Sehnsucht nach Grösse

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Naila

Re: Sehnsucht nach Grösse

Beitrag von Naila »

@Marco
als sehr russischfreundlich habe ich komischerweise die Leute aus der ehmaligen DDR erlebt. Ich selbst habe jetzt ein paar Ärzte aus der Ex-DDR kennegelernt, und da gehe ich immer hin. Ich fühle mich da gerade aus Gründen meiner Herkunft besser behandelt. Die Ex-Jugoslaven sind genauso. Und die Tschechen! Als ich zum ersten Mal nach Prag fuhr, dachte ich: "Vorsicht, wahrscheinlich reagieren die Leute auf Russisch allergisch, du sprichst lieber Deutsch mit denen". Nix da. Sie haben mich dort selbst aufgefordert, Russisch zu sprechen, und haben sich gern mit mir auf Russisch unterhalten". Polen sind da ganz anders. Von den baltischen Völkern ganz zu schweigen. Ich habe hier mit einer jungen Frau aus Litauen studiert. Sie besuchte vorzugsweise Seminare, die etwas mit Rußland zu tun hatten, konnte in einem akzentfreien Russisch zitieren, doch mit mir sprach sie nur Deutsch. Ich fand es zwar lustig, habe das aber widerspruchslos akzeptiert. Und als wir mit einer anderen Freundin auf der Musikmesse in Frankfurt überall nach Noten eines georgischen Komponisten gefragt haben, sind wir zufällig bei den Esten gelandet. Sie hätten uns am liebsten vergast, obwohl wir sie in einem höflichen Ton auf Deutsch angesprochen haben. " Nein, so etwas führen wir hier nicht!" Und wie sie die Russen in Estland, Lettland und Litauen behandeln! Friedlliche Menschen, die denen npersönlich nicht getan haben. Nein, für so viel Haß habe ich kein Verständnis. Geschichte hin oder her. Vor allem, wenn es um junge Leute geht, die das alles nicht persönlich erlebt haben. Das ist so was von infantil. Kasachstan ist da ganz anders. Ich bin nicht in Kasachstan geboren, und habe dort 7 Jahre meines Lebens verbracht. Meine Eltern leben dort. Letztes Jahr war ich sie besuchen. Und wie mich die Kasachen, auch wildfremde Menschen behandelt haben, da kamen mir immer Tränen der Rührung. Jeder hat versucht, mir das Gefühl zu geben: "Willkommen zu Hause". Und die sehen ja, daß ich keine Kasachin bin! Und trotzdem haben manche Kasachen gesagt:"Kasachstan ist doch deinem Heimat". Ich fand es stark. Daß sie mir ihr Land als Heimat zur Verfügung gestellt haben.
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Axel Henrich
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Re: Sehnsucht nach Grösse

Beitrag von Axel Henrich »

Naila hat geschrieben:als sehr russischfreundlich habe ich komischerweise die Leute aus der ehmaligen DDR erlebt.
Wieso komischerweise? Ein Teil der Bevoelkerung ist doch mit Russland gross geworden, wovon der andere Teil auch ein Stueck weit gepraegt wurde - immerhin waren es gut 40 Jahre und damit noch doppelt so lange, wie die Zeit seit der Wiedervereinigung.
Ansonsten 100% agree zu dem von dir geschriebenen - btw auch im anderen Thread.
Deine Erfahrungen mit Polen kenn ich zur Genuege, auch die positiven in Tschechien. Wir waren vor Kurzem mal einen Nachmittag in Karlovy Vary, schoen "dekadent" mit der Kutsche eine Stadtrundahrt gemacht und am Kaffeetisch ausgestiegen. 8) Die Speisekarten sind 3sprachig (tschechisch, russisch, deutsch) und es war den Tschechen auf Nachfrage egal, ob man mit Ihnen auf deustch, oder russisch kommuniziert - russisch fiel Ihnen allerdings deutlich leichter.

-ah-
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Saboteur
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Re: Sehnsucht nach Grösse

Beitrag von Saboteur »

Naila hat geschrieben:Kasachstan ist da ganz anders...
Ein Arbeitskollege von mir ist auch aus Kasachstan. Der berichtete vor allem von einem heftigen Nationalismus in den 90ern und damit einhergehenden Problemen für ethnische Minderheiten... Verprügelte Kinder an der Schule sollen da eher die Regel als die Ausnahme gewesen sein... nur mal als Beispiel! Er hat übrigens in Dschambul und Almaty gelebt...

