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Nikolaus hat geschrieben:...Ja, es waere langwierig, Einzelheiten zu betrachten, insbesondere da sie zum guten Teil am Thema vorbeigehen.
Wieso am Thema vorbei? Du bist ja im Thread nicht der Erste und Einzige, der die Auswahl der Fakten und dessen platte Interpretation fuer nicht gerade objektiv haelt. Insofern werden, gerade bei dem Author, nicht nur die Beispiele diskutiert, sondern auch Gruende dafuer, wie diese "Bilder" entstehen. Die Regeln sind ja nicht in Stein gemeißelt.
Sorry, ich meinte eigentlich auch: "Ja, es waere langwierig, Einzelheiten [des Beitrags von Zeppelin] zu betrachten, insbesondere da sie zum guten Teil am Thema vorbeigehen."
Aber man laesst sich eben manchmal ablenken, und schon ist die Formulierung missglueckt.
Zeppelin hat geschrieben:Kurzum: Es scheint den Leuten in RUS wichtiger zu sein, ausgiebig zu trauern, als präventiv auf möglichst langes Leben hinzuwirken. Seele, Schicksal, eigene Ohnmacht etc. halten dann zur Rechtfertigung her.
Frage: Wer sind denn diese "Leute"? Kannst du das mal präzisieren? Deine völlig abstuse Behauptung kannst du als analytisch-empirischer Soziologe, der sich ja nur an Fakten hält, sicherlich untermauern.
"Eines der zentralen Probleme heutzutage ist, dass die Politik so eine Schande ist. Gute Menschen gehen nicht in die Politik." (Donald Trump)
Kultgrieche hat geschrieben:Deine völlig abstuse Behauptung
Ich wüsste nicht, welchen Grund ich haben sollte, Dir den Gang in Bibliotheken zu ersparen.
Nenn' Du doch lieber mal Fakten, die eine höchstens gleichhohe Mortalitätsrate in RUS belegen, als z.B. in Westeuropa.
Da Du das nicht kannst und wohl auch nicht willst, erklärt sich das Motiv deinerseits...
Versuch Deine Anmache doch besser bei anderen. Da hast Du vermutlich mehr Erfolg.
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)
Wenn der Threadstarter hier alles liest dann lacht der sich sicher den Arsch voll, zumal er sich ja nicht mehr gemeldet hatte, villeicht währe es besser den Thread mal vorläufig zuzumachen
Zeppelin, kannst du lesen? Auf meine Frage bist du nicht eingegangen. Du hast geschrieben "Kurzum: Es scheint den Leuten in RUS wichtiger zu sein, ausgiebig zu trauern, als präventiv auf möglichst langes Leben hinzuwirken. Seele, Schicksal, eigene Ohnmacht etc. halten dann zur Rechtfertigung her." Das halte ich für völligen Blödsinn. Und weißt du warum? Weil sämtliche meiner Bekannten und Verwandten in Russland alles unternehmen, um möglichst lange zu leben. Stell dir mal vor, die haben den gleichen Lebenstrieb und Überlebenswunsch wie wir in Deutschland, auf gothic oder Todesnähesehnsucht steht da keiner, auf vorzeitiges Sterben hat von denen keiner Bock. Und dafür, dasss die medizinische Versorgung in Russland bescheiden ist oder das Leben an sich dort "gefährlicher" als in Deutschland kann doch der einzelne nichts für.
Ach ja, anmachen will ich dich nicht, stehe nicht auf dich...
