Das böse System

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Gunnar
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Das böse System

Beitrag von Gunnar »

Lieber Berlino, als ich diesen Artikel las musste ich spontan an einige Deiner Beiträge denken:
http://www.zeit.de/kultur/2014-10/xavie ... chsbuerger

Naidoo und seine systemkritischen Freunde sind jedoch auf der Suche nach einem opaken Fixpunkt der Macht. Mit dem Psychoanalytiker Jacques Lacan gesprochen, kreist deren Denken um einen "Herrensignifikanten", der am Ende aller Signifikationsketten steht und somit die symbolische Ordnung strukturiert. Das ist dann wahlweise der Ami, der Jude oder irgendeine Notenbank. Dementsprechend stehen jene, die auf "Mahnwachen" und "Montagsdemonstrationen" gehen, in der Regel für das exakte Gegenteil von Systemkritik.
Aber so eine "Systemkritik", die dunklen Geheimmächten nachspürt, hat natürlich zwei unschlagbare Vorteile. Zum einen schrumpft die Welt mit einem Schlag auf die Größe einer Nussschale. Zum anderen funktioniert solch eine solipsistische Realitätsverweigerung ja in ihrer Logik immer als eine Art ideologische Selbsterhaltung. Wie alle Verschwörungstheorien lässt sie sich nämlich nicht widerlegen.
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Okonjima
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Re: Das böse System

Beitrag von Okonjima »

komisch das sowas ausgerechnet die "Zeit" schreibt.... [gaehn]
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Berlino10
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Re: Das böse System

Beitrag von Berlino10 »

Aber auch nur, weil du nur sehr begrenzt differenzieren und verstehen kannst.
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Dietrich
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Re: Das böse System

Beitrag von Dietrich »

Berlino10 hat geschrieben:Aber auch nur, weil du nur sehr begrenzt differenzieren und verstehen kannst.
Stimmt. Das fehlte in dem Artikel, dass diese "Systemkritiker" allen anderen vorweren, sie hätten einfach nicht den Durchblick, weil sie intellektuell minderbemittelt sind....
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Re: Das böse System

Beitrag von Berlino10 »

Aber, Gunnar, da du ein netter Mensch zu sein scheinst, will ich es Dir erklären. (Dietrich kann ja versuchen mitzulesen)
dass spätkapitalistische Demokratien zwar natürlich über machtpolitische Knotenpunkte verfügen, aber dennoch kein wirkliches Zentrum besitzen.
Dem stimme ich ausdrücklich zu, und das habe ich auch hier immer wieder geschrieben, dass es eine systematische und keine zentrale Macht ist, die für die Fehlentwicklungen sorgt, die auch der Autor beklagt:
Das ist natürlich umso bedauerlicher, wenn man bedenkt, dass tatsächliche Systemkritik heute dringlicher wäre denn je. Ungerechte Vermögensverteilung, inhumane Flüchtlingspolitik, voranschreitende Klimaerwärmung oder geheimdienstliche Totalüberwachung, das alles gäbe Anlass genug.
Niemand entwirft etwa zentral oder verschwörerisch die Finanzmacht oder die Propaganda-Lügen der Deutschen Medien, ... nein, sie werden systemisch befördert,
zum einen natürlich durch die Einbindung der Journalisten-Eliten in die NATO- und Transatlantischen Lobbyorganisationen,
zum anderen gehören die Medien transatlantischen Konzernen, die von Anzeigen transatlantischer Konzerne leben, ...
Das Propagandamodell ist das genaue Gegenteil einer Verschwörungstheorie, es ist erklärende Systemkritik.

Diese Art analytischer Systemkritik mit Leuten wie Naidoo oder irgendwelchen Montags-Esoterikern diskreditieren zu wollen, funktioniert nicht, Gunnar.
Und das macht NILS MARKWARDT auch gar nicht. Nur Du versuchst es.
Gunnar
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Re: Das böse System

Beitrag von Gunnar »

