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Re: Visafreiheit - Interview mit Sergey Lawrow

Verfasst: 13 Jan 2010, 17:42
von Dietrich
Das kenne ich aus dem Studium.....

wie oft hat man da die Zeit dafür verwendet, genaue Pläne zu machen... "Wie fange ich morgen mit dem Lernen für die Klausur an".
Und wenn man sich das gut überlegt hatte, dann konnte man sich beruhigt wieder anderen Dingen zuwenden! Bis übermorgen, wenn man feststellt, dass der "alte Plan" ja so nicht mehr passt und man dringend einen neuen machen muss, damit man "morgen" dann endlich effektiv mit dem Lernen anfangen kann.

Eben:
Bild

Re: Visafreiheit - Interview mit Sergey Lawrow

Verfasst: 13 Jan 2010, 18:33
von harald63
Ein schöner erster Schritt wäre schon mal, diesen "touristische Referenz" & Registrierungsquatsch abzuschaffen.

Re: Visafreiheit - Interview mit Sergey Lawrow

Verfasst: 13 Jan 2010, 18:38
von Dietrich
harald63 hat geschrieben:Ein schöner erster Schritt wäre schon mal, diesen "touristische Referenz" & Registrierungsquatsch abzuschaffen.
Den wird es sogar dann noch geben, wenn man ohne Visum einreisen kann!

Re: Visafreiheit - Interview mit Sergey Lawrow

Verfasst: 13 Jan 2010, 19:10
von Nikolaus
Nicht ausgeschlossen, jetzt muessen sich ja auch die Auslaender, die "visafrei" bis zu drei Monaten einreisen koennen, genau wie die visapflichtigen melden.

Re: Visafreiheit - Interview mit Sergey Lawrow

Verfasst: 13 Jan 2010, 19:19
von zimdriver
Ich zweifle auch an der prinzipiellen Fähigkeit der russischen Bürokraten, Visafreiheit tatsächlich zu verstehen. Für sie heisst es doch nur, zum shoppen ohne Visum nach Europa zu reisen. Aber Europäer ohne Kontrolle durch Russland? In einem Land, in dem es propiska gibt und der Anspruch auf einen Reisepass nur theoretisch existiert, in dem ohne notarielle Vollmachten nichts möglich ist, in dem bestochen werden kann, dass die Tundra schwankt- wie soll da tatsächliche und vergleichbare Visafreiheit durchgesetzt werden? Das Auge- um- Auge- Prinzip n der Diplomatie wird auch hier schnelle Grenzen ziehen.

Re: Visafreiheit - Interview mit Sergey Lawrow

Verfasst: 14 Jan 2010, 09:35
von Zejtnot
Nikolaus hat geschrieben:Nicht ausgeschlossen, jetzt muessen sich ja auch die Auslaender, die "visafrei" bis zu drei Monaten einreisen koennen, genau wie die visapflichtigen melden.
Mussten sie doch immer. Laut Gesetz waren sie NIE von der Uvedomlenie befreit.

Und selbst Russen müssen sich ja nach zwei Wochen melden! Ich habe es mehrfach erlebt, dass sich Russen anmelden wollten und erst einmal eine Strafe blechen mussten, weil sie schon einige Monate da waren. Ein paar Freunde melden sich nur deswegen nicht an - weil sie seit Jahren keine Propiska bekommen konnten (eigene Wohnung war offiziell noch als Baustelle gemeldet), nun aber die Strafe fürchten.

Re: Visafreiheit - Interview mit Sergey Lawrow

Verfasst: 14 Jan 2010, 11:37
von Nikolaus
Zejtnot hat geschrieben:Mussten sie doch immer. Laut Gesetz waren sie NIE von der Uvedomlenie befreit.
Das eben habe ich doch geschrieben. :)
Zejtnot hat geschrieben:Und selbst Russen müssen sich ja nach zwei Wochen melden!
Ja, auch Russen muessen sich melden, und Deutsche koennen in Deutschland bestraft werden, wenn sie der Meldepflicht nicht nachkommen (die uebrigens in den Bundeslaendern auch noch unterschiedlich ist...) ...

