Galoppierende Inflation in Rußland

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Simone
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Galoppierende Inflation in Rußland

Beitrag von Simone »

http://www.welt.de/wirtschaft/article12 ... ostet.html

Es ist für mich immer wieder interessant zu sehen, wie stark sich die Preise für Lebensmittel innerhalb von nur wenigen Monaten verändern. Ich habe mal meinen ersten Supermarkt-Kassenzettel von 10/2002 aufgehoben... Unglaublich, fast alles ist nun dreimal so teuer! Und da frage ich mich, wie machen das die Leute nur, die weder zur Gruppe der jungen Moskauer Aufsteiger mit Jahresgehältern von 70K+$ oder zu den bereits Etablierten gehören - also wie lebt die Mehrheit der Bevölkerung.

Eine Arbeitskollegin berichtet von galoppierenden Preisen bei der Hochschulzulassungsvorbereitung. Der Professor will für den Vorbereitungskurs für die MGU-Zulassungs-Prüfung für vier Fächer u.a. Recht 150 € für vier Stunden von seinen Studenten. Und dieser Kurs geht 9 Monate wöchentlich - und zwar zu viert in der Studiengruppe. Die Datsche wird vermietet, damit das Kind den Zugang zur MGU schafft. Das ist doch traurig, daß diese Kurse so stark den Gesetzen der freien Marktwirtschaft unterliegen. Und natürlich macht der Prof die Kohle schwarz... würde er von dem üppigen Gehalt wenigstens Steuern abführen, dann würde es wohl nicht so traurig um das Bildungswesen mit unterbezahlten und daher wohl auch korrupten Lehrern und Profs stehen (natürlich sind es nicht alle, aber wohl doch viele). Wer badet das aus? Wieder die Mehrheit ohne Geld. Die Kinder von Leuten, die diese SUmmen nicht aufbringen können, haben wohl keine Chance auf einen Zugang zur MGU, höchstens sie sind absolute Cracks und schaffen es so. Die MGU wird wohl nur beispielhaft für die gute bzw. renommierten Ausbildungsstätten stehen. Vom MGIMO hört man, daß die Vorbereitung zur Aufnahmeprüfung 20 K € kostet.

In Deutschland gibt es schon einen Aufschrei, wenn beispielsweise die Butter über 1,20€ kostet. Bei den Lebensmitteln sind wir doch verwöhnt, was die immer noch niedrigen Preise (im Vgl. mit anderen EU-Ländern) und hohe Qualität angeht. Was das Studium anbetrifft, sind die Zeiten des kostenlosen Semsters vorüber. Das ist sicherlich auch eine Ursache dafür, daß weniger Arbeiterkinder auf die Uni/FH gehen. Eine generell schlechte Entwicklung. Doch letztlich hat doch jeder eine reale Chance mit einem ausreichenden Zeugnis, einen Studienplatz zu belegen. Was die Finanzierung anbetrifft, muß sich der EInzelne halt stärker drehen, was nicht jedem und überall gelingt. Manchem Deutschen oder in besser in Deutschland Lebenenden (wieviel Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind deutsch??), der an dem System nörgelt, täten ein paar Jahre hier gut.

Wie kommen solche Aussagen wie 9% Inflation in Russland oder 2,3% in Deutschland zu Stande. Beide Aussagen basieren keinesfalls auf einem üblichen Warenkorb + Miete + Nebenkosten + Transport.
fremantle

Re: Galoppierende Inflation in Rußland

Beitrag von fremantle »

Aehnliches laesst sich auch von der GASU (Staatl. Architektur- und Bauuniversitaet SPB) erzaehlen. Im letzten Jahr hat meine Frau noch etwa 25.000p fuers Semester bezahlen muessen, nun sind es seit diesem Semster 32.000p/Semester. Das ist ein Mittleres Monatsgehalt hier in Spb und kommt 2 mal im Jahr auf uns zu. Diejenigen, die ein Jahr tiefer sind zahlen schon 40.000p und ein weiteres Jahr niedriger um die 50.000. Bleibt sie haengen (wie im Vergangen Wintersemester durch einen hypochondirschen Prof) darf sie das Sommersemester zwangsweise pausieren, ihre bereits bestandenen Leistungen werden nicht anerkannt und als Sahnehaube gibts natuerlich die naechsthoehre Preisstufe.
Im Ggs dazu studiert meine Schwester in den Niederlanden fuer 1.200 EUR im Jahr! Ganz zu schweigen von unseren paradisischen Verhaeltnissen in Dtl - selbst in Laendern mit 500 EUR Studiengebuehr.

Im Vergleich zum letzten Jahr sind die Saftpreise inzwischen Saftig. Von rund 30p pro Liter (O-Saft, Mors/Beerensaft, eigentlich alle ausser Apfelsaft) auf 40p haben die zugelegt. Unsere Wohnung hat letztes Jahr noch 7.000p im Monat gekostet, nun 10.000 - und das ist noch guenstig. Nur der Bierpreis blieb stabil. :twisted:
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Dietrich
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Re: Galoppierende Inflation in Rußland

Beitrag von Dietrich »

Einige, gerade die teuren Artikel auf dem Kassenzettel sind aber etwas uebertrieben. Da wird Bier fuer umgerechnet 53 Rubel pro Flasche gekauft. Russisches gibt es fuer ca. die Haelfte, zumindest aber fuer ca. 30 Rubel.
Die Eier sind auch doppelt so teuer wie "real".

Klar, wenn man natuerlich im Zentrum in den 7. Kontinent geht, dann kommt das da bei raus.

