Reisebericht Transsib IV: Moskva - Irkutsk - Baikalsee

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Helmut Uttenthaler

Reisebericht Transsib IV: Moskva - Irkutsk - Baikalsee

Beitrag von Helmut Uttenthaler »

Di 23.7.2002
MOSKAU
am Abend Weiterfahrt per Zug:
Moskwa Jaroslawskaja 22:03 - (D 4ZJ, Moskwa - Peking)


Gegen 20:30 kehren wir von unserer Stadtbesichtigungstour zum Hotel zurück, wo wir unser Gepäck nach dem Check-out deponiert haben.
Mit der U-Bahn geht es zum Jaroslawler Bahnhof (Station Komsomolskaja), von wo Zug 4 (ein gewöhnlicher Schnellzug – „skorij poezd“) nach Peking um 22:03 losfahren soll. Als wir dort ankommen steht unser Zug schon bereit, er besteht aus einem chinesischem Gepäckwagen, 10 chinesischen Schlafwagen (teils SV = spalnyj vagon = 2 Betten/Abteil, teils K = kupe = 4 Betten/Abteil), einem russischen
Speisewagen und einem russischen Schlafwagen (K). Die letzten beiden Wagen fahren nur bis Nauschki, das ist der Grenzbahnhof zur Mongolei.

Bettkarte Moskau – Irkutsk
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Wagenlaufschild der chinesischen Waggons
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Unsere Plätze sind im Wagen Nr. 3, das ist der russische Schlafwagen am Zugschluss - die chinesischen Wagen sind offenbar nicht für den Binnenverkehr vorgesehen. Die nette Schaffnerin akzeptiert unsere Fahr- und Bettkarten ohne Probleme, obwohl die Angaben darauf nur in lateinischer Schrift gehalten sind. Ein typischer ÖBB-Schaffner würde eine in Russland für eine Fahrt in Österreich ausgestellte Fahrkarte wohl 5 Minuten lang wortlos mustern...
Im Wagoninneren ist es warm und stickig (die Tageshöchstwerte in Moskau erreichten in den vergangenen 2 Tage Werte über 30°), die Klimaanlage ist nicht aktiv.
Unser Waggon wurde 1989 in der DDR in Ammendorf gebaut, sieht aber schon etwas älter aus.

Seitengang im Waggon
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So sieht es im Abteil aus. Das Bild stammt allerdings nicht von dieser Reise, sondern aus Nachtzug „Krasnaja Strela“ („Roter Pfeil“) von Moskau nach Sankt Petersburg, mit dem ich im Jahr 2001 gefahren bin. Abgesehen davon, dass es im Zug nach Irkutsk kein Lunchpaket gibt und die Vorhänge anders aussehen, sieht es aber auch im Abteil von Moskau nach Irkutsk ähnlich aus.
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In unserem Abteil sind wir nicht allein, eine ältere Frau begleitet uns bis Perm. Trotz Sprachproblemen ist es uns möglich mit ihr über die Bettenaufteilung zu diskutieren, sie wollte nämlich ihr Bett (oben) gegen ein unten gelegenes umtauschen (wir hatten 2x unten und 1x oben reserviert), das ist natürlich kein Problem für uns.
Darüberhinaus erfahren wir, dass sie aus Machatschkala (Dagestan, am Kaspischen Meer) kommt und gerade auf dem Weg zu einer Hochzeit von Verwandten in Perm ist.
Dank der Ausnutzung des größeren Lichtraumprofils sind die Abteile sehr geräumig und auch für Gepäck gibt es Platz genug: Einerseits unter den unteren Betten, andererseits über dem Seitengang. Der Platz unter den Betten ist auch der sicherste, denn dort kann man nur hin, wenn man das Bett nach oben klappt.

Apropos Sicherheit: Die Abteiltüren sind als Schiebetüren ausgeführt. Die erste Absperreinrichtung ist ein einfacher Drehverschluss, dieser kann aber von aussen mittels Dreikantschlüssel geöffnet werden. In geschlossener Stellung ist allerdings (nur von innen) eine Verriegelung des Türgriffs möglich, sodass man die Tür nicht aufschieben kann. Ausserdem gibt es an der – von innen aus gesehen – linken oberen Türecke noch ein kleines Metallplätchen, welches aus der Tür herausgeklappt werden kann und eine Öffnung der Tür um mehr als 5-10 cm unmöglich macht.

