Bestattungsritus der russ.-othod. Kirche

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Zejtnot
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Re: Bestattungsritus der russ.-othod. Kirche

Beitrag von Zejtnot »

Simone, Du bist in Russland zu Gast ... und da sollte man vielleicht etwas respekt vor den Ansichten der anderen Kultur haben.
Simone hat geschrieben:Habe mal nachgefragt, wie das so abläuft und man sagte mir, daß die Toten in den Bussen gemeinsam mit den Trauernden zum Friedhof fahren!!!
Weißt Du, was die Russen über die Deutschen sagen: "Stell Dir vor, die Deutschen lassen ihre verstorbenen Verwandten alleine von wildfremden Leuten zum Friedhof fahren!"
Und auf den Friedhöfen sieht es nicht weniger erbärmlich aus. Grabpflege über das Jahr hinweg, erhaltene Grabdenkmäler/Kreuze sind eher die Seltenheit.
Genauso finden es Russen einfach undenkbar, dass deutsche Gräber nach 15 Jahren eingeebnet werden - für sie ist es natürlicher, dass ein Grab irgendwann verwildert. Und in der Tat, wenn man das Wort "Totenruhe" ernst nimmt, ist die russische Sicht eigentlich viel logischer. (Und Platz für neue Friedhöfe haben sie ja, im Gegensatz zu Deutschland.)
Die Leichenhalle gehört zu einer Klinik und ist in einem schlimmen Zustand.
Die Leichenhalle muss in Russland auch nicht schön aussehen. Dort wird der Leichnam nur geschminkt, dann wird er zu Hause aufgebahrt. Für Russen wäre es undenkbar, von der Verwandtschaft in irgendeiner anonymen Halle Abschied zu nehmen, und sei sie noch so schick!
"Angeliefert" werden die Toten in grauen Lieferwagen.
Nun, das ist in Deutschland nicht anders - Bestattung ist ein Business, ob nun mit grauen oder schwarzen Autos.
bauplan
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Re: Bestattungsritus der russ.-othod. Kirche

Beitrag von bauplan »

Zejtnot hat geschrieben:Simone, Du bist in Russland zu Gast ... und da sollte man vielleicht etwas respekt vor den Ansichten der anderen Kultur haben.
Da kann ich Zejtnot nur ausdrücklich Recht geben. Ich habe in Russland schon einige Beerdigungen mitgemacht.
Freunde und Familienangehörige.
Und in Deutschland, da auch Freunde und Familienangehörige.

Während ich in D eher das Gefühl habe, bloß schnell weg mit der Leiche, bloß nicht auseinandersetzen mit dem Tod, kurzum, Firma beauftragen, die machen das dann schon alles, ein paar Tage später noch zum Friedhof mit Kirche vorher und das wars dann.

In Russland hatte ich immer das Gefühl auch wirklich Abschied zu nehmen. Dadurch, das die Toten eben oft auch noch zu Hause aufgebahrt werden, dass man die Toten selber waschen kann usw. usw. In Russland konnte man sich viel Zeit nehmen um Abschied zu nehmen und ein Auseinandersetzen mit dem Tod fällt einem, meiner Meinung nach, jedenfalls viel leichter.

Die Friedhöfe, die ich in Deutschland und Russland kenne sind natürlich unterschiedlich.

In D gut organisiert, mit Friedhofsordnung und Vorgaben, wie alles sein muss und eben nach einiger Zeit eingeebnet. ( Meine Großeltern sind schon verschwunden ).

Hier bei uns in Tarusa ist es ein schöner alter verwunschener Friedhof. Manchmal verwildert und zugewachsen, dann wieder frisch und gepflegt, wo gerade einer beerdigt ist. Ich gehe dort oft spazieren, weil es etwas mystisches an sich hat und man jedes Mal wieder was neues findet.

In D, habe ich eher das Gefühl, ich gehe durch einen Messeparkplatz mit Grabsteinen. Noch schlimmer ist da nur noch Arlington in Virginia.