Aber es stimmt schon, die Preise ziehen hier gewaltig an......
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)
fremantle

Re: Galoppierende Inflation in Rußland

Beitrag von fremantle »

Naja, hier in Piter kostet das in Russland gebraute Bier (auch mit Deutschem/Tschechischem/Daenischem Namen) um die 20-25 Rubel. Wenn man aber zB bei Staropramen daneben greift und die importierte (und in der Tat besser schmeckende) Variante erwischt, statt des Lizenzbraeus., sind es 70 Rubel. Merkt man erst an der Kasse, wenn man die Flasche nicht gleich umdreht und nach kyrill. Ausschau haelt.
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harald63
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Re: Galoppierende Inflation in Rußland

Beitrag von harald63 »

Ist das Inflation oder passen sich Preise, die früher künstlich niedrig gehalten wurden, jetzt den (Moskauer) Marktpreisen an?
papasha

Re: Galoppierende Inflation in Rußland

Beitrag von papasha »

die inflation ist in der tat ein problem, mind. 10% p.a. ist standard.
mein klassiker ist immer: nur kippen und brot sind preiswerter, alles andere im schnitt pro stück 20-30cent teurer als in dt. (als in berlin). hinzu kommen die fahrkosten im öpnv. kosten zwar im schnitt 15rubel, aber wenn jemand 2,3 mal umsteigen muss...
selbst benzin ist ja im verhältnis zum dt. durchschnittsgehalt in rus. 4mal teurer :shock:

bei bier kann man sich streiten, baltika 3 im schnitt 50 cent, normal, anderes bier geht an den euro ran, schmeckt aber dementsprechend. :roll:

ok, mc doof ist 50% günstiger als in dt., ist in meinen augen aber eh billiges meal replacement.

ansonsten lebt es sich in der provinz schon um einiges billiger als in moskau/piter/germany, gerade im bereich nightlife...
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Zejtnot
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Re: Galoppierende Inflation in Rußland

Beitrag von Zejtnot »

papasha hat geschrieben:ansonsten lebt es sich in der provinz schon um einiges billiger als in moskau/piter/germany, gerade im bereich nightlife...
Was bezeichnest Du als Provinz? Selbst in den sibirischen Städten komme ich in keinen Club mehr für unter 150 oder 200 Rubel - wochentags. 300 oder 400 sind am Wochenende inzwischen normal. Da kann ich mich in Berlin günstiger amüsieren.

Der letzte Schrei sind in Novosibirsk nun die Cola-Flaschen. Gab es im Frühjahr in allen Restaurants noch 0,5er Flaschen für 30 Rubel, gibt es nun überall 0,2er Flaschen für 60 Rubel.

Bis vor zwei Jahren konnte man in Russland noch reell günstiger leben als in Deutschland. Inzwischen ist es teurer, man merkt es nur u.U. nicht, weil man geringere Ansprüche hat (im Umkreis wird weniger konsumiert). Papasha hat recht, billiger sind nur noch Brot, Kippen und Einzelfahrten im Bus. Wenn man aber - wie ich - am Tag vier verschiedene Verkehrsmittel nehmen muss (15+30+30+11 Rubel), kommt man teurer als eine Monatskarte in einer mittelgroßen deutschen Stadt! Bei weitaus niedrigerem Komfort.

Na gut, Taxi, Wasser und Strom sind auch noch billig. ;)
fremantle

Re: Galoppierende Inflation in Rußland

Beitrag von fremantle »

Unterschreib ich alles - trifft genau so auf Piter zu - Ich lebe hier keinesfalls guenstiger als in Berlin, bei niedrigerem Standard.
papasha

Re: Galoppierende Inflation in Rußland

Beitrag von papasha »

Zejtnot_ hat geschrieben: Was bezeichnest Du als Provinz? Selbst in den sibirischen Städten komme ich in keinen Club mehr für unter 150 oder 200 Rubel - wochentags. 300 oder 400 sind am Wochenende inzwischen normal. Da kann ich mich in Berlin günstiger amüsieren.
provinz ist alles ab 1000km luftlinie von moskau, kleine städte bis 500k einwohnern.

nein, in berlin kannst du nicht günstiger amüsieren. nightlife ist teuer geworden, eintritt von mind. 10euro ist normal, von getränken rede ich mal garnicht. selbst studentenclubs nehmen für ein 0,3l bier 3 euro. und ne gute flasche wodka mit o-saft bekommst in berlin definitiv nicht für 300-400 rubel.
Zejtnot_ hat geschrieben:Bis vor zwei Jahren konnte man in Russland noch reell günstiger leben als in Deutschland. Inzwischen ist es teurer, man merkt es nur u.U. nicht, weil man geringere Ansprüche hat (im Umkreis wird weniger konsumiert).
2005 konnte ich mit 200euro/monat die puppen tanzen lassen ;) das hat locker gereicht.
miete war frei.

taxi fahren macht in einigen regionen extrem spass, so billig, dass der bus echt nicht lohnt...
Zuletzt geändert von papasha am 28 Sep 2007, 12:54, insgesamt 1-mal geändert.
papasha

Re: Galoppierende Inflation in Rußland

Beitrag von papasha »

fremantle hat geschrieben:Unterschreib ich alles - trifft genau so auf Piter zu - Ich lebe hier keinesfalls guenstiger als in Berlin, bei niedrigerem Standard.
z.b. schön 30qm-pladde für 400-500 euro :lol:

und die netten kellnerinnen am newski nicht vergessen, bei denen man sich schon entschuldigen muss, dass man etwas bestellen will. das pils aber kostet 100 rubel. service sowjetisch, preise natürlich königlich :roll:

die lizensplörre ist wirklich furchtbar, da bleib ich doch gleich beim baltika 3. meine kollegen gingen immer bei weissbier ab, weiss nicht mehr was die flasche kam, so 150-200 rubel(import). musst ich nur mal kurz schmunzeln über kollegen und bierpreis...
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