Russland und das Verhältnis zum Tod

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CSB_Wolf
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Re: Russland und das Verhältnis zum Tod

Beitrag von CSB_Wolf »

Axel Henrich hat geschrieben: Was ich auch interessant finde, dass ein Angehoeriger halt bei den Nachbarn persoenlich anfragt, ob Sie helfen kommen und dadurch sich die weitere Hilfe automatisch ergibt, wie das Waschen/Anziehen, Herrichten des Verstorbenen, organisieren der Totenwache, des Fahrzeuges zum Friedhof, der Kapelle, des Essens, der Klageweiber, etc. Gerade die aelteren Frauen bringen sich da sehr liebevoll und aktiv ein.
Dass kennt man bei uns gar nicht mehr in der Form, hier wird fast alles, ausser z.B. dem Essen nach der Beerdigung, von einem Beerdigungsunternehmen gemacht :roll:

Gruss
wolf
Naila

Re: Russland und das Verhältnis zum Tod

Beitrag von Naila »

Vielleicht paßt dieses Posting gar nicht hierher, doch ich muß etwas loswerden. Ich habe in Deutschland eine gute Bekannte. So richtig Freundinnen sind wir nie geworden, allein schon deswegen, weil wir in verschiedenen Städten leben und ich voll berufstätig bin. Sie ist etwas jünger, als ich. Und seit Weihnachten dieses Jahres versucht sie, sich das Leben zu nehmen. Natürlich nicht einfach so. Die arme hat keine eigene Familie, und innerhalb von nur wenigen Monate sind hier ihr Vater, ihre Mutter und ihre Tante gestorben. Sie hat sie bis zuletzt rund um die Uhr gepflegt und sie starben in ihrem Beisein. Dadurch mußte sie ihre Arbeit aufgeben und lebte von Harz 4. Kaum waren die Verwandten tot, zwang sie das Arbeitsamt zu einem 1 Euro Job. Sie war nicht in der Lage, zu arbeiten. Dabei muß man sagen, daß sie sonst immer extrem fleißig war und immer was getan hat. Nur jetzt war sie halt fertig. Niemand wollte es verstehen und sie bekam keine Unterstützung mehr. Dann wurde sie in ihrer Wohnung ausgeraubt. Ihr drohte die Obdachlosigkeit. Dazu kam, daß der Vater und die Tante Juden waren und nach dem jüdischen Brauch bestatten werden wollten. Auf dem jüdischen Friedhof in De sind die Gräber auch "für immer". Und deswegen wird man als Hinterbliebener Verpflichtet, innerhalb von 2 Jahren einen Grabstein dort aufzustellen. Und zwar von einer Ausführung, die locker 6 Tausend Euro kostet. Es gibt Vorschriften, wie ein Grabstein aussehen soll. Tun die Hinterbliebenen das nicht, macht es die Friedhofsverwaltung selbst, und schickt ihnen dann die Rechnung. Also, das wurde ihr zuviel, andere Verwandte hatte sie nicht mehr, ganz allein auf der Welt gewesen. Nur die Katzen hat sie noch. Deswegen hat sie kurz vor Weihnachten einen Strick genommen und versucht, sich im Badezimmer zu strangulieren. Der Strick war nicht gut befestigt, stürzte ab, es gab einen Riesenlärm, die Nachbarn riefen die Polizei und so wurde sie gerettet. Sie kam in die Psychiatrie in die geschlossene Abteilung. Dort haben wir sie mit meinem Verlobten ein paar mal besucht. Leider war das Krankenhaus 60 km von uns entfernt gewesen, und ich fahre ja kein Auto mehr, und mein Verlobter ist im Außendienst und kommt am Wochenende daheim. Dann ist meine Bekannte da rausgekommen, nur ein paar Tage schien es so, als würde es auffwärts gehen. Ich habe versucht, sie so oft es geht zu sehen- sie wollte machnchmal es selber nicht. Doch seitdem ist sie einfach nicht mehr dieselbe, einfach nicht lebensfähig. Jetzt ist sie schon zum 2. Mal in der Psychiatrie. Im Fahrstuhl zusammengebrochen. Ich denke mir, irgendwas muß es doch geben, was ihr hilft. Und irgendwie gibt es außer dieser Psychoanstalten wohl nichts. Aber das ist doch keine Lösung. Ich habe Angst, daß sie irgendwann tot aufgefunden werden wird.
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Spätzleskosake
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Re: Russland und das Verhältnis zum Tod

