Der Feind meines Feindes: westliche Propaganda schweigt
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- Zar/iza

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Der Feind meines Feindes: westliche Propaganda schweigt
Vor kurzem habe ich eine sehr interessante Internet-Seite gefunden. Nachrichten, die man nicht überall findet.
Gute Artikel:
Dioxin. Wirklich?
"...Yushchenko selbst scheint allerdings auch zumindest fragwürdig zu sein. Zwar belegen Vergleiche von älteren und aktuellen Photographien zweifellos, daß er erkrankt war, die von ihm behauptete Vergiftung ist von dem behandelnden Arzt in Wien allerdings als unbewiesen bezeichnet worden. Nach dieser Aussage bei einer Pressekonferenz erhielt der Arzt anonyme Drohungen, die dazu führten, daß er Polizeischutz erhielt.
Zu den Unterstützern Yushchenkos gehören seit Jahren auch die Mitglieder der Organisation "Ukrainische Nationale Selbstverteidigung", einer paramilitärischen Gruppe mit äußerst nationalistischem Gedankengut.
Es scheint also zumindest mehr als fragwürdig, ob Yushchenko wirklich die richtige Wahl für eine "Demokratisierung" ist oder hier nicht doch eher nach dem Motto "der Feind meines Feindes ist mein Freund" verfahren wird.
Allein die Tatsache, daß den USA die Demokratie - oder deren Abwesenheit in "befreundeten Staaten" wie beispielsweise Saudi-Arabien seit Jahrzehnten vollkommen gleichgültig ist sollte ausreichen, um Zweifel an der vorgeblichen Motivation der USA hinsichtlich der scharfen Kritik der Wahlen in der Ukraine zu wecken.
Tatsächlich dürften hier politische, wirtschaftliche und auch militärische Gründe eine weitaus größere Rolle spielen.
Sollte es gelingen, die Wahl in der Ukraine mit welchen Mitteln auch immer zugunsten Yushchenkos zu entscheiden, so würde dies zuallererst den Einflußbereich Rußlands weiter verringern. Darüberhinaus würden sich Europa und den USA neue Absatzmöglichkeiten - insbesondere auch auf dem Rüstungssektor - eröffnen. Außerdem würde auf diesem Weg ein weiterer Zugang zum Schwarzen Meer eröffnet, wo die nach ihm benannte Schwarzmeerflotte Rußlands beheimatet ist."
Gute Artikel:
Dioxin. Wirklich?
"...Yushchenko selbst scheint allerdings auch zumindest fragwürdig zu sein. Zwar belegen Vergleiche von älteren und aktuellen Photographien zweifellos, daß er erkrankt war, die von ihm behauptete Vergiftung ist von dem behandelnden Arzt in Wien allerdings als unbewiesen bezeichnet worden. Nach dieser Aussage bei einer Pressekonferenz erhielt der Arzt anonyme Drohungen, die dazu führten, daß er Polizeischutz erhielt.
Zu den Unterstützern Yushchenkos gehören seit Jahren auch die Mitglieder der Organisation "Ukrainische Nationale Selbstverteidigung", einer paramilitärischen Gruppe mit äußerst nationalistischem Gedankengut.
Es scheint also zumindest mehr als fragwürdig, ob Yushchenko wirklich die richtige Wahl für eine "Demokratisierung" ist oder hier nicht doch eher nach dem Motto "der Feind meines Feindes ist mein Freund" verfahren wird.
Allein die Tatsache, daß den USA die Demokratie - oder deren Abwesenheit in "befreundeten Staaten" wie beispielsweise Saudi-Arabien seit Jahrzehnten vollkommen gleichgültig ist sollte ausreichen, um Zweifel an der vorgeblichen Motivation der USA hinsichtlich der scharfen Kritik der Wahlen in der Ukraine zu wecken.
Tatsächlich dürften hier politische, wirtschaftliche und auch militärische Gründe eine weitaus größere Rolle spielen.
Sollte es gelingen, die Wahl in der Ukraine mit welchen Mitteln auch immer zugunsten Yushchenkos zu entscheiden, so würde dies zuallererst den Einflußbereich Rußlands weiter verringern. Darüberhinaus würden sich Europa und den USA neue Absatzmöglichkeiten - insbesondere auch auf dem Rüstungssektor - eröffnen. Außerdem würde auf diesem Weg ein weiterer Zugang zum Schwarzen Meer eröffnet, wo die nach ihm benannte Schwarzmeerflotte Rußlands beheimatet ist."
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"Rußland hat die Wahl gewonnen, aber der Westen will die Ukraine"
Moskauer Politologe Nikonow warnt EU und USA
von Manfred Quiring
Moskau - Rußland werde als Reaktion auf die Ereignisse in der Ukraine sehr ernsthafte, langfristige strategische Maßnahmen ergreifen, erwartet der Politologe Wjatscheslaw Nikonow. Der Leiter der Stiftung "Einheit im Namen Rußlands", die zu Putins Partei "Einheitliches Rußland" gehört, sprach von einem Umsturz in Kiew, den die USA und andere westliche Länder vorbereitet hätten, um "den russischen Bären in seine Höhle zurückzujagen". Mit dem Enkel des ehemaligen sowjetischen Außenministers Molotow sprach Manfred Quiring.
DIE WELT: In der Ukraine wird der zweite Wahlgang der Präsidentenwahl wiederholt. Die Situation hat sich entspannt, oder?
Wjatscheslaw Nikonow: In der Ukraine hat ein antikonstitutioneller Umsturz stattgefunden. Dort läuft eine Revolution ab, die Teil einer Operation zum Wechsel des Regimes ist. Alles, was dort jetzt geregelt wird, geschieht nicht auf rechtlicher, sondern auf Grundlage des Kräfteverhältnisses.
DIE WELT: Aus russischer Sicht sind westliche Politiker dafür verantwortlich?
Nikonow: In der Ukraine wird eine amerikanische Operation zum Regimewechsel durchgezogen.
DIE WELT: Haben Sie Beweise dafür?
