Re: Ukraine.
Verfasst: 09 Apr 2022, 15:10
Die Frage bleibt doch zuerst einmal, wer und was und wie die Wahrheit bestimmt wird?
Russland-Forum des ehemaligen Portals aktuell.ru
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Die Frage bleibt doch zuerst einmal, wer und was und wie die Wahrheit bestimmt wird?
Eigentlich darf es nur eine Wahrheit geben, nämlich eine Wahrheit, welche auf Tatsachen beruht. Aber, es stellen sich immer verschiedene "Wahrheiten" ein, bedingt durch unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Mentalitäten, Ideologien oder Religionen.
Das ist um zu viele Ecken gedacht. Wäre ich kein Ausländer würden die Einheimischen offen sagen, dass sie den unbestreitbaren amerikanischen Marsch nach Osten gutheißen - oder was meinst Du? Ich lebe hier mit der Familie, bin im Sportverein, am Markt wie alle anderen auch, die Große im Kindergarten - alles Tarnung, um den Leuten hier ihre geheime Ansicht über den Krieg zu entlocken?! Ne, solche komplizierten Gedanken macht man sich dort nicht. Es sind auch nicht unbedingt Einzelgespräche, da mischen sich auch mal andere ein. Ja, als Deutscher unter lauter Russen und Adygen, der Rest Tadschiken, Armenier, Turkmenen, da kommt man schnell ins Gespräch. Auch wenn es leider sprachlich meinerseits immer noch mühsam ist, aber die Leute verzeihen viel hier.kamensky hat geschrieben: 09 Apr 2022, 09:55Da hast du natuerlich nicht ganz Unrecht, doch glaubst du wohl selbst weniger, dass die unter den momentan vorherrschenden Repressionen, dir als Иностранец die wirkliche Meinung zum Geschehen und deren Politik zu Ohr getragen wird? Ich habe die Erfahrung gemacht ( auch schon vor dem Start der Spezoperation) , dass Leute oft Fragen ignorieren und sehr oft haengt es dann wie ich selbst erkennen musste, dass es sich um Angst und Arbeitsplatzverlust handelt. Interessanterweise treffe ich oft Aerzte in westlichen Staaten, welche eine Austauschzeit absolvieren. Es ergeben sich dann Situationen in welchen Personen selbst auf mich zukommen und mir erklaeren, weshalb sie Fragen, ob direkt, oder indirekt und auf die heimischen Politik bezogen, in der Vergangenheit nicht, oder nur ganz oberflaechlich beantworten wollten bzw. konnten. Genau so verhaelt es sich auch in zufaelligen Dialogen. Auf das einfache Volk bezogen, ist dies auch mehrheitlich verstaendlich, denn die sind oft mit anderen Problem(ch)en beschaeftigt, welche teilweise jedoch auch mit der Politik in Kontext zu bringen sind. Zudem gehoert die Schicht jener der ca. 70%, welche in ihrem Leben noch nie einen Fuss auf auslaendischem Grund gehabt haben. Vieles haengt aus der Sicht der eigenen Interpretation ab, um einen solchen Text zu verstehen.Fritz hat geschrieben: 09 Apr 2022, 00:37
Das sind die „Fakten und Realitäten“, die hier jeder Gemüsehändler versteht. Beim einfachen Volk stelle ich überhaupt ein ausgeprägtes (auch geo-)politisches Verständnis fest. Ich brauche kaum anzufangen, da ernte ich fundierte Antworten zu Themen, bei denen man mich in DE nur anschauen würde wie ein Auto.
Ich erlaube mir hier ein banales Beispiel zu nennen.