Leider glaube ich nicht an ein Leben nach dem Tode, aber sollte es eines geben, dann möchte ich es lieber in Tarusa auf dem Friedhof erleben, als in Deutschland.
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Sibirier
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Re: Bestattungsritus der russ.-othod. Kirche

Beitrag von Sibirier »

Wenn ich das hier lese, fällt mir ein Witz ein:

Ein Deutscher und ein Chinese gehen auf dem Friedhof. Der Deutsche legt Blumen auf das Grab, der Chinese ein Schüssel mit Reis. Fragt der Deutsche, wann glauben Sie, wann der Reis von ihrem Toten gegessen wird? Antwort: Zu der gleichen Zeit wie ihr Tote an den Blumen riechen wird......

Daher bin ich wie Zejtnot und Bauplan der gleichen Meinung. Man sollte die Kulturen/Glauben akzeptieren. Das Gleiche erbitte ich auch von mir.

Als wir unser Haus gekauft haben, fanden wir auch ein Kreuz auf der Fensterbank liegen. Meine Frau sagte mir sofort, nicht wegnehmen. Dies kommt wohl von der Trauerfeier des Vor-Vorbesitzers. Dies müsste ein Priester entfernen. Sie hat dann sich mit der Kirche in der Verbindung gesetzt und es kam ein Priester (ich war leider zu der Zeit auf der Arbeit), der es dann entfernt hat. Ich akzeptiere halt diesen Glauben.

Betreffend den Friedhöfen finde ich es einfach schade in Russland, das so viel gestohlen wird. Sonst glaube ich, würden die Gräber viel schöner aussehen. Aber ich glaube, jeder von uns würde nach 2 oder 3 Versuchen, schöne Blumen zu pflanzen (die anschließend dann gestohlen werden) es aufgeben....

Was ist denn in DE Mode? Die Gräber selbst zu pflegen? Das ist doch schon lange nicht mehr. Die Kinder setzen sich zusammen und beauftragen einen Landschaftsgärtner mit der Pflege und gehen selbst evtl. 2-3 im Jahr hin bei gewissen Feiertagen. Wer schon mal an einem Volkstrauertag bzw. Totensonntag auf dem Friedhof in DE war, der weiß wieviel Leute sich selbst noch um die Gräber bemühen....

Ich persönlich finde es gut, wenn die näheren Anverwandten Ostersonntag auf den Friedhof gehen und dort sogar speisen/trinken. Ich glaube zwar nicht, dass es dem Toten etwas nützt, aber so halten die Anverwandten den Toten noch in Erinnerung und es werden "alte" Begebenheiten ausgetauscht.

Das ist besser, als eine Luschkov-Statue auf dem roten Platz ;) Denn wenn man überlegt, wieviele Statuen -auch in DE- in den Städten/Museen von "Ehrenbürgern" aufgestellt werden und werden die außer von Reiseführern beachtet?
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....
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Re: Bestattungsritus der russ.-othod. Kirche

Beitrag von arghmage »

bauplan hat geschrieben: Während ich in D eher das Gefühl habe, bloß schnell weg mit der Leiche, bloß nicht auseinandersetzen mit dem Tod, kurzum, Firma beauftragen, die machen das dann schon alles, ein paar Tage später noch zum Friedhof mit Kirche vorher und das wars dann.

In Russland hatte ich immer das Gefühl auch wirklich Abschied zu nehmen. Dadurch, das die Toten eben oft auch noch zu Hause aufgebahrt werden, dass man die Toten selber waschen kann usw. usw. In Russland konnte man sich viel Zeit nehmen um Abschied zu nehmen und ein Auseinandersetzen mit dem Tod fällt einem, meiner Meinung nach, jedenfalls viel leichter.
Also ich hatte dieses "schnell weg mit der Leiche"-gefühl auch in D nie. Kommt aber auch immer drauf an. Auf dem Land läuft es noch etwas anders. Ich denke zum Beispiel noch "gern" an manche Beerdigung zurück, weil es eben nicht schnell schnell war.
Aber es ist hier wirklich, wie so Vieles, zum Großteil eine ziemliche Kommerzsache geworden. Und die Kosten sind ja auch schon abartig hoch hier (aber da gibts ja, typisch deutsch, eine Versicherung...).
Und zu Hause aufbahren geht in D auch (bis zu 36h nach dem Tod), es wird halt nur kaum noch gemacht, das müssen aber letztendlich die Angehörigen entscheiden.
In D gut organisiert, mit Friedhofsordnung und Vorgaben, wie alles sein muss und eben nach einiger Zeit eingeebnet. ( Meine Großeltern sind schon verschwunden ).
Sogar meine Urgroßeltern "liegen" noch auf dem Friedhof. Anscheinend wird das in D auch unterschiedlich gehandhabt. Bei uns war die Ruhezeit 25 Jahre, man kann die aber immer wieder verlängern, so daß das Grab im Prinzip ewig bestehen bleibt.
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Sibirier
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Re: Bestattungsritus der russ.-othod. Kirche

