NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Das Politische Forum ist nur für "Debattanten" und Gäste sichtbar. Wer mitdiskutieren möchte, der muss sich der Gruppe der Debattanten anschließen. Eine Mitgliedschaft kann per PN an die Administratoren beantragt werden.
weltenbummler
Insider/in
Insider/in
Beiträge: 117
Registriert: 02 Feb 2013, 15:39

Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von weltenbummler »

kamensky hat geschrieben: Natürlich habe ich ihr geholfen, doch jeder kennt das russisch hochbeinige Rollmaterial, welches für ältere und möglicherweise gesundheitlich angeschlagene Leute zu einer wahren Tortur wird. Eigentlich beschämend für die 4 grösste Stadt und WM-Ausstragungsort der Fussball WM 2018. Von Bahnsteig anheben, oder Trasseabsenkung keine Ahnung. Das sind die Top Ingenieure Russlands. Das ist eben Russland "Gegen Aussen fix, doch Innen nix"!
Das kann aber auch zu ungeahnten Problemen führen. Ich bin in Kasachstan mit einem modernen "spanischen" Zug gefahren. Schon beim Kauf des Tickets im Reisebüro wurde ich mehrmals darauf hingewiesen unbedingt 30 min vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof zu sein, da das bei diesem speziellen Zug notwendig ist.

Des Rätsels Lösung: der Zug war, wie bei modernen Zügen üblich, flach. Also konnte man nicht unter dem Zug durchkrabbeln um auf die andere Seite zu gelangen, sondern musste die Überführung nehmen (mindestens 500 m Umweg)....

Ist also alles nicht so einfach... ;)
Benutzeravatar
klaupe
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2069
Registriert: 17 Mär 2014, 11:55
Wohnort: Europa, Вселенная
Kontaktdaten:

Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von klaupe »

weltenbummler hat geschrieben:Des Rätsels Lösung: der Zug war, wie bei modernen Zügen üblich, flach. Also konnte man nicht unter dem Zug durchkrabbeln um auf die andere Seite zu gelangen, sondern musste die Überführung nehmen (mindestens 500 m Umweg)....
Ich habe ja schon viel erlebt, aber dieser Preis der "modernen Zeiten" war mir nun wirklich neu.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
Benutzeravatar
bella_b33
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 13051
Registriert: 27 Apr 2008, 06:24
Wohnort: nahe Saransk/Mordowien

Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von bella_b33 »

kamensky hat geschrieben:Eigentlich beschämend für die 4 grösste Stadt und WM-Ausstragungsort der Fussball WM 2018. Von Bahnsteig anheben, oder Trasseabsenkung keine Ahnung.
Na wow, da ist ja good old Saransk(Nebenstrecke) doch schon fortschrittlicher als ich dachte. Wir mussten noch nie klettern. In Rusaevka(Hauptverkehrsstrecke) ist das dann schonwieder anders

Gruß
Silvio
Wer sein Gewicht halten will, der muss auch mal grillen wenn er keinen Hunger hat!
daveg

Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von daveg »

Also bei unserer Firma (Industriautomatisierung jeglicher Art, mehrere tausend MA) ist es so, dass Russland inzwischen deutlich hinter den anderen BRIC Staaten hinterher hängt. Vor allem beim Wachstum der Industrie (nicht Gesamtwirtschaft, hier kommt Russland dank Öl noch auf ein knapp positives Ergebnis). Selbst die kleineren asiatischen Staaten sind für uns inzwischen wichtiger (also Vietnam, Thailand, Bangladesch, Malaysia, ja selbst Burma) - bei anderen Unternehmen ist das ähnlich, d.h. Putin schiesst sich schon selbst in den Fuss, wenn es nict langsam zur Entspannung der Lage kommt, denn wir brechen dann hier die Zelte ab (und andere wohl auch).
Benutzeravatar
klaupe
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2069
Registriert: 17 Mär 2014, 11:55
Wohnort: Europa, Вселенная
Kontaktdaten:

Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von klaupe »

daveg hat geschrieben:... nicht Gesamtwirtschaft, hier kommt Russland dank Öl noch auf ein knapp positives Ergebnis). Selbst die kleineren asiatischen Staaten sind für uns inzwischen wichtiger ....
Immer wieder habe ich den Eindruck, dass sich kleine Staaten ohne nennenswerte Rohstoffvorkommen , viel mehr ins Zeug legen als Staaten, wo der Wohlstand aus der Erde sprudelt.
Immerhin gehört/e die CCCP in einigen Bereichen zur Weltspitze (z.B. Raumfahrt, Waffensysteme). Das Bildungssystem funktioniert/e und Wissenschaft/Forschung mach(t)en Schlagzeilen.
Bei grober Betrachtung bekomme ich den Eindruck, dass die Rohstoffe ausgebeutet werden, die Erlöse fließen in die Taschen einiger Privilegierter, in Prestigeobjekte und in den Import von Dingen, die man sicherlich bei vergleichbarer Qualität selbst produzieren könnte.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
Benutzeravatar
Zejtnot
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 14590
Registriert: 30 Jun 2006, 11:25
Wohnort: Sibirien, Sachsen

Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von Zejtnot »

Keine Ahnung in welchem Thread der Artikel am Besten passt: http://www.zeit.de/2014/16/russlanddeba ... ettansicht

Man kann über die eigene Ansicht des Autoren denken, was man will- ich teile sie so nicht. Aber seine Erläuterungen zur Wahrnehmung der Krise in Europa ist in meinen Augen korrekt.
Benutzeravatar
GIN
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2011
Registriert: 03 Mär 2009, 05:00
Wohnort: Am Mittelmeer

Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von GIN »

klaupe hat geschrieben:
daveg hat geschrieben:... nicht Gesamtwirtschaft, hier kommt Russland dank Öl noch auf ein knapp positives Ergebnis). Selbst die kleineren asiatischen Staaten sind für uns inzwischen wichtiger ....
Immer wieder habe ich den Eindruck, dass sich kleine Staaten ohne nennenswerte Rohstoffvorkommen , viel mehr ins Zeug legen als Staaten, wo der Wohlstand aus der Erde sprudelt.
Immerhin gehört/e die CCCP in einigen Bereichen zur Weltspitze (z.B. Raumfahrt, Waffensysteme). Das Bildungssystem funktioniert/e und Wissenschaft/Forschung mach(t)en Schlagzeilen.
Bei grober Betrachtung bekomme ich den Eindruck, dass die Rohstoffe ausgebeutet werden, die Erlöse fließen in die Taschen einiger Privilegierter, in Prestigeobjekte und in den Import von Dingen, die man sicherlich bei vergleichbarer Qualität selbst produzieren könnte.
Das mit den Waffensystem und der Raumfahrt ist so eine Sache die für Moskau sicherlich eine Rolle spielt. Ohne wichtige Betriebe in der Ukraine und Weissrussland könnte Russland zbs viele Raketenmotoren nicht in Russland produzieren. Auch optische Komponenten in vielen Russischen Waffenprodukten können nicht ersetzt werden. Man müsste die Werke in der Ukraine ersetzen. Dieses klappt zbs seit Jahren schon nicht für Pumpen die bei Atomkraftwerken in der Kühlung eingesetzt werden. Auch hier wir aus der Ukraine eingekauft.

