltern im Sommer in den Kurort schicken“, oder: „meinem Bruder das Studium finanzieren“.
Das Leben in Russland ist auch in vielerlei Hinsicht nicht so kompliziert wie in westlichen Ländern. In Russland weiß man normalerweise ziemlich klar, welche Rolle man zu erfüllen hat. In Deutschland hingegen herrscht breite Orientierungslosigkeit. Beispielsweise wird Frauen von den Medien das Bild der Frau suggeriert, die problemlos und selbstbewusst Karriere, Kinder und einen interessanten gutaussehenden Ehemann miteinander vereinbart – was letzten Endes aber frustriert, weil das nur eine Minderheit wirklich vollbringen kann. Aufgrund dieser Unsicherheit wissen aber auch viele Männer nicht, was nun eigentlich von ihnen erwartet wird: Einerseits will man sich den modernen Bedürfnissen der Frauen anpassen, andererseits haben auch Männer ein traditionelles (womöglich aber ebeso durch Medien vermiteltes) Idealbild von sich vor Augen, nämlich als erfolgreicher, durchsetzungsfähiger Leader im Beruf und normalerweise auch in der Beziehung (welcher Mann würde schon „pod kablukom“ leben wollen?). Unheimlich viele Menschen aus meinem Umfeld, also etwas Mitte bis Ende 20, finden nicht mehr zueinander, weil niemand den Erwartungen des Anderen entspricht. Irgendwie macht das die Menschen ziemlich schizophren, oft auch unglücklich. In Russland ist das aber tendenziell nicht so.
Nur, um das klarzustellen. Ich bin nicht gegen die Emanzipation von Frauen. Sie passiert, und Frauen haben natürlich ebenso das Recht auf freie Entfaltung wie Männer. Ich sage nur: Es ist echt kompliziert geworden.
Zum Schluss: Russen haben ein Identitätsbewusstsein. Sicher, das schlägt insbesondere in letzter Zeit mit dem Nationalismus eine ganz ungesunde Richtung ein. Aber allgemein fehlt mir zuweilen die Bekenntnis zum eigenen kulturellen Erbe in einem Land wie Deutschland. Das Volkslied wird doch nur von ein paar Seniorengesangsvereinen gepflegt, Volkstänze sind praktisch ausgestorben. Klar, auch in Russland habe ich noch nie erlebt, dass irgendwer auf einer Party anfängt, einen Säbeltanz aufzuführen, die Volkskultur wird nicht so gepflegt wie z.B. auf dem Balkan; aber Russen kennen wenigstens noch ein paar Lieder, die sie gemeinsam singen können.
Ich bin schon lange nicht mehr der Meinung, dass abseits der Poesie eine Art „russische Seele“ existiert, die das alles erklärten könnte. So könnte man die hohe Wertschätzung der Familie beispielsweise darauf zurückführen, dass auf den Schutz durch die Gesellschaft nunmal kein Verlass ist, man also Freunde und Familie einfach viel dringender braucht als in Westeuropa. Aber das ändert nichts an meiner Sichtweise.
So, das nur als persönliche Meinung, natürlich ohne Anspruch auf Richtigkeit.
Re: Was ich an Russland mag
Danke, Waldmeister, für den interessanten Beitrag. Ich bin vielleicht nicht in allem deiner Meinung, aber das Thema ist "Was ich an Russland mag" - und darüber muss ich erst mal nachdenken. Vor ein paar Jahren hätte ich darauf vielleicht schneller geantwortet, aber seit ich dauerhaft hier lebe, finde ich spontan leider nicht mehr so viele Dinge, die ich mag. Es gibt sie, aber - wie gesagt - die muss ich mir erst mal bewusst machen.
Du erntest, was du säst.
Re: Was ich an Russland mag
Spontan faellt mir nur ein, dass man mit dem Auto nicht an jedem Zebrastreifen anhalten muss. Zur Not hupt man, dann springen die schon zurueck auf den Buergersteig... Ausserdem kann man auch vom rechten Fahrstreifen aus an der Ampel links abbiegen und umgekehrt. In D wuerden sie dich dafuer aus dem Auto holen.
Was den "Familienzusammenhalt" betrifft, da kann ich nur sagen, dass gerade mal wieder meine Mutter fuer 2 Wochen da war, um mit den Kindern ein wenig zu helfen. Meine russische Schwiegermutter laesst sich alle 2 Wochen mal fuer 2-3 Stunden sehen und das auch nur, wenn wir da sind. Von wegen "helfen". Also in der Hinsicht geht der Punkt bei mir an Deutschland ;-)
Ansonsten.... muesste ich auch erstmal ueberlegen.
