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Denglisch :)
Verfasst: 19 Jan 2005, 13:09
von 7punkt
Fuer alle, die sich fuer Deutsche Sprache interessieren, hier ein Link:
http://www.spiegel.de/unispiegel/wunder ... 42,00.html
Das Thema ist schon lange und nicht nur in Bezug auf Deutsch diskutiert. Nur denke ich, dass es keinen Weg zurueck zu "sauberen" Sprachen mehr gibt

Was meint Ihr, kann man doch die Entwicklung der Sprache beeinflussen?
LG,
7punkt
Verfasst: 19 Jan 2005, 13:23
von Dietrich
Kann man noch die Internationalisierung des Handels, etc wieder rueckgaengig machen?
Will man das?
Natuerlich sollte man allzuschlimme Kreationen bekaempfen. Aber will man mit Gewalt alle Fremdwoerter aus dem Deutschen verbannen. Was ist mit den ganzen Begriffen aus dem franzoesichen, die man zum Teil gar nicht mehr als solche erkennt?
Hier ein Auszug aus dem letzten DUDEN Newsletter:
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Der Einfluss des Französischen im 17. Jahrhundert
Während der Kriegswirren in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte das geistig-kulturelle Leben im Deutschen Reich sehr gelitten. Die allgemeine Not im Lande ließ kein Interesse an Kunst und Wissenschaft mehr zu. Frankreich, das als Siegermacht aus dem Dreißigjährigen Krieg hervorgegangen war, wurde jetzt das Vorbild in Sprache, Kunst, Mode und sogar in den täglichen Umgangsformen. [...]
Geblieben ist zum Beispiel die Form der Anrede (Monsieur, Madame, Mademoiselle), sie wurde als mein Herr, gnädige Frau, gnädiges Fräulein ins Deutsche übertragen. Auch die alten Verwandtschaftsbezeichnungen wurden durch ihre franz. Entsprechungen ersetzt, und man sagte für »Mutter« und »Vater« jetzt Mama und Papa, aus »Muhme« und »Oheim« wurden Tante und Onkel, aus »Base« und »Vetter« wurden Cousine und Cousin.
Die Garderobe (franz. garde-robe »Kleidung«, ursprüngl. »Kleiderzimmer«) des eleganten Herrn (franz. elegant, eigentl. »wählerisch, geschmackvoll«) war ganz nach französischem Vorbild ausgerichtet. Zum Anzug trug er eine seidene Weste (franz. veste, aus lateinisch vestis »Kleid«), und aus seinen Rockärmeln sahen Spitzenmanschetten hervor. Manschette (franz. manchette) ist eine Verkleinerung von franz. manche »Ärmel« und bedeutete also eigentlich »Ärmelchen«.
Machte ein Kavalier (franz. cavalier, eigtl. »Reiter, Ritter«) einer von ihm verehrten Dame (franz. dame, aus lateinisch domina »[Haus]herrin«) eine Visite (franz. visite »Besuch«), hatte er sich zuvor rasieren lassen (aus franz. raser), seine Perücke (franz. perruque, ursprüngl. »Haarschopf«) kräftig mit Puder (franz. poudre, eigentl. »Staub, Pulver«) bestreut und nicht mit Parfüm (franz. parfum, eigentl. »Wohlgeruch«) gespart. Selbstverständlich pflegten sich auch die Damen zu parfümieren (aus franz. parfumer) und gaben durch Pudern ihrem Teint (franz. teint, eigentl. »Färbung, Tönung«) das gewünschte Aussehen. Als man in späterer Zeit keine Perücken mehr trug, sorgte man mit viel Pomade dafür (franz. pommade, ital. pomata, zu ital. pomo »Apfel«; das Haarfett wurde vermutlich aus dem Fleisch einer bestimmten Apfelsorte hergestellt), dass die Frisur (im Deutschen gebildet zum franz. Verb friser »das Haar kräuseln«) in Form blieb.
Wer sich so herausgeputzt und entsprechend Toilette gemacht hatte (franz. toilette, zu franz. toile »Tuch« und ursprüngl. »Tuch, worauf man sein Wasch- und Frisierzeug legt«) und sich galant verhielt (franz. galant »liebenswürdig«), der brauchte sich nicht zu genieren (aus franz. [se] gener, zu franz. gene »Hemmung«).
Verfasst: 19 Jan 2005, 13:27
von achim
ich halte die diskussion um die anglezismen und aehnliche kulturelle einfluesse und den versuch sprache zu reglementieren fuer ueberfluessig.
sprache sollte lebendig sein. wer sich auf ur-deutsch unterhalten moechte kann ja einen exotenclub dafuer gruenden, oder eine exoten-wg.
Verfasst: 19 Jan 2005, 13:49
von Dave
achim hat geschrieben:exotenclub
Das wäre dann in Ur-Deutsch sowas wie ein "Verein einer andersartigen Minderheit"....
...wobei das ja nur eine der möglichen Umschreibungen wäre.
Gibt es eine (in Ur-Deutsch) die genauer passt?
Verfasst: 19 Jan 2005, 18:52
von 7punkt
achim hat geschrieben:ich halte die diskussion um die anglezismen und aehnliche kulturelle einfluesse und den versuch sprache zu reglementieren fuer ueberfluessig.
sprache sollte lebendig sein. wer sich auf ur-deutsch unterhalten moechte kann ja einen exotenclub dafuer gruenden, oder eine exoten-wg.
Muttersprachlern ist es wohl wurscht, wie gesprochen wird. Ganz im Gegenteil den Auslaendern. Bei uns an der Uni gab's so eine Regel: wenn man zwischen 2 Woertern, einem deutschen und einem englischen, zu waehlen hat und beide in DE gebraucht werden, soll man eher ein deutsches Wort waehlen. Wahrscheinlich lag es zum Teil auch daran, dass unsere Lektoren wollten, dass wir mehr deutsche Woerter kennen, wer weiss

