Krieg/ Georgien/ Ossetien

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Zejtnot
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Re: Krieg/ Geogien/ Ossetien

Beitrag von Zejtnot »

Was mir auffällt in diesem Konflikt: Die extreme Schwarz-Weiß-Malerei auf beiden Seiten. Unerträglich.

Und was mir in den Sinn kommt: Russland spielt mit dem Feuer. Noch sind die Südosseten die Freunde. Angenommen man hilft denen nun, von Georgien loszukommen - dann kann sich das Blatt schnell wenden. In irgendeinem Spiegel-Artikel der letzten Tage wurden die Osseten als eigenwilliges Volk eingeschätzt. Welches eigenwillige Volk will denn gern aus Moskau regiert werden?! Insofern sehe ich hier ein mit schnellen Schritten näher kommendes Problem für Russland! Und Nordossetien liegt (wie auch Tschetschenien) auf russischem Territorium.
elch-michel

Re: Krieg/ Geogien/ Ossetien

Beitrag von elch-michel »

Zejtnot hat geschrieben:Was mir auffällt in diesem Konflikt: Die extreme Schwarz-Weiß-Malerei auf beiden Seiten. Unerträglich.

Und was mir in den Sinn kommt: Russland spielt mit dem Feuer. Noch sind die Südosseten die Freunde. Angenommen man hilft denen nun, von Georgien loszukommen - dann kann sich das Blatt schnell wenden. In irgendeinem Spiegel-Artikel der letzten Tage wurden die Osseten als eigenwilliges Volk eingeschätzt. Welches eigenwillige Volk will denn gern aus Moskau regiert werden?! Insofern sehe ich hier ein mit schnellen Schritten näher kommendes Problem für Russland! Und Nordossetien liegt (wie auch Tschetschenien) auf russischem Territorium.
Wenn einige wenige einen Nutzen davon haben, dann ist das Kriegsziel doch schon erreicht.

Aber welche wirtschaftliche Überlebenschancen haben denn die Kleinstaaten ohne Bündnisse heute noch?

Ist das nicht schon vergleichbar mit den globalen Industriekonzernen und den nationalen Mittelstandsbetrieben in Deutschland?
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Zejtnot
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Re: Krieg/ Geogien/ Ossetien

Beitrag von Zejtnot »

elch-michel hat geschrieben:Ist das nicht schon vergleichbar mit den globalen Industriekonzernen und den nationalen Mittelstandsbetrieben in Deutschland?
Na klar, Bionade bombardiert demnächst die deutschen Filialen von Coca-Cola und alles ist eine Verschwörung von Pepsi. Danke für die Erhellung!
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harald63
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Re: Krieg/ Geogien/ Ossetien

Beitrag von harald63 »

Eines ist aber wohl wie immer: Die Leute in dem Gebiet, egal mit welchem Pass, sind denen, die die Machtspielchen spiele, sowas von egal. Das ist Manövriermasse. Wenn der russischen Regierung das Wohl der Russen so sehr am Herzen läge, gäbe es auf eigenem Territorium mehr als genug zu tun. Von der Kohle, die dieser Feldzug kostet, könnte man einiges an Infrastruktur auf Vordermann bringen. Aber wenn es darum geht, Brücken zu zerballern, ist immer Kohle da. Wenn es dann um den Wiederaufbau geht, wird plötzlich jeder Dollar, Euro, Rubel dreimal umgedreht. Sieht man überall.
Die Position Russlands (im Sinne von "Ansehen") wird daran gemessen werden, wieweit sich Russland in seinen Aktionen auf Südossetisches Gebiet beschränkt. Tun sie das, können sie relativ gut durchkommen. Erweitern sie die Operation "unnötig" auf Georgien, wird es die nächsten Jahre sehr schwierig.
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Dietrich
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Re: Krieg/ Geogien/ Ossetien

Beitrag von Dietrich »

Hier dazu eine interessante Ansicht aus Schweden:
Deutliche Worte für das russische Vorgehen auf dem Kaukasus fand auch der schwedische Außenminister Carl Bildt. In einer Stellungnahme zu dem Konflikt zwischen Georgien und Russland um Südossetien, verglich Bildt die russische Militärintervention mit dem Vorgehen Adolf Hitlers im Zweiten Weltkrieg.

"Kein Staat hat das Recht das Staatsgebiet eines anderen Staates mit militärischen Mitteln zu verletzen, nur weil einige Bürger dort Pässe des intervenierenden Staates besitzen", sagte Bildt. "Jedes mal wenn sich in Europa ein Staat dieses Recht herausgenommen hat, führte das zu einem Krieg. Und wir haben die Pflicht uns daran zu erinnern, wie sich Adolf Hitler vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert dieses Recht herausgenommen hat, um weite Teile Mitteleuropas anzugreifen".
(aus http://www.welt.de/politik/arti2310601/ ... pagne.html)

Ich finde diese Argumentation der Russen, die einem hier im Moment rund um die Uhr in Radio und TV eingetrichtert wird ("wir muessen doch unsere Ladnsleute schuetzen") auch etwas schwach. Denn einerseits IST es nunmal georgisches Gebiet und andererseits sollen wohl auch nicht wenige russische Paesse erst in den letzten Jahren ausgestellt worden sein.

