Hallo nochmals!
Erst mal danke fuer den hinweis auf die vereits gefuehrte Diskussion, M-M. Du meintest sicher die hier?
http://aktuell.ru/forum/viewtopic.php?t ... geh%E4lter
Ja, das wird die Problematik eigentlich schon ganz anschaulich dargestellt. Dazu habe ich nichts hinzuzufuegen, was nicht schon gesagt worden waere. Wobei ich diese Diskusion uebrigens nicht derb fand, sondern schon eher relativ sachlich und ziemlich interessant.
Aber zum thema Solidaritaet:
waldmeister hat Folgendes geschrieben:
Aber jeder muss schauen, wo er bleibt.
Und da liegt doch der Hase im Pfeffer. Egozentrismus statt gewerkschaftlichem Gemeinsinn. Ehe du dich für einen 0-Lohn oder Hungerlohn bei hochqualifizierter Arbeit ausbeuten lässt, kannst du doch auch Stütze abgreifen (in DE) oder eine andere Arbeit ausführen, die zwar weniger Kohle bringt, aber auch weniger Anforderungen hat.
Das moechte ich so nicht stehen lassen. Hier gehts schliesslich nicht um Karrierismus, sondern darum, eben nicht nach 5-6 jahren Hochschulbildung mit dem gleichen lebensstandard dazustehen wie das genannt au-pair-Maedchen. Mittel- bis langfristig, wohlgemerkt.
Zudem ist da auch ein psychologisches Moment. Stell Dir vor, Du schliesst Deine Ausbildung ab, nach einigen Jahren vieler Muehen und mit extrem wenig Geld - und dann stehst Du ohne Job da, weil Du auf dem Arbeitsmarkt nicht gebraucht wirst. Dann auf die Sozialhilfe ausweichen muessen? Das kommt dem Eingestaendnis einer schweren persoenlichen Niederlage gleich. Das wuerde ich nicht unterschaetzen!
Aber Du hast natuerlich recht, dass man sich dann auch nach einer anderen fachfremden Arbeit umschauen kann. Machen ja auch viele. Aber da hast Du auch wieder diese Kapitulation vor sich selbst. Und schliesslich geht es nicht nur um Geld, sondern um den Beruf im Sinne vom "Berufung".
gut, jetzt kommt der Ruf nach Solidaritaet. Da kann ich im Gegenzug aber auch fragen: Wo ist denn die Solidaritaet der Erwerbstaetigen mit ihren arbeitslosen Berufskollegen? Wenn Du erst mal vom Zug geflogen bist, dann hilft Dir die Gewerkschaft auch nur in sehr engen Grenzen.
Wir sollten nicht vergessen, dass wir als Arbeitnehmer im Wettbewerb mit den Arbeitnehmern in Laendern mit niedrigerem Lohnniveau stehen. Auf gut deutsch: Der deutsche Uebersetzer steht doch im Wettbewerb mit seinen russischen kollegen. Sehe ich das richtig? Magdeburg-Moskva, wie willst Du denn Deinen russischen kollegen dazu ueberreden, sich mit Dir solidarisch zu erklaeren und in seinem eigenen Land ein Gehalt einfordern, dass einem deutschen salaer entspricht?
Oder wie wollt Ihr den kuenftigen tschechischen Angestellten von AEG Elektrolux erklaeren, dass sie sich dafuer einsetzen sollen, dass das Werk vor ihrer Haustuere bitte nicht gebaut werden soll? Oder dass sie sich dafuer einsetzen sollen, dass wir im Westen bei gleicher Qualifikation ein vielfaches von dem verdienen sollen, was sie (die tschechen) selber bekommen?
Da hat man ein echtes Argumentationsproblem, findet Ihr nicht?
Wenn sich ein betrieb dazu entschliesst, dass wir zu teuer sind, und er fortgehen kann, dann hilft auch alles Streiken und alle Solidaritaet nichts! Friss oder stirb ist die devise.
Alles in allem: Solidaritaet ist ein schoenen Wort und laesst sich prima fordern. Aber unter den derzeitigen Rahmenbedingungen sitzen die Global Player am laengeren hebel. das kann man drehen und wenden, wie man will. Wir sind leider erpressbar.
Dass unsere Gehalter fallen, ist m.E. auf die Dauer unaufhaltsam. Das einzige was bleibt ist, das beste draus zu machen.