Nikonow: In den vergangenen Jahren arbeitete eine große Zahl von Organisationen für den Sieg von Juschtschenko, die finanzielle Unterstützung kam vorwiegend aus den USA, aber auch aus anderen westlichen Ländern. Beweise dafür gibt es hundertfach. Der Kreml geht davon aus, daß Janukowytsch die Wahlen gewonnen hat. Aber das wurde nicht anerkannt, einfach weil das nicht anerkannt werden sollte.
DIE WELT: Aber das Oberste Gericht der Ukraine hat das doch auch nicht akzeptiert.
Nikonow: Alle Entscheidungen, die gefällt wurden, nachdem die orangefarbene Revolution begonnen hatte, wurden unter dem Druck der Menge getroffen. Viele Abgeordnete des Parlaments und Mitglieder des Obersten Gerichts wurden bedroht, das ist sehr wohl bekannt. Sie konnten keine andere Entscheidung fällen, wenn sie weiter in ihrem Land leben wollten.
DIE WELT: Rußland hat die Vermittlungsversuche des Westens als Einmischung bezeichnet. Gleichzeitig haben sich russische Politiker wie Schirinowski und Luschkow aktiv in den ukrainischen Wahlkampf eingemischt. Ist ihnen erlaubt, was anderen nicht erlaubt ist?
Nikonow: Es ist doch klar, daß in der Ukraine ein sehr ernsthafter geopolitischer Zusammenstoß stattfindet. Rußland hat die Wahlen gewonnen, der Westen will die Situation, will die Ukraine gewinnen. Wenn man übrigens die westlichen Zeitungen liest, darunter auch Ihre, dann stellt man sich dort einen letzten entscheidenden Zusammenstoß vor, um die russische Frage ein für allemal zu lösen und den russischen Bären in seine nördliche Höhle zu jagen. Das ist der allgemeine Ton der jüngsten Monate in der Westpresse.
DIE WELT: Reagiert Rußland deshalb so gereizt auf die Ereignisse?
Nikonow: Noch war das gar nicht sehr gereizt. Ich glaube, es wird bald eine viel ernsthaftere Reaktion geben, die einen langfristigen und strategischen Charakter haben wird. Für mich ist offensichtlich, daß sich Rußland und der Westen sehr stark voneinander entfernen.
Moskauer Politologe Nikonow warnt EU und USA
von Manfred Quiring
Moskau - Rußland werde als Reaktion auf die Ereignisse in der Ukraine sehr ernsthafte, langfristige strategische Maßnahmen ergreifen, erwartet der Politologe Wjatscheslaw Nikonow. Der Leiter der Stiftung "Einheit im Namen Rußlands", die zu Putins Partei "Einheitliches Rußland" gehört, sprach von einem Umsturz in Kiew, den die USA und andere westliche Länder vorbereitet hätten, um "den russischen Bären in seine Höhle zurückzujagen". Mit dem Enkel des ehemaligen sowjetischen Außenministers Molotow sprach Manfred Quiring.
DIE WELT: In der Ukraine wird der zweite Wahlgang der Präsidentenwahl wiederholt. Die Situation hat sich entspannt, oder?
Wjatscheslaw Nikonow: In der Ukraine hat ein antikonstitutioneller Umsturz stattgefunden. Dort läuft eine Revolution ab, die Teil einer Operation zum Wechsel des Regimes ist. Alles, was dort jetzt geregelt wird, geschieht nicht auf rechtlicher, sondern auf Grundlage des Kräfteverhältnisses.
DIE WELT: Aus russischer Sicht sind westliche Politiker dafür verantwortlich?
Nikonow: In der Ukraine wird eine amerikanische Operation zum Regimewechsel durchgezogen.
DIE WELT: Haben Sie Beweise dafür?
Nikonow: In den vergangenen Jahren arbeitete eine große Zahl von Organisationen für den Sieg von Juschtschenko, die finanzielle Unterstützung kam vorwiegend aus den USA, aber auch aus anderen westlichen Ländern. Beweise dafür gibt es hundertfach. Der Kreml geht davon aus, daß Janukowytsch die Wahlen gewonnen hat. Aber das wurde nicht anerkannt, einfach weil das nicht anerkannt werden sollte.
DIE WELT: Aber das Oberste Gericht der Ukraine hat das doch auch nicht akzeptiert.
Nikonow: Alle Entscheidungen, die gefällt wurden, nachdem die orangefarbene Revolution begonnen hatte, wurden unter dem Druck der Menge getroffen. Viele Abgeordnete des Parlaments und Mitglieder des Obersten Gerichts wurden bedroht, das ist sehr wohl bekannt. Sie konnten keine andere Entscheidung fällen, wenn sie weiter in ihrem Land leben wollten.
DIE WELT: Rußland hat die Vermittlungsversuche des Westens als Einmischung bezeichnet. Gleichzeitig haben sich russische Politiker wie Schirinowski und Luschkow aktiv in den ukrainischen Wahlkampf eingemischt. Ist ihnen erlaubt, was anderen nicht erlaubt ist?
Nikonow: Es ist doch klar, daß in der Ukraine ein sehr ernsthafter geopolitischer Zusammenstoß stattfindet. Rußland hat die Wahlen gewonnen, der Westen will die Situation, will die Ukraine gewinnen. Wenn man übrigens die westlichen Zeitungen liest, darunter auch Ihre, dann stellt man sich dort einen letzten entscheidenden Zusammenstoß vor, um die russische Frage ein für allemal zu lösen und den russischen Bären in seine nördliche Höhle zu jagen. Das ist der allgemeine Ton der jüngsten Monate in der Westpresse.
DIE WELT: Reagiert Rußland deshalb so gereizt auf die Ereignisse?
Nikonow: Noch war das gar nicht sehr gereizt. Ich glaube, es wird bald eine viel ernsthaftere Reaktion geben, die einen langfristigen und strategischen Charakter haben wird. Für mich ist offensichtlich, daß sich Rußland und der Westen sehr stark voneinander entfernen.
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Ooooh! Selber gemacht?hc_blacki hat geschrieben:
würden sie vielleicht gerne, sie sind aber abhängig vom Westen und daher wird das nur ein Wunschtraum sein von Dir Puti.