Des Weiteren bringt dem normalen Russen die Wirtschaft mehr als dem Standartdeutschen in den letzten 20 Jahren. Was hat den ein Facharbeiten vom deutschen Exportwunder in den letzten 20 Jahren bekommen ausser einen Stellenerhalt. Vermögen konnte er nicht wirklich bilden und die Gewinne flossen in den Sack von fleissigen Managern und viel mehr in Unternehmerfamilien. In Russland konnte aber etwas Vermögen und viel Konsum gebildet werden. Deshalb fliessen die Erlöse doch stärken in die Taschen der Menschen als zbs in Deutschland. Natürlich bin ich auch in Russland der Meinung man müsste die Oligarchen noch einmal nachversteuern. Theoretisch könnte jeder Russe zu 1/4 wie ein Bürger Saudi Arabiens leben. In Deutschland gibt's kein Öl aber man könnte durch Systemveränderungen schnell man 1/3 mehr in die Kasse spülen.
Benutzeravatar
klaupe
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2069
Registriert: 17 Mär 2014, 11:55
Wohnort: Europa, Вселенная
Kontaktdaten:

Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von klaupe »

Zejtnot hat geschrieben:Man kann über die eigene Ansicht des Autoren denken, was man will- ich teile sie so nicht. Aber seine Erläuterungen zur Wahrnehmung der Krise in Europa ist in meinen Augen korrekt.
Das ist ja vielleicht ein Vorteil unserer Medienberichterstattung, dass auch Gedanken veröffentlicht werden können, die nicht dem allgemeinen Trend entsprechen.
Sehr sinnvolle Denkansätze und -anstöße. Da lohnt es schon, auch mal aufmerksam das zu lesen, was nicht der eigenen Auffassung entspricht. Vielleicht kann man sogar da und dort erkennen, dass auch andere Sichtweisen überlegenswert sind.

Entgegen der hier von einigen Experten immer wieder monoton wiederholten Parolen gibt es nämlich hier freie Medien, die keinesfalls gleichgeschaltet sind. Aber man darf sie nicht in der leicht verdaulichen Boulevard- und Regenbogenpresse suchen oder bei Sendern z.B. der RTL- und SAT1-Gruppe, die von den Einnahmen der Werbeeinblendungen abhängig sind.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
Benutzeravatar
klaupe
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2069
Registriert: 17 Mär 2014, 11:55
Wohnort: Europa, Вселенная
Kontaktdaten:

Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von klaupe »

GIN hat geschrieben:Das mit den Waffensystem und der Raumfahrt ist so eine Sache die für Moskau sicherlich eine Rolle spielt. Ohne wichtige Betriebe in der Ukraine und Weissrussland könnte Russland zbs viele Raketenmotoren nicht in Russland produzieren.
Deswegen nannte ich ja die CCCP und nicht nur Russland, obwohl sicherlich die Planung und Koordination von Moskau ausging.
Auch optische Komponenten in vielen Russischen Waffenprodukten können nicht ersetzt werden.
Selbst die DDR war da nicht unbeteiligt.
Man müsste die Werke in der Ukraine ersetzen. Dieses klappt zbs seit Jahren schon nicht für Pumpen die bei Atomkraftwerken in der Kühlung eingesetzt werden. Auch hier wir aus der Ukraine eingekauft.
Nicht zu vergessen die Düsentriebwerke, die in einigen Flugzeugen und fast allen Helikoptern eingesetzt werden. Aber diese Fabriken liegen ja in den Gebieten, die nun zur "Befreiung" anstehen :twisted:
Des Weiteren bringt dem normalen Russen die Wirtschaft mehr als dem Standartdeutschen in den letzten 20 Jahren.
Man darf nicht vergessen, das das Wirtschaftswunder entstand, weil es nach dem Krieg einen enormen Aufbau- und Nachholbedarf gab. Da liefen alle Produktionsbetriebe heiß und Arbeit gab es so viel, dass man Gastarbeiter brauchte, um es zu schaffen.
Was hat den ein Facharbeiten vom deutschen Exportwunder in den letzten 20 Jahren bekommen ausser einen Stellenerhalt. Vermögen konnte er nicht wirklich bilden und die Gewinne flossen in den Sack von fleissigen Managern und viel mehr in Unternehmerfamilien.
Sieht man sich reale Zahlen an und die Kaufkraft und Konsum, dann sieht es so schlecht auch nicht aus. Man darf ja nicht vergessen, dass der Markt gesättigt ist. Ich habe auch keine Lust mehr, immer wieder eine neue Küche zu kaufen, die Wohnung neu einzurichten und mit dem dritten Porsche bekomme ich langsam Parkplatzprobleme. Die Kisten halten einfach zu lange. Aber nicht nur das, in den traditionellen Exportländern sieht es ähnlich aus.