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Hallo,
ich weiß nicht, wie russische Mafia-Bosse oder irgendwelche Säufer und Drogenabhängigen sterben. Unsere Familie hat bereits viele Tote zu beklagen. Schon als kleines Kind war ich bei den Beerdigungen dabei. Meine Oma hat mir bereits im Kindesalter über meine Vorfahren berichtet, die vor meiner Geburt gestorben sind, und vor allem darüber, wie sie gestorben sind. Mein Leben in Rußland verbrachte ich hauptsächlich in der Provinz. Vielleicht ist in den Städten wie Moskau oder St. Petersburg anderes üblich, das weiß ich nicht. Bei uns war es so, daß wenn jemand starb, man die Hilfe nicht nur von den Verwandten, sondern vor allen Dingen von den Nachbarn bekam. Wir als Nachbarn haben uns gegenseitig die Hilfe beim Kochen für die Trauergesellschaft angeboten. Man hat als Nachbarin auch von seinem Geld! für die ganzen Leute alleine oder mit anderen Nachbarinnen gekocht (als die letzte Ehre für den Verstorbenen und Wertschätzung für die lieben Nachbarn). Dieses Essen war sehr wichtig, ganz einfach, weil es die Männer aus der eigenen Verwandtschaft oder Freundeskreis waren, die den Toten im Sarg mehrere Meter die Straße entlang trugen, nach der entgültigen Verabschiedung den Körper ins Grab runterließen, und dann das Grab zuschaufelten. Sie waren körperlich und seelich am Ende und MUßTEN was essen! Und alle anderen haben natürlich dann auch mitgegessen. In der Provinz gibt es heute noch keine Bestattungsinstitute. Es gibt Stellen, wo man einen Sarg kaufen kann, wo mein Kränze und Blumen kauft, wo man Grabsteine bestellt. Ich denke ganz einfach, weil kein Bedarf da ist. Denn es ist die Aufgabe der Hinterbliebenen, den Toten zu waschen, ihn anzuziehen und eine Totenwache zu halten. In schlimmsten Fällen, wenn der Tote übel aussah, gab es Spezialisten, die ihn herrichteten. Wenn ein Begräbnis nicht am nächsten Tag möglich war, konnte man die Leiche zur Aufbewahrung in die Leichenhalle bringen. Man ließ übrigens eine verstörte, geschockte Witwe nie allein. Wenn keine Kinder da waren, halfen Nachbarn und Arbeitskollegen und organisierten alles. Als mein Onkel mit 49 an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb, kam sein ganzer Betrieb, etwa 300 Personen, und jeder einzelne Mensch hat meiner Tanze einen Umschlag mit Geld übergeben. Wenn der Sarg mit dem Toten das Haus verläßt, bleibt er trotzdem offen. Die ganze Trauergesellschaft bleibt noch da eine Weile und Pfarrer hält die Trauermesse auch dort. Alle Leute, die zufällig durch diesen Hof gehen und das Begräbnis sehen, haben auch somit die Möglichkeit, vom Toten Abschied zu nehmen. Zugemacht wird der Sarg erst vorm Runterlassen ins Grab. Manche Leute im Westen nennen das Barbarei. Ich sah bereits als Kind nichts Barbarisches darin. Es war mein Opa, den ich bis zur letzten Minute sehen wollte. Ich konnte mich vor ihm 3 Mal verabschieden. Zu Hause, im Hof und auf dem Friedhof.
Ja, die russischen Friedhöfe sehen seltsam aus. Sie sind für mich ein Spiegelbild der "russischen Trauerart"- monumental, chaotisch, spontan, echt und unvorhersehbar. Die Grabsteine lassen manchmal ästhetisch zu wünschen übrig. Aber man sieht daran, daß die Leute sich mit dem Tod ihres geliebten Menschen auch später auseinandersetzen, daß die sich was einfallen lassen, daß es denen nicht egal ist. Ja, die Friedhöfe sind manchmal unendlich groß, und aus ökologischer Sicht ist es vielleicht nicht so toll, aber es sind halt Gräber für immer. In der Provinz gibt es ausschließlich die herkömlich Erdbestattung, und mir persönlich würde es auch gefallen, eine Erdbestattung zu erfahren, wenn der Sarg so groß ist, wie mein Körper zu meinen Lebzeiten es war (und nicht bloß so eine kleine Urne) hat es für mich was mit Würde zu tun. Na ja, wir können es uns nicht immer aussuchen.
Zuletzt geändert von Naila am 11 Mai 2009, 01:08, insgesamt 1-mal geändert.
Naila hat mir mit ihrem Beitrag voll aus dem Herzen gesprochen.