Hier mal was schönes zur Beruhigung von mir.![]()
http://members.cox.net/tom_fuller/indx.htm
Frage nicht beantwortet!DIE WELT: Rußland hat die Vermittlungsversuche des Westens als Einmischung bezeichnet. Gleichzeitig haben sich russische Politiker wie Schirinowski und Luschkow aktiv in den ukrainischen Wahlkampf eingemischt. Ist ihnen erlaubt, was anderen nicht erlaubt ist?
Nikonow: Es ist doch klar, daß in der Ukraine ein sehr ernsthafter geopolitischer Zusammenstoß stattfindet. Rußland hat die Wahlen gewonnen, der Westen will die Situation, will die Ukraine gewinnen. Wenn man übrigens die westlichen Zeitungen liest, darunter auch Ihre, dann stellt man sich dort einen letzten entscheidenden Zusammenstoß vor, um die russische Frage ein für allemal zu lösen und den russischen Bären in seine nördliche Höhle zu jagen. Das ist der allgemeine Ton der jüngsten Monate in der Westpresse.
Setzen! 6!
Dietrich
-
Bephep
Russische Presse
Puti zitiert immer gerne die westliche "boese "Presse.Ich zitiere mal die gute russische.Entschuldigung ist ein langer Artikel finde ich aber gut und fair..
2004-12-07 17:20Â Â Â Â Â
Lehren aus der ukrainischen Krise
Von Alexander Konowalow,
Präsident des Instituts für strategische Wertungen
(Die Ukraine ist keine "sanitäre Barriere" zwischen Russland und dem Westen, sondern eine Brücke, die Russland mit Europa vereinigt.)
Noch wäre es verfrüht, die Folgen der dramatischen Ereignisse in der Ukraine einzuschätzen. Die Kollision im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen, der Konfrontation von Macht und Opposition, dauert noch an. Es ist klar, dass auf Entscheid des Obersten Gerichtshofes der Ukraine eine wiederholte Abstimmung in der zweiten Wahlrunde der Präsidentschaftswahlen stattfinden wird (juristisch an sich ein für die weltweite Praxis so ziemlich einzigartiger Präzendenzfall), dass es zu einer Reform des politischen Systems mit der Übergabe eines Teils der Machtvollmachten des Präsidenten an Regierung und Parlament kommen sowie die Wahlgesetzgebung verändert werden wird. Doch schon heute steht fest: Was in der Ukraine geschehen ist und geschieht, wird sich nicht nur auf die Zukunft dieses Landes, sondern auch auf die Situation in Russland, die russisch-ukrainischen Beziehungen, die Beziehungen Russlands zur Europäischen Union und, weiter gefasst, zum Westen auswirken. Ohne zu übertreiben, darf man behaupten, dass die politische Krise in der Ukraine und die Art und Weise, wie sie in letzter Instanz überwunden sein wird, in vieler Hinsicht die Zukunft Europas prägen werden.
Auf Mythen aufgebaute Politik
Es muss gesagt werden: Die ukrainischen Ereignisse haben sich auf die Beziehungen zwischen Russland und den EU-Ländern, zwischen Russland und den USA bereits sehr negativ ausgewirkt. Die russische herrschende Klasse zeigte sich sehr empfindlich gegenüber der direkten und wirksamen Unterstützung von Viktor Juschtschenko durch den Westen und wertete sie als eine eindeutig antirussische Strategie. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass in Bezug auf die ukrainische Krise sowohl Russland als auch der Westen mehrere schwere Fehler begangen haben; derwichtigste davon ist, dass die Ukraine für beide Seiten nicht ein Feld der möglichen politischen Zusammenarbeit, sondern ein Feld der Entscheidungsschlacht war, in der die strategische Hauptfrage gelöst werde: ob die Ukraine mit Russland bleibe oder sich unumkehrbar dem Westen zuwendet.
Eine solche Betrachtungsweise der Wahlen in der Ukraine - als ein "politisches Stalingrad" im Kampf zwischen Russland und dem Westen - war von Anfang an kontraproduktiv und überdies eher ein Produkt der politischen Mythologie als eine adäquate Einschätzung der Realität. Hier einige der ihren Folgen nach destruktivsten Mythen.
"Viktor Juschtschenko ist ein absolut prowestlicher Kandidat. Sein Sieg wird für Russland den endgültigen Verlust der Ukraine, ihre enge Annäherung an den Westen und ein nicht wieder gut zu machender Zivilisationsschaden sein. Die russische Zivilisation wird um ihre historischen Wurzeln in der Kiewer Rus gebracht." Ein anderes, nicht minder schädliches Mythologem wurde wie folgt formuliert: "Viktor Juschtschenko ist die Verkörperung der Demokratie in der Ukraine, und nur sein Sieg bedeutet den Sieg der demokratischen Kräfte, weshalb der Westen diesen Kandidaten auf jede erdenkliche Weise unterstützen soll." Dabei ist es zumindest naiv, V. Juschtschenko als die Demokratie in Person darzustellen. Zu seinem Team gehören fünf ehemalige stellvertretende Regierungschefs und neun ehemalige Minister. Es ist klar, dass die staatliche Nimenklatura, die den Geschmack der Macht schon kennt und ihre Früchte voll genossen hat, nun wieder den Zutritt zu den Kommandoposten in der Verwaltung herbeisehnt und an die Macht zurückkehren will. Schließlich noch ein Mythos, auf dem die reale Politik aufgebaut wurde: "Viktor Janukowitsch ist ein rein prorussischer Kandidat, und sein Sieg würde die Drift der Ukraine westwärts unterbrechen, die Realisierung der Pläne von Moskau bezüglich eines einheitlichen Wirtschaftsraums der GUS-Mitglieder und der russischen Sprache den Status der zweiten Amtssprache in der Ukraine garantieren wird."
In Wirklichkeit vertrat V. Janukowitsch nicht die Interessen Russlands, sondern die der Finanz- und Industriegruppen des Donez-Beckens. Zum Präsidentschaftskandidaten der Ukraine wählte ihn der heutige Präsident Leonid Kutschma. Aber keinesfalls als einen starken Nachfolger. In der Ukraine gibt es weit stärkere, ja charismatische Politiker, die eine viel ernsthaftere Konkurrenz für V. Juschtschenko gewesen wären. Aber Präsident Kutschma brauchte nicht Janukowitschs Sieg, sondern die Unterstütung seitens des mächtigen Clans des Donez-Beckens im Kampf gegen die Opposition Juschtschenkos um die Durchführung einer Verfassungsreform.
