NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

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klaupe
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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von klaupe »

weltenbummler hat geschrieben:Für mich als "Wessi" war das ganze ziemlich beeindruckend. Es war wirklich eine große, fröhliche Veranstaltung. Es schien ein beliebter Sonntagsausflug für die ganze Familie zu sein.
Ich habe so was mal in Prag erlebt, allerdings total unverkrampft und Uniformen, Fahnen und Siegeszeichen etc. sah man kaum.
Ich kenne nur die traurigen Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag. Gut, wir haben den Krieg verloren, die Sowjetunion hat ihn gewonnen, klar das die sich anders erinnern...
Früher war es der "Heldengedenktag", aber nun erinnert man sich auch, dass viele ihr Leben lassen mussten, auch wenn sie nicht unter deutscher Fahne umkamen. Ich denke, das ist angemessen.
Es ist schon kurios, aber hier gibt es einen sowjetischen Soldatenfriedhof, der von der benachbarten Bundeswehrgarnison ehrenamtlich betreut und gepflegt wird. Russen sieht man dort extrem selten und bevor sich die Bundeswehr darum kümmerte, war es der total vergammelte Schandfleck im Ort.
Das ist, meiner Meinung nach so, als würde man mit einem Hitlerbild durch Polen marschieren und die Menge am Straßenland würd laut "Hurra!" schreien.
Hier haben Russen kein Problem damit, Verbrecher zu ehren. Das war ja der große Befreier. Da zählen nicht einmal die vielen Millionen Zivilisten, die er auf dem Gewissen hat (falls er überhaupt Gewissen hatte). Die Todesopfer, die Lehnin & Co. zu verantworten hat, scheinen sein Heldenbild nur zu fördern.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
daveg

Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von daveg »

Ist hier eigentlich je jemanden in den Sinn gekommen mal Propaganda links liegen zu lassen und sich ein Bild vor Ort in Russland zu machen. Ich meine nicht Moskau oder SPB, sondern die ganzen Provinznester drum herum.

Bin beruflich nahezu wöchentlich unterwegs und besichtige Industriebetriebe und Produktionsstätten jeglicher Art und rede mit den dort angestellten Ingenieuren und darf bei all diesen Reisen die russ. Infrastruktur geniessen. War gerade mit einem Kollegen aus Japan und D unterwegs und ein Fazit des dt. Kollegen war ganz einfach: vor Russland muss man eigentlich keine Angst haben, nur Verzweifelingstaten eines sterbenden Staates muss man befürchten.

Industriebtriebe mit Zehntausenden Arbeitern, auf dem Stand der 70er, Strassen welche die Bezeichnung als solche nicht verdienen, Dreck und Müll wo man hinschaut, junge Menschen die eigentlich nur noch weg wollen, Kliniken in welche man seinen Hund nicht bringen würde.

Zur vor mehreren Seiten erwähnten Militärtechnik: ohne Teile aus dem Westen, würde hier kein Jet mehr aufsteigen, kein Helicopter mehr fliegen und kein Panzer geradeaus schiessen.

Leider, leider ist es so!! Würde mir auch eine prosperierende Wirtschaft wünschen, mit modernen Anlagen und ausgebildeten Ingenieuren - denn dann könnte ich auch Geschäft machen!
kamensky
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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von kamensky »

daveg hat geschrieben:Leider, leider ist es so!! Würde mir auch eine prosperierende Wirtschaft wünschen, mit modernen Anlagen und ausgebildeten Ingenieuren - denn dann könnte ich auch Geschäft machen!
Habe ich schon so oft erwähnt, doch in RU nennt man es nicht "Back to the future" sondern "Downtime in the endless past" !
Zuletzt geändert von Zejtnot am 14 Apr 2014, 06:42, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitat gekürzt
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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von Berlino10 »

naja, das ist doch wie Glas halbleer oder halbvoll,
wir schauen darauf, was im Vergleich zu uns fehlt ...
viele Russen schauen drauf, was sich verbessert hat in den letzten Jahren .. finanziell für sehr viele einiges ...

Dörfersterben gibt es auch bei uns bzw im Osten ...
die Wirtschaft ist wohl tatsächlich jenseits von Gut und Böse ...
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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von StefanS »

Berlino10 hat geschrieben:naja, das ist doch wie Glas halbleer oder halbvoll,
wir schauen darauf, was im Vergleich zu uns fehlt ...
viele Russen schauen drauf, was sich verbessert hat in den letzten Jahren .. finanziell für sehr viele einiges ...