Berlino10 hat geschrieben:Aber, Gunnar, da du ein netter Mensch zu sein scheinst, will ich es Dir erklären.
na bitte, geht doch ;) :lol:
Niemand entwirft etwa zentral oder verschwörerisch die Finanzmacht oder die Propaganda-Lügen der Deutschen Medien, ... nein, sie werden systemisch befördert,
zum einen natürlich durch die Einbindung der Journalisten-Eliten in die NATO- und Transatlantischen Lobbyorganisationen,
zum anderen gehören die Medien transatlantischen Konzernen, die von Anzeigen transatlantischer Konzerne leben, ...
Ich denke schon, dass dieses zentralistische Etwas von Dir beschworen wird. Gerade hier im vorstehenden Zitat von Dir versteckst Du diese Haltung zwar irgendwie in der Passivsatzkonstruktion, indem Du die Handlung betonst und bewusst offen lässt, wer diese Handlungen begehen soll ("sie werden systemisch befördert" --> von wem? oder "durch die Einbindung"--> durch wen?). So wie Du das formulierst deutest Du versteckt auf einen Zentralismus, auf eine verborgene, alle Fäden in der Hand haltende unbekannte Macht hin. Und das ist Verschwörungstheorie. Schon mal darüber nachgedacht, dass Du selbst oder Deine Oma das gierige Finanzsystem bzw. eine Teil davon bist? Auch Dein Geld oder Deine Zahlungsansprüche oder die eines beliebigen Dritten sind über mehr oder weniger viele Umwege in solchen Unternehmen und dem "globalen Finanzsystem" verankert. Es gibt kein die-dort-und-ich-hier in der Realität, außer Du führst das Leben eines Einsiedlers. Natürlich gibt es erheblichen Bedarf der Regulierung, aber nicht etwa weil eine geheime Macht (hier im Forum fiel bei irgendwem sogar mal dieser widerliche Begriff vom Weltfinanzudentum oder so ähnlich, einer alte Hitler-Verschwörungs-Theorie die sich auch heute oft noch ungebrochener Beliebtheit erfreut) welche die Fäden wie bei einer Marionette in der Hand hält ('Marionette' ist wiederum eines Deiner Lieblingswörter), sondern weil die Selbstregulierung der Märkte nicht funktioniert und zu Exzessen führt. Man kann sich auf die Wirtschaftskybernetik schlichtweg nicht verlassen, das ist das Problem, nicht weil irgendwo irgendwelche bösen Menschen à la Dr. No die Weltmacht in der Hand halten.
Das Propagandamodell ist das genaue Gegenteil einer Verschwörungstheorie, es ist erklärende Systemkritik.
Diese Propagandamodel ist ein interessanter Denkansatz, keine Frage, aber auch hier werden klar irgendwelche einflussreichen, Einfluss ausübende und skruppellos wertfreie Strippenzieher im Hintergrund als Prämisse zugrundegelegt. Und diese ominöse Gruppe sehe ich nicht, jedenfalls nicht in dieser kategorischen Weise.

Diese Art analytischer Systemkritik mit Leuten wie Naidoo oder irgendwelchen Montags-Esoterikern diskreditieren zu wollen, funktioniert nicht, Gunnar.
Und das macht NILS MARKWARDT auch gar nicht. Nur Du versuchst es.
Ich versuche gar nix, ich sage nur, dass mich vieles beim Lesen an Deine Haltung erinnert hat. Ich darf mal wahllos einen Deiner markigen Sätze zitieren:
Wer nicht sehen kann oder will, dass die USA das Böse, Eigennützige in die Welt tragen und gebären, dem ist nicht zu helfen.
http://www.forum.aktuell.ru/viewtopic.p ... 31#p179031

Die USA, das Böse! Wo ist der Unterschied zu diesen Aluhuttheoretikern?
kamensky
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Re: Das böse System

Beitrag von kamensky »

@Berlino10

Ich erlaube mir einen Text von @Gunnar zweckentfremden "Schon mal darüber nachgedacht, dass Du selbst oder Deine Oma das gierige Finanzsystem bzw. eine Teil davon bist?"

Wie sieht es dann bei dir betreffend Gehalt, Honorar oder mit was immer du auch deinen Lebensunterhalt verdienst aus? Führst du da eine Liste, von wo und von wem dein Arbeitgeber die Aufträge erhält und checkst diese dann zuerst ab? Im krassen Fall, also wen dir der Auftraggeber zu suspekt erscheint gibst du bis zum Auftragsende Urlaubstage ein (natürlich unbezahlte), wenn dir der Auftraggeber in dein System deiner eigenen Theorie und Ansichten nicht passt, oder kündigst du nötigenfalls gar den AV auf?
ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.
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Re: Das böse System

Beitrag von Berlino10 »

Gunnar hat geschrieben: Ich denke schon, dass dieses zentralistische Etwas von Dir beschworen wird. Gerade hier im vorstehenden Zitat von Dir versteckst Du diese Haltung zwar irgendwie in der Passivsatzkonstruktion, indem Du die Handlung betonst und bewusst offen lässt, wer diese Handlungen begehen soll ("sie werden systemisch befördert" --> von wem? oder "durch die Einbindung"--> durch wen?). So wie Du das formulierst deutest Du versteckt auf einen Zentralismus, auf eine verborgene, alle Fäden in der Hand haltende unbekannte Macht hin. Und das ist Verschwörungstheorie. Schon mal darüber nachgedacht, dass Du selbst oder Deine Oma das gierige Finanzsystem bzw. eine Teil davon bist?
Meine Oma war es nie ... die hat immer stets altruistisch gehandelt ... ja natürlich sind wir alle Teil des Systems. Der homo oeconomicus ist ja auch an sich nichts Schlechtes, im Gegenteil, dadurch dass jeder versucht, sein persönliches Optimum zu erzielen, wird die Voraussetzung für die Pareto-Optimierung, das gesamt-gesellschaftliche Optimum, maximaler Wohlstand für alle geschaffen. Es ist ja zigfach belegt, dass das dezentrale, persönliche Streben (Gier, Eigennutz) den Gesamt-Kuchen im Kapitalismus grösser werden lässt als in anderen Alternativen.

