Stimmungsbild in RUS

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Wladimir30
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Re: Stimmungsbild in RUS

Beitrag von Wladimir30 »

Dietrich hat geschrieben: Wie erklärst du dir denn diese Diskrepanz, wenn du "unsere Erklärungen" lächerlich findest. "Bemerkenswert" ist ja keine Erklärung.
Das es die "richtige" Politik ist.... das kann es ja wohl kaum sein. Oder?
Ich vermute mal folgendes: Erstens fehlt den Leuten gefühlt die Alternative. Medwedjew wird meinem Empfinden nach nicht als Kandidat gesehen. Zweitens ist die Masse des Volkes eben doch unpolitisch. Putin hat ja aus Sicht des Volkes vieles gut gemacht, der Wohlstand ist unter ihm gestiegen (egal nun, ob das trotz oder wegen Putin war). Na, und wenn ein Staatsoberhaupt den Amis (die für viele eben hinter den Aktionen stehen) mal die Stirn zeigt, na, das ist doch toll!!!

Bitte, nicht denken, dass ich hier meine Meinung wiedergebe. Ich gebe das wieder, was ich von vielen höre, was ich in vielen (russischen) Artikeln so lese. Eben als möglicher Erklärungsversuch.

Ich glaube, auch wenn viele z.,B. nicht mit vielen Entscheidungen von Frau Merkel einverstanden sind, so wird sie ja dennoch in vielen Umfragen (so weit ich das hier mitbekomme) eben doch unterstützt.
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kamensky
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Re: Stimmungsbild in RUS

Beitrag von kamensky »

Hier doch ein typisches Beispiel

Zitat aus dem Text:

" Dennoch gelang es den russischen Behörden, den Westen als Schuldigen für den Preisanstieg darzustellen."

http://de.sputniknews.com/zeitungen/201 ... 77429.html

Vielen Russen fehlt ganz einfach das zusammenhängende Denken (auf Wirtschaft und teilw. Politik bezogen) und dies macht sich logischerweise die Regierung zum Nutzen. Man indoktriniert die Zuhörer/Zuschauer/Internet User, dass der böse Westen an der momentanen Lage der Alleinschuldige ist, um von dem schon lange bestehenden Hauptproblem (mangelnde Diversifikation der Wirtschaft, bescheidene Innovation usw.) abzulenken, denn das sind die wirklichen Verursacher und erst noch hausgemacht.

Ein weiteres Zitat:

" zu den alten Problemen der russischen Wirtschaft und dem Rückgang der Ölpreise "

Wird dann an zweiter Stelle genannt, was der/die gebildeten Russen (ebenfalls auf Wirtschaft und Politik bezogen) längst selbst erkannt hat, doch die ältere Generationen und die jüngeren in den Provinzen (wir diskutierten darüber), welche sowieso nur ein sehr gemässigtes Interesse betreffend Wirtschaft-, Wirtschaftspolitik und Politik an den Tag legen, beziehen ihre Meinung aus dem indoktrinierten, also bilden sie sich die Meinung am erst genannten Bsp.

Viele Russen sind Meister in der Improvisation in jeder nur erdenklichen Lebenslage und so verhält es sich vielfach auch in ihrer Denkweise.
ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.
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Re: Stimmungsbild in RUS

Beitrag von Berlino10 »

Dietrich hat geschrieben:
Berlino10 hat geschrieben:Leute, Leute, Leute ... ihr macht Euch komplett lächerlich mit Eurer DDR-Sozialismus-Diktatur-Propaganda
Wenn dir dazu nichts weiter einfällt, als diese Plattitüde, dann ist das ja fast so gut wie ein Nicken.....

Aber egal.
Wie erklärst du dir denn diese Diskrepanz, wenn du "unsere Erklärungen" lächerlich findest. "Bemerkenswert" ist ja keine Erklärung.

Das es die "richtige" Politik ist.... das kann es ja wohl kaum sein. Oder?
Was soll mir denn auch einfallen, wenn Du die 98% für die Blockparteien der DDR mit den Wahlergebnissen RUS vergleichst?
Das ist nun einmal völlig falsch und dämlichste Propaganda.

