m5bere2 hat geschrieben:saransk hat geschrieben:Einer der Gründe, welcher uns daran hindert endgültig rüberzuziehen ist das russische Bildungssystem.
Mein "großer" kommt nächstes Jahr in die Schule, und ich möchte ihm nicht alle zukünftigen Wege verbauen.
Ich würde behaupten, dass meine Studenten in Nowosibirsk meinen ehemaligen Studenten in Berlin und Jena einiges voraus haben. Meiner Erfahrung nach können sich die Produkte des russischen Bildungssystems zumindest in Mathematik und den Naturwissenschaften weltweit sehen lassen (was sie dann auch tun, weil sie im Ausland oft besser bezahlt werden, aber mir ist die bessere Bezahlung es nicht wert, die Familie zu opfern).
Solange man etwas "hartes" studiert, ist man hier gut aufgehoben. Jetzt können wir natürlich die alte Schlammschlacht "Humanitärwissenschaften" gegen "Naturwissenschaften" beginnen. ;-)
Widerspruch! Die Grenze ist zwischen Theoretikern und Praktikern. Theoretische Informatiker und Mathematiker - die findet man in Russland. Aber wo sind die Ingenieure, die ein Auto konstruieren können? Wo sind die Informatiker, die eine Produktionslinie automatisieren können? Wo sind die Bauingenieure, die eine Straße projektieren können? So etwas kann der russische Bildungsmarkt leider nur sehr begrenzt hervorbringen. Zum einen fehlt es an der Ausrüstung, zum anderen an den Lehrmethoden.
Ich habe hier in Vorlesungen für Verkehrsingenieure gesessen: Da steht der Dozent vorn, liest aus seinem Buch vor und alle müssen Wort für Wort mitschreiben. Machen sie dies nicht, werden sie gefragt, warum. HILFE! Selbst mitdenken und die Studenten zu eigenständigen Lösungsanssätzen zu motivieren - Fehlanzeige.
Diplomarbeiten an diesen Universitäten wären bei uns in Dresden maximal als Hausarbeit eines einzelnen Faches durchgegangen! Da wurden ein paar Bücher gelesen und abgeschrieben - fertig.
Ehrlich, so ein Studium möchte ich meinen Kindern ersparen.
m5bere2 hat geschrieben:Aber das wissenschaftliche System in Deutschland ist absolut familienfeindlich: sämtliche meiner deutschen Kollegen sind alleinstehend, leben über zehn Jahre vom Partner getrennt, oder einer der Partner gibt die wissenschaftliche Laufbahn auf. Da sitzen wir doch lieber zusammen in sibirischer Verbannung als dieses Theater in Deutschland mitzumachen. ;-)
Das hat in meinen Augen nichts mit dem wissenschaftlichen System zu tun, sondern ist das Schicksal aller Arbeitsbereiche. Welcher Arbeitgeber stellt automatisch auch den Ehepartner an? Ich kenne keine Branche, die da wirklich anders ist. (Und selbst in Nowosibirsk ist ja Deine Frau nicht sofort im wissenschaftlichen Bereich untergekommen, oder?)
Und es war auch nie anders - wenn nicht der Zufall hilft, steckt ein Ehepartner beruflich meist zurück. Früher ist halt die Frau meist einfach Hausfrau geblieben.
m5bere2 hat geschrieben:Göthe
Dass Du Dir als Thüringer traust, den Goethe mit Ö zu schreiben! (Immerhin ist das h noch drin.) Wärest Du nicht schon in Sibirien, wäre das ein Grund für die Verbannung aus der Heimat.