Dietrich hat geschrieben:Wie eigentlich aus meinem Beitrag klar wurde, ging es mir um das Vertrauen und die Zuneigung (West)europas gegenüber Russland.
Ok. Gegenfrage. Braucht Russland die Zuneigung des Westens? Ist die Welt nicht etwas größer als Westeuropa und USA?
Wladimir30 hat geschrieben:Aber es ist DEINE Meinung.
Natürlich ist das meine Meinung, mit der ich ja in der Welt auch nicht ganz alleine bin,
Nein, bist Du nicht. Aber das ist kein Argument. Nur dadurch, ds es viele sagen, wird es nicht richtiger. Erstens: "Leute esst mehr Sch..., 10 Milliarden Fliegen können nicht irren." Sorry für die etwas vulgäre Ausdrucksweise, aber so lautet der Spruch nunmal. Zweitens ist der Teil der Welt, auf den Du Dich beziehst und der die gleiche Meinung vertritt wie Du, ziemlich deckungsgleich mit dem, was wir oben schon hatten: Westeuropa und USA. Dadurch verliert dieses Dein Argument reichlich an Wert.
aber ganz davon abgesehen. Aber es ist meine und was anderes habe ich nie behauptet.
Doch, oder zumindest kam es bei mir so rüber.
Nur muss die Meinung deshalb ja nicht pauschal falsch sein. Du hast auch deine Meinung und die wird auch von anderen Leuten geteilt. Ob sie deshalb richtiger ist?
Du wirst gemerkt haben, das ich gar keine eigene Meinung geäußert habe. Weil ich mir nicht sicher bin, erstens, ob sie überhaupt jemanden interessiert (etwas kokett, ich weiß), und, zweitens, geht es mir hier nicht um die Frage, ob nun Deine oder meine Meinung richtig ist.
Dein Argument ist, dass die Meinung der (Mehrheit der) Russen über Russland auf jeden Fall richtiger sein muss.
Nein! Aber es die Meinung eines Volkes über sein eigenes Schicksal. Wem gefällt es in Deutschland, wenn wieder mal jemand aus Polen ihnen sagt, welche politischen Entscheidungen nun getroffen werden müsen? Die Russen können ihr Land vergolden, sie können es wirtschaftlich und politisch an den Baum fahren, es wird und sollte immer ihre eigene Entscheidung sein. So wie es die Deutschen in ihrem Land auch können. Von daher gesehen ist die Meinung der Russen über ihr Land schon richtiger als die Meinung eines oder mehrerer Deutschen in Deutschand (und auch in Russland) über ihr Land.
Jede Kritik an der "eigenen" Politik damit zur Seite zu wischen, dass sich gefälligst niemand von außen da einzumischen hat ist zu billig.
Es kommt auf die Art an, wie diese Kritik dargebracht wird.
Nur weil ich ein Deutscher bin, habe ich nicht automatisch unrecht, was russische Politik für Russland betrifft.
Nein, natürlich nicht. Aber nochmals, es ist eine Frage der Intention, warum diese Kritik geäußert wird. Zu helfen oder zu belehren? .
Wladimir30 hat geschrieben:Wieder ein Deutscher, der weiß, was für Russen gut ist und was schlecht. Wäre Putin Präsident in Deutschland und würde dort dieselbe Politik machen wollen. Ja, hier hattest Du vielleicht Recht, dass es schlecht wäre für Deutschland.
Nee Wladimir, da gibt es durchaus universellere Maße für "richtig" und "falsch".
Hier nun der zentrale Punkt. Die von Dir so genannten "universellen Maße für richtig und falsch". Wenn es um Deine persönliche Meinung geht (wie Du oben selber schreibst), dann ist es ja ok. Aber "richtig" und "falsch" sind eben universelle Kategorien, die den Rechthabemechanismus implizieren. Und um den geht es. Der steht Dir nicht zu (mir auch nicht).
Da aber hast ja selber gesagt: Gut und richtig ist der Weg, wenn Russland in Richung Demokratie und Kapitalismus geht und Kurs auf Europa hält. Störend sind hier gerade diese universelle Gültigkeit suggerierenden Begriffe "gut" und "richtig".
Die Wirtschaft in Russland geht rapide den Bach runter - das ist auch in Russland für Russen ein ziemlicher Mist.
So, so. Mal ne andre Frage. Die Sanktionen des Westens. Wen betreffen die hier im Lande eigentlich? Klar, die Banken haben große Probleme mit der Refinanzierung. Klar, große Betriebe und Konzerne haben evtl. Probleme mit der Beschaffung von Materialien aus dem Westen. Russen sind sehr gut darin, nicht lange zu lamentieren, wie schlecht doch alles ist, sondern es wird sehr schnell, flexibel, behende könne man sagen, ein Ausweg gesucht. Auch nach vielen Jahren erst theoretischer, dann praktischer Erfahrung mit Russen staune ich auch heute noch immer wieder, wie tief diese Fähigkeit verwurzelt ist.
Meinst Du wirklich, dass diese Probleme, von denen Du sprichst, vom Volk genauso gesehen und bewertet werden wie von Dir mit Deiner Sicht aus dem Westen und vom Westen gefiltert?
Russland hat einen Krieg in der Ukraine in Gang gebracht und hält ihn weiter am köcheln - das kann und darf man auch "von außen" beurteilen.
Klar darf sich da jeder seine Meinung zu bilden. Es wird immer die persönliche Meinung eines einzelnen sein oder der Widerhall einer von anderen vorformulierten Meinung.
Oder findest du das positiv?
Krieg, in dem Leute sterben, kann niemand gut oder positiv finden, und das macht auch in Russland niemand.
Die Presse ist zu 99% gleichgeschaltet - findest du das "für Russen" gut?
In welchem Maße interessiert es in Russland eigentlich die Leute, was so passiert in der Welt? Die Russen interessieren sich viel eher dafür, was um sie herum passiert, im Freundeskreis, Bekannte, Verwandte. DAS ist wichtig. Das wird stundenlang diskutiert, besprochen, weil das als wichtig erachtet wird. Was sonstwo passiert? Interessant? Ja. Wichtig? Bedingt. Ein zu verteidigendes Gut, ohne dass ein Land nicht normal existieren kann? Nee.
Auch wenn es den Russen vielleicht nicht so wichtig ist, ist es deshalb noch lange nicht "gut" für Russland.
Es ist genau DANN nicht gut für Russland, wenn Russland versucht, die Ideale des Westens zu kopieren und diesen Idealen gemäß zu leben. Das wurde in den 90ern versucht. Und das hat zu echten Problmen für das Volk geführt.
Über die deutsche Politik liest man immer wieder "der Blick von außen ist durchaus hilfreich". Für Russland ist das aber ein No-Go?
Nochmals: Kritik ist immer gut und richtig. Auch wichtig! Nur wie sie vorgetragen wird, welche Ziele sie verfolgt, das ist entscheidend: belehren, pauschal den Führer des Landes als ein hassenswertes Objekt darstellen?