@Wladimir
Ich will gar nicht Oberlehrerhaft sein. Aber in dieser Situation geht mir diese Mentalität fürchterlich auf den Keks.
Und 2014 war schon richtig übel. Ich lebe zwar nicht wie die Mehrheit von euch in Russland, verbringe aber zwischen 2 und 3 Monate dort. Und manchmal ist es vielleicht hilfreicher wenn man das Verhalten nach gewissen Perioden vergleichen kann. Und diese eskalierende Hetze beobachte ich jetzt schon eine ganze Weile und ich war trotzdem ruhig bei meinen Besuchen, ganz im Gegensatz zu meiner Frau zum Beispiel, die ich als russische Patriotin bezeichnen würde. Und nur weil sie anderes denkt als der Standard Russe gilt sie bereits nach Alex Denkweise als Dissidentin?
Im Übrigen sagen inzwischen viele meiner russischen Freunde (und nicht nur Bekannte)in Baden-Baden, Bretten, Lahr und Freiburg ihre jährlichen
Familienbesuche in Russland ab, da sich die ideologischen Gräben mitten durch die Familien ziehen. Und man will sich ja schließlich im Urlaub erholen. Wer in Russland aufgewachsen ist aber im Ausland lebt hat eben einen anderen Blick auf das Vaterland.
Irgendwann sind wieder Menschen mit Gehirn und Verantwortung an der Macht.
Es geht nicht um die Leute an der Macht, sondern um einfache Bürger wie Alex.
Falsch. Wenn einfache Bürger wie Alex nicht mehr klar denken können, aus welchen Gründen auch immer, dann kann eine Veränderung nur "von Oben" erfolgen. Ich wäre sehr glücklich wenn es anders wäre, aber das sehe ich nicht.
Dann darfst Du Dich mit die Flasche in der Hand in den Park setzen und darüber sinnieren wie toll es doch gewesen wäre wenn man rechtzeitig das Gehirn eingeschaltet hätte.
Das steht uns nicht zu, so abzuurteilen! Auch Alex hat ein HIrn, und er schaltet es ein. Es arbeitet nur anders als ein deutsches. Das muss man akzeptieren. Nicht gutheißen, wahrlich nicht. Ich finde vieles, sehr vieles auch nicht gut, was Alex schreibt. Ich kritisiere seine Meinung, aber ich urteile nicht von oben herab über ihn.
Ok akzeptiert. Dafür entschuldige ich mich. Allerdings erinnert mich Alex in Vielem an alte Bekannte meiner Frau, die sich tatsächlich zu dieser Zeit tot gesoffen haben, und zwar wirklich nur mit der Begründung das sie den neuen Verhältnissen nicht klar kamen. Sie wollten gar nichts neu erschaffen, sie wollten einfach weiter so leben wie zu Sowjetzeiten. Und meinen Schwiegervater konnte ich auch noch kurz kennen lernen bevor er starb. Ein ausgezeichneter Ingenieur, der u. a. in verschiedenen Nuklearanlagen gearbeitet hat. Aber er kam einfach nicht damit klar eigene Entscheidungen zu treffen, und das hat ihn irgendwann innerlich zerrissen, heute würde man wohl Burn Out dazu sagen.
Lies mal russische Märchen und vergleiche sie mit deutschen Märchen. Dann wird Dir vieles klarer. Das meine ich sehr ernst. In dem Alter wird nämlich die Mentalität geformt. Und da sind Märchen ein sehr zentraler Teil von. Wobei zu unterscheiden gilt zwischen echt russischen, alten, traditionellen Märchen und Kunstmärchen, wie sie z.B. Puschkin geschrieben hat.
Öhm. Wie viele Märchenbücher hättest Du denn gerne? Mein Stiefsohn war 5 als er nach Deutschland kam ohne ein Wort Deutsch. Heute ist er 11, genauso wie meine leibliche Tochter, und trotzdem lesen wir noch jeden Abend vor dem Schlafengehen eine Geschichte (von Baba Jaga mit ihrem Hüttchen habe ich schon 100 mal sogar geträumt

).
Aber ja, weil Du es schon ansprichst, Wasilisa und der Feuervogel z. B. ist eine tolle Metapher für meinen Einwand "alles haben wollen und nichts dafür tun..." Wenn man nur darauf sieht was der Andere hat, aber vergisst was dazu nötig war es zu erreichen, dann landen wir im heutigen Russland. Und das erzählte das Märchen schon vor langer Zeit. Es hat sich also nicht soviel geändert ...