Ein Sieg V. Janukowitschs garantierte auch Russland keineswegs besondere Privilegien. Eher waren einige Probleme zu erwarten. Gleich Präsident Bush, der nach seinem Wahlsieg die Mitbürger, die für J. Kerry gestimmt hatten, um ihre Unterstützung bei der Realisierung seiner Pläne bat, hätte auch Viktor Janukowitsch damit anfangen sollen, seinen Opponenten (in erster Linie dem Westen und dem Süden der Ukraine) entgegenzukommen und sie davon zu überzeugen, dass er die Interessen des eigenen Landes und nicht die von Moskau behaupte. Das wäre ad eins. Zweitens zeichnen sich die Finanz- und Industriegruppen des Donez-Beckens durch ihre äußerste Härte aus, sobald es sich um den Zutritt des russischen Kapitals zu den ukrainischen Märkten handelt.
Ein Sieg Viktor Juschtschenkos hätte auch nicht als Tragödie und als Verlust der Ukraine aufgenommen werden sollen. Ja, in den westlichen Gebieten der Ukraine, in denen ein weit geringerer Teil der Wählerschaft mit Russland sympathisiert, hatte V. Juschtschenko wirklich sehr starke Positionen. Aber ebenso wie V. Janukowitsch, hätte V. Juschtschenko im Falle seines Sieges den Wählern entgegenkommen müssen, diesmal denen der Ostukraine. Zudem vertritt V. Juschtschenko liberalere ökonomische Ansichten. Deshalb wäre zu erwarten gewesen, dass das gegenseitige Eindringen des russischen und des ukrainischen Unternehmertums beträchtlich vereinfacht worden wäre.
Auch sonst wirken die russischen Befürchtungen bezüglich der Kandidatur V. Juschtschenkos etwas merkwürdig, denkt man daran, dass er schon der ukrainischen Regierung vorstand, mit Russland arbeitete und dies keine Tragödie ergab.
Tatsächlich eine Revolution?
Gegenwärtig neigen viele Analytiker dazu, die Vorgänge in der Ukraine als Revolution zu beurteilen. Möglicherweise ist das eine Übertreibung. Aber Fakt bleibt Fakt: Hunderttausende gingen in der ukrainischen Hauptstadt und anderen Städten auf die Straße. V. Juschtschenkos Anhänger fallen auf, sind auch gut organisiert. Zwar ist klar, dass die Präsidentschaftswahlen die ukrainische Gesellschaft praktisch in zwei Hälften geteilt haben, aber auch diese Trennlinie hat ihre genauen geographischen Koordinaten. Die erste Frage, die zu beantworten ist: Warum hat sich der Routinekampf von Clans innerhalb der herrschenden Elite in solche Volksunruhen, die die Nation gespalten haben, ausgewachsen? Der Hauptgrund dafür, dass sich die Menschenmassen zu einem offenen Protest entschlossen haben, hängt wohl nicht mit ihren Sympathien für den jeweiligen Kandidaten zusammen, sondern damit, dass sie nicht auch weiter das korrumpierte oligarchische Regime, das Demokratie imitiert, dulden wollen; zudem sind die meisten Ukrainer sicher, dass ihnen die Wahlergebnisse gestohlen worden sind. Übrigens waren die Einsätze bei den ukrainischen Wahlen außerordentlich hoch, und sowohl Russland als auch der Westen versuchten, ihren Ausgang zu beeinflussen. Zur Unterstützung des Kandidaten Janukowitsch landete in der Ukraine ein mächtiger Trupp von russischen Polittechnologen.
Wie sich herausstellte, übersahen die russischen Polittechnologen in ihren effektivsten Methodiken einen Faktor wie die Gesellschaft und ihre Meinung völlig. In Russland gehen diese Methodiken noch hin, in der Ukraine dagegen nichtmehr. Im Ergebnis positionierte sich Russland im politischen Kampf in der Ukraine sofort als Konfliktpartei, was ihm praktisch jede Möglichkeit nahm, bei der Beilegung des Konfliktes eine viel vorteilhaftere Rolle des Vermittlers zu spielen.
Die Schärfe der politischen Konfrontation in der Ukraine förderte auch noch eine wichtige Besonderheit der Situation an den Tag. In den Jahren des Bestehens der postsowjtischen unabhängigen Ukraine hat sich dort keine einheitliche politische Nation geformt. Die Gegensätze und Unterschiede zwischen den Regionen des Landes sind dermaßen offensichtlich und akut, dass immer mehr Fachleute den Schluss ziehen: Die Existenz der Ukraine als unitärer Staat hat keine historische Perspektive. Die einzige Möglichkeit, die Integrität des Landes zu erhalten, ist der Übergang zu einem föderativen Staat. Dafür bedarf es des politischen Willens der ukrainischen Führung, der innenpolitischen Stabilität und einer Unterstützung von außen.
Welche Lehren wären also aus den ukrainischen Ereignissen schon jetzt zu ziehen? Erstens hat die heutige Ukraine eine komplizierte politische Einrichtung und gesellschaftliche Organisation. Eine erfolgreiche Einwirkung von außen ist nur möglich, wenn die nationale Spezifik dieses Landes gut verstanden und respektiert wird. Zweitens ist die Ukraine für Russland ein befreundetes Land, und etwas an dieser Realität zu ändern vermögen nicht die Wahlergebnisse und nicht die "Umtriebe" des Westens - höchstens eine schlecht durchdachte Politik Russlands, in der nicht die genau formulierten Interessen des Staates im Mittelpunkt stehen. Drittens ist es für Russland und die Ukraine zwecikmäßig, eine gemeinsame Strategie der Integration in die europäischen Strukturen auszuarbeiten. Auf jeden Fall ist es vernünftiger, die Ukraine nicht als eine "sanitäre Barriere" zwischen Russland und dem Westen aufzufassen, sondern eher als eine Brücke, die Russland mit Europa verbindet. Die russischen Polittechnologen haben in der Ukraine zweifellos eine vernichtende Niederlage erlitten, aber der Westen sollte nicht versuchen, auf diese Fehlrechnung der russischen Politik zu setzen. Im Gegenteil, es muss alles getan werden, damit Russlands vermittelnde Teilnahme an der Überwindung der ukrainischen Krise beibehalten werden kann.