Und noch was zu den sanitären Einrichtungen: Es gibt an jedem Waggonende ein WC, jenes auf der Seite des Schaffnerabteils ist meist (hängt vom Personal ab) aber nur für die Schaffner zugänglich.
Recht unpraktisch sind die Wasserhähne: Damit da Wasser herauskommt, muss man nämlich einen an dem aus der Wand kommenden Leitung unten angebrachten „Knopf" permanent nach oben drücken, man hat also nur eine Hand frei, was gerade beim Händewaschen von Nachteil ist...
Die Sauberkeit im WC könnte besser sein, es riecht eben nach WC, obwohl gelegentlich auch während der Fahrt geputzt wird.
An Klopapier gab es bei der Abfahrt in Moskau eine Rolle, nachdem die aufgebraucht ist, ist man auf seinen eigenen Vorrat angewiesen.

Ausser uns fahren noch zwei andere West-Touristen in unserem Wagen mit, die beiden sind aus Dänemark und wollen mit Zwischenstationen in Irkutsk, Ulan Bator nach Peking, danach 1 Monat quer durch China und schliesslich per Bahn nach Hongkong. Klingt interessant.
Ansonsten sind wohl nur Russen im Waggon, darunter eine Familie, die vom Badeurlaub in Feodossija (Krim, Ukraine) zurück nach Tjumen fährt. Mit ein oder zwei Minuten Verspätung fährt der Zug kurz nach Einbruch der Dunkelheit ab. Die Klimaanlage funktioniert noch immer nicht, wenigstens lässt sich ein Teil der Fenster am Gang öffnen.
Unsere Abteilkollegin lädt uns zum Abendessen (Brot + Wurst) ein, dazu gibt es heisses Wasser (natürlich fehlen selbstmitgebrachte Teesackerl nicht) vom Samowar (der Wasserkocher, der in jedem russischem Wagon gegenüber dem Schaffnerabteil eingebaut ist).
Die Schaffnerin bringt uns dann die Bettwäsche ins Abteil, dafür sind RUB 37
zu zahlen (~EUR 1,3). Die Schaffnerin - sie heisst übrigens Tanja und kommt aus Rschew westlich von Moskau – spricht sogar ein paar Worte deutsch; falls es irgendein Problem gäbe, sollen wir zu ihr kommen.
Pünktlich um 22:03 setzt sich der Zug langsam in Bewegung. 75 Stunden und 19 Minuten bzw. 5152 km sind es von hier bis Irkutsk. Bis zum Zugendbahnhof Peking wären es 7622 km bzw. 131 Stunden und 34 Minuten.

Kurz nach der Abfahrt kommt noch der Kollege von Tanja vorbei und sammelt die Fahrkarten ein. Mittlerweile ist es Zeit zum Schlafengehen, trotz der Hitze im Abteil (es kommt zwar mittlerweile kühle Luft aus den Löchern in der Abteildecke, allerdings nicht in ausreichender Intensität) gelingt das Einschlafen auch bald.


Mi 24.7.2002
im Zug (Kirow - Perm - Jekaterinburg)


Während des Lokwechsels in Vladimir (1:03 - 1:26) wache ich kurz auf, danach schlafe ich bis ca. 9:00. Der Zug befindet sich irgendwo zwischen Gorkij und Kotelnitsch, Birkenwälder ohne Ende ziehen draussen vorbei. Die Geschwindigkeit des Zuges schwankt zwischen 80 und 120 km/h. Die Schienen sind nicht verschweisst, das tatak-tatak ohne Ende lässt ein Gefühl der Unendlichkeit aufkommen...

In Kotelnitsch 1 (wenn es mehrere Bahnhöfe in einer Stadt gibt, haben diese oft Nummern statt unterschiedliche Namen) mündet unsere Strecke in die "klassische" Transsib-Route über Jaroslawl ein, diese wurde bis zum Sommerfahrplan 2001 von den meisten Transsibzügen befahren, nun verkehren viele Züge über die um 52 km kürzere Strecke über Gorkij (Nischnij Nowgorod).
Die Einbindung erfolgt übrigens kreuzungsfrei, daran könnte man sich in Österreich, wo es anscheinend eine grundsätzliche Abneigung gegen kreuzungsfreie Einfädelungen gibt, ein Beispiel nehmen. Gut, in Russland gibt es da keine Platzprobleme, die Schleifen sind auch dementsprechend grosszügig angelegt.