Aber eine propiska, d.h. eine Erlaubnis an einem bestimmten Ort zu wohnen, brauchen meines Wissens schon seit langem nur noch Auslaender (wie in der EU), bis auf ein paar Ausnahmen, wie fuer gesperrte Gebiete.

Und natuerlich, Zimdriver, hat ein Russe einen gesetzlichen Anspruch auf einen Auslandspass. Ich habe jedenfalls bestimmt seit einem Dutzend Jahren keinen mehr kennengelernt, der da Probleme haette, selbst aus frueher kritischen Forschungsbereichen.

Also da unterscheidet sich Russland sicherlich schon heute nicht sehr von der EU.

Anders natuerlich hinsichtlich Korruption. Es ist aber nicht erkennbar, dass dies fuer die EU bisher ein Kriterium fuer Visafreiheit war, man denke nur an die vielen mittel- und suedamerikanischen Laender, die dieses Privileg geniessen.
Man liest ja auch des oefteren, dass es in etlichen alten und neuen EU-Mitgliedslaendern da nicht grundlegend anders aussieht.
Nein, nein, ich dachte da jetzt nicht an Deutschland, obwohl ja auch eine ganze Reihe namhafter deutscher Firmen in Misskredit gekommen sind..., und bei weitem nicht nur deren Niederlassungen in Russland.

Und hier geht es doch nicht einmal um EU-Mitgliedschaft, sondern lediglich um Visaerleichterungen.

Re: Visafreiheit - Interview mit Sergey Lawrow

Verfasst: 14 Jan 2010, 12:27
von zimdriver
Nikolaus hat geschrieben:....
Ja, auch Russen muessen sich melden, und Deutsche koennen in Deutschland bestraft werden, wenn sie der Meldepflicht nicht nachkommen (die uebrigens in den Bundeslaendern auch noch unterschiedlich ist...) .........
Wir sind uns doch sicherlich einig darüber, dass der Akt einer Anmeldung/ Registrierung/ Erhalt einer Propiska in einer Wohnung in Russland sich wesentlich von dem unterscheidet, was unter Anmeldung in D verstanden wird. Was heisst übrigens Propiska auf beamtendeutsch? Meines Wissens gibts das in D gar nicht. Die Anmeldung einer Wohnadresse in D beim Bürgerbüro (oder wie das heissen mag) ist doch eher ein Scherz. Und ein Ausländer auf Urlaubsreise muss sich überhaupt nicht melden.
Nikolaus hat geschrieben:Aber eine propiska, d.h. eine Erlaubnis an einem bestimmten Ort zu wohnen, brauchen meines Wissens schon seit langem nur noch Auslaender (wie in der EU), bis auf ein paar Ausnahmen, wie fuer gesperrte Gebiete.
....
Die russische propiska ist doch ein sehr weitreichendes Instrument mit Eigentumstitel, wenn ich es richtig verstehe, und hat weniger mit der Niederlassungs- oder Zuzugsgenehmigung zu tun.
Nikolaus hat geschrieben:.....Und natuerlich, Zimdriver, hat ein Russe einen gesetzlichen Anspruch auf einen Auslandspass. Ich habe jedenfalls bestimmt seit einem Dutzend Jahren keinen mehr kennengelernt, der da Probleme haette, selbst aus frueher kritischen Forschungsbereichen. .....
Hast Du schon mal den Spass erlebt, wenn ein russischer Bürger einen neuen Pass braucht oder wenn er 25 oder 45 Jahre alt wird? Meine russischen Kollegen freuen sich immer wieder, dass ich mehrere, gleichzeitig gültige Pässe habe. Ein russischer Bürger kann nicht mal eben aufs Amt gehen, Formular ausfüllen, Bild abliefern und sich 2 Wochen später den neuen Pass abholen. Von anderen Dokumentenvorgängen wie Führerschein will ich gar nicht erst reden.