Davon, wie richtig die Schritte sein werden, die Russland, der Westen und die Ukraine selbst unternehmen, hängt die Antwort auf die Schlüsselfrage ab: ob die Ukraine ein mit Russland befreundetes Land bleibt oder sich in eine neue Trennlinie in Europa verwandelt.
MOSKAU, 07. Dezember - RIA "Nowosti"
Der Standpunkt des Autors stimmt nicht unbedingt mit dem Standpunkt der Redaktion überein.
2004-12-07 17:20Â Â Â Â Â
Lehren aus der ukrainischen Krise
Von Alexander Konowalow,
Präsident des Instituts für strategische Wertungen
(Die Ukraine ist keine "sanitäre Barriere" zwischen Russland und dem Westen, sondern eine Brücke, die Russland mit Europa vereinigt.)
Noch wäre es verfrüht, die Folgen der dramatischen Ereignisse in der Ukraine einzuschätzen. Die Kollision im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen, der Konfrontation von Macht und Opposition, dauert noch an. Es ist klar, dass auf Entscheid des Obersten Gerichtshofes der Ukraine eine wiederholte Abstimmung in der zweiten Wahlrunde der Präsidentschaftswahlen stattfinden wird (juristisch an sich ein für die weltweite Praxis so ziemlich einzigartiger Präzendenzfall), dass es zu einer Reform des politischen Systems mit der Übergabe eines Teils der Machtvollmachten des Präsidenten an Regierung und Parlament kommen sowie die Wahlgesetzgebung verändert werden wird. Doch schon heute steht fest: Was in der Ukraine geschehen ist und geschieht, wird sich nicht nur auf die Zukunft dieses Landes, sondern auch auf die Situation in Russland, die russisch-ukrainischen Beziehungen, die Beziehungen Russlands zur Europäischen Union und, weiter gefasst, zum Westen auswirken. Ohne zu übertreiben, darf man behaupten, dass die politische Krise in der Ukraine und die Art und Weise, wie sie in letzter Instanz überwunden sein wird, in vieler Hinsicht die Zukunft Europas prägen werden.
Auf Mythen aufgebaute Politik
Es muss gesagt werden: Die ukrainischen Ereignisse haben sich auf die Beziehungen zwischen Russland und den EU-Ländern, zwischen Russland und den USA bereits sehr negativ ausgewirkt. Die russische herrschende Klasse zeigte sich sehr empfindlich gegenüber der direkten und wirksamen Unterstützung von Viktor Juschtschenko durch den Westen und wertete sie als eine eindeutig antirussische Strategie. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass in Bezug auf die ukrainische Krise sowohl Russland als auch der Westen mehrere schwere Fehler begangen haben; derwichtigste davon ist, dass die Ukraine für beide Seiten nicht ein Feld der möglichen politischen Zusammenarbeit, sondern ein Feld der Entscheidungsschlacht war, in der die strategische Hauptfrage gelöst werde: ob die Ukraine mit Russland bleibe oder sich unumkehrbar dem Westen zuwendet.
Eine solche Betrachtungsweise der Wahlen in der Ukraine - als ein "politisches Stalingrad" im Kampf zwischen Russland und dem Westen - war von Anfang an kontraproduktiv und überdies eher ein Produkt der politischen Mythologie als eine adäquate Einschätzung der Realität. Hier einige der ihren Folgen nach destruktivsten Mythen.
"Viktor Juschtschenko ist ein absolut prowestlicher Kandidat. Sein Sieg wird für Russland den endgültigen Verlust der Ukraine, ihre enge Annäherung an den Westen und ein nicht wieder gut zu machender Zivilisationsschaden sein. Die russische Zivilisation wird um ihre historischen Wurzeln in der Kiewer Rus gebracht." Ein anderes, nicht minder schädliches Mythologem wurde wie folgt formuliert: "Viktor Juschtschenko ist die Verkörperung der Demokratie in der Ukraine, und nur sein Sieg bedeutet den Sieg der demokratischen Kräfte, weshalb der Westen diesen Kandidaten auf jede erdenkliche Weise unterstützen soll." Dabei ist es zumindest naiv, V. Juschtschenko als die Demokratie in Person darzustellen. Zu seinem Team gehören fünf ehemalige stellvertretende Regierungschefs und neun ehemalige Minister. Es ist klar, dass die staatliche Nimenklatura, die den Geschmack der Macht schon kennt und ihre Früchte voll genossen hat, nun wieder den Zutritt zu den Kommandoposten in der Verwaltung herbeisehnt und an die Macht zurückkehren will. Schließlich noch ein Mythos, auf dem die reale Politik aufgebaut wurde: "Viktor Janukowitsch ist ein rein prorussischer Kandidat, und sein Sieg würde die Drift der Ukraine westwärts unterbrechen, die Realisierung der Pläne von Moskau bezüglich eines einheitlichen Wirtschaftsraums der GUS-Mitglieder und der russischen Sprache den Status der zweiten Amtssprache in der Ukraine garantieren wird."
In Wirklichkeit vertrat V. Janukowitsch nicht die Interessen Russlands, sondern die der Finanz- und Industriegruppen des Donez-Beckens. Zum Präsidentschaftskandidaten der Ukraine wählte ihn der heutige Präsident Leonid Kutschma. Aber keinesfalls als einen starken Nachfolger. In der Ukraine gibt es weit stärkere, ja charismatische Politiker, die eine viel ernsthaftere Konkurrenz für V. Juschtschenko gewesen wären. Aber Präsident Kutschma brauchte nicht Janukowitschs Sieg, sondern die Unterstütung seitens des mächtigen Clans des Donez-Beckens im Kampf gegen die Opposition Juschtschenkos um die Durchführung einer Verfassungsreform.