Also ganz so rosig wars wohl auch nicht. Aber es scheint sich ja schon etwas entspannt zu haben...
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Marco
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Re: Sehnsucht nach Grösse

Beitrag von Marco »

Naila hat geschrieben: Polen sind da ganz anders. Von den baltischen Völkern ganz zu schweigen. Ich habe hier mit einer jungen Frau aus Litauen studiert. Sie besuchte vorzugsweise Seminare, die etwas mit Rußland zu tun hatten, konnte in einem akzentfreien Russisch zitieren, doch mit mir sprach sie nur Deutsch. Ich fand es zwar lustig, habe das aber widerspruchslos akzeptiert.
Wenn du in die Geschichte zurückblickst, dann weißt du warum es so ist.
Um es mal salopp zu formulieren:
Für sämtliche osteuropäischen Staaten war die Zeit von 1945-1990 eine "Episode" ihrer Geschichte. Die Russen sind gekommen, haben ihre Armeen dort stationiert, der Bevölkerung eins auf den Deckel gegeben, wenn mal ein Aufstand war und danach sind sie wieder abgezogen ohne wirklich tiefgreifend in die Kultur der Länder eingegriffen zu haben.
Genauso ist es ja auch im Verhältnis Deutsche-Russen. Die Deutschen sind zwar schuld am Tod von 20 Millionen Russen, wir waren aber nur kurz in Russland und die derzeitigen Generationen fühlen sich nicht tangiert, da sie nicht "dabei" waren. Als Deutscher wurde ich auch in Russland immer sehr freundlich aufgenommen.

Bei den explizit von dir genannten Staaten (Polen, Lettland, Litauen, Estland) ist die Sache ein wenig anders gelagert.
In Polen wurde seit Aufkommen von Nationalstaaten im 18. Jahrhunderts (bis zum 1. Weltkrieg), eine aktive Germanisierungspolitik bzw. Russifizierungspolitik betrieben. Ein unabhängiges Polen gab es dann erst nach Ende des 1. Weltkriegs. Und Deutsche, Österreicher und Russen waren teilweise nicht zimperlich in ihren Methoden.
Eine Tragödie des polnischen Volkes war es ja auch noch, dass sie im 1. Weltkrieg gegeneinander kämpfen mussten. Dort ist die Abneigung zu Russen (und Deutschen) jahrhundertelang entstanden, das kriegst du nicht innerhalb von ein paar Jahren ausgebügelt.

Bei den baltischen Staaten ist der Zeitraum zwar kürzer:
Bei Estland setzte die erste Welle der Russifizierungspolitik 1885 ein. Später natürlich während und nach dem 2. Weltkrieg, wie in den anderen baltischen Statten auch, wurden "baltische" Bürger deportiert und russische Bürger dafür angesiedelt mit dem Ziel die ursprüngliche Bevölkerung Minderheit in ihrem eigenen Land zu machen.
Und da liegt der Hund begraben. Die Balten waren tagtäglich damit konfrontiert gegen so eine Politik anzukämpfen, um ihre eigene Identität und Kultur zu bewahren.
Um es mal platt zu sagen: Die Russen sind in den anderen Ländern abgezogen, in den baltischen Ländern sind sie geblieben. Und viele Menschen, die die Russifizierungspolitik erlebt haben, leben zudem noch.

Das soll natürlich keine Entschuldigung sein, wie einige baltische Staaten mit der russischen Minderheit umgehen. Jeder baltische Staat hat den Umgang anders gelöst, der eine besser (Estland), der andere ziemlich schlecht (Lettland mit 400000 staatenlosen Russen).