Der Bahnhof Kotelnitsch 1 selbst wird ohne Halt durchfahren, nach einer Nonstopfahrt von 456 km hält unser Zug nach Nischnij Nowgorod erst wieder in Kirow.

Nahverkehrszug kurz vor Kirov:
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Bahnhof Kirow:
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Da die Klimaanlage in unserem Waggon noch immer nicht funktioniert, kaufe ich mir während des Aufenthaltes in Kirov (10:17-10:42, an mit +15, ab mit +10) ein Eis.
Die Zeit bis zum Mittagessen im Speisewagen verbringe ich grossteils am offenen Gangfenster, im Abteil ist es unerträglich heiss. Zirka einmal pro Stunde suche ich das WC auf um mir den Schweiss vom Gesicht zu waschen...
Gegen 13 Uhr ist es an der Zeit, den Speisewagen zu testen. Da sich dieser gleich vor unserem Waggon befindet, sind wir schnell dort. Im Speisewagen funktioniert die Klimaanlage, bei knapp 20 Grad friert man in Hochsommerbekleidung fast...
Russen scheinen sich kaum einen Besuch im Speisewagen zu leisten, fast alle Gäste sind Touristen. Die handgeschriebene (!) Speisekarte gibt es sogar in einer englischen Version, sie wird übrigens jeden Tag nach Massgabe der vorrätigen Zutaten neu geschrieben.
An Hauptspeisen (ca. 120-160 Rubel) gibt es allerhand fleischiges (Schwein, Huhn, Pute, etc.), für Vegetarier (ich bin keiner) gibt es nicht recht viel. Suppen kosten zwischen 20 und 40 Rubel, ein Bier kostet 40 Rubel.
Nach dem Essen bleiben wir noch eine Weile im Speisewagen sitzen und geniessen die angenehme kühle Luft.

In Baleschino steht ein Lokwechsel auf dem Programm; während des längeren Aufenthaltes kann man bequem ein paar Fotos machen:

ChS-2 305 übernimmt hier den Zug
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...es handelt sich um eine Lok der „Swerdlowsker Eisenbahn“, gebaut von Skoda.
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WL 10 mit Güterzug:
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Die Fussgängerübergänge eignen sich gut zum Fotografieren – Blick über das Bahnhofsareal
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Durch unendliche Birkenwälder geht es weiter Richtung Perm:
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...kurz vor Perm:
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Die Ankunft in Perm 2 erfolgt pünktlich auf die Minute. Die Frau aus Machatschkala verlässt uns hier.
Am Waggon werkeln unter der strengen Aufsicht von Tanja, der Schaffnerin, ein paar Eisenbahner herum. Hoffnung keimt auf, offenbar versucht man die Klimaanlage in Gang zu bringen.
Nach der Abfahrt bestätigt sich die Hoffnung, kalte Luft strömt ins Abteil! Freude macht sich im ganzen Waggon bemerkbar.
Zugestiegen ist in Perm übrigens niemand, das Abteil gehört uns nun allein. Langsam nähert sich der Zug dem Ural, beim Abendessen im Speisewagen fahren wir dann teilweise parallel zu einem Fluss durch eine reizvolle Hügellandschaft. Da ich schon zahlreiche Transsib-Reiseführer gelesen habe, war ich vorgewarnt und erwartete mir vom Ural auch nicht mehr als ein paar Hügel. Nett ist die Gegend trotzdem, vor allem bei Sonnenuntergang.
Mittlerweile ist es dunkel geworden, was leider zur Folge hat, dass wir den Obelisk (in km 1777 ab Moskau (lt. Kilometrierung über Jaroslawl, lt. tatsächlich gefahrener Strecke in km 1725 bzw. km 5163 ab Graz Hbf)), der die Grenze zwischen Europa und Asien markiert, versäumt haben. Beim nächsten Mal (dabei handelt es sich aber nicht um die Rückfahrt, denn diese wird über die obelisk-lose etwas weiter südlich gelegene Strecke über Krasnoufimsk - Kazan durchgeführt) werde ich darauf achten, dieses Stück bei Tag zu befahren.

Für die Nacht nehme ich mir das nun freigewordene untere Bett, obwohl die
Klimaanlage nun funktioniert und die kalte Luft von oben kommt, habe ich den
Eindruck, dass es unten angenehmer ist.

