Miliz schmieren

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Apollo
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Miliz schmieren

Beitrag von Apollo »

Gibt es da eigentlich, auf Moskau bezogen, inoffizielle Tarife ? Wie funktioniert das überhaupt ? Muss man denen die Zuwendung anbieten oder wird danach gefragt ?
Ist vielleicht etwas naiv die Frage, aber in Deutschland wird man ja nicht so oft damit konfrontiert.
Wo ist das Bernsteinzimmer versteckt ?

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valique
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Re: Miliz schmieren

Beitrag von valique »

Man wird NIE von dir etwas verlangen. Man wird dir blumig umschreiben was für offizielle Strafen dich erwarten und SEHR langsam das Protokoll ausfüllen. Du sagst so was Ähnliches wie "Können wir es nicht irgend wie weniger bürokratisch regeln?" Er wir dich Fragen was du denn meinst.... und so weiter das Theater. Letztendlich bei einer Summe die passt, legst du das Geld auf die Mittelkonsole.... er wird es nie in die Hände nehmen.... So hab ich das wenigstens gehört. Ich war selbst, natürlich, nie in so einer Situation und glaube dass es gelogen ist, denn die Miliz ist sicherlich unbestechlich!
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Saboteur
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Re: Miliz schmieren

Beitrag von Saboteur »

Also die Möglichkeiten sollen da ja verschieden sein! Ich berichte mal aus meinen Erfahrungen und von Erfahrungen von Freunden. Natürlich beziehe ich mich auf Fälle in denen abgezockt werden sollte und tatsächlich keine Straftat oder Ordnungswidrigkeit vorlag.

Zuallererst ist es ganz gut dass du kein Russe bist und der Pass der Auslandes dir einen gewissen Schutz einräumt aber auch gleichzeitig etwas Angrigffsfläche (In Bezug aus Status und Registrierung) bietet.

Es gibt Millizionäre die tatsächlich erzählen was passieren wird (großes Problem, große Schwierigkeiten, bla bla bla) und das man mitgenommen wird und und und... natürlich alles um ein bisschen einzuschüchtern. Dann kommt man irgenwie an den Punkt wo man fragt ob man das " hier regulieren kann" oder so. Worauf ein Betrag genannt wird der bei AusländerInnen in der Regel deutlich höher ist als bei RussInnen. Den kann man dann irgendwo hinlegen oder um die Ecke gehen und in das rote Buch legen dass diese Leute mit sich herumtragen oder oder oder.

Ich persönlich hatte in den letzten 10 Jahren bei 10 mehrwöchigen Reisen quer durch Russland 3 mal Stress mit der Miliz und habe niemals (freiwillig) irgendwas bezahlt. Du als Ausländer hast sowieso gute Karten da bei Vergehen und Verhören ect. eigentlich ein Dolmetscher bestellt werden muss und ein Protokoll angefertigt werden muss und so weiter. Daa macht natürlich keiner von den Vögeln. Zur Not hilft auch die Frage nach der Quittung. Wichtig ist sich nicht einschüchtern zu lassen sondern selbstbewusst aber freundlich aufzutreten. Belehrungen über die Gesetze die in Russland sollen auch nicht so gut ankommen. Lieber den angeblichen Fehler zeigen lassen und so weiter.

Oft ist die vermeintlich falsche Registrierung ein Vorwand für eine Strafe. (Deshalb genau drauf achten ob die Registrierung richtig ist und ob jeder Kringel richtig ist). Da es ja nun ein computergestütztes Registrierungsverfahren gibt hilft auch der Verweiß auf den Computer... :-)

Der Beste Schutz ist jedoch sich penibel an die Registrierungsvorschriften zu halten und sonst auch Gesetztestreu zu sein, nicht unnötig auffallen (nicht in der Öffentlichkeit trinken oder betrunken draussen rumlaufen oder krach machen oder do) und dann passt das schon.
помню айнц цвай полицай. все там с ума сходили. Под самогон...
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Re: Miliz schmieren

Beitrag von Dave »

Apollo hat geschrieben:Ist vielleicht etwas naiv die Frage...
Naiv? Sich öffentlich nach einer Straftat zu erkundigen soll naiv sein?

Dave
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Simone
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Re: Miliz schmieren

Beitrag von Simone »

Dave hat geschrieben:Naiv? Sich öffentlich nach einer Straftat zu erkundigen soll naiv sein?
Dave
Ja, naiv ist die Fragestellung nach den Tarifen sicherlich, aber letztlich ist diese "Straftat" uraltes Brauchtum in unserer Wahlheimat und weitgehend gesellschaftlich akzeptiertes Mittel zur Lösung von Problemen ALLER Art.
Dave
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Re: Miliz schmieren

Beitrag von Dave »

Brauchtum ist für mich etwas anderes... Probleme löst man damit keine, man verlagert sie nur.
Dass dann auch noch Personen rechtsstaatlicher Herkunft mitmachen - entzieht sich meiner
Verständnisbereitschaft.

Dave
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Simone
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Re: Miliz schmieren

Beitrag von Simone »

Dave hat geschrieben:Brauchtum ist für mich etwas anderes... Probleme löst man damit keine, man verlagert sie nur.
Dass dann auch noch Personen rechtsstaatlicher Herkunft mitmachen - entzieht sich meiner
Verständnisbereitschaft.Dave
Es ist wie es ist - der GAIschnik streckt seinen Bauch heraus und setzt ein breites Grinsen auf und erklärt Dir, daß Du ein kleines dummes Würtschen bist, wenn Du nicht zahlst. Und er wird die Situation entsprechend ausnutzen (z.B. wenn man in Eile ist und zu Unrecht zur Blutkontrolle auf die nächste Wache vorgeladen wird wegen eines manipulierten Alkoholtestgerätes, das ist nur eines der Spielchen). Da hilft Dir einzig allein Verständnisbereitschaft zur Schadensminderung.