Beitrag von Sibirier »

Ich kann mich noch erinnern, bei uns im Dorf in DE ist die ganze Verwandschaft noch hinterm Leichenwagen von Zuhause zur Friedhofskapelle hergangen....

Wird aber heute auch immer weniger gemacht....
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....
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Re: Bestattungsritus der russ.-othod. Kirche

Beitrag von Admix »

Zejtnot hat geschrieben:Simone, Du bist in Russland zu Gast ... und da sollte man vielleicht etwas respekt vor den Ansichten der anderen Kultur haben.
Versuchen, die kulturellen Gepflogenheiten zu akzeptieren sollte eigentlich der erste Schritt sein, wenn man sich dafür entscheidet in einem anderen Land zu leben. Auch wenn es nur zeitlich begrenzt und wegen der Knete ist.

Polemisch ausgedrückt - Integrationswille: mangelhaft?
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Simone
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Re: Bestattungsritus der russ.-othod. Kirche

Beitrag von Simone »

Admix hat geschrieben:
Zejtnot hat geschrieben:Simone, Du bist in Russland zu Gast ... und da sollte man vielleicht etwas respekt vor den Ansichten der anderen Kultur haben.
Versuchen, die kulturellen Gepflogenheiten zu akzeptieren sollte eigentlich der erste Schritt sein, wenn man sich dafür entscheidet in einem anderen Land zu leben. Auch wenn es nur zeitlich begrenzt und wegen der Knete ist.

Polemisch ausgedrückt - Integrationswille: mangelhaft?
Liebe Leute, lieber Zejtnot!

Erstens denke ich mal, herrscht in diesem Forum noch immer das Recht auf freie Meinungsäusserung. Und wenn ich eine andere Meinung zu diesem Thema habe, sollte man das auch respektieren. Man kann seine Argumente dagegen einwenden - aber bitte auf der Sachebene!! KULTURVOLLES Diskutieren und Argumentieren.

Zweitens, ich akzeptiere die russischen kulturellen Gepflogenheiten voll und ganz. Ich betrachte sie lediglich aus meiner Sicht. Das hat auch nichts mit mangelnden Respekt zu tun. (Nobert@ - Deine Sprüche bezüglich meiner Person -Stichwort: Integration- sind sehr unsachlich. Insbesondere in Deiner Rolle als Admin solltest Du hier sachlich auftreten.) Was in den privaten Räumen bezüglich der Abschiedszeremonie von statten geht, weiß ich von Freunden und das finde ich auch sehr gut - wenn man sich verabschiedet bzw. verabschieden kann. Aber der Eindruck, der in acht Jahren Beobachtungen von diesem Leichenhaus entstand, ist nun mal ein anderer. Und dies ist ganz sicher auch nicht im Sinne der Angehörigen und Trauernden.

Drittens: Von einigen wird hier ein Vergleich zwischen Deutschland und Russland dargestellt, der voller Klischees ist und eine ziemliche Schwarz-Weiss-Malerei. Erstmal eine rhetorische Frage: Wie wollt Ihr denn persönlich Eure nächsten Angehörigen in den Tod begleiten (wer stirbt schon schnell?) verabschieden und auf dem Friedhof regelmässig das Grab pflegen, wenn Ihr doch gar nicht in Deutschland lebt? In der Tat hat sich in Deutschland vieles geändert - Stichwort: anonyme Bestattung, Grabpflege durch Firmen, Zuwachs bei Kremierung anstatt Erdbestattung, etc. Die Ursachen sind oft Wegzug der Kinder vom Ort der Eltern, Armut (auch soziale), kein Zugang zur Religion, Desinteresse an Traditionen, etc. Aber die Klischees stimmen m.E. nicht, daß in Deutschland jeder Friedhof wie ein Mustergarten aussieht und die Verabschiedung unpersönlich/kalt etc geschieht. Auch muss man ein Grab nicht nach 15 Jahren schliessen. Es ist durchaus möglich (und jede Stadtverwaltung freut das), ein Grab 25 Jahre und länger zu behalten - auch kann man eine Grabstätte kaufen/pachten etc. Darüberhinaus hat die deutsche Hospizbewegung den Tod wieder mehr in die Gesellschaft gerückt und dort ist ein würdevoller Umgang mit dem Abschied quasi garantiert.

