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Petition zur Erhöhung der Vergütung für Dolmetscher
Verfasst: 28 Feb 2013, 01:43
von Axel Henrich
Petition 37857
Text der Petition
Der Petent fordert, Honorare und Vergütungen der für die Justiz tätigen Dolmetscher und Übersetzer deutlich zu verbessern.
Durch ein faires und auskömmliches Vergütungssystem muss verhindert werden, dass sich immer mehr hochqualifizierte Sprachmittler aus dem System verabschieden und in der Praxis zunehmend billige, nicht qualifizierte Laien als Dolmetscher und Übersetzer tätig werden – mit entsprechend mangelhaften Leistungen und negativen Konsequenzen für alle an einem Verfahren beteiligten Parteien.
Auch die Kommentare sind lesenswert ...
-ah-
Re: Petition zur Erhöhung der Vergütung für Dolmetscher
Verfasst: 28 Feb 2013, 08:04
von bella_b33
Ja, die Kommentare sind wirklich teils interessant.
55€/h exkl. Mwst.....für so ne "Ein Mann Show" ist doch mehr als Gut, wenn man genug Arbeitszeit zusammen bekommt.
Sorry, von mir gibts dafür kein Mitleid! Wenn das Geld zu wenig ist, dann ist offensichtlich nicht genug Arbeitszeit vorhanden. Diese Zeit sollte man also nutzen um etwas Anderes zu tun....
Gruß
Silvio
Re: Petition zur Erhöhung der Vergütung für Dolmetscher
Verfasst: 28 Feb 2013, 22:25
von Axel Henrich
bella_b33 hat geschrieben:ist doch mehr als Gut, wenn man genug Arbeitszeit zusammen bekommt. Wenn das Geld zu wenig ist, dann ist offensichtlich nicht genug Arbeitszeit vorhanden.
Ja leider, das ist vermutlich das Problem. Anders als z.B. in der Baubranche, kann man vom Uebersetzen allein nicht leben, da nuetzt es auch nix, wenn man die Saetze erhoeht ...
-ah-
Re: Petition zur Erhöhung der Vergütung für Dolmetscher
Verfasst: 28 Feb 2013, 22:55
von Magdeburg-Moskva
Wenn am Sonntag Abend der Dolmetscher zur Polizei kommen muss, bekommt er 55 EUR/h. Dank der gesetzlich vorgesehenen Möglichkeit Rahmenverträge abzuschließen, kann der Satz verringert werden. Was bekommt der Schlüsseldienst am Sonntag Abend für vielleicht 20 min. Arbeit und etwas Anfahrtszeit. Und wir reden von den seriösen Handwerksbetrieben "aus der Nachbarschaft", nicht von Halsabschneidern.
Ich finde es unerträglich, dass gerade an einer hochqualifzierten geistigen Leistung geknausert wird.
Und um dem gleich vorweg zu gehen. Übersetzen von Urkunden ist nicht Formulare ausfüllen. Ein Formular (Dokumentenvorlage) verleitet zur Nachlässigkeit und zum Qualitätsverlust. Und in der Regel verdient der Übersetzer an einer Hochzeit nicht 500 EUR durch Urkundenübersetzungen, wie in einem der Kommentare zur Petition angegeben. Da lache ich mal drüber. Mit Scheidungsurteil schafft man in der ostdeutschen Provinz vielleicht 150 EUR.
Also, jede Leistung, sei es Übersetzen, Webdesign, Softwareentwicklung, technische Dokumentation, Rechtsberatung muss angemessen vergütet werden.
Stellt euch mal vor, die beeidigten Übersetzer spielen das Kostendrückespiel nicht mit und gehen einfach nicht übersetzen/dolmetschen. Dann haben unsere ausländischen Mitbürger ein Problem, Jusitz, Polizei, Staatsanwaltschaft auch.
Re: Petition zur Erhöhung der Vergütung für Dolmetscher
Verfasst: 28 Feb 2013, 23:27
von Axel Henrich
Magdeburg-Moskva hat geschrieben:Ich finde es unerträglich, dass gerade an einer hochqualifzierten geistigen Leistung geknausert wird. [...]
