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Armes Deutschland...

Verfasst: 10 Apr 2007, 23:17
von ein Mann zum verlieben
Wenn man bedenkt, was der deutsche "Ottonormalverbraucher" aus seinem Fernsehen zu hören und sehen bekommt :cry: :cry: :

Ukraine
Blau gegen Orange


"Da kann einem Himmelangst werden", so die Einschätzung eines Ukraineexperte über die Lage in dem Land zwischen Russland und Polen. Demonstranten mit blauen Tüchern beherrschen die Straßen. Blau steht für moskaunah und autoritär, Orange für Demokratie und Westorientierung. :shock: :shock: Der "orangene" Präsident versucht durch Neuwahlen seine Mehrheit im Parlament zu retten. Der "blaue" Ministerpräsident lehnt dies ab und kauft jeden Abgeordneten, den er kriegen kann, sagen Beobachter. Und wenn Blau sich durchsetzt, dann, so fürchten sie, ist dies das Ende der Demokratiebewegung in der Ukraine.

Ein Meer in Orange: Der Maidan, der Hauptplatz in Kiew, November 2004. Der Maidan 2007: das Imperium schlägt zurück, Gegenrevolution nennen sie das hier. Gemischte Gefühle: Dass dieser Mann sich heute überhaupt auf die Strasse traut, zeugt von Zivilcourage. Denn: Mikola Berisin war im Winter 2004 eine Schlüsselfigur der orangen Revolution. Ein Erinnerungsfoto mit dem mutigen Fernsehjournalisten war damals ein Muss, damals. Berisins Sendung war die erste, die keine staatliche Propaganda verbreitete, sie machte seinen kleinen fünften Kanal über Nacht zum Marktführer, wer hier arbeitete, war für Orange, war für Juschenko.

2004 übertrug sein Kanal täglich live vom Maidan, zu der Zeit, als die Orangenen noch zusammen auf den Barrikaden standen. Revolutionsführer Juschenko ist mittlerweile ukrainischer Präsident, jetzt aber hat er im eigenen Lager eine Rivalin: die ehemalige Mitkämpferin Julia Timoschenko gründete eine eigene Partei. Auch die orangenen Unterstützer zerstritten sich, die Revolutionäre traten getrennt zu den letzten Parlamentswahlen an, bekamen keine Mehrheit zustande.

Mikola muss sich in der neuen Zeit erst einmal zurechtfinden: Nicht nur, dass auf einmal die Blauen jetzt eine Bühne auf dem Maidan haben, zusammen mit den Ewiggestrigen, den roten Sozialisten, stellen sie sogar die Regierung. Mikolas einstiges Idol, der Präsident, wackelt, die Revolution scheint weit weg. "Damals gab es nur eine Wahrheit und die hat sich durchgesetzt. Jetzt haben wir Demokratie, das heißt, viele Teilwahrheiten. Wer steht hier? Leute, die das Land wieder Richtung Russland ausrichten wollen, bitteschön: Mein Fernsehsender lässt sie zu Wort kommen, wir haben Meinungsfreiheit, dafür haben wir gekämpft. Und was sagen diese Leute? 'Nun, die oben wollen, dass wir demonstrieren.' Wenige haben selbst darüber nachgedacht, warum sie hier sind!"

Seine Fernsehkollegen arbeiten wieder rund um die Uhr, ihre Sympathien gehören Orange, ihre Sendezeit den rot-blauen Demonstrationen. Und sie berichten wohl über Anhänger der Gegenseite, die sagen können, warum sie hier sind: "Unter der Revolutionsregierung ging es doch drunter und drüber. Die Ukraine soll stabil werden, ich bin für Viktor Janukowitsch, seit der regiert, gehts voran". Und dann schaltet der Sender um zum Regierungschef: Es ist: Viktor Janukowitsch, 2004 aus dem Amt gefegt. Die Verlierer der Revolution wieder an der Macht. Seit kurzem hat der hölzerne Russland-Freund eine bequeme Mehrheit im Parlament. Er hier habe Überläufer bestochen, sagen die Orangenen und fordern Neuwahlen. "Das", meint Janukowitsch, "liebe Freunde, lassen wir nicht zu." Seine Anhänger auf der Strasse hat er vom platten Land zusammengeholt. Sie hier wissen vor allem, was sie nicht wollen: Jetzt Nein zu Neuwahlen, nein zu den zerstrittenen Revolutionären, Nein zum Westen, Nein zu Nato und EU.

Mikola hält die Demonstranten für reaktionär, zum Teil für gekauft, trotzdem guckt er sich neugierig ihre Zeltstadt an, die Russlandfreunde haben auch auf dem Dnjepr-Hügel 1:1 die orange Revolution kopiert. "Ein komisches Gefühl für mich. Ich bin davon überzeugt, dass dies hier inszeniert ist. Trotzdem sage ich nicht, dass die Leute hier unrecht haben, nein. Orange und Blaue, beide werden im Moment von Politikern der alten Generation angeführt und manipuliert. Die Politiker denken alle taktisch, wie in der Sowjetunion. Keine Seite hat ein Gefühl dafür, was die Leute im Land wirklich denken."