Verfasst: 19 Jan 2005, 19:48
von Sibirier
Aber es sind schon viele Wörter "eingedeutsch" worden:
z. B. Callcenter
Verfasst: 19 Jan 2005, 19:54
von Dietrich
Wieso? Heisst das jetzt KallZenter?
Ich finde dies "mit Gewalt einen deutschen Begriff benutzen" auch eher laecherlich. Wenn es zwei GLEICHWERTIGE Begriffe in deutsch und englisch gibt... dann soll man gerne den Deutschen benutzen.
Ist der englische aber gelaeufiger (gerade wenn es sich um Fachausdruecke handelt) dann ist die Benutzung des Englischen wohl doch besser.
Und solche Begriffe wie "Ketchup" wird doch wohl niemand mehr aus der deutschen Sprache verdraengen wollen... oder?
Dietrich
Verfasst: 19 Jan 2005, 20:39
von Sine Loco
dass eine Sprache einer Art evolutionaeren Entwicklung unterliegt, wie auch die Gesellschaft, die diese Sprache benutzt, ist selbstverstaendlich. Daher halte ich irgendwelche Reglements oder gar Gesetze bez. Sprachgebrauch auch fuer ueberfluessig. Denn, wenn die Sprachtraeger einem Einfluss seitens einer anderer Sprache unterliegen aufgrund von Mode, Dominanz in bestimmten Gebieten usw., dann ist es natuerlich, dass die Sprache angepasst wird.
Was ich bei dieser Diskussion aber wirklich lustig finde, ist dass die Vertreter der "Ur-Sprache" bei jeder neuen Adoption, bzw. Neologismus aufschreien, dass die Sprache verarmt, dass sie degeneriert!!! Dass Goethe eine schoene und Lessing eine reiche Sprache hatten und heutzutage wimmelt es von Callcentern, Ketchups und DJ's.
Na ja, liegt es vielleicht daran, dass es damals sowas nicht gab?

Und ausserdem vermute ich stark, dass in seiner Jugend der selbe Goethe auch Phrasen gesprochen hat, welche die damaligen Sprachschuetzer zum Haareraufen gebracht haetten.
Und ob sich ein Deutsches oder Englisches Wort durchsetzt, stellt sich im natuerlichen Auswahlverfahren heraus. Siehe DJ gegen Schallplattenaufleger. (Sollte nicht bedeuten, dass das englische Wort immer gewinnt-siehe Kindergarten im Englischen)
Vor kurzem habe ich auf "Kultura" eine Sendung gesehen, ach ja genau, das war "Schkola zloslovija" mit T. Tolstaja und A. Smirnova. Die beiden hatten einen Sprachforscher zu Gast, der eben verlauten liess, dass die meisten Forscher in dem Gebiet zur These tendieren, dass saemtliche Sprachen von einer Ursprache entstuenden. Dies ist zwar im Moment nicht zu beweisen, die Forschung bewegt sich aber in die Richtung, dass die Beweise dafuer durchaus bald gefunden werden.
Mit dieser Basis und angesichts der Globalisierung in allen Ebenen...
Bewegen wir uns vielleicht zu einer einzigen gemeinsamen Erdsprache?
...und die Sprachschuetzer versuchen das Unaufhaltsame aufzuhalten?

Verfasst: 19 Jan 2005, 20:49
von Dave
Sine Loco hat geschrieben:Bewegen wir uns vielleicht zu einer einzigen gemeinsamen Erdsprache?
...und die Sprachschuetzer versuchen das Unaufhaltsame aufzuhalten?

Damit wir uns als Menschheit, kurz vor dem Ende unserer Existenz, noch allgemeinverständlich Adieux sagen können....
Verfasst: 20 Jan 2005, 14:21
von Sine Loco
Damit wir uns als Menschheit, kurz vor dem Ende unserer Existenz, noch allgemeinverständlich Adieux sagen können....
ja, wenn auch! Aber stell Dir mal die Party vor, die davor steigen wuerde!