Was den "Familienzusammenhalt" betrifft, da kann ich nur sagen, dass gerade mal wieder meine Mutter fuer 2 Wochen da war, um mit den Kindern ein wenig zu helfen. Meine russische Schwiegermutter laesst sich alle 2 Wochen mal fuer 2-3 Stunden sehen und das auch nur, wenn wir da sind. Von wegen "helfen". Also in der Hinsicht geht der Punkt bei mir an Deutschland ;-)
Ansonsten.... muesste ich auch erstmal ueberlegen.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)
W. Churchill (1940)
Re: Was ich an Russland mag
ich würde vermuten, Dietrich, dass die Situation mit Deiner Schwiegermutter etwas aus der Reihe ist. Ich habe bis jetzt nur das Gegenteil erlebt, bei mir in der Familie sowie bei Freunden und Bekannten. Deutsche Verwandte lassen sich ab und zu blicken, um sich ihr Enkelkind anzuschauen und mit ihm ein bisschen zu spielen (nicht füttern! nicht wickeln! nur spielen!) und helfen nur in Notfällen, wenn sie ausdrücklich darum gebeten werden. Russische Omas und Opas fliegen für 3 Monate nach Deutschland und kümmern sich um ihre Enkel. Und wenn die Enkel auch in Russland sind, ist es selbstverständlich, dass sie von Oma/Opa betreut werden.
Das kommt meiner Meinung nach nicht nur durch Emanzipation, sondern ist auch Folge eines anderen Verständnisses der Familienverhältnisse: Deutsche Oma denkt - sie haben eine eigene Familie, und ich mische mich nicht ein. Russische Oma zählt sich selbstverständlich zur Familie der Kinder. Dazu kommt noch, dass 3 Generationen oft noch zusammenwohnen. Auf der anderen Seite, die ständige Einmischung und Ratschläge können auch nervig werden, und man wünscht sich mehr Distanz.
Dietrich, ich würde in deinem Fall pragmatisch sehen - jetzt habt ihr den Nachteil, dafür aber später, wenn ihr irgendwann nach DE zurückkehrt, wieder eine fürsorgliche Oma in der Nähe
Gruß
Oletsch
Das kommt meiner Meinung nach nicht nur durch Emanzipation, sondern ist auch Folge eines anderen Verständnisses der Familienverhältnisse: Deutsche Oma denkt - sie haben eine eigene Familie, und ich mische mich nicht ein. Russische Oma zählt sich selbstverständlich zur Familie der Kinder. Dazu kommt noch, dass 3 Generationen oft noch zusammenwohnen. Auf der anderen Seite, die ständige Einmischung und Ratschläge können auch nervig werden, und man wünscht sich mehr Distanz.
Dietrich, ich würde in deinem Fall pragmatisch sehen - jetzt habt ihr den Nachteil, dafür aber später, wenn ihr irgendwann nach DE zurückkehrt, wieder eine fürsorgliche Oma in der Nähe
Gruß
Oletsch
Re: Was ich an Russland mag
Lieber Waldmeister, erst einmal ein großes Kompliment zu Deinen sehr persönlichen und offenen Beitrag. Viele Dinge sehe und empfinde ich ähnlich.
Aus meiner persönlichen Situation heraus mußte ich mir letztes Jahr auch diese Frage stellen, als es zu entscheiden galt, hier weiterhin (nach knapp fünf Jahren) zu leben oder in ein anderes Land bzw. in die Heimat zurück zu gehen. Ich bin hier geblieben. Warum?
1. Es gibt hier die besseren Karrierechancen und auch deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten auf Grund der extremen Lohnspirale und der niedrigen Besteuerung.
2. Mein russisch/deutscher Freundeskreis ist mir ans Herz gewachsen.
3. Man trifft hier fast nur interessante und "keinesfalls weichgespülte" Ausländer, sondern meist Leute mit "Ecken und Kanten" und mit interessanter Biografie.
4. Das Leben hier ist einfach spannend. Steht man vor Problemen, ob in der Bank, in der Werkstatt, im Job, etc. und hat den Glauben an eine Lösung bereits verloren, löst sich wie durch Wunderhand alles auf. Leider hat nicht jeder eine so große Geduld.
5. In keiner europäischen Stadt gibt es solche gigantischen Baustellen. Ich mag Moscow City!
Ja, Auto fahren, mag ich auch - am besten bei Nacht und lauter Musik (Rammstein - MOSKAU). Aber leider wird der Spaß durch die neuen Regeln empfindlich gedämpft.
Kultur, Kultur, Kultur - man muß einfach nur vor die Türe gehen. Und das schöne ist, die Russen sind so wahnsinnig kulturinteressiert - nicht nur das Bildungsbürgertum, sondern auch einfache Leute.
