Erfahrungsbericht: zu schnell gefahren

Die "Trassa E95" Moskau-Piter kennst Du wie Deine Westentasche und willst dieses Wissen mit anderen teilen, dann verewige Dich hier. Anfragen zum Thema Autofahren in Russland sind hier ebenso willkommen.
Antworten
Benutzeravatar
Zejtnot
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 14590
Registriert: 30 Jun 2006, 11:25
Wohnort: Sibirien, Sachsen

Erfahrungsbericht: zu schnell gefahren

Beitrag von Zejtnot »

Mal eine Geschichte am Rande: Bin am Wochenende erstmals ausgiebig in Russland Auto gefahren.

(1) Ich wurde einmal am POST GAI angehalten, einfach weil mein Niva mit dem Gepäck auf dem Dach so hübsch aussah. Der Führerschein (der alte rote Lappen) wurde betrachtet, ferner die Vollmacht auf das Auto, die Versicherungspolice (bin als Fahrer eingetragen), der Fahrzeugschein. Nachdem sich die zwei Herren in Grün ein wenig mit einer netten Auswahl russischer Schimpfwörter die Schwierigkeit dieses Falls bekundet hatten, habe ich meine Übersetzung des Führerscheins gezückt. Nun wurde noch einmal abgewogen, dann bekam ich alles zurück. Fertig.

(2) Fall zwei: "Verkehrskontrolle, ihre Geschwindigkeit" - und man hielt mir eine Laserkanone mit der Zahl 103 vor die Nase. Führerschein und Vollmacht gegeben, ein ratloses Gesicht betrachtet. Nach zwei Minuten: "Das nächste mal fahren sie vorsichtiger! Gute Fahrt!"

Der Clou ist ja, dass niemand weiß, ob mein Führerschein nun überhaupt gilt oder nicht. Nach aktuellem Recht darf man wohl die ersten sechs Monate des aktuellen Visums seine deutschen Dokumente uneingeschränkt nutzen. Durch mein zeitweises Wohnrecht habe ich ja aber gar kein Visum! Also die ersten sechs Monate des Wohnrechts? Die ersten sechs Monate nach Einreise?

Fakt ist: kein Polizist weiß es und scheinbar will sich inzwischen auch keiner mehr den Ärger mit den Ausländern einhandeln. Nun zweifel ich ehrlich, ob ich den eigentlich geplanten russischen Führerschein noch machen soll?!
Benutzeravatar
zimdriver
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 4927
Registriert: 06 Sep 2005, 20:00
Wohnort: Moskau- es war einmal

Beitrag von zimdriver »

Meine Erfahrung:
Führerschein innerhalb von 3 Monaten umtauschen gegen einen einheimischen- wurde mir von einem eher gelangweilten Gaischnik empfohlen. Dies ist umso wichtiger bei jenen, die als Hauptwohnsitz einen Ort inRussland eingetragen haben, also zweifellos nicht mal auf eine häufige Dienstreise herkommen.
Verkehrsregeln anders interpretiert -kann ja mal vorkommen. Ist viel angenehmer als in D. Es lohnt sich kaum, zu streiten. Besser ist Einsicht und schnelle Abwicklung.
"Mitgeschwommen" auf der Leningradskoye, 104 statt 60, kleine Unterhaltung usw.- fertig.
Aufgenommen an der Brücke MKAD/ Leningradskoye mit 103, kleine Unterhaltung über das am Abend stattfindende WM- Spiel usw.- fertig.
Aus dem Mega- Markt links abgebogen, wo's nicht sein sollte, kleine Unterhaltung, usw.- weiter gefahren.
Mit zugeschneitem Nummernschild auf dem Weg nach Tambov gefilmt, Unterhaltung und ohne usw. weitergefahren.

Ich weiß ja, daß dies Regelverstöße sind, bei denen ich in D ein paar Punkte (mindestens) bekommen würde. Also bleibe ich Realist und erledige das schnell und freundlich. Oder, wie meistens, ich fahre einfach so wie alle, nicht schneller, nicht langsamer, ein wenig rücksichtsvoller. Das einzig wirklich Nervende ist die Zeit, die ich bei diesen Schauspielereien mit den Kollegen verliere. Dann ärgert mich mein Vergehen mehr und ich nehme mir fest vor, das nicht wieder zu tun. Bis zum nächsten Mal.
:roll:
Bevor jetzt Fragen kommen nach dem "usw." :lala: Geht schneller als ein langatmiges Protokoll und ist gut für die deutsch- russische Freundschaft. Für mehr Details an die Ersttäter bitte PN.
Ragnar Schluchtmann

Beitrag von Ragnar Schluchtmann »

:D :D :D Verkehrsrowdy !!!! :D :D
Benutzeravatar
zimdriver
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 4927
Registriert: 06 Sep 2005, 20:00
Wohnort: Moskau- es war einmal

Beitrag von zimdriver »

... Nachahmungstäter eher. Wie mir jüngst in Berlin nach dem Passieren einer Kreuzung als Lektion erteilt wurde: "Das war aber jetzt sehr Russisch!"
Außerdem ist das nicht die Regel, sondern:
Oder, wie meistens, ich fahre einfach so wie alle, nicht schneller, nicht langsamer, ein wenig rücksichtsvoller.
Benutzeravatar
Zejtnot
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 14590
Registriert: 30 Jun 2006, 11:25
Wohnort: Sibirien, Sachsen

Beitrag von Zejtnot »

zimdriver hat geschrieben:Meine Erfahrung:
Führerschein innerhalb von 3 Monaten umtauschen gegen einen einheimischen- wurde mir von einem eher gelangweilten Gaischnik empfohlen.
Habe ich hier mal probiert, bevor ich vorläufiges Wohnrecht hatte. Da hat man einen Paragraphen gezückt, wonach Führerscheine nur für Diplomaten und ihre vom Innenministerium akkreditierten Angehörigen umgetauscht würden. Alle anderen müssten eine Prüfung machen, gern auch ohne vorherige Fahrschule (samopodgotovka). Dazu braucht man aber wieder den Stempel des Ober-GAIshnik des Rayons, wo man gemeldet ist, lauter Gesundheitstests (immerhin muss ich als männlicher Verkehrsteilnehmer nicht zum Gynäkologen) und und und ...

Hast Du den Führerschein umgetauscht? Ging das schnell?
Benutzeravatar
zimdriver
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 4927
Registriert: 06 Sep 2005, 20:00
Wohnort: Moskau- es war einmal

Beitrag von zimdriver »

Umgetauscht war die falsche Formulierung. Man muß einen neuen machen, einschließlich lächerlicher Gesundheitstests... Und dann das ganze Programm. Ohne Wohnsitz D kriegt man aber keinen neuen internationalen Führerschein mehr ausgestellt, wenn die 3 Jahre rum sind. Ich habe schöne Gespräche in Berlin auf dieser zuständigen Stelle für alle Abgemeldeten gehabt. Dienst ist Dienst- da ist kein Platz für Toleranzen.
Antworten

Zurück zu „#Auto | #Motorrad | #Verkehr in RU und DE“