Nee, da ist Russland noch weit entfernt von europäischen Standards. Durch ganz Europa fährt heute schon ein russischer Tourist völlig unbehelligt. Ein deutscher Tourist, der sich erkennbar am Nummernschild, durch Russland bewegt, hat täglich viele neue Freunde in Uniform...

Re: Visafreiheit - Interview mit Sergey Lawrow

Verfasst: 14 Jan 2010, 13:31
von Dietrich
Also wenn ich mir dieses Monsterformular anschaue, welches meine Frau für einen neuen Reisepass ausfüllen musste....
...und wie glücklich sie war, dass sie nach der "erste Prüfung" nur einen kleinen inhaltlichen und zwei Rechtschreibfehler drin hatte (was natürlich trotzdem hieß, dass man den ganzen Sermon erneut ausfüllen muss!)....
Und was für Unterlagen (Arbeitsbuch mit diversen Stempeln, Irgendein Wisch von der aktuellen Arbeitsstelle, etc. etc.) da noch mit abgegeben werden mussten....

....fehlte echt nur noch der Schnellhefter und der Rückumschlag mit Briefmarken.....

Re: Visafreiheit - Interview mit Sergey Lawrow

Verfasst: 14 Jan 2010, 19:23
von Nikolaus
Dass die russische Buerokratie und die kleinen Gauner auf den russischen Strassen ein Uebel sind, ist doch unbestritten.
Aber damit die Unreife Russlands fuer Visafreiheit zu begruenden,.... :shock:
Zumal auch hier doch laengst nicht alle EU-Laender sich besser verhalten und erst recht nicht alle Laender, denen bereits Visafreiheit von der EU gewaehrt worden ist.

Ansonsten sollte man sich wirklich etwas genauer ueber die Fakten informieren:
Nochmals, die propiska gab es in der Sowjetunion, das Hauptziel war wohl, den "unerwuenschten" Zuzug in die Ballungsgebiete zu beschraenken. besonders natuerlich nach Moskau. (Trotzdem hat sich aber die Einwohnerzahl vervielfacht.) Faktisch war das ein Aufenthaltsrecht, nach der heutigen Terminologie. Wichtigste Voraussetzung fuer den Zuzug war i.d.R. eine Arbeitsgenehmigung im Rahmen von Quoten (Limits).
Das gibt es nicht mehr (bis auf Ausnahmen). Ein Russe muss heute lediglich nach bestimmten Fristen, seinen Wohnsitz melden (registrieren).Die damalige propiska und die heutige Registrierung eines staendigen Wohnsitzes begruendeten und begruenden auch keine Eigentumsverhaeltnisse an der Wohnung. Ein Russe kann lediglich einmal im Leben eine kommunale Wohnung praktisch kostenlos als Eigentum erhalten, vorausgesetzt er ist in dieser registriert. Feine Sache, eigentlich. (Besonders natuerlich fuer diejenigen, die in einer grossen Wohnung lebten, als diese Regelung in Kraft trat. :) )

Ich habe in den vielen Jahren meiner Ehe mit einer Russin natuerlich des oefteren den Umtausch von Paessen erlebt und infolge meiner Arbeit in unserer Moskauer Niederlassung auch staendig bei den russischen Kollegen. Man sollte doch kein Drama daraus machen. Ja, eine Kopie des Arbeitsbuches wird verlangt, die muss unsere Personalabteilung beglaubigen.
Ja, bei der Abgabe der Antraege im FMS gibt es manchmal laengere Wartezeiten in einer meist unangenehmen Umgebung. Ja, die Paesse mussten bisher alle 5 Jahre umgetauscht werden.
Uebrigens tut sich gerade da ja einiges. Man kann jetzt einen Pass mit 10 Jahre Gueltigkeit erhalten. Ich glaube auch gelesen zu haben, dass das Parlament die gesetzliche Basis fuer ein Verfahren zur Beantragung von Paessen per Internet geschaffen hat (oder bearbeitet?).

Aber wie gesagt, ich sehe da keinen Zusammenhang zur Visafreiheit.