Zejtnot hat geschrieben:Simone, Du bist in Russland zu Gast ... und da sollte man vielleicht etwas respekt vor den Ansichten der anderen Kultur haben.
Da kann ich Zejtnot nur ausdrücklich Recht geben. Ich habe in Russland schon einige Beerdigungen mitgemacht.
Freunde und Familienangehörige.
Und in Deutschland, da auch Freunde und Familienangehörige.
Während ich in D eher das Gefühl habe, bloß schnell weg mit der Leiche, bloß nicht auseinandersetzen mit dem Tod, kurzum, Firma beauftragen, die machen das dann schon alles, ein paar Tage später noch zum Friedhof mit Kirche vorher und das wars dann.
In Russland hatte ich immer das Gefühl auch wirklich Abschied zu nehmen. Dadurch, das die Toten eben oft auch noch zu Hause aufgebahrt werden, dass man die Toten selber waschen kann usw. usw. In Russland konnte man sich viel Zeit nehmen um Abschied zu nehmen und ein Auseinandersetzen mit dem Tod fällt einem, meiner Meinung nach, jedenfalls viel leichter.
Die Friedhöfe, die ich in Deutschland und Russland kenne sind natürlich unterschiedlich.
In D gut organisiert, mit Friedhofsordnung und Vorgaben, wie alles sein muss und eben nach einiger Zeit eingeebnet. ( Meine Großeltern sind schon verschwunden ).
Hier bei uns in Tarusa ist es ein schöner alter verwunschener Friedhof. Manchmal verwildert und zugewachsen, dann wieder frisch und gepflegt, wo gerade einer beerdigt ist. Ich gehe dort oft spazieren, weil es etwas mystisches an sich hat und man jedes Mal wieder was neues findet.
In D, habe ich eher das Gefühl, ich gehe durch einen Messeparkplatz mit Grabsteinen. Noch schlimmer ist da nur noch Arlington in Virginia.
Leider glaube ich nicht an ein Leben nach dem Tode, aber sollte es eines geben, dann möchte ich es lieber in Tarusa auf dem Friedhof erleben, als in Deutschland.