Es gibt auch noch Winter, so wie man ihn aus der Kindheit kennt - Schnee und rote Wangen. Und im Sommer, in dem ewigen Abendrot, spaziert man an der Moskva entlang und beobachtet die jungen Paare im Neskudschoi Sad mit einer Rose in der Hand (und mit roten Wangen) oder beim Tango tanzen - wie im Film.
Und immer wieder bemerkenswert finde ich - die Russen mögen uns. Niemals habe ich ein Wort des Hasses oder des Vorwurfs gehört, was bei unserer gemeinsamen Geschichte ein Wunder ist und bei anderen Nationen (z.B. Israel) noch nicht zur Normalität gehört.
Kurzum, es gibt viele Dinge, die das Leben hier angenehm machen (können). Aber ich gebe zu, ich betrachte meine Umgebung aus einer komfortablen Situation.
Aus meiner persönlichen Situation heraus mußte ich mir letztes Jahr auch diese Frage stellen, als es zu entscheiden galt, hier weiterhin (nach knapp fünf Jahren) zu leben oder in ein anderes Land bzw. in die Heimat zurück zu gehen. Ich bin hier geblieben. Warum?
1. Es gibt hier die besseren Karrierechancen und auch deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten auf Grund der extremen Lohnspirale und der niedrigen Besteuerung.
2. Mein russisch/deutscher Freundeskreis ist mir ans Herz gewachsen.
3. Man trifft hier fast nur interessante und "keinesfalls weichgespülte" Ausländer, sondern meist Leute mit "Ecken und Kanten" und mit interessanter Biografie.
4. Das Leben hier ist einfach spannend. Steht man vor Problemen, ob in der Bank, in der Werkstatt, im Job, etc. und hat den Glauben an eine Lösung bereits verloren, löst sich wie durch Wunderhand alles auf. Leider hat nicht jeder eine so große Geduld.
5. In keiner europäischen Stadt gibt es solche gigantischen Baustellen. Ich mag Moscow City!
Ja, Auto fahren, mag ich auch - am besten bei Nacht und lauter Musik (Rammstein - MOSKAU). Aber leider wird der Spaß durch die neuen Regeln empfindlich gedämpft.
Kultur, Kultur, Kultur - man muß einfach nur vor die Türe gehen. Und das schöne ist, die Russen sind so wahnsinnig kulturinteressiert - nicht nur das Bildungsbürgertum, sondern auch einfache Leute.
Es gibt auch noch Winter, so wie man ihn aus der Kindheit kennt - Schnee und rote Wangen. Und im Sommer, in dem ewigen Abendrot, spaziert man an der Moskva entlang und beobachtet die jungen Paare im Neskudschoi Sad mit einer Rose in der Hand (und mit roten Wangen) oder beim Tango tanzen - wie im Film.
Und immer wieder bemerkenswert finde ich - die Russen mögen uns. Niemals habe ich ein Wort des Hasses oder des Vorwurfs gehört, was bei unserer gemeinsamen Geschichte ein Wunder ist und bei anderen Nationen (z.B. Israel) noch nicht zur Normalität gehört.
Kurzum, es gibt viele Dinge, die das Leben hier angenehm machen (können). Aber ich gebe zu, ich betrachte meine Umgebung aus einer komfortablen Situation.
Re: Was ich an Russland mag
Danke, waldmeister, alleine fuer die Fragestellung.
"Ich weigere mich, einen Unterschied zwischen den Voelkern zu machen und von guten und schlechten Nationen zu sprechen, aber einen Unterschied zwischen den Menschen muss ich machen." F. Duerrenmatt "Der Verdacht"
Re: Was ich an Russland mag
Vielleicht ist es kein Zufall, dass Ihr in Russland wohnt, sondern es ist Eure Bestimmung. Nicht nur für den
Selbstzweck, sondern auch für das Weiterentwickeln von diesem Land mit seinen herrlichen Menschen.
LG. Werner
Selbstzweck, sondern auch für das Weiterentwickeln von diesem Land mit seinen herrlichen Menschen.
LG. Werner
Re: Was ich an Russland mag
Turbo-Korruptions-Kapitalismus ohne jegliche soziale Note.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)
W. Churchill (1940)
Re: Was ich an Russland mag
Dietrich, das Thema heißt: "Was ich an Russland mag"... sag doch einfach mal, was du magst (wenn es sowas gibt) und lass dafür das, was die anderen mögen, mal unkommentiert.
(Ich weiß, das fällt schwer...)
Du erntest, was du säst.