Schon 2004 war Mikola dafür berühmt, dass er die Stimmung genau kannte, ein Fernsehmoderator mit Plastiktüten, er brachte den orangen Demonstranten in den Zelten Lebensmittel. Heute gibts die Teestunde eben im Zelt der Blauen, mitten zwischen Studenten aus dem Russland-freundlichen Osten des Landes. Mikola liebt so etwas: er kann sich vieles vorstellen, aber nicht, dass Meinungs- und Redefreiheit jemals wieder aus der Ukraine verschwinden.

"Viktor Janukowitsch, unser Führer, hat aufgerufen und wir haben doch auch ein Recht darauf, zu demonstrieren. Wir wollen nicht nur nach Westen wie die Orangen, wir wollen auch die Beziehungen mit Russland behalten, wir wollen keine Spaltung, wir wollen eine einheitliche Ukraine."

"Ich sage doch immer, dass die Leute wissen, worum es geht. Ihr habt ja Recht. Aber lauft nicht diesen Politikern hinterher. Mit der Revolution sind wir alle selbständig geworden, groß und erwachsen, niemand braucht diese Politiker aus der UdSSR."

Und dann: Ein Bild fast wie 2004: Nur wollen jetzt die blauen Demonstranten ein Foto mit dem orangenen Journalisten. Fotogucken und dann zurück zur Demo. Vielleicht ist es ja wirklich so: Wenn sie miteinander sprächen, würden die Ukrainer unter sich in 3 Tagen einen Kompromiss finden. Ihre Politiker brauchen möglicherweise noch Jahre.

Autor: Stephan Stuchlik / ARD Moskau


:D :D :D

Verfasst: 11 Apr 2007, 00:32
von Paul
Als ob außenpolitische "Westorientierung" und innenpolitische "Demokratie" etwas miteinander zu tun hätten (siehe Georgien unter Sakaschwili). Dieser ARD-Beitrag ist genauso absonderlich wie der folgende:
The Beginning of a New Cold War

Verfasst: 11 Apr 2007, 00:34
von MpaK
Der Artikel ist wirklich unterhaltsam. Beide Seiten sind klar und deutlich definiert, die entsprechenden Prädikate vermitteln die richtige Einstellung, so dass man sich überhaupt keine Gedanken machen muss. Auch das Wort "Führer" muss sich unter solchen Prädikaten nicht verstecken, denn in Verbindung mit "autoritär" wird es wohl jeden Europäer erschrecken.
Was würden denn die Deutschen denken, wenn sie hören würden, dass die Menschen auf dem Maidan sitzen, ohne zu wissen was sie überhaupt wollen? Ich glaube dem Autor dieses Artikels geht es hauptsächlich um die klare Trennung von polititschen Kräften und ihren Neigungen und nicht um die Menschen.
Mal sehen, wie die Gerichtsentscheidung ausfallen wird. Am wichtigsten ist, dass es nicht zum Bürgerkrieg kommt, denn die Machthabenden werden dabei bestimmt am wenigsten leiden.

Verfasst: 11 Apr 2007, 18:49
von ein Mann zum verlieben
Noch was lustiges entdeckt:

Partner des Westens

Deutschland und die EU sollten sich auf die Seite des ukrainischen Präsidenten Juschtschenko schlagen. Denn er könnte zum Garanten für mehr Energiesicherheit der EU werden.

Die Auflösung des ukrainischen Parlaments durch Präsident Viktor Juschtschenko war der richtige Weg. Der prorussische Ministerpräsident Viktor Janukowitsch hat in den letzten Monaten die Entscheidungsbefugnisse des Präsidenten systematisch untergraben und Kontrollinstanzen ausgeschaltet.

Die Zuspitzung der Krise hat für die EU erhebliche Auswirkungen. Russland wird für die Ukraine das Modell eines außen- und sicherheitspolitisch neutralen Schwedens niemals akzeptieren, und es wird die Intervention in den inneren Machtkampf weiter verstärken. Vor diesem Hintergrund und angesichts der Bemühungen Moskaus, das Nabucco-Projekt einer von Russland unabhängigen Gasleitung aus der kaspischen Region zu sabotieren, muss sich die EU über die strategische Bedeutung der Ukraine und ihres Präsidenten Juschtschenko bei der Absicherung der Energieversorgung schnellstmöglich verständigen.