Also, jede Leistung, sei es Übersetzen, Webdesign, Softwareentwicklung, technische Dokumentation, Rechtsberatung muss angemessen vergütet werden.
Kein Frage! Aber wie gesagt, es wird zum Problem, wenn nicht genug Auftraege zusammen kommen, dass man davon leben kann ... Dann muesste man die Einzelleistung so hoch kalkulieren, dass am Ende keiner mehr die Kosten tragen moechte und das um so mehr, wenn man mit dem Staat, oder staatl. Organen zusammen arbeitet ...
Dazu kommt, dass so Berufe wie Uebersetzer einfach unterschaetzt werden, ala "na wenn man die Sprache kann, ist der Rest doch pillepalle" ...
-ah-
Re: Petition zur Erhöhung der Vergütung für Dolmetscher
Verfasst: 01 Mär 2013, 12:23
von Dietrich
Magdeburg-Moskva hat geschrieben:Stellt euch mal vor, die beeidigten Übersetzer spielen das Kostendrückespiel nicht mit und gehen einfach nicht übersetzen/dolmetschen. Dann haben unsere ausländischen Mitbürger ein Problem, Jusitz, Polizei, Staatsanwaltschaft auch.
Dann sollten die das tun. Nennt sich Streik und hat schon in anderen Branchen nennenswerte Lohnzuwächse gebracht. Nur muss man sich dazu einig sein. Solange es immer genug gibt, die das Spiel mitmachen, ändert sich das nicht.
Das die Justiz/Polizei/Staatsanwaltschaft nur so viel zahlt wie sie unbedingt müssen... das nennt man Marktwirtschaft und das ist denen nicht zu verübeln. Da helfen auch keine Petitionen, sondern nur knallharter Streik. Wenn die Polizei für 55€ niemanden findet, dann müssen sie einen für 75€ nehmen. Und nur dann werden sie das auch tun. Und dann werden auch solche Gebührenordnungen angepasst. Aber solange es immer noch zugelassene Übersetzer gibt, die nicht mitmachen und denen 55€ reichen, solange müssen die anderen eben anders kalkulieren oder sich einen anderen Beruf suchen.
Die Stundenlöhne für Buchhalter, Lagerarbeiter, Amazon-Packer oder Informatiker ergeben sich auch aus Angebot und Nachfrage.... wieso sollte das bei Übersetzern anders sein?
Re: Petition zur Erhöhung der Vergütung für Dolmetscher
Verfasst: 01 Mär 2013, 13:59
von GastroService
Das Problem ist kein Dolmetscher spezifisches, das ist ein allgemeines Problem der "freischaffenden Künstler".
Leider gibt es, ich möchte fast Behaupten, in allen Sparten einige Kollegen, die sagen: "Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach" und machen dieses Spiel mit.
Ich kenne Dozenten, die für 15 Eu BRUTTO je UE bei Bildungträger (freiberuflich) unterrichten und das bei kurzen Weiterbildungen von 1 bis 3 Wochen. Und die müssen (sollten) sich auch auf den Stoff vorbereiten. Also hat er / sie ein Brutto-Monatseinkommen von rund 1800 Euronen im Höchstfalle (bei 3 Wochen mit Vorbereitung)
![frust [frust]](./images/smilies/frust.gif)
und das mit Unterbrechungen, denn solche Angebote kommen auch nicht fortlaufend.
Re: Petition zur Erhöhung der Vergütung für Dolmetscher
Verfasst: 01 Mär 2013, 14:33
von Dietrich
Ich sag ja "Angebot und Nachfrage". Wenn also das Angebot (an freischaffenden Künstlern) größer als die Nachfrage ist, dann finden sich eben welche, denen 15 Euro lieber sind als nix. In Zukunft werden dann weniger Leute freischaffende Künstler und das Verhältnis kippt wieder.
Ist nunmal erwiesendermaßen gesamtwirtschaftlich das für alle günstigste System.