Man stelle sich vor, Kaliningrad erklaert sich selbststaendig und wir fangen an, in Kaliningrad deutsche Paesse zu verteilen. Wenn Russland der Zirkus dann zu bunt wird, dann greifen wir an, weil da ja jede Menge deutscher Staatsbuerger zu schuetzen sind....

Das die Georgier sich zu einem Angriff haben provozieren lassen, ist natuerlich auch kaum zu begreifen. Aber von ihrem politischen Handeln und Denken sind es eben irgendwie doch auch noch immer Sowjets....
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7punkt
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Re: Krieg/ Geogien/ Ossetien

Beitrag von 7punkt »

Dietrich hat geschrieben:..Ich finde diese Argumentation der Russen, die einem hier im Moment rund um die Uhr in Radio und TV eingetrichtert wird ("wir muessen doch unsere Ladnsleute schuetzen") auch etwas schwach....
Isses auch so. In RU war das menschliche Leben nie was wert, daher achtet schon keiner auf solche Sprueche von der Regierung. Es geht nur um Geopolitik und, dass wir keine NATO-Stuetzpunkte an unserer Grenze haben wollen. Ich glaube irgendwie auch daran, dass die Georgier den Krieg angefangen haben, nur ist net klar, was war der Anlass, wieso ploetzlich der Angriff :roll:
"Ich weigere mich, einen Unterschied zwischen den Voelkern zu machen und von guten und schlechten Nationen zu sprechen, aber einen Unterschied zwischen den Menschen muss ich machen." F. Duerrenmatt "Der Verdacht"
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harald63
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Re: Krieg/ Geogien/ Ossetien

Beitrag von harald63 »

Dietrich hat geschrieben: Ich finde diese Argumentation der Russen, die einem hier im Moment rund um die Uhr in Radio und TV eingetrichtert wird ("wir muessen doch unsere Ladnsleute schuetzen") auch etwas schwach. Denn einerseits IST es nunmal georgisches Gebiet und andererseits sollen wohl auch nicht wenige russische Paesse erst in den letzten Jahren ausgestellt worden sein.

Man stelle sich vor, Kaliningrad erklaert sich selbststaendig und wir fangen an, in Kaliningrad deutsche Paesse zu verteilen. Wenn Russland der Zirkus dann zu bunt wird, dann greifen wir an, weil da ja jede Menge deutscher Staatsbuerger zu schuetzen sind....
So weit muss man nichtmal ausholen. Beide Seiten haben es zwar recht gut gehandled, aber als damals die Türken eigene Brandexperten nach Mannheim schickten, war das ja schon etwas beleidigend, allerdings als De-Eskalationsmaßnahme wohl notwendig. Man stelle sich mal vor, die Türkei schickte nach einem solchen Vorkommnis militärische Einheiten, um ihre Landsleute zu schützen...
Ich gebe aber zu, mir fehlt komplett der Hintergrund, wie dort in Georgien/Südossetien dort mit den Leuten umgegangen wurde - auf beiden Seiten. Ich vermute mal, beide Seiten haben sich nichts geschenkt. Oder konnten Georgier in Südossetien ganz normal leben?
Zuletzt geändert von harald63 am 11 Aug 2008, 11:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Zejtnot
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Re: Krieg/ Geogien/ Ossetien

Beitrag von Zejtnot »

Die einzige plausible Erklärung, die ich mir im Moment vorstellen kann, was dort gespielt wird:

Amerika will, dass Georgien in die NATO kommt, damit es einfacher ist, ein paar Raketen im Kaukasus zu stationieren. Russland ist dagegen. Insofern stichelt Moskau so lange, bis die Georgier über die Stränge schlagen und Bomben abwerfen. Da Europa natürlich nicht verrückt ist, versagt es Georgien seine Unterstützung. Damit hat Russland erreicht was es wollte - Georgien wird die nächsten 10 Jahre definitiv nicht in die NATO aufgenommen.

Angenommen, diese These ist richtig, dann hätte Georgien in der Tat angefangen, wobei Russland alles dafür getan hat, damit es dazu kommt.
achim

Re: Krieg/ Geogien/ Ossetien

Beitrag von achim »

So in der Art vermute ich es auch.

Wenn es allerdings wahr ist, dass Georgien die Südossetische Hauptstadt quasi in einen Trümmerhaufen zerbombt hat und dabei tausende von Menschenleben vernichtet hat, dann kann ich die Reaktionen Russlands sogar verstehen.

Die Härte, mit der die Georgier auf eventuelle Sticheleien von Russland reagiert haben läßt vermuten, dass es noch weitere Akteure bei der Planung gibt, die noch weiteres im Sinn haben.

Eigentlich Absurd: Kann ein Staatschef eventuell mit dem Verlußt pokern und sich der unliebsamen Teile des Staatsgebietes ohne Gesichtsverlußt entledigen?
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harald63
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Re: Krieg/ Geogien/ Ossetien

Beitrag von harald63 »

Dann hätte die georgische Regierung aber sehr dumm gehandelt.
Wobei... ich denke, die georgische Regierung hat dumm gehandelt.
Selbst wenn es, aufgrund russischer Truppenbewegungen, ein Präventivschlag der Georgier war: Klar ist doch, das man so oder so militärisch gegen die Russen nicht gewinnen kann. Warum dann also auch noch durch einen Präventivschlag den Russen einen Anlass geben und selber seine politische Position schwächen?
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