Berlino10 hat geschrieben:Diese Diskrepanz wollte ich eben klären, ohne dumpfes Propaganda-Feuerwerk, das sollte in einem RUS-Forum noch möglich sein.
Nun tu nicht so, als würdest du irgendwie tiefer stapeln, wenn es bei dir gegen die globale Finanzoligarchie oder die USA geht.
Das mit der DDR ist auch nicht nur auf die Wahlen bezogen, sondern auf die innere Unzufriedenheit, die man aber öffentlich nicht äußert.
Aber es stimmt schon. Die 85% für Putin sind nicht nur Angst. Meine Frau ist gegen Putin (Zitat: "Dann soll man ihn eben umbringen lassen, dann ist endlich Ruhe"), hat aber bestimmt keine Angst. Aber auch bei ihr ist diese Trotzreaktion zu merken. Der Trotz, zuzugeben, dass Russland sich im Moment verhält wie ein Hinterhofschläger und nicht wie eine verantwortungsvolle Weltmacht. Trotz auf die Reaktionen der westlichen Welt auf die "Befreiung der Krim" ("Die Krim war schon immer Teil Russlands") und die andauernd nur negative Darstellung Russlands in den westlichen Medien. Eine Darstellung, die aber im Moment eben korrekt ist (ich weiß, in deinen Augen nicht...) und wo es auch keinen Grund gibt, da jetzt verzweifelt nach positiven Punkten zu suchen, nur damit nicht jede Nachrichtensendung nur "gegen Russland" ist.
Bei der Unterstützung der DNR/LNR und die damit verbundenen Lügen und die völkerrechtswidrige Annektion der Krim gibt es nunmal keine "guten Seiten".
Berlino10 hat geschrieben:Für mich begründet sich das damit, dass die Russen ihre Rettung, ihren Aufschwung 2000ff. nicht mit einer Ideologie, Partei oder einem Programm verknüpfen, sondern mit der Person Putins, maximal noch mit der Restauration eines starken Staates.
Ich glaube gerade Letzteres spielt eine große Rolle. Das Gefühl, wieder(!) Teil einer Weltmacht zu sein. Das Verdrängen, dass man es wirtschaftlich auch nicht annähernd geschafft hat, aufzuschließen. Dafür aber hat man Panzer und ist in der Lage, die Krim gegen den Willen der gesamten Welt einfach so zu annektieren.
Das unbewusste Eingeständnis und Wissen, das es gar nichts mehr gäbe, wenn man diese Erfolge nicht hätte. Das die Luft aus der russischen Wirschaftsblase raus ist, weil der Westen nicht mehr andauernd nachpumpt und die eigenen Pumpen wirkungslos sind.
Berlino10 hat geschrieben:Gleichwohl spüren viele von ihnen, dass RUS gerade keinen guten Weg nimmt (Wirtschaftskrise, Sanktionen, Kriegsgefahr,...).
In diesem Artikel stellten Levada u.a. auch schon fest, dass viele Russen Angst vor einer neuen Krise haben, die Lage kritisieren, fast schon depressiv sind, das aber nicht Putin anlasten.
Ich sehe diese 30% "Einsichtigen" als Potential für positive Veränderungen in RUS.
Hoffen wir es. Hoffen wir, dass die Ermordung Nemzows - wer auch immer es am Ende war - aus diesen 30% irgendwann 40..50% macht. Und dann irgendwann die kritische Masse erreicht ist.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)