Ein Sieg V. Janukowitschs garantierte auch Russland keineswegs besondere Privilegien. Eher waren einige Probleme zu erwarten. Gleich Präsident Bush, der nach seinem Wahlsieg die Mitbürger, die für J. Kerry gestimmt hatten, um ihre Unterstützung bei der Realisierung seiner Pläne bat, hätte auch Viktor Janukowitsch damit anfangen sollen, seinen Opponenten (in erster Linie dem Westen und dem Süden der Ukraine) entgegenzukommen und sie davon zu überzeugen, dass er die Interessen des eigenen Landes und nicht die von Moskau behaupte. Das wäre ad eins. Zweitens zeichnen sich die Finanz- und Industriegruppen des Donez-Beckens durch ihre äußerste Härte aus, sobald es sich um den Zutritt des russischen Kapitals zu den ukrainischen Märkten handelt.
Ein Sieg Viktor Juschtschenkos hätte auch nicht als Tragödie und als Verlust der Ukraine aufgenommen werden sollen. Ja, in den westlichen Gebieten der Ukraine, in denen ein weit geringerer Teil der Wählerschaft mit Russland sympathisiert, hatte V. Juschtschenko wirklich sehr starke Positionen. Aber ebenso wie V. Janukowitsch, hätte V. Juschtschenko im Falle seines Sieges den Wählern entgegenkommen müssen, diesmal denen der Ostukraine. Zudem vertritt V. Juschtschenko liberalere ökonomische Ansichten. Deshalb wäre zu erwarten gewesen, dass das gegenseitige Eindringen des russischen und des ukrainischen Unternehmertums beträchtlich vereinfacht worden wäre.
Auch sonst wirken die russischen Befürchtungen bezüglich der Kandidatur V. Juschtschenkos etwas merkwürdig, denkt man daran, dass er schon der ukrainischen Regierung vorstand, mit Russland arbeitete und dies keine Tragödie ergab.
Tatsächlich eine Revolution?
Gegenwärtig neigen viele Analytiker dazu, die Vorgänge in der Ukraine als Revolution zu beurteilen. Möglicherweise ist das eine Übertreibung. Aber Fakt bleibt Fakt: Hunderttausende gingen in der ukrainischen Hauptstadt und anderen Städten auf die Straße. V. Juschtschenkos Anhänger fallen auf, sind auch gut organisiert. Zwar ist klar, dass die Präsidentschaftswahlen die ukrainische Gesellschaft praktisch in zwei Hälften geteilt haben, aber auch diese Trennlinie hat ihre genauen geographischen Koordinaten. Die erste Frage, die zu beantworten ist: Warum hat sich der Routinekampf von Clans innerhalb der herrschenden Elite in solche Volksunruhen, die die Nation gespalten haben, ausgewachsen? Der Hauptgrund dafür, dass sich die Menschenmassen zu einem offenen Protest entschlossen haben, hängt wohl nicht mit ihren Sympathien für den jeweiligen Kandidaten zusammen, sondern damit, dass sie nicht auch weiter das korrumpierte oligarchische Regime, das Demokratie imitiert, dulden wollen; zudem sind die meisten Ukrainer sicher, dass ihnen die Wahlergebnisse gestohlen worden sind. Übrigens waren die Einsätze bei den ukrainischen Wahlen außerordentlich hoch, und sowohl Russland als auch der Westen versuchten, ihren Ausgang zu beeinflussen. Zur Unterstützung des Kandidaten Janukowitsch landete in der Ukraine ein mächtiger Trupp von russischen Polittechnologen.
Wie sich herausstellte, übersahen die russischen Polittechnologen in ihren effektivsten Methodiken einen Faktor wie die Gesellschaft und ihre Meinung völlig. In Russland gehen diese Methodiken noch hin, in der Ukraine dagegen nichtmehr. Im Ergebnis positionierte sich Russland im politischen Kampf in der Ukraine sofort als Konfliktpartei, was ihm praktisch jede Möglichkeit nahm, bei der Beilegung des Konfliktes eine viel vorteilhaftere Rolle des Vermittlers zu spielen.
Die Schärfe der politischen Konfrontation in der Ukraine förderte auch noch eine wichtige Besonderheit der Situation an den Tag. In den Jahren des Bestehens der postsowjtischen unabhängigen Ukraine hat sich dort keine einheitliche politische Nation geformt. Die Gegensätze und Unterschiede zwischen den Regionen des Landes sind dermaßen offensichtlich und akut, dass immer mehr Fachleute den Schluss ziehen: Die Existenz der Ukraine als unitärer Staat hat keine historische Perspektive. Die einzige Möglichkeit, die Integrität des Landes zu erhalten, ist der Übergang zu einem föderativen Staat. Dafür bedarf es des politischen Willens der ukrainischen Führung, der innenpolitischen Stabilität und einer Unterstützung von außen.
Welche Lehren wären also aus den ukrainischen Ereignissen schon jetzt zu ziehen? Erstens hat die heutige Ukraine eine komplizierte politische Einrichtung und gesellschaftliche Organisation. Eine erfolgreiche Einwirkung von außen ist nur möglich, wenn die nationale Spezifik dieses Landes gut verstanden und respektiert wird. Zweitens ist die Ukraine für Russland ein befreundetes Land, und etwas an dieser Realität zu ändern vermögen nicht die Wahlergebnisse und nicht die "Umtriebe" des Westens - höchstens eine schlecht durchdachte Politik Russlands, in der nicht die genau formulierten Interessen des Staates im Mittelpunkt stehen. Drittens ist es für Russland und die Ukraine zwecikmäßig, eine gemeinsame Strategie der Integration in die europäischen Strukturen auszuarbeiten. Auf jeden Fall ist es vernünftiger, die Ukraine nicht als eine "sanitäre Barriere" zwischen Russland und dem Westen aufzufassen, sondern eher als eine Brücke, die Russland mit Europa verbindet. Die russischen Polittechnologen haben in der Ukraine zweifellos eine vernichtende Niederlage erlitten, aber der Westen sollte nicht versuchen, auf diese Fehlrechnung der russischen Politik zu setzen. Im Gegenteil, es muss alles getan werden, damit Russlands vermittelnde Teilnahme an der Überwindung der ukrainischen Krise beibehalten werden kann.
Davon, wie richtig die Schritte sein werden, die Russland, der Westen und die Ukraine selbst unternehmen, hängt die Antwort auf die Schlüsselfrage ab: ob die Ukraine ein mit Russland befreundetes Land bleibt oder sich in eine neue Trennlinie in Europa verwandelt.
