Wer entdeckte schon die Krim?

Das Politische Forum ist nur für "Debattanten" und Gäste sichtbar. Wer mitdiskutieren möchte, der muss sich der Gruppe der Debattanten anschließen. Eine Mitgliedschaft kann per PN an die Administratoren beantragt werden.
Benutzeravatar
Jenenser
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1039
Registriert: 29 Sep 2011, 16:16
Wohnort: Jena

Wer entdeckte schon die Krim?

Beitrag von Jenenser »

Im Mai 2003 reiste ich erstmalig mit einem Visa der Ukraine auf die Halbinsel Krim.
Am Wochenende fand ich noch einige Papierbilder und Reiseerinnerungen...

Auf dem Nachimov Platz in Sewastopol und auf dem Sapun Berg etwas außerhalb der Stadt fanden Kranzniederlegungen anlässlich der Befreiung der Krim im Jahre 1944 satt. Die Kranzschleifen trugen die seit Anfang der 1990er Jahre gültigen Farben der Ukraine, blau und gelb und das weiß-blau-rot der russischen Trikolore.
Beide, nun unabhängige Staaten, gedachten ihrer gemeinsamen jüngsten Geschichte in der Zeit der Sowjetunion. Zeitzeugen berichteten von ihren Erlebnissen.

Im Reiseführer „Die Krim entdecken“, Trescher Verlag 2002, kann man auf Seite 39 zur Aufteilung der einstigen sowjetischen Schwarzmeerflotte lesen:
„Die Verträge geben der Russischen Föderation das Recht auf dem Territorium der Ukraine (Sevastopol sowie der Luftwaffenstützpunkt Gvardejskoe bei Simferopol) bis zu 25.000 Soldaten, 132 gepanzerte Fahrzeuge und 22 Flugzeuge zu stationieren...“

Eine beachtliche Zahl, meine ich. Wer kann genauere Angaben zum Flottenabkommen machen? Ich kann im Netz nichts finden.

Die Beziehungen zwischen Ukrainern, Russen und Krimtataren untereinander auf der Halbinsel ist eine weitere interessante Gegebenheit und lohnt sich, zu diskutieren.

Unabhängig von Nationalität oder Staatsbürgerschaft ( es gibt noch weitere Volksgruppen auf der Halbinsel) fragten mich die Krimbewohner bei meinen folgenden Reisen, warum ist das Interesse in „Europa“ an der Krim so niedrig? Warum verbringen die „Europäer“ ihren Urlaub nicht bei uns auf der Krim? Ich gebe diese Fragen einfach mal weiter ans Forum...
«А ещё мир прекрасен потому, что можно путешествовать»
Benutzeravatar
Axel Henrich
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 5782
Registriert: 16 Aug 2004, 20:38
Wohnort: Gera - Thueringen / Rasskasowo - Tambowski Oblast

Re: Wer entdeckte schon die Krim?

Beitrag von Axel Henrich »

Jenenser hat geschrieben:„Die Verträge geben der Russischen Föderation das Recht auf dem Territorium der Ukraine (Sevastopol sowie der Luftwaffenstützpunkt Gvardejskoe bei Simferopol) bis zu 25.000 Soldaten, 132 gepanzerte Fahrzeuge und 22 Flugzeuge zu stationieren...“
... was ja in der jeweils gerade noetige Argumentation gerne mal verschwiegen wird ... ;)

-ah-
Benutzeravatar
fugen
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2138
Registriert: 04 Jan 2014, 13:45

Re: Wer entdeckte schon die Krim?

Beitrag von fugen »

Ich denke es hat mehrere Gründe.
Zum Einen wäre die Servicewüste "Russland". Ob das auf die Krim übertragbar ist kann ich nicht beurteilen, weil ich noch nie da war, könnte es mir aber gut vorstellen.
Zum Anderen wäre da die gute Arbeit der Medien, der Feind im Osten etc., zu erwähnen.
Benutzeravatar
Norbert
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 14555
Registriert: 30 Jun 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Wer entdeckte schon die Krim?

Beitrag von Norbert »

Ich war zweimal auf der Krim. Den Strand von Jalta fand ich wesentlich schöner als den Strand von Sochi. Das Hinterland rund um Bakchasarai fand ich traumhaft.

Negativ empfand ich, dass eine zeitlich mit mir anwesende Gruppe im Hotel vom Personal (Reinigungskräften) offensichtlich bestohlen wurden. Und das Thema Service-Wüste war zum Teil schon aktuell - ein wirklich zeitgemäßes Urlaubsziel kann einfach mehr bieten.
Andy
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 372
Registriert: 11 Jan 2007, 15:58
Wohnort: Sankt Petersburg

Re: Wer entdeckte schon die Krim?

Beitrag von Andy »

Ich nehme mal an, ein Reiseziel wird dann zum Ziel für Massentourismus, wenn die großen Reiseveranstalter dies für gut befinden und entsprechend anbieten.
Offensichtlich ist die Krim nicht so gut fuer Massentourismus.

Als Individualreise ist es für die meisten Europäer zu aufwendig (obwohl man in letzter Zeit kein Visum mehr brauchte), schwierig wegen der Sprache und zu unbekannt.

Die Verantwortlichen auf der Krim muessten selbst Initiative aufbringen, Werbung machen, sowie andere Reiselaender es ja auch professionell machen.

Tun sie aber nicht, da die Krim eine ziemlich unfaehige und korrupte Regionalregierung hatte und in Zukunft noch schlimmer haben wird (siehe Abchasien).

Uebrigens war ich mal 1980 in Yalta - da war's noch was sehr besonderes fuer uns Wessis ;)
Benutzeravatar
GIN
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2011
Registriert: 03 Mär 2009, 05:00
Wohnort: Am Mittelmeer

Re: Wer entdeckte schon die Krim?

