ascombie hat geschrieben: 21 Sep 2026, 22:11
Meiner Meinung sind beide Sachverhalte vom Inhalt eher gegensätzlich
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Identisch sind beide Situationen nicht, aber relevante Parallelen gibt es definitiv. Der größte Unterschied, den ich immer wieder zu hören bekomme, so auch von Dir, ist, dass der Kosovo unabhängig ist. Dabei habe ich selbt ja geschrieben, dass ich nicht mal Fan der russischen Zugehörigkeit bin, sondern viel mehr ein Gegner der Zugehörigkeit zur Ukraine, solange der Kosovo nicht an Serbien zurückgeht. Von mir aus könnte die Krim sogar dem Kosovo-Beispiel folgen und unabhängig werden. Das würde das asymmetrische Vorgehen Russlands sogar noch viel deutlicher machen.
ascombie hat geschrieben: 21 Sep 2026, 22:11Das Kosovo war zu ca. 90% von Kosovo-Albanern bewohnt, welche sich durch die Serben unterdrückt und diskriminiert fühlten.
Ja, gut, aber das Gewaltmonopol liegt nun einmal zunächst beim Staat, der allein für die Gewährleistung der inneren Ordnung zuständig ist und nicht bei irgendwelchen Drittstaaten. Das entspricht auch dem Grundprinzip des Nichteinmischungsverbots der UN-Charta. Und da bis heute weder die Vertreibung noch die Diskriminierung der Kosovo-Albaner als Völkermord eingestuft wurde, gab es keine hinreichende Grundlage für eine Intervention, von der UNO in diesem Fall sowieso nicht. Davon abgesehen: Wenn sich Millionen Türken in DEU irgendwann diskriminiert fühlen, dürfen die dann auch einen eigenen Staat ausrufen ? Mit so einer Politk öffnet man nur die Büchse der Pandora.
ascombie hat geschrieben: 21 Sep 2026, 22:11
Die westliche Presse, aber auch die meisten Historiker teilen diese Einschätzung nicht, halten sie für falsch.
Chat-GPT:
Es gibt zahlreiche Wissenschaftler und Fachautoren, die Ähnlichkeiten zwischen Kosovo und Krim ausdrücklich untersuchen.
Das ist also keineswegs eine ausschließlich „russische Sichtweise“.
Richard Sakwa, britischer Politikwissenschaftler, "Crimea and Kosovo: The Breakdown of the Post-Cold War European Nomos"
Pál Dunay, ungarischer Politikwissenschaftler, "Kosovo 1999 and Crimea 2014: Similarities and Differences"
Christopher R. Ross, US-amerikanischer Völkerrechtler und Professor, "Impaled on Morton's Fork: Kosovo, Crimea, and the Sui Generis Circumstance"
Juan Francisco Escudero Espinosa, spanische Völkerrechtler, "Self-Determination and Humanitarian Secession in International Law: Kosovo v. Crimea"
Man sollte deshalb zwei Aussagen unterscheiden:
A) „Kosovo und Krim sind in jeder Hinsicht gleich.“
→ Das wäre eine sehr starke und wissenschaftlich kaum haltbare Behauptung.
B) „Es gibt relevante Parallelen zwischen Kosovo und Krim, die von Wissenschaftlern untersucht werden.“
→ Ja, definitiv.
Und genau deshalb ist die Aussage "Die westliche Presse, aber auch die meisten Historiker teilen diese Einschätzung nicht, halten sie für falsch."
nicht sauber. Sie vermischt zwei unterschiedliche Fragen: ob es Parallelen gibt und ob diese Parallelen die russische Rechtfertigung der Krim-Annexion tragen.
KI-Faktencheck:
"
Hunderttausende Albaner waren von Vertreibung und Tod bedroht"
Das ist im Wesentlichen richtig und die Größenordnung ist sogar gut dokumentiert. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) stellte später fest, dass die serbischen bzw. jugoslawischen Kräfte zwischen März und Juni 1999 mindestens 700.000 Kosovo-Albaner vertrieben
. Wenn der Satz als Beschreibung der Kosovo-Krise insgesamt gemeint ist, wird allerdings die Gewalt der UÇK/KLA darin ausgeblendet. Die UÇK (KLA) beging bereits 1998 und Anfang 1999 schwere Menschenrechtsverletzungen, darunter Entführungen, Tötungen und Angriffe auf serbische Zivilisten.
