Interview mit Sergej Kapiza auf Spiegel online über den russischen Brain Drain Richtung USA
"Bill Gates wird auf Russlands Kosten reich"
Russische Forscher gehörten einst zur Weltspitze - und suchen heute ihr Glück im Westen. Sergej Kapiza, in Russland mit Wissenschafts-TV berühmt geworden, fordert ein Eingreifen des Staates, um die "amoralischen und verbrecherischen Werte" im Fernsehen zu bekämpfen und Forschung zu fördern.
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SPIEGEL ONLINE: Warum konnten die großen Privatunternehmen mit den sogenannten Oligarchen an der Spitze nicht die Lücke füllen, die der Staat hinterlassen hat?
Kapiza: Da ist tatsächlich nicht viel passiert. Sie sind am schnellen Geld interessiert. Mit der Wissenschaft ist es wie mit einer Familie und Kindern. Man muss viel und lange investieren, damit es zu einem guten Resultat kommt. Für schnellen Sex gibt es Prostituierte.
SPIEGEL ONLINE: Was muss getan werden, um die russische Wissenschaft wieder auf breiter Front zur Weltspitze zu führen?
Kapiza: Kürzlich hat mir unser Finanzminister Sergej Kudrin die gleiche Frage gestellt. Ich sagte ihm, dass wir den Wissenschaftlern die Gehälter dramatisch erhöhen müssen. Die gleiche Summe in Dollar, die sie in Rubel bekommen! Das wäre etwa 25 Mal so viel. Kudrin dachte erst, er hätte sich verhört. Aber warum soll ein Institutsleiter weniger verdienen als ein Bankchef? Ich habe einen Bekannten, einen jungen Studenten, der bekommt in Russland ein monatliches Stipendium von 1500 Rubel, umgerechnet gerade 40 Euro. Die amerikanische Columbia University hat ihm 1500 Dollar angeboten. Was denken Sie, wie sich junge Menschen in dieser Situation entscheiden? Präsident Putin hat angekündigt, Geld aus dem Staatshaushalt und dem Stabilitätsfonds, den Überschüssen aus Öl- und Gaseinnahmen in moderne Technologien zu stecken. Die Richtung stimmt. Aber vom Schreibtisch des Präsidenten bis zur Umsetzung ist es auch in Russland ein weiter Weg.
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