IMO mangelt es auf beiden Seiten an Verständnis.
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Re: Sehnsucht nach Grösse

Beitrag von Kundun »

Alles schön und gut,
aber wo ist nun der Bezug zur Parade und dem Spiegel-Bericht abgeblieben ??? :roll:

Fragend
Kundun

Und nebenbei bemerkt:
Für sämtliche osteuropäischen Staaten war die Zeit von 1945-1990 eine "Episode" ihrer Geschichte. Die Russen sind gekommen, haben ihre Armeen dort stationiert, der Bevölkerung eins auf den Deckel gegeben, wenn mal ein Aufstand war und danach sind sie wieder abgezogen ohne wirklich tiefgreifend in die Kultur der Länder eingegriffen zu haben.
Kühne pauschale These.
Wieviel Jahre und wo hast Du das selbst erlebt ? ;)
Zuletzt geändert von Kundun am 11 Mai 2009, 16:26, insgesamt 1-mal geändert.
Du wirst erst alt, wenn Dich die Versuchung meidet.
Marco
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Re: Sehnsucht nach Grösse

Beitrag von Marco »

Kundun hat geschrieben:Alles schön und gut,
aber wo ist nun der Bezug zur Parade und dem Spiegel-Bericht abgeblieben ??? :roll:

Fragend
Kundun
Passiert doch ofters hier ;)
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Re: Sehnsucht nach Grösse

Beitrag von Saboteur »

ja normal! Ist doch auch nicht so schlimm, wie ich finde!
помню айнц цвай полицай. все там с ума сходили. Под самогон...
Marco
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Re: Sehnsucht nach Grösse

Beitrag von Marco »

Kundun hat geschrieben:
Für sämtliche osteuropäischen Staaten war die Zeit von 1945-1990 eine "Episode" ihrer Geschichte. Die Russen sind gekommen, haben ihre Armeen dort stationiert, der Bevölkerung eins auf den Deckel gegeben, wenn mal ein Aufstand war und danach sind sie wieder abgezogen ohne wirklich tiefgreifend in die Kultur der Länder eingegriffen zu haben.
Kühne pauschale These.
Wieviel Jahre und wo hast Du das selbst erlebt ? ;)
Ich weniger. ;)
ABer dass ich da sehr pauschaliere und vereinfache, gebe ich gerne zu ;)
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Re: Sehnsucht nach Grösse

Beitrag von Zejtnot »

Novosibirsk hatte dieses Jahr auch eine Parade. Allerdings haben sie am Mittwoch und Donnerstag für die Generalproben allen ernstes jeden Abend mitten in der Hauptverkehrszeit das Stadtzentrum abgeriegelt! Als ob man nicht Nachts oder auf dem Kasernenhof üben könnte ... (Den nächsten Krieg würde Russland jedenfalls gewinnen, wenn die nicht einmal eine Parade in der Kaserne üben können.)

Zur Russisch-Feindlichkeit - ich habe in Tschechien mehrfach böse Antworten gehört, wenn ich gefragt habe, ob ich ich meinen Wunsch Russisch äußern darf. In Kasachstan hatte ich hingegen keinerlei Probleme, auch nicht in Lettland. Aber ich glaube da kann jeder über jedes Land irgendwelche Sachen - positiv wie negativ - erzählen.
Zeppelin
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Re: Sehnsucht nach Grösse

Beitrag von Zeppelin »

Was soll denn die Aufrege?

Militärparaden waren schon immer und überall exhibitionistischer Ersatz für nicht vorhandene "Potenz".

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 (beachtet bitte die Anführungszeichen!)
Wie tief müsste man vergleichsweise gesunken sein, um in Berlin enblöst die Linden herunter zu laufen? :roll:

Aber wer eben eher mit "Muskeln" protzt, als mit high-tech und Qualität, erntet halt nur Lächeln, Mitleid und kann vllt. in einigen Nischen punkten.

Die Präsentation militärischer Ersatzphallusse wirkt international natürlich nur höchst lächerlich.

Ein auch der "Wendezeit" aufgenommener und modifizierter Slogan mit Bezug auf die aktuelle RF sagt ja nicht um sonst: "Der Fuchs ist schlau; er stellt sich dumm. Beim Russen ist es andersrum."
Das ist natürlich genau so relativierend gemeint, wie bei der Originalversion.

M.a.W.: Es kommt halt darauf an, ob ein Nationalbewusstsein sich eher über Muskeln, über Hirn oder über Strategie definiert.

Und um dabei auch auf D einzugehen: Muskeln können wir in der Masse wohl vergessen, mit der Intelligenz haben wir inzw. auch ein Problem, aber strategisch ist D noch immer ziemlich gut aufgestellt.

Es kommt halt darauf an, was man unter "Größe" versteht.
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)
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