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Selbstisolation der RF?

Verfasst: 14 Jan 2009, 22:24
von Paul
Der St. Petersburger Herold hat die deutsche Übersetzung eines Interviews mit Boris Strugazki veröffentlicht, in dem ich eine Passage sehr komisch finde:
Ein “Anziehen der Schrauben” scheint mir unvermeidlich. Die Suche und gefangenahme nach (internen und externen) Feinden wird unvermeindlich. Die letzten unabhängigen Massenmedien werden einen Maulkorb verpasst bekommen. Schlimmer, der Sieg der “Asketen” (sofern man die Mächtigen als solche ansehieht), die Isolierung vom Westen, der Rückfall in den “SAWOK”**** - und eine Zukunft als Paria der Staaten.
http://www.spzeitung.ru/2009/boris-stru ... angezogen/

Dergleichen hört man aus Kreisen der "Opposition" desöfteren: die Macht von Medwedew/Putin beruhe auf ihrer Feindschaft gegen den "Westen", in Rußland würden weithin europafeindliche Ressentiments gepflegt, die sich sogar auf den Lebensstil auswirken würden.

Mein Problem damit ist, daß ich einen derartigen Trend selbst im Land nicht feststellen konnte. Auch in den für mich erreichbaren russischen Medien nicht. Ebensowenig bei meinen Freunden und Bekannten. Desgleichen der aus manchen "westlichen" Ländern bekannte Produktnationalismus (z.B. "Buy British").

Daher meine Frage (vornehmlich) an diejenigen unter uns, die in der RF leben: Täusche ich mich mit meiner Wahrnehmung oder haben wir es da mit einem (typischen) Fall von Selbsthaß der Intelligenzija zu tun?

Ich vermute fast schon letzteres, schließlich wurde der "Admiral" mehrfach dafür kritisiert, daß im Film Koltschak von seinen französischen Verbündeten an die Bolschewiki ausgeliefert wird. Letzteres entspricht allerdings weitgehend den historischen Tatsachen, nur daß es in Wirklichkeit die Tschechoslowakische Legion war und die französische Militärmission nichts zu seiner Rettung unternommen hat. (Dies kann man auch in den deutsch- und englischsprachigen Standardwerken zum Bürgerkrieg nachlesen.)

Also: Eindrücke und Meinungen Eurerseits sind gefragt. ;)

Re: Selbstisolation der RF?

Verfasst: 15 Jan 2009, 08:15
von Zejtnot
Im Moment sehe ich eher eine Öffnung zu Europa, scheinbar ist man wirtschaftlich darauf angewiesen.

Die Massenmedien sind schon heute unter Kontrolle - mit Ausnahme von Echo Moskvy und den Printmedien. Beide erreichen aber keine Massen - sind also keine Massenmedien im Sinne des Wortes. Fernsehen, Dudelradio und Boulevardpresse sind bereits voll auf Linie des Kreml.

Verfolgungswahn konnte ich bei der Intelligenz bislang nicht feststellen - diese betrachtet zwar mit Sorge die Entwicklung, aber eine Verschlimmerung sehen wenige direkt kommen. (Ganz subjektive Wahrnehmung in Novosibirsk.)