Nötig ist eine stärkere Unterstützung des prowestlichen Juschtschenko über das neue Partnerabkommen mit der Ukraine hinaus, das eine Freihandelszone und erleichterten Reiseverkehr ermöglichen soll. Sein Widerstand gegen die Übernahme des ukrainischen Pipelinenetzes durch Gasprom trotz des heftigen Drucks der russischen Regierung und Janukowitschs verdient größere Anerkennung. Mit Blick auf den jüngsten russisch-weißrussischen Ölkonflikt sowie Äußerungen Putins und Janukowitschs, das ukrainische Netz gemeinsam zu kontrollieren, hat das Parlament ein Gesetz erlassen, das den Verkauf oder das Leasing des Gaspipelinenetzes der Ukraine verbietet. Beim Zustandekommen dieses Gesetzes spielte Juschtschenko zusammen mit der Oppositionsführerin Julia Timoschenko die Schlüsselrolle.

Von dem moskautreuen Ministerpräsidenten Janukowitsch sind wirkliche marktwirtschaftliche und rechtsstaatliche Reformen nicht zu erwarten, auch wenn er sich jüngst für das neue Partnerabkommen mit der EU ausgesprochen hat und bei seinem Deutschlandbesuch moderate Töne hören ließ. Unter seiner Regierung ist vielmehr ein Rückwärtssalto in Form von Protektionismus, Populismus, Interventionismus und Bemühungen um eine umfassende staatliche Kontrolle zu beobachten. :shock: Zugleich beschneidet er weiter die Machtkompetenzen des Präsidenten und hat die Entlassung prowestlicher Minister wie des Außenministers Tarasjuk forciert.

Diese Entwicklung ist beunruhigend. Deutsche und EU-Politiker müssen sich über die strategische Bedeutung der Ukraine im Klaren sein: Mehr als 84 Prozent der europäischen Gasimporte aus Russland werden über ukrainische Pipelines geliefert; zugleich ist die Ukraine als ein Russland umgehender Transitkorridor von zentraler Wichtigkeit. Dies gilt umso mehr, als die Bundesregierung an einer neuen Zentralasienstrategie arbeitet, um eine verstärkte Diversifizierung der Erdgasimporte zu erreichen. So haben Deutschland und die EU die Energiebeziehungen vor allem zu Kasachstan und Aserbaidschan ausgebaut. Diese strategische Weichenstellung im Rahmen der G8- und EU-Präsidentschaft wird nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn es der Bundesregierung gelingt, die EU-Mitglieder von der Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit mit Juschtschenko zu überzeugen.

:D :D :D

Verfasst: 13 Apr 2007, 15:45
von Dave
ein Mann zum verlieben hat geschrieben:Noch was lustiges entdeckt:
Auch lustig...

http://www.nzz.ch/2007/04/13/al/newzzF0GI8X25-12.html

Viel Spass beim Teetrinken... 8)

Verfasst: 16 Apr 2007, 10:24
von Dietrich
Mich wuerde mal interessieren, was eMzV ueber die russische Berichterstattung zum Thema "Ukraine" zu sagen hat.
Einfach mal nur so als Gegenpol zu der "boesen westlichen"...

Verfasst: 16 Apr 2007, 11:00
von Kundun
Habt doch Vertrauen, Alles wird gut:

Wenn die Wellen des Nordatlantik erst an den Ufern von Ukraine, Georgien, Mazedonien, Albanien usw. plätschern, dann wird alles gut.

Dann nämlich haben sich die Hilfsgelder "für die Vorbereitung zum NATO-Beitritt" ausgezahlt, die der gute Onkel GWB dieser Tage per Gesetz eingeplant hat.
So wird es ewiger Frieden auf der Welt, Amen.

Verfasst: 18 Apr 2007, 20:36
von Vladislav
Bloß das nicht..... NATO HET !!!
Vergesst eins nicht ... Waage ....wir brauchen starke Gegengewicht zu USA.

Juchenko ist nicht pro westlich ...pro amerikanisch wie die polen..es hat mit EU-Politik nichts zum tun.

Verfasst: 18 Apr 2007, 21:44
von Zeppelin
Vladislav hat geschrieben:Bloß das nicht..... NATO HET !!!
Vergesst eins nicht ... Waage ....wir brauchen starke Gegengewicht zu USA.

Juchenko ist nicht pro westlich ...pro amerikanisch wie die polen..es hat mit EU-Politik nichts zum tun.
Da müsste man sich dann nur noch entscheiden, ob die EU als Vasall der USA angesehen wird oder als weitestgehend davon unabhängige politische Instanz.

Nur zur Info: Seit dem Regime von GWB haben massenhaft US-Bürger sich für ein Leben in Europa entschieden.
Und viele davon treffen sich dann hier in Bln. mit den Exilanten aus RUS.
Und sie stellen dabei fest, dass sie sehr vergleichbare Motive haben.

Kennt jemand ein Land, das liberaler mit der Vergabe von Visa und AE ist, als (derzeit noch) D?

Verfasst: 19 Apr 2007, 13:44
von Sportsfreund
Wenn Du genug Geld hast (und ich denke Amis kommen nach Europa/Deutschland nicht zum Sozialhilfeabholen)
kann überall rein.