MOSKAU, 07. Dezember - RIA "Nowosti"
Der Standpunkt des Autors stimmt nicht unbedingt mit dem Standpunkt der Redaktion überein.
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Re: Russische Presse
Bephep hat geschrieben:Puti zitiert immer gerne die westliche "boese "Presse.Ich zitiere mal die gute russische.Entschuldigung ist ein langer Artikel finde ich aber gut und fair..
2004-12-07 17:20Â Â Â Â Â
Lehren aus der ukrainischen Krise
Von Alexander Konowalow,
Präsident des Instituts für strategische Wertungen
(Die Ukraine ist keine "sanitäre Barriere" zwischen Russland und dem Westen, sondern eine Brücke, die Russland mit Europa vereinigt.)
Noch wäre es verfrüht, die Folgen der dramatischen Ereignisse in der Ukraine einzuschätzen. Die Kollision im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen, der Konfrontation von Macht und Opposition, dauert noch an. Es ist klar, dass auf Entscheid des Obersten Gerichtshofes der Ukraine eine wiederholte Abstimmung in der zweiten Wahlrunde der Präsidentschaftswahlen stattfinden wird (juristisch an sich ein für die weltweite Praxis so ziemlich einzigartiger Präzendenzfall), dass es zu einer Reform des politischen Systems mit der Übergabe eines Teils der Machtvollmachten des Präsidenten an Regierung und Parlament kommen sowie die Wahlgesetzgebung verändert werden wird. Doch schon heute steht fest: Was in der Ukraine geschehen ist und geschieht, wird sich nicht nur auf die Zukunft dieses Landes, sondern auch auf die Situation in Russland, die russisch-ukrainischen Beziehungen, die Beziehungen Russlands zur Europäischen Union und, weiter gefasst, zum Westen auswirken. Ohne zu übertreiben, darf man behaupten, dass die politische Krise in der Ukraine und die Art und Weise, wie sie in letzter Instanz überwunden sein wird, in vieler Hinsicht die Zukunft Europas prägen werden.
Auf Mythen aufgebaute Politik
Es muss gesagt werden: Die ukrainischen Ereignisse haben sich auf die Beziehungen zwischen Russland und den EU-Ländern, zwischen Russland und den USA bereits sehr negativ ausgewirkt. Die russische herrschende Klasse zeigte sich sehr empfindlich gegenüber der direkten und wirksamen Unterstützung von Viktor Juschtschenko durch den Westen und wertete sie als eine eindeutig antirussische Strategie. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass in Bezug auf die ukrainische Krise sowohl Russland als auch der Westen mehrere schwere Fehler begangen haben; derwichtigste davon ist, dass die Ukraine für beide Seiten nicht ein Feld der möglichen politischen Zusammenarbeit, sondern ein Feld der Entscheidungsschlacht war, in der die strategische Hauptfrage gelöst werde: ob die Ukraine mit Russland bleibe oder sich unumkehrbar dem Westen zuwendet.
Eine solche Betrachtungsweise der Wahlen in der Ukraine - als ein "politisches Stalingrad" im Kampf zwischen Russland und dem Westen - war von Anfang an kontraproduktiv und überdies eher ein Produkt der politischen Mythologie als eine adäquate Einschätzung der Realität. Hier einige der ihren Folgen nach destruktivsten Mythen.
"Viktor Juschtschenko ist ein absolut prowestlicher Kandidat. Sein Sieg wird für Russland den endgültigen Verlust der Ukraine, ihre enge Annäherung an den Westen und ein nicht wieder gut zu machender Zivilisationsschaden sein. Die russische Zivilisation wird um ihre historischen Wurzeln in der Kiewer Rus gebracht." Ein anderes, nicht minder schädliches Mythologem wurde wie folgt formuliert: "Viktor Juschtschenko ist die Verkörperung der Demokratie in der Ukraine, und nur sein Sieg bedeutet den Sieg der demokratischen Kräfte, weshalb der Westen diesen Kandidaten auf jede erdenkliche Weise unterstützen soll." Dabei ist es zumindest naiv, V. Juschtschenko als die Demokratie in Person darzustellen. Zu seinem Team gehören fünf ehemalige stellvertretende Regierungschefs und neun ehemalige Minister. Es ist klar, dass die staatliche Nimenklatura, die den Geschmack der Macht schon kennt und ihre Früchte voll genossen hat, nun wieder den Zutritt zu den Kommandoposten in der Verwaltung herbeisehnt und an die Macht zurückkehren will. Schließlich noch ein Mythos, auf dem die reale Politik aufgebaut wurde: "Viktor Janukowitsch ist ein rein prorussischer Kandidat, und sein Sieg würde die Drift der Ukraine westwärts unterbrechen, die Realisierung der Pläne von Moskau bezüglich eines einheitlichen Wirtschaftsraums der GUS-Mitglieder und der russischen Sprache den Status der zweiten Amtssprache in der Ukraine garantieren wird."
In Wirklichkeit vertrat V. Janukowitsch nicht die Interessen Russlands, sondern die der Finanz- und Industriegruppen des Donez-Beckens. Zum Präsidentschaftskandidaten der Ukraine wählte ihn der heutige Präsident Leonid Kutschma. Aber keinesfalls als einen starken Nachfolger. In der Ukraine gibt es weit stärkere, ja charismatische Politiker, die eine viel ernsthaftere Konkurrenz für V. Juschtschenko gewesen wären. Aber Präsident Kutschma brauchte nicht Janukowitschs Sieg, sondern die Unterstütung seitens des mächtigen Clans des Donez-Beckens im Kampf gegen die Opposition Juschtschenkos um die Durchführung einer Verfassungsreform.