Die CH grenzt an DE und AT. Beide Laender sprechen und erlernen in der Schule, die "hochdeutsche" Sprache. Wir in der Schweiz verstehen, die deutsche Sprache (wen es sich nicht um einen absoluten und alteingessenen Dialekt ) handelt, doch sehr gut. Selbiges bei den Oestereicher. Umgekehrt sieht es dann fuer die zwei angrenzenden Laender aus, welche sich meist schwerer tun, um den "schweizer Dialekt" , oft auch Halskrankheit genannt, zu verstehen. Und doch leben wir seit zig Jahren in Freundschaft und Respekt zusammen, ohne das einer bisher auf die Idee gekommen ist, infolge von sprachlichen Barrieren gleich mit Panzer und Raketenwerfer aufzufahren. Das ist doch ein Teil von "Demokratie" und jeder kann diese als schlecht bezeichnen, oder diese moegen!
Dieser aktive Marsch der USA ist die russische Darstellung. Die ehemaligen Ostblockstaaten sind auf eigenes Verlangen der NATO beigetreten und nicht weil jemand sie gebeten hätte. Und da kann man sich schon fragen warum sie das machen. Offensichtlich aus eigenen Sicherheitsinteressen und aus Sorge vor Russland.Fritz hat geschrieben: 10 Apr 2022, 09:47 ...., dass sie den unbestreitbaren amerikanischen Marsch nach Osten gutheißen -
Das war aber nicht der Kriegsgrund. Es stand kein NATO-Beitritt an. Den Ambitionen darauf wurde aktiv vom Westen eine Absage erteilt.Fritz hat geschrieben: 10 Apr 2022, 09:47 Oder wir können in uns gehen und uns fragen, ob wir wirklich für die Frage "Ukraine in die NATO" unseren Wohlstand aufgeben wollen.
Auch ich lebe hier vormals mit Familie (Sohn + Tochter) sind aus eigener Einstellung und Wunsch Richtung momentan Asien und DE gezogen. Sohn sogar bevor ich fest nach RU emigriert bin. Mit der Verwandtschaft in verschiedenen Teilen RUs pflegen wir intensiven und guten Kontakt. Ich bin zwar nicht selbst am Markt taetig, doch bin ich langjaehriger Kunde. Unterstuetzung der meistens Rentnerinnen/er ist mir sehr wichtig. Sportlich betaetige ich mich im Bowling-Verein und dies seit 14 Jahren. Mitgliederbestand 32 Personen, davon 29 Russen/innen und 3 aus dem Westen zugezogene. Einige der 29 Mitglieder erhalten ihr Salaer vom Staat, andere wieder sind Selbstaendige. 65% aller Mitglieder sind nicht auf der Seite der seit laenger herrschenden russischen Politik mit der Begruendung, da die zu einseitig ist. Zur von dir genannten "Spezoperation" ( RU verbietet das Wort "Krieg" ) sind 81% negativ eingestellt. Ein Thema ist und bleibt die berufliche Zukunft fuer die eigenen Kinder. Welche Medien all diese Mitglieder konsumieren entzieht sich meinen Kenntnissen und ich habe auch noch nie spezifisch danach nachgefragt.Fritz hat geschrieben: 10 Apr 2022, 09:47
Das ist um zu viele Ecken gedacht. Wäre ich kein Ausländer würden die Einheimischen offen sagen, dass sie den unbestreitbaren amerikanischen Marsch nach Osten gutheißen - oder was meinst Du? Ich lebe hier mit der Familie, bin im Sportverein, am Markt wie alle anderen auch, die Große im Kindergarten - alles Tarnung, um den Leuten hier ihre geheime Ansicht über den Krieg zu entlocken?! Ne, solche komplizierten Gedanken macht man sich dort nicht. Es sind auch nicht unbedingt Einzelgespräche, da mischen sich auch mal andere ein. Ja, als Deutscher unter lauter Russen und Adygen, der Rest Tadschiken, Armenier, Turkmenen, da kommt man schnell ins Gespräch. Auch wenn es leider sprachlich meinerseits immer noch mühsam ist, aber die Leute verzeihen viel hier.
