Griwna-Crash und Preissteigerungen in der Ukraine

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kamensky
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Re: Griwna-Crash und Preissteigerungen in der Ukraine

Beitrag von kamensky »

Berlino10 hat geschrieben:Süss, ... selbst dir sollte klar sein, dass eine wirtschaftliche Eroberung nicht erst mit einem politischen Ereignis beginnt, sondern dieses hervorruft, begünstigt, ausnutzt ... die Oligarchen der UKR wurden natürlich schon vorher eingebunden, sonst wäre ein Umsturz gegen ihre Macht in den Medien, in der Rada, ... gar nicht möglich gewesen ... die Kontrolle etwa über den grössten privaten Gasproduzenten der UKR, Burisma, (10%) ergab sich nicht erst durch die Übernahme der Leitung durch Hunter Biden, Sohn des US-Vizepräsidenten.
Die internationale Ausbeutung der UKR und das üble Spiel seiner Oligarchen gab es natürlich auch vorher schon - am Landgrabbing sind auch RUS, China, ... beteiligt
Irgendwie ist es halt eine Zwickmühle, denn einerseits sucht und buhlt man um Investoren, welche aber leider vorwiegend eher im Ausland zu finden sind. Die heimischen haben entweder schon zuviel "Dreck am Knebel", oder aber es fehlt an Vertrauen in die eigenen Landleute, egal aus welcher politischen Ecke diese kommen.
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klaupe
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Re: Griwna-Crash und Preissteigerungen in der Ukraine

Beitrag von klaupe »

Sachse007 hat geschrieben:Der Konflikt in der Ukraine wird nach Ansicht von Bundestagsabgeordneten für einen massiven Transfer von Land an Konzerne und Firmen missbraucht, die von internationalen Großbanken finanziert werden. Dazu gehöre unter anderem die Bankengruppe KfW, teilte Birgit Bock-Luna, Chefin des Büros des Abgeordneten Niema Movassat, RIA Novosti mit.
Ich habe nun immer meine Probleme, als Quelle RIA, RT, Sputnik etc. ungefiltert heranzuziehen. Zu oft sind die Meldungen eindeutig einseitig.
... da passt das doch ganz gut, der Ukraine wird wirklich geholfen...
Landgrabbing ist keine Erscheinung, die auf die Ukraine beschränkt ist. In Deutschland, insbesondere ex-DDR-Gebiet, aber auch in vielen anderen Ländern findet man das auch.
Durch die Umstrukturierung der Landwirtschaft, den hohen Kostendruck und die fallenden Abgabepreise ist die traditionelle bäuerliche Wirtschaft kaum noch rentabel. Das klappt nur noch mit Großen Flächen, die mit Großmaschinen nahezu industriell bewirtschaftet werden. Die LPGs und Kolchosen haben das ja schon vorgemacht.

Bei meiner Reise durch die Ukraine habe ich immer wieder große Landflächen gesehen, die unbewirtschaftet waren. Lediglich um die Orte herum sah es etwas grüner aus. Ist es so absurd, die inzwischen fast versteppten Schwarzerdeböden aufzukaufen und wieder in Großbetriebe umzuwandeln als Kornkammer Europas?
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
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Re: Griwna-Crash und Preissteigerungen in der Ukraine

Beitrag von Berlino10 »

kamensky hat geschrieben:Irgendwie ist es halt eine Zwickmühle, denn einerseits sucht und buhlt man um Investoren, welche aber leider vorwiegend eher im Ausland zu finden sind. Die heimischen haben entweder schon zuviel "Dreck am Knebel", oder aber es fehlt an Vertrauen in die eigenen Landleute, egal aus welcher politischen Ecke diese kommen.
Es ist ja nicht nur die Frage, ob Investitionen, sondern vor allem wie ..
Was in der UKR abläuft, kennt RUS ja auch ... verbrecherische Oligarchen eignen sich mit politischer, medialer Macht, Korruption nationale Assets unter Wert an, die sie mit Hilfe ausländischer Investoren versilbert, zu Lasten des Volkes, zum Nutzen beider Plünderer ... die Geschäfte laufen einfach nicht fair ab ... zT sind sie auch mit Schulden-Abhängigkeiten verknüpft ... Kolonialisierung ... Ausbeutung ...

Joseph E. Stiglitz, Chef-Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton, Chef-Ökonom der Weltbank und Wirtschafts-Nobelpreisträger - gefeuert, als er sich der Strategie des IWF/Weltbank verweigerte. Der IWF treibe die Regierungen der Welt an, ihre Völker in die Schulden-Falle zu manövrieren. Davon profitieren die multinationalen Konzerne. Die Ausbeutung ist langfristig.

Er spricht von vier Stufen, nach denen der IWF vorgeht: Zunächst soll es Privatisierungen geben. Alles, was in die Hände der Finanz-Elite geraten kann, ist willkommen.