Ein Sieg V. Janukowitschs garantierte auch Russland keineswegs besondere Privilegien. Eher waren einige Probleme zu erwarten. Gleich Präsident Bush, der nach seinem Wahlsieg die Mitbürger, die für J. Kerry gestimmt hatten, um ihre Unterstützung bei der Realisierung seiner Pläne bat, hätte auch Viktor Janukowitsch damit anfangen sollen, seinen Opponenten (in erster Linie dem Westen und dem Süden der Ukraine) entgegenzukommen und sie davon zu überzeugen, dass er die Interessen des eigenen Landes und nicht die von Moskau behaupte. Das wäre ad eins. Zweitens zeichnen sich die Finanz- und Industriegruppen des Donez-Beckens durch ihre äußerste Härte aus, sobald es sich um den Zutritt des russischen Kapitals zu den ukrainischen Märkten handelt.
Ein Sieg Viktor Juschtschenkos hätte auch nicht als Tragödie und als Verlust der Ukraine aufgenommen werden sollen. Ja, in den westlichen Gebieten der Ukraine, in denen ein weit geringerer Teil der Wählerschaft mit Russland sympathisiert, hatte V. Juschtschenko wirklich sehr starke Positionen. Aber ebenso wie V. Janukowitsch, hätte V. Juschtschenko im Falle seines Sieges den Wählern entgegenkommen müssen, diesmal denen der Ostukraine. Zudem vertritt V. Juschtschenko liberalere ökonomische Ansichten. Deshalb wäre zu erwarten gewesen, dass das gegenseitige Eindringen des russischen und des ukrainischen Unternehmertums beträchtlich vereinfacht worden wäre.
Auch sonst wirken die russischen Befürchtungen bezüglich der Kandidatur V. Juschtschenkos etwas merkwürdig, denkt man daran, dass er schon der ukrainischen Regierung vorstand, mit Russland arbeitete und dies keine Tragödie ergab.
Tatsächlich eine Revolution?
Gegenwärtig neigen viele Analytiker dazu, die Vorgänge in der Ukraine als Revolution zu beurteilen. Möglicherweise ist das eine Übertreibung. Aber Fakt bleibt Fakt: Hunderttausende gingen in der ukrainischen Hauptstadt und anderen Städten auf die Straße. V. Juschtschenkos Anhänger fallen auf, sind auch gut organisiert. Zwar ist klar, dass die Präsidentschaftswahlen die ukrainische Gesellschaft praktisch in zwei Hälften geteilt haben, aber auch diese Trennlinie hat ihre genauen geographischen Koordinaten. Die erste Frage, die zu beantworten ist: Warum hat sich der Routinekampf von Clans innerhalb der herrschenden Elite in solche Volksunruhen, die die Nation gespalten haben, ausgewachsen? Der Hauptgrund dafür, dass sich die Menschenmassen zu einem offenen Protest entschlossen haben, hängt wohl nicht mit ihren Sympathien für den jeweiligen Kandidaten zusammen, sondern damit, dass sie nicht auch weiter das korrumpierte oligarchische Regime, das Demokratie imitiert, dulden wollen; zudem sind die meisten Ukrainer sicher, dass ihnen die Wahlergebnisse gestohlen worden sind. Übrigens waren die Einsätze bei den ukrainischen Wahlen außerordentlich hoch, und sowohl Russland als auch der Westen versuchten, ihren Ausgang zu beeinflussen. Zur Unterstützung des Kandidaten Janukowitsch landete in der Ukraine ein mächtiger Trupp von russischen Polittechnologen.
Wie sich herausstellte, übersahen die russischen Polittechnologen in ihren effektivsten Methodiken einen Faktor wie die Gesellschaft und ihre Meinung völlig. In Russland gehen diese Methodiken noch hin, in der Ukraine dagegen nichtmehr. Im Ergebnis positionierte sich Russland im politischen Kampf in der Ukraine sofort als Konfliktpartei, was ihm praktisch jede Möglichkeit nahm, bei der Beilegung des Konfliktes eine viel vorteilhaftere Rolle des Vermittlers zu spielen.
Die Schärfe der politischen Konfrontation in der Ukraine förderte auch noch eine wichtige Besonderheit der Situation an den Tag. In den Jahren des Bestehens der postsowjtischen unabhängigen Ukraine hat sich dort keine einheitliche politische Nation geformt. Die Gegensätze und Unterschiede zwischen den Regionen des Landes sind dermaßen offensichtlich und akut, dass immer mehr Fachleute den Schluss ziehen: Die Existenz der Ukraine als unitärer Staat hat keine historische Perspektive. Die einzige Möglichkeit, die Integrität des Landes zu erhalten, ist der Übergang zu einem föderativen Staat. Dafür bedarf es des politischen Willens der ukrainischen Führung, der innenpolitischen Stabilität und einer Unterstützung von außen.
Welche Lehren wären also aus den ukrainischen Ereignissen schon jetzt zu ziehen? Erstens hat die heutige Ukraine eine komplizierte politische Einrichtung und gesellschaftliche Organisation. Eine erfolgreiche Einwirkung von außen ist nur möglich, wenn die nationale Spezifik dieses Landes gut verstanden und respektiert wird. Zweitens ist die Ukraine für Russland ein befreundetes Land, und etwas an dieser Realität zu ändern vermögen nicht die Wahlergebnisse und nicht die "Umtriebe" des Westens - höchstens eine schlecht durchdachte Politik Russlands, in der nicht die genau formulierten Interessen des Staates im Mittelpunkt stehen. Drittens ist es für Russland und die Ukraine zwecikmäßig, eine gemeinsame Strategie der Integration in die europäischen Strukturen auszuarbeiten. Auf jeden Fall ist es vernünftiger, die Ukraine nicht als eine "sanitäre Barriere" zwischen Russland und dem Westen aufzufassen, sondern eher als eine Brücke, die Russland mit Europa verbindet. Die russischen Polittechnologen haben in der Ukraine zweifellos eine vernichtende Niederlage erlitten, aber der Westen sollte nicht versuchen, auf diese Fehlrechnung der russischen Politik zu setzen. Im Gegenteil, es muss alles getan werden, damit Russlands vermittelnde Teilnahme an der Überwindung der ukrainischen Krise beibehalten werden kann.
Davon, wie richtig die Schritte sein werden, die Russland, der Westen und die Ukraine selbst unternehmen, hängt die Antwort auf die Schlüsselfrage ab: ob die Ukraine ein mit Russland befreundetes Land bleibt oder sich in eine neue Trennlinie in Europa verwandelt.
MOSKAU, 07. Dezember - RIA "Nowosti"
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