Und um welche "Repressionen" geht es? Bitte mal konkret. "Repressionen in RU" ist so ein fester Satz wie "Schiefer Turm von Pisa". Ich mag ja naiv und neu sein, aber kann es sein, daß Deine Bekannten das auch hauptsächlich aus westlichen Blättern "kennen"? Es ist mir bekannt, daß Demonstrationen in Moskau aufgelöst wurden. Stand sogar in RT. Nicht schön, ich möchte mir auch keine abschließende Wertung erlauben. Aber es ist Krieg. Figuren wie Baerbock und andere machen keinen Hehl mehr daraus, daß sie Rußland (wörtlich) ruinieren wollen. Ein Rückzug würde bedeuten, daß der Westen (im Rausch das Gute zu vertreten) Bedingungen a la Versailles diktieren würde und mithin keine Option. Das sollte man eigentlich auch in Moskau verstehen, manche brauchen da wohl Nachhilfe. Tut mir leid.
Es scheint mir doch, dass dein eventueller Vergleich ein wenig von sehr weit hergeleitet wurde. Aber darauf bezogen und aus meinen Kenntnissen meines Bekanntenumfelds, sprechen ein erheblicher Teil der deutschen (Inklusive Bayern), wie auch der schweizer Bevoelkerung eine Zweitsprache, ob nun Englisch, Franzoesisch oder Italienisch, der Handel wuerde deswegen nicht wirklich in Mitleidenschaft gezogen werden. Ob dies 2014 wirklich so von statten gefunden hat, ist vorwiegend aus russischen und prorussischen Aussagen zu hoeren und somit nicht beidseitig bewiesen und bestaetigt. Selbst unsere Verwandten in Cherson koennen dies nicht ausnahmslos bestaetigen. Das es zu Beeintraechtigungen und zu sprachlichen Schikanen gekommen sein kann, will ich jedoch sicherlich nicht dementieren, doch legitimiert dies die momentane "Spezoperation" und deren verheerenden Folgen von unnoetigen und unschuldigen Todesopfer, Obdachlosen und der Heimat vertriebenen und beraubten in keiner Art und Weise.Fritz hat geschrieben: 10 Apr 2022, 09:47
Ja, mit der Schweiz ist die Ukraine ein wenig vergleichbar, wenn auch mit ganz anderer Geschichte. Aber in Sachen Sprache und Kontakte mit den Nachbarn paßt es. Und nun stell Dir vor, es würde morgen die deutsche Sprache verboten und der Handel mit DE praktisch verunmöglicht. Genau das ist 2014 passiert.
Die russische Sprache in der Ukraine wurde 2014 nicht verboten (wobei das aber öfters zur Rechtfertigung des Krieges im Osten hergenommen wird).kamensky hat geschrieben: 10 Apr 2022, 11:29Es scheint mir doch, dass dein eventueller Vergleich ein wenig von sehr weit hergeleitet wurde. Aber darauf bezogen und aus meinen Kenntnissen meines Bekanntenumfelds, sprechen ein erheblicher Teil der deutschen (Inklusive Bayern), wie auch der schweizer Bevoelkerung eine Zweitsprache, ob nun Englisch, Franzoesisch oder Italienisch, der Handel wuerde deswegen nicht wirklich in Mitleidenschaft gezogen werden. Ob dies 2014 wirklich so von statten gefunden hat, ist vorwiegend aus russischen und prorussischen Aussagen zu hoeren und somit nicht beidseitig bewiesen und bestaetigt. Selbst unsere Verwandten in Cherson koennen dies nicht ausnahmslos bestaetigen. Das es zu Beeintraechtigungen und zu sprachlichen Schikanen gekommen sein kann, will ich jedoch sicherlich nicht dementieren, doch legitimiert dies die momentane "Spezoperation" und deren verheerenden Folgen von unnoetigen und unschuldigen Todesopfer, Obdachlosen und der Heimat vertriebenen und beraubten in keiner Art und Weise.Fritz hat geschrieben: 10 Apr 2022, 09:47
Ja, mit der Schweiz ist die Ukraine ein wenig vergleichbar, wenn auch mit ganz anderer Geschichte. Aber in Sachen Sprache und Kontakte mit den Nachbarn paßt es. Und nun stell Dir vor, es würde morgen die deutsche Sprache verboten und der Handel mit DE praktisch verunmöglicht. Genau das ist 2014 passiert.