Am besten man lebt mal paar Monate hier und auch ohne jegliche administrative Hilfe des Arbeitgebers, dann sind solche weltfremden Sprüche nur Makulatur. Hier wird kein Mensch freiwilllig und gerne schmieren, wenn er nicht müsste. Zumal das Auftreten solcher korrupten Staatsbeamten einen die Faust in der Tasche anschwellen lässt.
Übrigens, je weiter östlich man kommt, z.B. nach Zentralasien, um so schlimmer wird es. Wenn man in Kirgisien einen Kredit (Unternehmensfinanzierung) haben möchte, muß man einen festen Prozentsatz von der Kreditsumme an den Bankmitarbeiter abzweigen, sonst wird es keine Kreditfreiigabe geben. Schlimmer geht es (leider) immer. Aber der ausgestreckte westeuropäische Zeigefinger hilft da wenig.

Und übrigens, woher stammt denn der Wohlstand in Lugano? Der Ort ist doch nach Zürich einer der größten Geldwäsche-Zentralen der Welt, insbesondere aus Italien.
bauplan
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Re: Miliz schmieren

Beitrag von bauplan »

Also ich fahre seit 1991 mit einem eigenen Auto in Russland herum ( mind. 30.000km pro Jahr). Ich habe schon aus Prinzip nie Schmiergelder gezahlt und es war auch nie nötig.

Wenn alle Papiere ok sind und man keinen Verkehrsverstoss gemacht hat, dann sollte es auch kein Problem sein.

Kontrolliert wird, aber das werde ich in Deutschland genauso. Wenn ich in Russland einen Verkehrsverstoss gemacht habe, dann muss ich eben dazu stehen und nicht der Meinung sein, man kann ja in diesem „Schmiergeldland“ alles mal eben so regeln.

Da wird dann ein Protokoll ausgefüllt und ich muss bei der Sparkasse das zahlen.
Ist aufwendig und mühsam, aber ich habe ja nun auch den Verkehrsverstoss gemacht.

Es geht also auch ohne Schmiergelder, vorausgesetzt, alles ist ok. Dokumente, kein Alkohol, kein Restalkohol, keine Verkehrsübertretungen. Wenn man dagegen verstossen hat, dann hat man die Entscheidung, entweder man unterstützt die Korruption, oder man nimmt sich die Mühe der Strafe, die gesetzmäßig vorgeschrieben ist auf.
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Re: Miliz schmieren

Beitrag von Dave »

Simone hat geschrieben:Es ist wie es ist - der GAIschnik streckt seinen Bauch heraus und setzt ein breites Grinsen auf und erklärt Dir, daß Du ein kleines dummes Würtschen bist, wenn Du nicht zahlst.
Würstchen sind die, die Zahlen... Wer als Bückling erzogen wird freundet sich nur schwer mit dem
aufrechten Gang an.
Am besten man lebt mal paar Monate hier und auch ohne jegliche administrative Hilfe des Arbeitgebers, dann sind solche weltfremden Sprüche nur Makulatur.
Habe ich, bin jedoch noch nie auch nur in Versuchung gekommen mich so zu erniedrigen. Obwohl
ich mir dadurch zugegeben die eine oder andere Verspätung eingehandelt habe.
Schlimmer geht es (leider) immer. Aber der ausgestreckte westeuropäische Zeigefinger hilft da wenig.
Zumindest mehr als so weitermachen wie bisher und immer den Weg des geringsten Widerstandes
zu gehen.
Und übrigens, woher stammt denn der Wohlstand in Lugano? Der Ort ist doch nach Zürich einer der größten Geldwäsche-Zentralen der Welt, insbesondere aus Italien.
Schau an, Genosse Steinbrücks Geschichten über die böse Schweiz werden schon weitererzählt…

Dave
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Fester

Re: Miliz schmieren

Beitrag von Fester »

bauplan hat geschrieben:Also ich fahre seit 1991 mit einem eigenen Auto in Russland herum ( mind. 30.000km pro Jahr).

[...]

Da wird dann ein Protokoll ausgefüllt und ich muss bei der Sparkasse das zahlen.
Ist aufwendig und mühsam, aber ich habe ja nun auch den Verkehrsverstoss gemacht.
Ich weiss nicht, ob du mit dem eigenen Auto in selben Russlan gefahren hast :)
Also, früher (bis mitter 90-er) war es so, dass der Inspektor (гаишник) den Führerschein des Fahrers weggenommen hat. Ohne Führerschein kannst du natürlich nicht fahren und ein Paar Stunden in der fremden Gegend tumzulaufen um eine Sparkasse zu finden - ist keine gute Idee, abgesehen davon Sparkassen waren nur Mo-Sa von 8 bis 18 offen. Stell dir vor, du bist am Samstag Abend 300km von Zuhause gestoppt... (noch besse, wenn es zwischen zwei Ortes ist, so dass es wenigstens 10km laufen).
Und um gestoppt zu sein, musst du nicht Verkehrsverstoss machen :) Wir waren mal gestoppt und der Inspertor hat vorgeforfen, dass mein Vater es habe es vor auf der Gegenspur ein LKW zu überholen. Es gab also kein Verkehrsverstoss ... zahlen musste mein Vater trotzdem, weil ohne Führerschein kann man nicht weiter fahren.
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