Beitrag von Spätzleskosake »

Hallo Naila,
leider kann ich Dich direkt nicht erreichen.
Ich habe eine Freundin, die ist Magrationsberaterin, mit Ihr habe ich über das Problem Deiner Freundin gesprochen.
Melde Dich bei mir, wir versuchen dann zu helfen.
Ralf
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Re: Russland und das Verhältnis zum Tod

Beitrag von Ralf »

Das Posting von Naila ist beeindruckend. Man kann zwar nicht alle Deutschen oder Russen über einen Kamm scheren, aber tendenziell bin ich mir sicher, dass ein Deutscher in Russland in einer ähnlichen Situation mindestens mehr Zuspruch/seelischen Beistand von anderen erfahren hätte. Ob sich in einigen Jahren oder Jahrzehnten Wohlstandsentwicklung das Miteinander in Russland dem von Deutschland annähert?
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Zejtnot
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Re: Russland und das Verhältnis zum Tod

Beitrag von Zejtnot »

Ralf hat geschrieben:..., aber tendenziell bin ich mir sicher, dass ein Deutscher in Russland in einer ähnlichen Situation mindestens mehr Zuspruch/seelischen Beistand von anderen erfahren hätte.
Ich denke eher nicht. In Russland wäre einem - im Gegenteil - sofort das Wohnrecht entzogen worden, weil man keine wirtschaftliche Grundlage mehr hätte. Auch menschlich sehe ich wenig Beistand über Familiengrenzen hinaus - beispielsweise in meiner Nachbarschaft.
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Saboteur
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Re: Russland und das Verhältnis zum Tod

Beitrag von Saboteur »

Zejtnot hat geschrieben:
Ralf hat geschrieben:..., aber tendenziell bin ich mir sicher, dass ein Deutscher in Russland in einer ähnlichen Situation mindestens mehr Zuspruch/seelischen Beistand von anderen erfahren hätte.
Ich denke eher nicht. In Russland wäre einem - im Gegenteil - sofort das Wohnrecht entzogen worden, weil man keine wirtschaftliche Grundlage mehr hätte. Auch menschlich sehe ich wenig Beistand über Familiengrenzen hinaus - beispielsweise in meiner Nachbarschaft.
Gabs da ähnliche Fälle oder ist das eher allgemein gemeint?
помню айнц цвай полицай. все там с ума сходили. Под самогон...
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Zejtnot
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Re: Russland und das Verhältnis zum Tod

Beitrag von Zejtnot »

Allgemein.

Aber Wohnrecht wird in Russland wirklich schnell entzogen. Es gäbe auch kein Hartz IV zur Existenzsicherung ... so unmenschlich die Handhabung von Hartz IV in Deutschland für den Einzelnen wirken mag - in Russland gibt es so etwas nicht. Wovon sollte dann ein Deutscher in dieser Lage in Russland leben können? In Deutschland geht es immerhin.

Aber wir schweifen ab ...
Naila

Re: Russland und das Verhältnis zum Tod

Beitrag von Naila »

Hallo,
ich habe an Spätzlkosake eine PM geschrieben, aber wahrscheinlich ist da irgendetwas schief gelaufen. Vielen Dank für Deine Unterstützung! Jetzt die letzten Tage waren ein Horror. Ich war heute, z. B. neben einem vollen Arbeitstag beim Arzt, Anwalt und der Polizei wegen meiner Bekannten. Und nun gehe ich ins Bett. :D
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Spätzleskosake
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Re: Russland und das Verhältnis zum Tod

Beitrag von Spätzleskosake »

Naila hat geschrieben:Hallo,
ich habe an Spätzlkosake eine PM geschrieben, aber wahrscheinlich ist da irgendetwas schief gelaufen. Vielen Dank für Deine Unterstützung! Jetzt die letzten Tage waren ein Horror. Ich war heute, z. B. neben einem vollen Arbeitstag beim Arzt, Anwalt und der Polizei wegen meiner Bekannten. Und nun gehe ich ins Bett. :D
Deine PN habe ich erhalten, nur kann ich nicht antworten, da Du Deine Mailadresse gesperrt hast.
Gruß
Spätzleskosake
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