Gunnar hat geschrieben:Es ist richtig, dass das eine Zusammenfassung ist. Sie enthält allerdings bereits schlagwortartig die maßgeblichen Kritikpunkte.
Nun, ich nehme mir natuerlich die Zeit, einen Text zu lesen, bevor ich auf ihn antworte. Ist auch hier natuerlich geschehen. Und es ist nunmal so, dass der eigentliche Jahresbericht von HRW eben an anderen Stellen detailliert zu Russland und den USA Stellung bezieht. Zum Inhalt will ich mich nicht wiederholen, Du hast es inzwischen sicherlich selbst gelesen.
Der USA Bericht ist mir in diesem Zusammenhang dabei ziemlich unwichtig, da es weder eine Gleichheit im Unrecht gibt noch die USA Gegenstand dieses Forums oder Threads ist.
Nun, wenn man, wie geschehen, den Russen das moralische Recht absprechen will, einen eigenen Menschenrechtsbericht vorzulegen, den Amerikanern aber nicht, dann kann es nicht unwichtig sein, auch zu pruefen, was die von Dir selbst als kompetent angesehenen Organisationen ueber die Situation in BEIDEN Laendern geschrieben haben. Und wenn Du, voellig richtig, auch den HRW-Bericht hierfuer heranziehst, dann musst Du ihn schon insgesamt erstmal so nehmen, wie er ist, und nicht nur einen einzigen Dir (auch nur einigermassen

) passenden Absatz herauspicken. Eine ganz andere Frage ist, ob man sich der Meinung von HRW anschliessen will; meine Zweifel hierzu habe ich ja schon angedeutet.
Dabei ist die Gesellschaft letztlich nur so gut wie der Schutz ihrer Minderheiten.
Nun HRW zeigte doch gerade auf, dass in den USA die Rechte sogar sehr grossser Minderheiten systematisch verletzt worden sind, beschraenkt sich bei Russland dagegen auf Einzelfaelle. Ob das gerechtfertigt ist oder nicht, ist eine andere Frage, ich meine, nicht.
Fuer Regierungen ist es wohl doch sehr bequem, sich auf die Verteidigung der Rechte von mikroskopischen Minderheiten zu konzentrieren. Dieser Aktivismus kostet nichts und lenkt von den Verletzungen der Rechte grosser Teile der Bevoelkerung ab.
Das ist doch wohl in allen "demokratischen" Laendern aehnlich. Auch in Russland, natuerlich. Das praegnanteste Beispiel: Die wilden 90er Jahre. Eine einzige gigantische Verletzung von Menschenrechten des ueberwiegenden Teils der russischen Bevoelkerung durch eine verbrecherische Bande aus Oligarchen und korrupten Spitzenbeamten. Wie gewissenlos einige jetzt hochgeachtete "Menschenrechtler" und "Geschaeftsleute" da das russische Volk bestohlen haben, konnte jeder, der wollte, jetzt in dem gerichtlichen Streit zwischen Beresowski und Abramowitsch um einen (geringen Anteil) der Beute wieder hoeren. Und nach 2000, schon unter Putin, erklaert man aus pragmatischen Gruenden kurzerhand den ueberwiegenden Teil dieser in den 90ern erfolgten Verbrechen fuer verjaehrt; doch wohl wieder ein gigantischer Verstoss gegen die Menschenrechte grosser Teile des russischen Volkes!?
Gewiss, die von Dir erwaehnten Verletzungen der Menschenrechte von Minderheiten gab es und gibt es. Man unternimmt freilich etwas, um sie zu beseitigen, schon aus taktischen Gruenden, wie oben aufgezeigt. Aber das eigentliche Problem liegt nicht dort.
Weder in Russland noch sonstwo, scheint mir.