Diese Diskrepanz wollte ich eben klären, ohne dumpfes Propaganda-Feuerwerk, das sollte in einem RUS-Forum noch möglich sein.
Für mich begründet sich das damit, dass die Russen ihre Rettung, ihren Aufschwung 2000ff. nicht mit einer Ideologie, Partei oder einem Programm verknüpfen, sondern mit der Person Putins, maximal noch mit der Restauration eines starken Staates. Gerade bei zumindest gefühlten äusseren Attacken suchen sie die Stabilität ihres Präsidenten. Gleichwohl spüren viele von ihnen, dass RUS gerade keinen guten Weg nimmt (Wirtschaftskrise, Sanktionen, Kriegsgefahr,...). In diesem Artikel stellten Levada u.a. auch schon fest, dass viele Russen Angst vor einer neuen Krise haben, die Lage kritisieren, fast schon depressiv sind, das aber nicht Putin anlasten.

Ich sehe diese 30% "Einsichtigen" als Potential für positive Veränderungen in RUS.
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Dietrich
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Re: Stimmungsbild in RUS

Beitrag von Dietrich »

Berlino10 hat geschrieben:Diese Diskrepanz wollte ich eben klären, ohne dumpfes Propaganda-Feuerwerk, das sollte in einem RUS-Forum noch möglich sein.
Nun tu nicht so, als würdest du irgendwie tiefer stapeln, wenn es bei dir gegen die globale Finanzoligarchie oder die USA geht.
Das mit der DDR ist auch nicht nur auf die Wahlen bezogen, sondern auf die innere Unzufriedenheit, die man aber öffentlich nicht äußert.

Aber es stimmt schon. Die 85% für Putin sind nicht nur Angst. Meine Frau ist gegen Putin (Zitat: "Dann soll man ihn eben umbringen lassen, dann ist endlich Ruhe"), hat aber bestimmt keine Angst. Aber auch bei ihr ist diese Trotzreaktion zu merken. Der Trotz, zuzugeben, dass Russland sich im Moment verhält wie ein Hinterhofschläger und nicht wie eine verantwortungsvolle Weltmacht. Trotz auf die Reaktionen der westlichen Welt auf die "Befreiung der Krim" ("Die Krim war schon immer Teil Russlands") und die andauernd nur negative Darstellung Russlands in den westlichen Medien. Eine Darstellung, die aber im Moment eben korrekt ist (ich weiß, in deinen Augen nicht...) und wo es auch keinen Grund gibt, da jetzt verzweifelt nach positiven Punkten zu suchen, nur damit nicht jede Nachrichtensendung nur "gegen Russland" ist.
Bei der Unterstützung der DNR/LNR und die damit verbundenen Lügen und die völkerrechtswidrige Annektion der Krim gibt es nunmal keine "guten Seiten".
Berlino10 hat geschrieben:Für mich begründet sich das damit, dass die Russen ihre Rettung, ihren Aufschwung 2000ff. nicht mit einer Ideologie, Partei oder einem Programm verknüpfen, sondern mit der Person Putins, maximal noch mit der Restauration eines starken Staates.
Ich glaube gerade Letzteres spielt eine große Rolle. Das Gefühl, wieder(!) Teil einer Weltmacht zu sein. Das Verdrängen, dass man es wirtschaftlich auch nicht annähernd geschafft hat, aufzuschließen. Dafür aber hat man Panzer und ist in der Lage, die Krim gegen den Willen der gesamten Welt einfach so zu annektieren.
Das unbewusste Eingeständnis und Wissen, das es gar nichts mehr gäbe, wenn man diese Erfolge nicht hätte. Das die Luft aus der russischen Wirschaftsblase raus ist, weil der Westen nicht mehr andauernd nachpumpt und die eigenen Pumpen wirkungslos sind.
Berlino10 hat geschrieben:Gleichwohl spüren viele von ihnen, dass RUS gerade keinen guten Weg nimmt (Wirtschaftskrise, Sanktionen, Kriegsgefahr,...). In diesem Artikel stellten Levada u.a. auch schon fest, dass viele Russen Angst vor einer neuen Krise haben, die Lage kritisieren, fast schon depressiv sind, das aber nicht Putin anlasten.
Ich sehe diese 30% "Einsichtigen" als Potential für positive Veränderungen in RUS.
Hoffen wir es. Hoffen wir, dass die Ermordung Nemzows - wer auch immer es am Ende war - aus diesen 30% irgendwann 40..50% macht. Und dann irgendwann die kritische Masse erreicht ist.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
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Re: Stimmungsbild in RUS