Es gibt im Prinzip hier nichts hinzuzufügen. Ich kenne prominente russische Leute, die Ihre Angehörigen bei Minus 40 Grad in Sibirien selbst begraben haben. In der Nachbarschaft meiner Verwandschaft in Sibirien ist vor kurzem eine mittellose 39jährige alleinerziehende Mutter gestrorben. Die ganze Nachbarschaft hat hier zusammengehalten und geholfen, ich selbst habe mich auch an den Kosten der Beerdigung beteiligt.
Als mein Schwiegervater starb, haben Arbeitskolegen meiner Schwägerin die Beerdigung ausgerichtet, d.h. den Sarg transportiert, das Grab ausgehoben und den Sarg begraben.
Naila hat geschrieben:es sind halt Gräber für immer.
Das ist das, was mir an russischen Friedhöfen im Vergleich zu den deutschen besser gefällt. In Deutschland werden die Plätze ja nach einigen Jahren neu vergeben, soweit ich weiss, es mag ja Gründe haben wie weniger Platz etc., aber ich finde, dass auch dieser Aspekt die etwas pragmatischere Art der Deutschen zeigt, mit den Toten umzugehen. Das fängt schon vor dem Tod an, wenn die Alten ins Heim abgeschoben werden, und zeigt sehr deutlich die Unterschiede in der Mentalität.
Naila hat geschrieben:es sind halt Gräber für immer.
Das ist das, was mir an russischen Friedhöfen im Vergleich zu den deutschen besser gefällt. In Deutschland werden die Plätze ja nach einigen Jahren neu vergeben, soweit ich weiss, es mag ja Gründe haben wie weniger Platz etc., aber ich finde, dass auch dieser Aspekt die etwas pragmatischere Art der Deutschen zeigt, mit den Toten umzugehen. Das fängt schon vor dem Tod an, wenn die Alten ins Heim abgeschoben werden, und zeigt sehr deutlich die Unterschiede in der Mentalität. ...
Da ist etwas dran.
Nur sollte man berücksichtigen, dass es in D ein ziemlich anderes Verhältnis zwischen Bevölkerungszahl und verfügbarer Fläche gibt, als in vielen anderen Ländern.
Insbesondere im Raum der Groß- und größeren Städte ist das ein Problem, denn prakisch jeder m² Land gehört hier irgend jemand.
Doch es ist natürlich auch so, dass hier über die Generationen das Interesse an den Vorfahren (und somit auch der Grabpflege) relativ stark nachlässt.
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)
Spätzleskosake hat geschrieben:Ich kenne prominente russische Leute, die Ihre Angehörigen bei Minus 40 Grad in Sibirien selbst begraben haben.
Eigentlich egal bei welchen Wetterunbilden, Sie sitzen hinten auf dem LKW neben dem aufgebahrten Verstorbenen. Wenn ich dann mal angehalten habe, weil es doch zu sehr regnete/schneite und dem Sohn z.B. einen Mantel, oder Plane umhaengte, habe ich im Spiegel gesehen, wie er Ihn von der Schulter nahm und mit dem gegenueber Sitzendem schuetzend ueber den Sarg hielt ...
Ich habe auch schon mal drei Klageweiber im Auto sitzen gehabt, die auf Grund Ihrer "Groesse" und der Straßenverhaeltnisse bei den groessten Loechern aussteigen mussten, weil der Passat aufgessen hat.
Spätzleskosake hat geschrieben:Die ganze Nachbarschaft hat hier zusammengehalten und geholfen
Was ich auch interessant finde, dass ein Angehoeriger halt bei den Nachbarn persoenlich anfragt, ob Sie helfen kommen und dadurch sich die weitere Hilfe automatisch ergibt, wie das Waschen/Anziehen, Herrichten des Verstorbenen, organisieren der Totenwache, des Fahrzeuges zum Friedhof, der Kapelle, des Essens, der Klageweiber, etc. Gerade die aelteren Frauen bringen sich da sehr liebevoll und aktiv ein.