Dörfersterben gibt es auch bei uns bzw im Osten ...
die Wirtschaft ist wohl tatsächlich jenseits von Gut und Böse ...
Sehr richtig!

Hier bei uns im Dorf gab es ein Hallenbad, das jetzt abgerissen wird. Aus der Grund- und Hauptschule wurde nur noch eine Grundschule.... Hier geht es bergab, auch mit der Einwohnerzahl. Und das in Bayern, nicht nur in der Ex-DDR.

Es ist unredlich, die Politik früherer Zeiten in Russland Putin anlasten zu wollen. Auch für die Weltlage mit ihrem Übergewicht der USA und den sich daraus ergebenden (wirtschaftlichen) Nachteilen für US-kritische Staaten kann er nichts!
Dem massiven Druck aus dem Westen überhaupt standgehalten zu haben, wäre schon allein eine Leistung und dann noch wirtschaftliche Erfolge aufzuweisen ist einfach nur super!
daveg

Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von daveg »

Nicht Dörfer, sondern Städte und ganze Landesteile sind mitsamt Industrie und Infrastruktur auf 70er - 80er Jahreniveau. Der Müll wird an den Strassenrand gekippt, das Durchschnittseinkommen liegt bei 200-300 EUR, die Preise jedoch steigen, medizinische Versorgung sinkt.

Bin jetzt 8 Jahre insgesamt hier und nach einem starken Aufwärtstrend in 2006 u. 2007 geht es nur noch steil bergab. Und wem, wenn nicht Putin (welcher inzwischen 16 Jahre Zeit hatte aufzuräumen) muss man in dieser extrem präsidial-lastigen Demokratie denn vorwerfen, dass extrem teure Prestigeprojekte einer Modernisierung des Landes vorgezogen werden? Oder das die Korruption nach wie vor an allen Ecken und Enden blüht?

Schaut doch mal nach Indien oder Brasilien (BRIC Partner, China lassen wir ganz außen vor, da kommt Ru eh nicht ran). Sicher haben auch die mehr wie genug Probleme, aber trotzdem schaffen die Wachstum!! Wieso?? Wegen dem bösen Westen oder der USA, welche hier selbst für das schlechte Wetter verantwortlich gemacht werden??

NEIN - Vetternwirtschaft, Selbstbereicherung, falsche (bzw nicht wirklich vorhandene) Wirtschaftspolitik und vieles mehr hausgemachte sind schuld! Merkel, Obama und Co. kann man ja wohl kaum anlasten, dass das Land noch immer am Öl und am Gas hängt. Bleiben die ausländischen Investitionen (vor allem Anlageinvestitionen) aus, kann Herr Putin den Laden zu machen.
Wer es nicht glauben will empfehle ich mal die großen russ. Industriebetriebe zu besuchen, Uralvagonzavod, Uralskaya Stal, Kirov Zavod, NLMK, OMK, GAZ, KAMAZ, AvtoVAZ, die Werften in SPB usw. - allesamt hoffnungslos veraltet, und die Unternehmensteile die einigermaßen gehen, verdanken dies ausländischen Investionen, JV`s usw.
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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von kamensky »

Berlino10 hat geschrieben:naja, das ist doch wie Glas halbleer oder halbvoll,
wir schauen darauf, was im Vergleich zu uns fehlt ...
viele Russen schauen drauf, was sich verbessert hat in den letzten Jahren .. finanziell für sehr viele einiges ...

Dörfersterben gibt es auch bei uns bzw im Osten ...
die Wirtschaft ist wohl tatsächlich jenseits von Gut und Böse ...
Was nützen mir finanzielle Verbesserungen, wenn ich A: für Import- und Qualitätsprodukte mehr ausgeben muss? B: Wen ich mit meinem gesundheitlichen Anliegen in eine Privatklinik gehen muss und die Konsultationen dann selbst berappen muss? Ob die finanzielle Verbesserung kostenbereinigt sich wirklich so viel verbessert hat, wage ich zu bezweifeln, dies bestätigt mitunter auch, wieviel Sparkapital pro Kopf der Russe auf der hohen Kante hat. Nicht zu vergessen die ca. 25%ige Abwertung des Rubels innerhalb von einem Jahr.
daveg hat geschrieben:Wer es nicht glauben will empfehle ich mal die großen russ. Industriebetriebe zu besuchen, Uralvagonzavod, Uralskaya Stal, Kirov Zavod, NLMK, OMK, GAZ, KAMAZ, AvtoVAZ, die Werften in SPB usw. - allesamt hoffnungslos veraltet, und die Unternehmensteile die einigermaßen gehen, verdanken dies ausländischen Investionen, JV`s usw.
Kann Ihre Meinung Teils desolaten Industriebetriebe unterstützen, denn einige von Ihnen aufgezählte habe ich schon selbst gesehen.