Stufe zwei ist die Liberalisierung der Kapitalmärkte. Investments sollen länderübergreifend ohne Hindernisse möglich sein. Wie Brasilien und Indonesien jedoch gezeigt hätten, sei das Geld nur in eine Richtung geflossen – aus den Ländern raus.

Stufe drei ist die Einführung von „marktgerechten Preisen“. Auch das eine gute Idee. Praktisch hat dies jedoch dazu geführt, dass die Preise für Nahrungsmittel, Wasser und Heizgas explodierten. (was der IWF auch in der Ukraine betrieb, aber schon Timoschenko verweigerte)

Und nun kommt, so Stiglitz, ein Zwischenschritt zur finalen Lösung: Der Nobelpreisträger spricht von den „IWF-Unruhen“. „Wenn ein Land am Boden liegt, presst der IWF das letzte Blut aus ihm heraus.“ Stiglitz nennt Indonesien, Bolivien und Ecuador als Beispiele, wo genau an dem Punkt schwere soziale Unruhen einsetzen. Soziale Unruhen haben den unschätzbaren Vorteil, dass die Preise für Unternehmen und andere Assets in den betreffenden Ländern sinken, und daher die Einverleibung durch internationale Konzerne zu einem hochprofitablen Geschäft werden lassen.

Die vierte und letzte Stufe schließlich ist der Freihandel. Stiglitz vergleicht die Errichtung von Freihandelszonen unter Aufsicht der Welthandelsorganisation WTO mit den „Opium-Kriegen“. Im 19. Jahrhundert hatten Amerikaner und Europäer einen knallharten Kolonialkrieg begonnen, der dazu dienen sollte, den Freihandel zu fördern. In der Praxis sah es so aus wie beim freien Kapitalverkehr: Lateinamerika, Asien und Afrika wurden mit Militär-Blockaden gezwungen, ihre Grenzen zu öffnen. Europäer und Amerikaner dachten nicht daran, ihre Märkte zu öffnen, sondern agierten weiterhin protektionistisch. Heute, so Stiglitz, brauche man keine Militär-Blockaden. Heute werde dies mit Finanz-Blockaden gemacht.
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Re: Griwna-Crash und Preissteigerungen in der Ukraine

Beitrag von kamensky »

@Berlino10

Ähnliches wie Stiglitz erläutert hörte ich schon an einem Vortrag von Klaus Wellershoff
Es ist ja nicht nur die Frage, ob Investitionen, sondern vor allem wie ..
Was in der UKR abläuft, kennt RUS ja auch ... verbrecherische Oligarchen eignen sich mit politischer, medialer Macht, Korruption nationale Assets unter Wert an, die sie mit Hilfe ausländischer Investoren versilbert, zu Lasten des Volkes, zum Nutzen beider Plünderer ... die Geschäfte laufen einfach nicht fair ab ... zT sind sie auch mit Schulden-Abhängigkeiten verknüpft ... Kolonialisierung ... Ausbeutung ...
Sicherlich ist das Wie zu hinterfragen. Doch einerseits wollen Staaten durch Investoren (meist multinationale Unternehmungen) Arbeitsplätze schaffen und dafür sind sie bereit (vorwiegend die Politknaste) Ressourcen zu Spottpreisen zu verhökern. So ganz nach dem Motto "Nach mir die Sintflut". Andererseits jedoch wird dadurch vielfach ein stabiles Einkommen = Wohlstand im Miniformat ermöglicht, also Schulbildung für die Kinder, Zugang zur Grundmedizin usw. Was bitte wäre dann deiner Meinung nach zu tun? Den korrupten Polit`s die Taschen zunähen? Als Bsp. Ecuador: Habe für ein Weltkonzern (Lebensmittel) in Ecuador gearbeitet. Ca. gleichzeitig wurden Fair Trade Abkommen abgeschlossen mit verschiedenen europäischen Staaten. In Europa dann konzentrierte ich mich beim Einkaufen auf solche Fair Trade Produkte oft als Max Havellar bekannt. Die Preise tatsächlich höher als Gleichwertige ohne Label. Monate später bei meinem nächsten Aufenthalt in Ecuador, erkundigte ich mich dann bei verschiedenen Arbeiter von bspw. Plantagen. Fazit: Keiner konnte mir bestätigen, dass er mehr Lohn erhalten habe, doch und das erscheint mir doch noch nennenswert zu sein. Viele der von mir Befragten waren dem Lebensmittelkonzern dankbar, denn die Frauen, Verwandten, Bekannten und Freunde waren im Besitze einer Arbeitsstelle. Aus meinem Freundeskreis in Ecuador konnte ich selbst erkennen um wie viel sich der Lebensstandart derer angehoben hat, was aber nicht heisst, dass solche multinationalen Unternehmungen auf Langzeit auch Armut produzieren.
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Re: Griwna-Crash und Preissteigerungen in der Ukraine