Es ist ja nur zu beklagen, dass das System derart aus den Fugen geraten ist, dass das Wohl viel zu vieler Menschen beschnitten wird, zugunsten weniger. Und das ist keine "Erfindung" einer zentralen Macht, sondern Folge einer Entwicklung, bzw. ihrer mangelnden politischen Beherrschung. So hat es keine nationale Regierung der Welt geschafft, die Folgen der Globalisierung oder das Wachsen des Internationalen Finanzmarktes auch nur ansatzweise volksverträglich zu managen. Der Ausgleich der Mächte ist aus den Fugen geraten.

Früher gab es die offene politische Auseinandersetzung verschiedener Lösungsansätze, den realwirtschaftlichen Verteilungskampf zwischen Gewerkschaften und Unternehmensverbänden ... zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern .. regional, national ... es gab Zehntausende Unternehmen, sogar die Multinationalen Konzerne nur mit angepassten, nationalen Niederlassungen, nur schwach zentral gesteuert. Nicht selten diktierten - wie etwa in GB der 70er/80er - sogar überstarke Gewerkschaften die politischen Rahmen-Bedingungen .. nicht immer zum Wohle der Gesellschaft .. und der Thatcherismus folgte u.a. daraus.

Heute gibt es weder das Primat der (nationalen) Politik noch einen realwirtschaftlichen Machtausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Haben früher von Menschen geführte Unternehmen eine meist auch gesellschaftlich, verantwortliche Unternehmenspolitik im Wettbewerb mit gleichartiger auch ausländischer Konkurrenz geführt, so sind selbst grosse Unternehmen heute dem Diktat des Finanzsektors unterworfen. Meist gehören Unternehmen nicht mehr einzelnen Familien oder einem begrenzten Aktionärskreis, sondern Finanz-Konstruktionen ohne Verbindung zu den jeweiligen Unternehmen. Karstadt ist heute einer Heuschrecke unterworfen... Konnte Mercedes/BMW früher seine Mitarbeiter großzügig am Gewinn teilhaben lassen, so stehen selbst diese Konzerne heute im globalen Wettbewerb nicht mehr nur gegen Toyota, Lexus, ... sondern auch gegen die Renditen, die die Finanzinstitute erwirtschaften, und die durch politische Korruption künstlich hochgeschraubt wurden.

Der Finanzsektor ist kein Markt i.e.S. - 147 Konzerne, ein fast exklusiver Club von Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen, kontrollieren die Welt, siehe u.a. FR, DIE WELT

Bild

Aber auch wenn es nur wenige sind, die die globalen Regeln, Bedingungen auch für die Nationale Politik diktieren, es ist keine "Zentrale Macht", keine Verschwörung der FED, von Juden oder Zigeunern, oder auch nur eines Landes, der USA, sondern eine weltweite Entwicklung, eine Fehl-Entwicklung, von eigennützigen, manchmal auch korrupten Eliten befördert ... getragen von journalistischen und politischen Eliten, die diesem System unterworfen sind, es stützen (müssen). Ein System, das zunehmend grösseren gesellschaftlichen Schaden anrichtet, in den einzelnen Ländern aber auch weltweit. Ein System, das die Nationalen Politiken vor sich hertreibt (Banken-Subventionierung, Umverteilung, schädliche Privatisierungen), das journalistischen Widerstand eindampft, das realwirtschaftliche Unternehmen zu unsozialen Renditen zwingt, das weltweit für Interventionismus sorgt, u.v.m.

....
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Re: Das böse System

Beitrag von Gunnar »

zu diesem Beitrag kann ich mal (fast) uneingeschränkt zustimmen. Du beschreibst es hier so wie ich es im wesentlichen auch sehe.

Und nun die (Nobel-)Preisfrage: An welchen Schrauben kann und muss man sinnvoller und realistischer Weise drehen, um von dieser unschönen dezentralen Kettenreaktion wegzukommen ohne zugleich die Vorzüge des Marktprinzips aufzugeben?

Ein Ansatz aus meiner Sicht wäre, zu einer alten Bundesbankgeldpolitik zurückzukehren, bei der nur soviel neues Geld gedruckt wurde, wie tatsächlich auch Wirtschaftswachstum stattgefunden hatte. So hat das umlaufende Geld die vorhandene Wirtschaftskraft widergespiegelt. Gewinne wurden weniger mit Geldspekulation sondern mit Innovation und Produktivitätssteigerung verdient. Ob das heute realistisch ist? Keine Ahnung, ich bin leider kein Ökonom.
Berlino10
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Re: Das böse System

Beitrag von Berlino10 »

Ich fürchte, ich werden den Nobelpreis auch nicht bekommen.

Das Virtuelle Geld, das die Finanzhyänen mit staatlichen Duldungen im Überfluss "schaffen", ist in der Tat Gift,
es muss von den Menschen, Unternehmen dieser Welt dann erst einmal erarbeitet und abgeführt werden ...

Eine andere Geldpolitik wäre eine Maßnahme ... es gäbe noch viele mehr (EK-Bedingungen für Banken ähnlich USA, Trennbanken..)
die aber das Primat der Politik voraussetzten und wieder aufklärende, unabhängige statt Kapital-Medien ...
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