Der Satz ist nicht falsch, aber er erzeugt ein unvollständiges Bild, wenn er als Begründung für den NATO-Einsatz präsentiert wird. Er erwähnt die UÇK als Konfliktpartei praktisch nicht und könnte dadurch den Eindruck erwecken, es habe auf der einen Seite eine staatliche Gewalt und auf der anderen Seite lediglich eine schutzlose Zivilbevölkerung gegeben.
"
Die Vereinten Nationen hatten auch unter Mitwirkung Russlands vor 1999 versucht, Serbien zum Einlenken zu bewegen."
Im Kern ja, allerdings ist die Aussage etwas ungenau.
Die UN-Dokumente zeigen auch, dass nicht nur Belgrad, sondern ausdrücklich beide Konfliktseiten zur Beendigung der Gewalt aufgefordert wurden. Resolution 1199 verlangte beispielsweise von „all parties“ einen Waffenstillstand; Resolution 1160 verurteilte sowohl die exzessive Gewalt serbischer Sicherheitskräfte als auch terroristische Aktionen der Kosovo-Albaner
Auch nach der Intervention wurde bis zur Unabhängigkeitserklärung 2008 fast zehn Jahre verhandelt.
Ja, die Aussage ist im Wesentlichen richtig, aber „bis zur Unabhängigkeitserklärung fast zehn Jahre verhandelt“ ist etwas zu undifferenziert. Das suggeriert fälschlich, dass von 1999 bis 2008 ununterbrochen über den Status verhandelt wurde. Nach dem Krieg wurde der Status Kosovos zunächst nicht endgültig entschieden.
UN-Resolution 1244 von 1999 sah ausdrücklich einen politischen Prozess vor, gleichzeitig bestätigte sie die territoriale Integrität der damaligen Bundesrepublik Jugoslawien und verlangte eine „substantial self-government“ für Kosovo. UN-Resolution 1244 etablierte gleichzeitig eine internationale Übergangsverwaltung (UNMIK) und sah einen politischen Prozess für einen künftigen Status vor. Das war aber nicht durchgehend eine intensive Verhandlung. Erst 2005 begannen formelle Statusverhandlungen, die sich über 2006 und 2007 erstreckten und bis zur Unabhängigkeitserklärung im Februar 2008
keine Einigung zwischen Belgrad und Pristina hervorbrachten. Daraufhin erfolgte
einseitig die Unabhängigkeitserkärung Kosovos,
für die die 109 mehrheitlich albanischen Abgeordneten in der Versammlung stimmten, während die zehn serbischen Abgeordneten der Sitzung aus Protest fernblieben.
Wie so oft also: Die eine Seite wird ausführlich dargestellt, während die andere Seite der Medaille weitgehend verschwiegen oder zumindest stark vernachlässigt wird. Alles fachgeprüft per Schnellcheck mit Chat-GPT, nicht chinesischem Deepseek, damit mir hier keiner Tendenzen unterstellt. Alles Infos im WWW auffindbar. Aber wie erwähnt: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Die Frage ist doch nicht, ob es es Parallelen zwischen Kosovo und der Krim gibt, die gibt es zweifelsfrei, sondern, ob das Russland eine Berechtigung für das Vorgehen in der Krim gibt. Busenfreunde des Westens sagen bekanntlich nein, Russenfreunde ja, und ich liege irgendwo dazwischen.
Mich wundert halt immer wieder, wie streng einige das Lineal bei Russland legen, aber über die Konsistenz westlicher Prinzipien dann gerne schweigen, nicht infrage stellen oder behaupten das wäre was vollkommen anderes (Spoiler: Ist es nicht).
Für mich steht einfach fest: Solange Kosovo nicht an Serbien zurückgeht, hat die Krim nichts in der Ukraine verloren, simple as it is.