Gunnar hat geschrieben:
Ich denke schon, dass dieses zentralistische Etwas von Dir beschworen wird. Gerade hier im vorstehenden Zitat von Dir versteckst Du diese Haltung zwar irgendwie in der Passivsatzkonstruktion, indem Du die Handlung betonst und bewusst offen lässt, wer diese Handlungen begehen soll ("sie werden systemisch befördert" --> von wem? oder "durch die Einbindung"--> durch wen?). So wie Du das formulierst deutest Du versteckt auf einen Zentralismus, auf eine verborgene, alle Fäden in der Hand haltende unbekannte Macht hin. Und das ist Verschwörungstheorie. Schon mal darüber nachgedacht, dass Du selbst oder Deine Oma das gierige Finanzsystem bzw. eine Teil davon bist?
Meine Oma war es nie ... die hat immer stets altruistisch gehandelt ... ja natürlich sind wir alle Teil des Systems. Der
homo oeconomicus ist ja auch an sich nichts Schlechtes, im Gegenteil, dadurch dass jeder versucht, sein persönliches Optimum zu erzielen, wird die Voraussetzung für die
Pareto-Optimierung, das gesamt-gesellschaftliche Optimum, maximaler Wohlstand für alle geschaffen. Es ist ja zigfach belegt, dass das dezentrale, persönliche Streben (Gier, Eigennutz) den Gesamt-Kuchen im Kapitalismus grösser werden lässt als in anderen Alternativen.
Es ist ja nur zu beklagen, dass das
System derart aus den Fugen geraten ist, dass das Wohl viel zu vieler Menschen beschnitten wird, zugunsten weniger. Und das ist keine "Erfindung" einer zentralen Macht, sondern Folge einer Entwicklung, bzw. ihrer mangelnden politischen Beherrschung. So hat es keine nationale Regierung der Welt geschafft, die Folgen der Globalisierung oder das Wachsen des Internationalen Finanzmarktes auch nur ansatzweise volksverträglich zu managen. Der Ausgleich der Mächte ist aus den Fugen geraten.
Früher gab es die offene politische Auseinandersetzung verschiedener Lösungsansätze, den realwirtschaftlichen Verteilungskampf zwischen Gewerkschaften und Unternehmensverbänden ... zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern .. regional, national ... es gab Zehntausende Unternehmen, sogar die Multinationalen Konzerne nur mit angepassten, nationalen Niederlassungen, nur schwach zentral gesteuert. Nicht selten diktierten - wie etwa in GB der 70er/80er - sogar überstarke Gewerkschaften die politischen Rahmen-Bedingungen .. nicht immer zum Wohle der Gesellschaft .. und der Thatcherismus folgte u.a. daraus.
Heute gibt es weder das Primat der (nationalen) Politik noch einen realwirtschaftlichen Machtausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Haben früher von Menschen geführte Unternehmen eine meist auch gesellschaftlich, verantwortliche Unternehmenspolitik im Wettbewerb mit gleichartiger auch ausländischer Konkurrenz geführt, so sind selbst grosse Unternehmen heute dem Diktat des Finanzsektors unterworfen. Meist gehören Unternehmen nicht mehr einzelnen Familien oder einem begrenzten Aktionärskreis, sondern Finanz-Konstruktionen ohne Verbindung zu den jeweiligen Unternehmen. Karstadt ist heute einer Heuschrecke unterworfen... Konnte Mercedes/BMW früher seine Mitarbeiter großzügig am Gewinn teilhaben lassen, so stehen selbst diese Konzerne heute im globalen Wettbewerb nicht mehr nur gegen Toyota, Lexus, ... sondern auch gegen die Renditen, die die Finanzinstitute erwirtschaften, und die durch politische Korruption künstlich hochgeschraubt wurden.
Der
Finanzsektor ist kein Markt i.e.S. - 147 Konzerne, ein fast exklusiver Club von Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen, kontrollieren die Welt, siehe u.a.
FR,
DIE WELT
Aber auch wenn es nur wenige sind, die die globalen Regeln, Bedingungen auch für die Nationale Politik diktieren, es ist keine "Zentrale Macht", keine Verschwörung der FED, von Juden oder Zigeunern, oder auch nur eines Landes, der USA, sondern eine weltweite Entwicklung, eine Fehl-Entwicklung, von eigennützigen, manchmal auch korrupten Eliten befördert ... getragen von journalistischen und politischen Eliten, die diesem System unterworfen sind, es stützen (müssen). Ein System, das zunehmend grösseren gesellschaftlichen Schaden anrichtet, in den einzelnen Ländern aber auch weltweit. Ein System, das die Nationalen Politiken vor sich hertreibt (Banken-Subventionierung, Umverteilung, schädliche Privatisierungen), das journalistischen Widerstand eindampft, das realwirtschaftliche Unternehmen zu unsozialen Renditen zwingt, das weltweit für Interventionismus sorgt, u.v.m.
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