Do 25.7.2002
im Zug (Ischim - Omsk - Nowosibirsk)


Am nächsten Vormittag liegt der Ural schon weit hinter uns, und der Zug durcheilt auf teils schnurgerader Strecke die Westsibirische Tiefebene.

Zwischen Ischim und Omsk:
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Kurz vor dem Bahnhof Omsk: Brücke über den Irtysch
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Bahnhof Omsk
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Schaffnerin Tanja und ihr Kollege:
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In Tebisskaja (zwischen Omsk und Barabinsk) stand unser Zug länger ausserplanmässig herum. So sieht es unmittelbar neben dem Bahnhof aus:
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Nachdem ein paar Gegenzüge vorbeikamen wurde der Abschnitt bis zum nächsten Bahnhof Kirzinskoje auf dem falschen Gleis zurückgelegt, was auch aus diesem Foto ersichtlich ist...
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Nahverkehrszug in Barabinsk
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Sonnenuntergang auf der Transsib zwischen Barabinsk und Nowosibirsk
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Zu erzählen gibt es von diesem Tag nicht recht viel. Langweilig war es aber nie, einerseits fasziniert mich die einsame Gegend, die draussen vorbeizieht, andererseits trifft man im Speisewagen viele interessante Leute aus der ganzen Welt, mit denen man tratschen kann.
Der Aufenthalt in Tebisskaja brachte uns eine halbe Stunde Verspätung ein.
Am Abend erreichen wir Nowosibirsk (lt. Fahrplan um 19:35 Moskauer Zeit, d.h. 22:35 Ortszeit).
Ab hier sind wir wieder zu viert im Abteil, ein junger russischer Geschäftsmann stösst hier zu uns. Er spricht ein bisschen Englisch, er ist aber eher ein ruhiger Typ und so merken wir relativ wenig von ihm.
Inzwischen macht sich auch ein gewisser „train-lag“ bemerkbar: Immerhin fahren wir von West nach Ost, wodurch der Tag im Zug nur ca. 23 Stunden beträgt (ungefähr einmal am Tag müssen wir die Uhr vorstellen). Da man aber einen 24-Stunden Rhythmus gewohnt ist, verschieben sich Essens- und Schlafenszeiten nach hinten, sodass erst gegen 1 Uhr an Schlafen zu denken ist...


Fr 26.7.2002
im Zug (Atschinsk - Krasnojarsk - Taischet - Nischneudinsk)


Über Nacht hat sich die Landschaft gewandelt. Der Zug fährt am Vormittag durch eine recht hügelige Nadelwaldlandschaft. Ab und zu passieren wir kleine Dörfer mit bunten Holzhäusern und kleinen Gemüsegärten.

Gegen Mittag sind wir erst in Krasnojarsk, die Verspätung des Zuges ist über auf 90 Minuten angewachsen. In Krasnojarsk ist auch ein längerer Aufenthalt vorgesehen (der trotz Verspätung nicht gekürzt wird). Die Schaffnerin hat keine rechte Freude damit, dass ich mich zwecks Fotografierens vom Zug entferne...

Bahnhof Krasnojarsk
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Saisonzug Krasnojarsk – Anapa (Schwarzes Meer)
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Nach der Überquerung des Jenissej über eine 900 m lange Stahlbrücke geht es weiter durchs Hügelland und vorbei an kleinen Dörfern.
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Abenddämmerung...
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Dies ist der letzte Abend im Zug, deshalb werden die Rücksäcke schon gepackt – wenn man 4 Nächte im Zug lebt, richtet man es sich ja ein bisschen im Abteil ein...


Sa 27.7.2002
- Irkutsk Passaschirskij (km 8584) 1:22 (Moskauer Zeit = 6:22 Ortszeit + 90' Versp.)
Weiterfahrt nach Listwjanka am Baikalsee (Linientaxi bis Hafen + Tragflügelboot nach Listvjanka (ca. 1h)).
LISTVJANKA - BAIKALSEE

Um 6:22 Ortszeit sollte der Zug in Irkutsk ankommen. Für uns ist es eigentlich erst 1:22 da wir ja noch Moskauer Zeit gewöhnt sind, bzw. 23:22 wenn man nach Mitteleuropäischer Zeit geht.
Ein bisschen Schlaf geht sich aber trotzdem aus, ausserdem hat unser Zug 90 Minuten Verspätung. Kurz vor der planmässigen Ankunftsuzeit läutet der Wecker; ich möchte mich nur vergewissern, dass der Zug nicht über Nacht die Verspätung aufgeholt hat.
Anhand der km-Tafeln entlang der Strecke kann ich aber feststellen, dass es bis Irkutsk noch knapp 100 km sind, also ist Weiterschlafen angesagt.