Die Verabschiedungsrituale in Deutschland sind auch total unterschiedlich und müssen überhaupt nicht anonym/steril sein, das hängt davon ab, wie man so etwas organisiert bzw. wie man das zu Lebzeiten vorbereitet (nicht jeder Tod kommt von heute auf morgen und letztlich muss diesen Weg jeder Mensch gehen). Das ist ein grundsätzliches Thema - der Tod wird von vielen Leuten aus ihrem Leben ausgeblendet und das Thema als unangenehm verdrängt. Die meisten Menschen (Deutsche/Russen etc) begegnen mir mit Kopfschütteln und manche sogar mit Gruseln, wenn ich ihnen erzähle, daß ich mir, egal, wo ich bin in der Welt sehr gerne Friedhöfe und sogar auch mal Bestattungen in Bali und Indien (das sind dort wahre Feste und man wird sogar dazu animiert beizuwohnen) anschaue.

Generell glaube ich auch, daß es, ähnlich wie in Deutschland, auch hier einen grossen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt.

Und um mal ein wenig den "Bierernst" aus dem Thema rauszunehmen noch ein Link (lohnt sich, mal reinzugucken): http://www.todesanzeigensammlung.de/
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Re: Bestattungsritus der russ.-othod. Kirche

Beitrag von arghmage »

Simone hat geschrieben:Und um mal ein wenig den "Bierernst" aus dem Thema rauszunehmen noch ein Link (lohnt sich, mal reinzugucken): http://www.todesanzeigensammlung.de/
Dazu fällt mir sofort dieses nette Büchlein ein, ist auch lesenswert
http://www.amazon.de/Aus-die-Maus-Ungew ... 3462041576
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Zejtnot
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Re: Bestattungsritus der russ.-othod. Kirche

Beitrag von Zejtnot »

Simone hat geschrieben:Nobert@ - Deine Sprüche bezüglich meiner Person -Stichwort: Integration- sind sehr unsachlich.
Ich finde das Wort "Integration" nicht in meinem Posting. Nur das Wort "Respekt".

Ich bleibe auch bei meiner Meinung, dass Dein Posting genau jene Schwarzmalerei war, welche Du mir vorwirfst. Wenn Du es vielleicht bemerkt hast - ich hatte einfach Deinen Beitrag genommen und 1:1 die russische Meinung dazu hingeschrieben. Also Schwarz mit Schwarz verglichen. Insofern kann ich Deine Antwort nur als Eigenkritik werten.

Natürlich gibt es stets Schattierungen und nicht nur Schwarz und Weiß. Dies sprichst Du in Deinem Posting jedoch der russischen Kultur ab. Zitat: "Die Bestattungs- und Friedhofskultur [...] ist in meinen Augen echt krass". Diesem möchte ich widersprechen, denn auch mir sei die Meinungsfreiheit erlaubt.

Wenn Dir andere Nutzer und Administratoren fehlenden Integrationswillen vorwerfen, dann bin ich daran nicht Schuld. Es zeigt aber, dass Dein Posting scheinbar nicht nur mich bitter aufgestoßen hat.
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bella_b33
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Re: Bestattungsritus der russ.-othod. Kirche

Beitrag von bella_b33 »

Admix hat geschrieben:Integrationswille: mangelhaft?
DAS schießt mir immer durch den Kopf, wenn ich mich in einer Verkehrskontrolle wieder einmal taub stelle und sage, daß ich nicht sooo viel Russisch verstehe, wie der Beamte mir gerne mitteilen möchte! Da regt sich nochmal Einer über die "langfrisigen Gäste aus anderen Ländern" in DE auf :lol:
Wer sein Gewicht halten will, der muss auch mal grillen wenn er keinen Hunger hat!
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