Da kann man sich nur auf Jagd machen in Ländern, die noch nicht übersättigt sind. Ukraine wäre da so ein Kandidat, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Baltikum etc. sind willige, gierige Abnehmer einerseits, aber auch als Billigarbeiterpotential interessant. das Problem unserer Zeit: die Arbeitskraft wird nicht zusätzlich gebraucht, sondern statt gut bezahlter Einheimischer. Das drückt hier die Löhne.
Den Managern, Unternehmern und ihren Clans kann das egal sein, wo sie ihre Gewinne machen. Wird hier zu teuer produziert, weicht man aus und lässt es woanders zum Schleuderpreis herstellen, was zusätzlich noch die Gewinnmarge erhöht.
Dazu kommt die Automatisierung. Ich erinnere mich an das frühe VW-Werk in Wolfsburg, wo nach Feierabend Menschenmassen herausströmten, die alle dort in Lohn und Brot standen. Jetzt stehen Automaten an ihrer Stelle und bei Schichtwechsel verlassen ein paar Spezialisten das Gelände, ein echt langweiliger Abtrieb. Schlangen bilden sich nicht mehr am Werkstor, sondern beim Job-Center. Das Dumme am System: Die Automaten zahlen keine Steuern, Sozialabgaben und auch nicht in die Rentenkasse ein. der wachsende Konzerngewinn wird auf ein paar Top-Manager und den Großaktionären verteilt.
In Russland konnte aber etwas Vermögen und viel Konsum gebildet werden. Deshalb fliessen die Erlöse doch stärken in die Taschen der Menschen als zbs in Deutschland.
Man muss mal überlegen: Es funktioniert schon bei relativ niedriger Wertschöpfungsrate. Außerdem vergleicht man größtenteils, sofern man sich in der Konsumgesellschaft etablieren konnte, mit Zuständen vor den Reformen, statt mit Produktionsziffern im Ausland.
Natürlich bin ich auch in Russland der Meinung man müsste die Oligarchen noch einmal nachversteuern. Theoretisch könnte jeder Russe zu 1/4 wie ein Bürger Saudi Arabiens leben.
Dann bricht das kleptokratische System des Hyperkapitalismus zusammen. Da aber die Führung massiv beteiligt ist, bricht damit auch der Staat zusammen.
In Deutschland gibt's kein Öl aber man könnte durch Systemveränderungen schnell man 1/3 mehr in die Kasse spülen.
Ich fürchte, das ist ziemlich theoretisch. Das System hat sich selbst überholt. Wenn man aber die Billigimporte ausbremst und so was im Land produziert, könnte es funktionieren. Aber was ist, wenn z.B. chinesische Elektronik ausbleibt und entsprechend unserer Lohnvorstellungen hier gefertigt wird? dann werden PC, Laptop, Handy usw zur Anschaffung fürs Leben. Ohne regelmäßige Neuanschaffungen (wer kann es sich leisten?) bricht aber auch die Produktion zusammen.

Es mag jetzt pervers und idiotisch klingen, aber was uns fehlt sind Naturkatastrophen, radikale Revolutionen und vernichtende Kriege. Erst dann entsteht wieder ein echter Bedarf, der die Produktion ankurbelt und ein gesundes, wachstumsorientiertes Wirtschaftssystem in Gang bringt.
So gesehen lebe ich lieber etwas bescheidener im Frieden.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
Antworten

Zurück zu „Politisches Forum“