miroslav hat geschrieben:Ich würde noch gern etwas wissen, gab es bei euch jemand der euch bei euren Vorhaben unterstützt hat?
Bei mir kann ich das vergessen! Meine Eltern sind dagegen, Verwandte, Freunde alle sind sie dagegen. Schweizer eben.

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Ich habe alles ganz allein gemacht, da ich ohnehin seit Jahren keinerlei Kontakte mehr zu meiner Familie hatte. Meine engeren Freunde haben mich eher mit besorgten Gesichtern angeschaut, als sie hörten, was ich vor habe.
Letzeres aber nicht, weil meine damals noch Verlobte aus Russland kam, sondern wohl eher wegen der abenteuerlichen Umstände, wie wir uns kennen gelernt hatten.
Das sie hier nicht herkommen wollte um "abzusahnen", war ja schon dadurch klar, dass sie sich jahrelang beharrlich und gezielt darauf vorbereitet hatte, für ein weiteres Studium herzukommen. Sonst wären wir uns gar nicht erst begegnet.
Das mit dem Studium hätte sie auch ohne mich geschafft, obwohl ich sie dann letztlich schon bei der Einschreibung kräftig unterstütz habe - weil ich halt wusste, wie das geht. Es ist schließlich nicht so leicht, sich in den hiesigen Regelungen zu orientieren, wenn man aus Tatarstan kommt.
Venera (meine Frau) hat eigentlich auch alles ganz selbständig gemacht. Widerstände durch ihre Eltern gab es aber nicht. Höchstens gewisse Ängste, wie es ihrem Töchterchen wohl ergehen würde, mit einem "wildfremden Mann", den sie noch nie gesehen hatten und der knapp 17 Jahre älter ist. Finanziell und organisatorisch konnten die Eltern sie auch nur sehr geringfügig unterstützen. Aber sie hatten ihre Tochter auch ganz gezielt zur Selbstständigkeit erzogen und sind noch immer sehr stolz darauf, wie sie ihren Weg geht.
Ich muss jedoch sagen, dass uns sehr zugute kam, dass ich schon einiges an Lebens- und Berufserfahrungen hinter mir hatte. Meine Frau merkte sehr früh, das sie sich auf mich verlassen kann und ihr keine Märchen erzähle. Das ich alles andere als wohlhabend bin, war auch von Anfang an klar.
Mehr als Hilfe zur Selbsthilfe konnte ich ihr außer einem Dach überm Kopf und einem ausreichend ausgestatteten Haushalt nicht bieten. Aber das hat auch vollkommen gereicht.
Enorm verbindend zwischen uns ist aber bis heute, dass meine Kindheit in den 1960er Jahren der DDR und ihre in den 1980er Jahren der Sowjetunion sehr große Ähnlichkeiten und familiäre Parallelen aufweisen. Das betrifft ebenso die berufliche, politische und soziale Situation unserer Eltern / Familien.
Was meine Vorredner über die soziale Rolle junger Frauen in Russland gesagt haben, ist natürlich absolut richtig.
Ich hatte das in meinen vorigen Äußerungen nur nicht so deutlich sagen wollen. Aber gerade für junge Mädchen mit hohem Bildungspotenzial steht sehr sehr früh die Frage im Raum:
"Was wird aus mir? Wie gelingt es mir, ein halbwegs zufriedenstellendes Leben in angemessenen Umständen zu verbringen?"
Um es drastisch zu sagen: In dem vergleichbaren Alter können hier viele noch nicht einmal mit Messer und Gabel essen.
Meine Frau erzähle mir auch unendlich viele Geschichten zu diesen Dingen aus ihrer Schul- und Studentinnenzeit. Um diese Fragen drehte sich unter ihren Freundinnen ALLES.
Nicht ohne Grund sind wir hier im Westen allzu oft sehr beeindruckt davon, wie viel Mühe die jungen Frauen aus den östlichen Staaten auf ihr Äußeres verwenden (abgesehen davon, dass sie dabei über gewisse naturbedingte Vorteile verfügen

)
Aber genau so hoch im Kurs steht der Erwerb hochqualifizierter Bildungsabschlüsse. Und beides zusammen ist hier natürlich deutlich seltener.
Als es konkret um die Organisation unserer Heirat ging, verlangten die dt. Behörden von mir eine Rechtfertigung, weshalb ich ausgerechnet eine so junge Frau aus Russland heiraten wolle!
Es viel mir nicht schwer, in meiner Stellungnahme darauf zu schreiben, "... dass sich in der Persönlichkeit meiner Verlobten ein Grad an sozialer und intellektueller Reife und Kompetenz darstellt, den man in der vergleichbaren Altersgruppe in Deutschland nicht oder nur extrem selten vorfinden kann."
So viel zur "Rechtfertigung" Eurer Beziehung gegenüber der sozialen Umgebung, die sich da so ablehnend zeigt.
Haben Deine Eltern Deine Freundin eigentlich schon mal persönlich kennen gelernt?
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)