Beitrag von Gunnar »

Russland erhebt den Anspruch eine Führungsmacht zu sein und muss sich daher an diesem Anspruch messen lassen. Das ist ja gerade einer der großen Unterschiede zu den Saudis, den Mexikanern etc. Die ducken sich weg und geraten daher nicht so oft in die internationale Kritiklinie, obwohl es ja dort mindestens genauso viel auszusetzen gibt.

Führen lernen heißt siegen lernen war gestern. Heute heißt es: Führen lernen heißt attraktiv sein lernen.

Die Amis haben es ja mit Busch gezeigt, wie schnell man das verspielen kann. Die Russen versuchen sich an diesem Prinzip gar nicht erst und wundern sich, dass sie außerhalb ihrer Propagandaszone so erfolglos bleiben.
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Re: Stimmungsbild in RUS

Beitrag von Kultgrieche »

Gunnar hat geschrieben:Führen lernen heißt attraktiv sein lernen.

Die Amis haben es ja mit Busch gezeigt, wie schnell man das verspielen kann. Die Russen versuchen sich an diesem Prinzip gar nicht erst und wundern sich, dass sie außerhalb ihrer Propagandaszone so erfolglos bleiben.
Genauso sehe ich es auch - das ist das Problem des heutigen Russlands, sein Attraktivitätspotential ist sehr bescheiden, um es vorsichtig auszudrücken.
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klaupe
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Re: Stimmungsbild in RUS

Beitrag von klaupe »

Dietrich hat geschrieben:Aber es stimmt schon. Die 85% für Putin sind nicht nur Angst.
In erster Linie ist es erst mal eine Zahl, die allenfalls innenpolitische Bedeutung hat. Das ist für das Ausland ohne jeglichen Wert, denn auch 85 % machen Russland als Partner in Politik und Wirtschaft nicht attraktiver. Da sind andere Ranglisten entscheidender.

Man sollte sich mal sehr kritisch ansehen, welche führenden Politiker schon so eine hohe Zustimmungsquote hatten oder noch haben. Vielleicht mal abgesehen vom Vatikanchef sind das alle sehr zweifelhafte, unmoralische Gestalten, die oft skrupellos und diktatorisch ihr Volk ausbeuten.

Da befindet sich Putin mit 85 % in allerbester Gesellschaft und ich möchte in keinem dieser Staaten leben (nicht mal in Vatikan)
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
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Re: Stimmungsbild in RUS

Beitrag von Zejtnot »

Wladimir30 hat geschrieben:Ich vermute mal folgendes: Erstens fehlt den Leuten gefühlt die Alternative. Medwedjew wird meinem Empfinden nach nicht als Kandidat gesehen. Zweitens ist die Masse des Volkes eben doch unpolitisch. Putin hat ja aus Sicht des Volkes vieles gut gemacht, der Wohlstand ist unter ihm gestiegen (egal nun, ob das trotz oder wegen Putin war). Na, und wenn ein Staatsoberhaupt den Amis (die für viele eben hinter den Aktionen stehen) mal die Stirn zeigt, na, das ist doch toll!!!
Absolut, genau so ist es auch in meinen Augen.