Kurz nach dem endgültigen Aufstehen fahren wir in Irkutsk Sortirowotschnij (Irkutsk Rangierbahnhof, von „sortieren“) ein.
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Nach kurzem Halt geht es weiter nach Irkutsk Passaschirskij. Ankunft dort ist um 7:45 Ortszeit.
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Aus unserem Waggon steigen zahlreiche Fahrgäste aus, bei den chinesischen Wagen findet kaum Fahrgastwechsel statt, da diese ja nur für den internationalen Verkehr vorgesehen sind.
Das Wetter ist kühl und der Himmel wolkenverhangen; regnen tut es aber nicht. Für eine genauere Bahnhofsbesichtigung bleibt keine Zeit, denn das Tragflächenboot nach Listwjanka am Baikalsee sollte – laut Internet-Recherche – um 8:30 losfahren.
Ebenfalls via Internet habe ich ausfindig gemacht, dass man mit dem Bus 16 vom Bahnhof zum Hafen kommt. Das zu wissen ist gut, denn so etwas wie eine Tourist-Information oder Linienübersichtspläne gibt es hier im fernen Sibirien natürlich nicht.
Die Haltestellen sind zwar nicht gekennzeichnet, aber nach dem wir einmal den Bahnhofsvorplatz auf- und abmarschiert sind, entdecken wir einen Kleinbus mit der Linienbezeichnung 16.
Neben den normalen städtischen Bussen gibt es in allen russischen Städten auch so genannte „Marschrutki“-Taxis, das sind private Kleinbusse (meist 8-Sitzer), die teilweise auch entlang der normalen Linien verkehren. Bei uns würde man dazu „Linientaxi“ oder „Sammeltaxi“ sagen. Das russische Wort „Marschrut“ ist ein Fremdwort aus dem Deutschen (Marschroute) und bedeutet Route oder Linie.
Durch den kriminellen Fahrstil und die bessere Motorisierung der Gefährte
sind sie aber etwas schneller als normale Busse.
Wir steigen ins 16er-„Marschrutki“ ein und bezahlen, abgefahren wird aber erst, wenn die Auslastung einen profitablen Betrieb erwarten lässt, was aber bald der Fall
ist. Der Fahrpreis beträgt übrigens 5 Rubel
Nach gut 20-minütiger Fahrt teils durch heruntergekommenen Plattenbauvierteln erreichen wird die Ablegestelle des Tragflächenboots.
Zeitlich hätten wir es zwar noch erwischt, allerdings war es schon ausgebucht. Zahlreiche Irkutsker nützen das Wochenende für einen Tagesausflug zum Baikalsee.
So müssen wir zwei Stunden auf das nächste Boot warten.


Der Schiffsverkehr findet hier auf einem aufgestauten Teilstück der Angara statt, jender Fluss, der als einziger aus dem riesigen Baikalsee (640 km lang, bis zu 1,6 km tief) hinausfliesst.
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Dem Angara-Staudamm fiel auch die ursprüngliche Transsib-Strecke zum Opfer, die dadurch in der Angara versank. Stattdessen wurde eine kürzere neue Strecke von Irkutsk nach Sljudjanka am Baikalsee gebaut. Von dort gibt es noch ein existierendes Teilstück (ca. 90 km lang, auch „Baikalbahn“ genannt, siehe http://kbzd.irk.ru/Eng/index.htm) der alten Trasse entlang des Baikalsees. Diese Strecke wird heute nur 5x wöchentlich von einem GmP befahren, der knapp 6 Stunden unterwegs ist. Die Bahn ist die wichtigste Versorgungsmöglichkeit für die Orte entlang dem Ufer, den Straße gibt es keine. Lediglich im Winter kann man mit dem Auto auf dem gefrorenen Baikalsee dorthin fahren, im Sommer gibt es noch eine Anbindung per Schiff.

Nach der Ankunft in Listwjanka um die Mittagszeit suchen wir unser Quartier auf. Wir haben über das Reisebüro eine Privatunterkunft bei einer Familie in einem relativ neuen Holzhaus gebucht:
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Am Nachmittag ist erst einmal ausrasten, duschen (!) und die Erkundung der näheren Umgebung angesagt.
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