Kleines Bsp. War vor gut einer Stunde kurz auf dem Bahnhof um die Mutter meiner LP abzuholen. Da ich um einige Minuten zu früh am Bahnsteig war, beobachtete ich, wie sich eine ca. 70 - 75 jährige Frau von ca. 1.60 m Grüsse mühsam in einen Wagon kletterte. 3 Taschen hatte sie bei sich. Natürlich habe ich ihr geholfen, doch jeder kennt das russisch hochbeinige Rollmaterial, welches für ältere und möglicherweise gesundheitlich angeschlagene Leute zu einer wahren Tortur wird. Eigentlich beschämend für die 4 grösste Stadt und WM-Ausstragungsort der Fussball WM 2018. Von Bahnsteig anheben, oder Trasseabsenkung keine Ahnung. Das sind die Top Ingenieure Russlands. Das ist eben Russland "Gegen Aussen fix, doch Innen nix"!
Zuletzt geändert von Zejtnot am 14 Apr 2014, 06:45, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Postings zusammengeführt, Zitate gekürzt
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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von klaupe »

daveg hat geschrieben: extrem präsidial-lastigen ...
Korrekturvorschlag: präsidial-lästigen :)

Man kann sich eigentlich nur wundern, dass bei manchen Produktionsanlagen überhaupt etwas Brauchbares hinten herauskommt.
Das spricht natürlich für den Gleichmut, das Improvisationstalent, Fleiß und Robustheit der russischen Werktätigen. Andererseits wird die Wertschöpfung/Arbeitnehmer das Niveau einiger Schwellenländer noch lange nicht erreichen.
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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von kamensky »

StefanS hat geschrieben:
Berlino10 hat geschrieben:Dörfersterben gibt es auch bei uns bzw im Osten ...
Hier bei uns im Dorf gab es ein Hallenbad, das jetzt abgerissen wird. Aus der Grund- und Hauptschule wurde nur noch eine Grundschule.... Hier geht es bergab, auch mit der Einwohnerzahl. Und das in Bayern, nicht nur in der Ex-DDR.
Betreffend Dörfersterben in RU. Mit Garntie sind im Verhältnis in D nicht so viele Dörfer verschwunden wie in RU. Ist zwar ein wenig ein älterer Text, doch bezieht er sich lediglich auf ein Jahr mit der beachtlichen Zahl von 3000 Ortschaften, doch dürften es in den darauffolgenden Jahren sicherlich nicht weniger gewesen sein.

http://de.ria.ru/opinion/20110718/259806025.html

Wie könnte die Regierung den diesem entgegenwirken? Ganz klar, indem man die ländlichen Regionen wirtschaftlich vorantreibt, sprich in die Infrastruktur investiert, aber wie denn, wenn selbst bei Millionenstädten der gewünschte Erfolg nicht erzielt wird, oder teilweise ganz ausbleibt. "Geld futsch und ausser Spesen Nichts gewesen". Das sind die Top Leute des Kasperletheaters im Kreml zu Moskau!
Zuletzt geändert von Zejtnot am 14 Apr 2014, 06:46, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitat gekürzt
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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von klaupe »

kamensky hat geschrieben:Betreffend Dörfersterben in RU. Mit Garntie sind im Verhältnis in D nicht so viele Dörfer verschwunden wie in RU
Vergleichsweise wenige, eher leben die Dörfer auf als bevorzugte Wohngebiete.
Ja, ca. 250 bis 300 Ortschaften wurden platt gemacht für den Braunkohlen-Tagebau. Viele sind an anderer Stelle neu entstanden. (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_abge ... rtschaften)
Wie könnte die Regierung den diesem entgegenwirken? Ganz klar, indem man die ländlichen Regionen wirtschaftlich vorantreibt, sprich in die Infrastruktur investiert,
In Russland ist das schwierig, während hier fast jedes Kuhkaff verkehrstechnisch und an die Versorgung angeschlossen ist.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
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