Beitrag von Berlino10 »

kamensky hat geschrieben: Was bitte wäre dann deiner Meinung nach zu tun?
Das bedürfe wohl einer seitenlangen Antwort ... und einer landesspezifischen ...
sicher ganz generell zunächst mal eine andere IWF-Politik, im Interesse des Landes und seiner Menschen, nicht der Finanzoligarchie (ich weiß, ihr lächelt wieder - ist aber leider Machtrealität) und dann tatsächlich Bekämpfung von Korruption und sich nicht daran bedienen.
In GR haben wir es ja auch gesehen ... einfache Menschen leiden .. die Finanzoligarchie bleibt mit EU-Deckung unangetastet.
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Re: Griwna-Crash und Preissteigerungen in der Ukraine

Beitrag von kamensky »

Berlino10 hat geschrieben:
kamensky hat geschrieben: Was bitte wäre dann deiner Meinung nach zu tun?
Das bedürfe wohl einer seitenlangen Antwort ... und einer landesspezifischen ...
sicher ganz generell zunächst mal eine andere IWF-Politik, im Interesse des Landes und seiner Menschen, nicht der Finanzoligarchie (ich weiß, ihr lächelt wieder - ist aber leider Machtrealität) und dann tatsächlich Bekämpfung von Korruption und sich nicht daran bedienen.
In GR haben wir es ja auch gesehen ... einfache Menschen leiden .. die Finanzoligarchie bleibt mit EU-Deckung unangetastet.
Deine Meinung / Idee ist absolut nicht zu belächeln, ganz im Gegensatz zu befürworten, doch bin ich fest davon überzogen, dass es auch Lücken bei einer neuen, oder überarbeiteten Finanzpolitik des IWF geben wird, welche anderen "Schlaumeier" Türen und Tore öffnen um sich zu bereichern. Wer anders denkt bzw. noch daran glaubt lebt in Naivität, so traurig sich dies nun lesen mag. Der Mensch ist nun einmal nicht ein Tier, welches nur reisst und tötet um sich zu ernähren. Und vielfach steckt in irgend einer Art und Weise in jedem Menschen der Drang nach Mehr und noch Mehr. Fängt schon in jungen Jahren an bspw. in der Schule, wenn der Lehrer verkündet, wer mehr lernt, wird später auch mehr verdienen, oder was glaubst du, weshalb Menschen mitunter oft in Weiterbildung investieren?
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Re: Griwna-Crash und Preissteigerungen in der Ukraine

Beitrag von Berlino10 »

Wenn man auf die Schwächen des Menschen abstellt, müsste man ja resignieren, weil man daran nichts ändern kann.
Die Zustände in der UKR, GR oder in den Entwicklungsländern sind aber gemachte Politik, die durch antidemokratische Machtungleichgewichte in Medien, Politik, Wirtschaft heute so sind, wie sie sind. Die fehlende Gläubigerhaftung bei der Bankenkrise etwa ist Folge der Verknüpfung der wirtschaftlichen, politischen und medialen Eliten zugunsten dieser wenigen, zulasten der Menschen. In der UKR gilt dasselbe. Wenige bereichern sich, Millionen hungern und leiden.
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Re: Griwna-Crash und Preissteigerungen in der Ukraine

Beitrag von kamensky »

Berlino10 hat geschrieben:Wenn man auf die Schwächen des Menschen abstellt, müsste man ja resignieren, weil man daran nichts ändern kann.
Die Zustände in der UKR, GR oder in den Entwicklungsländern sind aber gemachte Politik, die durch antidemokratische Machtungleichgewichte in Medien, Politik, Wirtschaft heute so sind, wie sie sind. Die fehlende Gläubigerhaftung bei der Bankenkrise etwa ist Folge der Verknüpfung der wirtschaftlichen, politischen und medialen Eliten zugunsten dieser wenigen, zulasten der Menschen. In der UKR gilt dasselbe. Wenige bereichern sich, Millionen hungern und leiden.
Ich bin absolut einig mit dir, doch will ich mich nicht wiederholen. Nur soviel noch: "Der Herrgott hat verschiedene, oder unterschiedliche Kostgänger" und ich denke, dass dir dies aus deiner Lebenserfahrung auch bekannt ist, ob nun im positiven, oder leider im negativen Sinne.
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Re: Griwna-Crash und Preissteigerungen in der Ukraine

Beitrag von Berlino10 »

Amen ;)
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Re: Griwna-Crash und Preissteigerungen in der Ukraine

Beitrag von Dietrich »

Berlino10 hat geschrieben:Amen ;)
Und schönes Wochenende..... (auch wenn das Wetter wohl eher nicht mitspielt)
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)
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