Beitrag von GIN »

Schlechter Service, zu hohe Preise, zu teure Tickets, zu viel GAISTEn auf der Strasse und zu viele russische Touristen im Land.
Mir hat Yalta nicht gefallen, muss aber sagen das war in den 90er Jahren und es gab diese Kupone als Währung die meine Taschen verstopfte.
Tarasik
Grünschnabel
Beiträge: 14
Registriert: 04 Mär 2014, 01:49

Re: Wer entdeckte schon die Krim?

Beitrag von Tarasik »

Das Problem ist noch das Visum was du benötigst. Da ist für viele Europäer Spanien um einiges leichter zu erreichen.

Dazu glaube ich gibt es noch dieses schlechte Bild von Russland bei vielen. Das es keine wärme gäbe und sowas z.B was man halt alles bei einem Erholungsurlaub gerne hätte.
Kennt man ja z.B in den Filmen, egal wann und wo in Russland hauptsache es liegt haufenweise Schnee :D
Benutzeravatar
CSB_Wolf
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2626
Registriert: 26 Mär 2005, 00:06
Wohnort: Sued Deutschland - nicht Bayern und nicht mehr in Moskau bei meiner Frau. Das hat sich erledigt.
Kontaktdaten:

Re: Wer entdeckte schon die Krim?

Beitrag von CSB_Wolf »

Um noch mal ganz kurz auf Sochi zurück zu kommen, sehr viele Leute, auch jetzt nach der Olympiade, wissen mit dem Begriff "Sochi" gar nichts anzufangen und das man dort auch Urlaub machen kann, also in Deutschland ist das so. Mit der Krim ist das genau so :D Die Russische Sprache ist auch noch ein Problem, zumal dort sehr wenige Leute English sprechen. Was mich allerdings wundert, das in der Ukraine viele Leute Deutsch sprechen.

Gruss
wolf
Benutzeravatar
Sibirier
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 5784
Registriert: 24 Mär 2004, 17:25
Wohnort: Ermolino Kalushskaya Oblast

Re: Wer entdeckte schon die Krim?

Beitrag von Sibirier »

Es hängt natürlich auch von den Ai-Urlauben ab. Das bietet die Krim m. E. bisher nicht. Daher haben viele "Wessis" einfach die Angst, dass sie abgezockt werden....weil man die Sprache nicht kennt, andere Gesetze (obwohl die in der Türkei auch anders sind) und auch halt, dass viele Hotels nicht ihren eigenen Strandabschnitt haben....

Aber ich war noch nie da, möchte dort einfach mal hin, aber meine Frau ist bisher immer dagegen....Vielleicht organisiere ich demnächst dort mal ein Seminar für unsere Abteilung.... ;)
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....
Benutzeravatar
klaupe
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 2069
Registriert: 17 Mär 2014, 11:55
Wohnort: Europa, Вселенная
Kontaktdaten:

Re: Wer entdeckte schon die Krim?

Beitrag von klaupe »

GIN hat geschrieben:Schlechter Service, zu hohe Preise, zu teure Tickets, zu viel GAISTEn auf der Strasse und zu viele russische Touristen im Land.
Nach meiner Information waren es ca. 80 % ukrainische Staatsbürger.
Ansonsten kann ich mich mit dem postsowjetischen Charme der Tourismuseinrichtungen nicht anfreunden. Historie ist ja manchmal ganz schön, aber in Maßen und dann sollte man auch die Einrichtungen besser restaurieren und technisch dem aktuellen Standard anpassen.
Ich denke da gerade mal an die Pracht in Karlsbad, die auch ein sehr "sowjet-nostalgisches" Erbe hatte.
Als professioneller Touristiker (i.R.) sieht man die Probleme weitaus deutlicher, weil man sich hinterher mit den Beschwerden der Reisenden auseinandersetzen muss. Da muss man die Prospekte so gestalten, dass es bei diesem "Abenteuerurlaub" keine einklagbaren Reklamationen mehr geben kann.
Dann überlässt man das Feld lieber den Individual- und Nostalgietouristen, die auf eigene Faust reisen und sich vor Ort mit den "Überraschungen" auseinandersetzen.
Tarasik hat geschrieben:Das Problem ist noch das Visum was du benötigst. Da ist für viele Europäer Spanien um einiges leichter zu erreichen.
Bisher gab es das doch nicht. Ich reiste ohne Visum. Aber nun ist es visapflichtiges Russland und vermutlich noch weitaus "abenteuerlicher" als bis zum letzten Jahr.
Sibirier hat geschrieben:Es hängt natürlich auch von den Ai-Urlauben ab. Das bietet die Krim m. E. bisher nicht. Daher haben viele "Wessis" einfach die Angst, dass sie abgezockt werden....weil man die Sprache nicht kennt, andere Gesetze (obwohl die in der Türkei auch anders sind) und auch halt, dass viele Hotels nicht ihren eigenen Strandabschnitt haben....
Auch andere Länder haben das mit ähnlichen Voraussetzungen geschafft, wie z.B. Bulgarien, Rumänien. Da ist zwar auch nicht alles perfekt, aber der Preis stimmt und man hat auch da gut Deutsch gelernt, wo es was zu verdienen gibt.
Zudem ist es für die Veranstalter ein enormes Problem, dort Verträge auszuhandeln, die zuverlässig eingehalten werden. Letztendlich haftet der (deutsche) Veranstalter und das dann wieder vor Ort einzuklagen ist nahezu unmöglich.

Aber ich denke mal, das wird ein Thema für die ferne Zukunft. Vorerst dürfte 'Tourismus' auf der Krim keine Rolle mehr spielen.
Antworten

Zurück zu „Politisches Forum“