Man muss doch nicht weit schauen, um auch in Deutschland Ähnliches zu sehen: Wie umstritten ist Angela Merkel in der CDU? Wehrpflicht abgeschafft, AKWs abgeschaltet, Pflichtmonate für Väter eingeführt ... sie hat alle klassischen Konservativen kaltgestellt, wofür sie weite Kreise der Union anfeinden. Von 20 deutschen Großstädten sind nur nur 2 oder 3 von der CDU regiert, im Bundesrat hat die CDU kaum noch Einfluss, weil sie - wenn überhaupt - in Bundesländern nur noch in großen Koalitionen regiert. Auch im Bundestag tanzt ihr die SPD auf der Nase herum. Aber dann ist ein CDU-Parteitag und Merkel wird mit 15 Minuten Applaus überhäuft (das schafft auch Putin nur selten) und wird mit 98 % gewählt (Единная Россия in schönster Form).

Natürlich ist Putin mangels Alternativen so beliebt, selbst wenn sich die Zweifel an der Außenpolitik mehren.
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Re: Stimmungsbild in RUS

Beitrag von klaupe »

Zejtnot hat geschrieben:Man muss doch nicht weit schauen, um auch in Deutschland Ähnliches zu sehen: Wie umstritten ist Angela Merkel in der CDU? ....
Das aktuelle Politbarometer zeigt ja deutlich, wie die Stimmung ist. Das kann man natürlich mit Russland nicht vergleichen, da hier etliche Alternativen im Rennen sind und die Opposition ihre Meinung hemmungslos ausspielen kann.
Noch interessanter ist die Umfrage „ARD-Deutschlandtrend“, also das Stimmungsbild in DEU, das aber auch deutlich zeigt, was die Deutschen von Russland und Putin halten -- so gut wie nichts!
Und wenn man die Popularität Putins im eigenen Land bewundert, sollte man auch mal mit DEU vergleichen: "Von den Regierungsmitgliedern überzeugen weiterhin Außenminister Frank-Walter Steinmeier (71 %), Kanzlerin Angela Merkel (70 %) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (65 %) die meisten Bundesbürger." Unter Berücksichtigung der Umfragesituation und der Alternativen ist das ein fantastisches Ergebnis, gegen den die 85 % Putins fast verblassen.

Ganz klar, Frau Merkel gehört nicht zu meinen Favoritinnen. Wenn man aber mal durchrechnet, was in ihrer Amtszeit so alle passiert ist, was sie so alles geregelt oder wenigstens überlebt hat, dann kann man ihr den Respekt nicht versagen. Merkel hätte man da sicherlich mehrfach feuern können -- verdammte parlamentarische Demokratie.
Da hat Putin in seiner Demokratur bessere Überlebenschancen. Die Lebenserwartung seiner Gegner kann sich rapide reduzieren.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.
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Dietrich
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Re: Stimmungsbild in RUS

Beitrag von Dietrich »

Zum Thema Merkel: ja, es wird viel gemeckert. Nicht nur aus der SPD, die selbst gerne den Kanzler stellen würde, den Grünen und den Linken, die gerne Teil der Regierung wären, sondern sogar von den Konservativen in der CDU, die sich unter konservativer Politik teilweise etwas andere vorstellen.
Aber....
Macht die CDU eine streng konservative und die SPD eine streng sozialdemokratische Politik, so hat das meist zur Folge (gehabt), dass die Regierungsverantwortung jeweils nach ein oder zwei Legislaturperioden wechselte (wenn man von solchen Sondersituationen wie der deutschen Einheit mal absieht). In diesem Fall schwankt die deutsche Politik also in einer Art Sinuskurve um eine politische Mitte.
Im Endeffekt/Mittel erhält man so dann quasi genau die Politik, für die Merkel zur Zeit ganz alleine steht. Ohne dabei so konservativ zu werden, dass sie große Teile der linken Mitte abschreckt, aber immer noch konservativ genug, dass sich keine konservative aber nicht zu rechte Partei neben ihr bilden kann.

Bisher klappt das auch recht gut, was zur Folge hat, dass die SPD schon mit den Linken koalieren müsste, um überhaupt eine Chance auf den Kanzlerposten zu haben. Was dann aber nach einer Legislaturperiode entweder zu einem Megakrach oder zu einstelligen Prozentwerten für die SPD führen dürfte...
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