Miomei hat geschrieben:
Bis jetzt blieb mir aber die freundliche, russische Seele verschlossen und auch hier im Studentenwohnheim treffe ich eher auf Leute, welche sich durch das vorhandene Kommunikationsproblem abschrecken lassen (spreche halt schlecht russisch) bzw. eher misstrauisch wirken. Das finde ich sehr schade und schmerzt oefters.
Martin
Hi Martin,
ich bin in St.Petersburg groß geworden, danach etwa 10 Jahre lang in Deutschland gelebt, nun aus Familiengründen zurückgekommen und kann mich hier kaum einleben, und nicht nur wegen Aufenthaltserlaubnis und so.
Ich hab mich immer gefragt, was unter diesem schönen geheimnisvollen Literaturklischee "russische Seele" mit all ihren Eigenschaften verstanden wird. Nun frage ich mich, ob es die wirklich gab, im Sinne, wo sie sich von z.B. "deutscher Seele" unterscheidet und wo die geblieben ist. Möglicherweise auf dem Lande oder unter der "Intelligentia", sowie Professoren oder so was. Nach meinem Zurückkehren fand ich, dass die Mentalität sehr brutal, gleichgültig, skrupellos, verbittert und zynisch geworden ist, sehr geld-, macht- und angeberei besessen und auf "Spass-Klischees" orientiert, wie es in Ami-Filmen gezeigt wird, moralische Werte sind so gut wie verschwunden. Es ist auch kein Wunder. Einige mussten 15 Jahre lang um ihre Existenz kämpfen, da wird man so. Andere sind richtig auf Macht und Geld gekommen und konnten dadurch kompensieren, was ihnen gefehlt hat, während die Jahrzehnte lang unter dem sowjetischen Regime erniedrigt wurden. Die neueste Generation wurde meist durch amerikanisierte Werbung und "Muss-Haben"- und "Kriminell-sein-ist-cool" Mentalität erzogen.
Es hört sich bitter und enttäuschend an, sieht aber wirklich so aus.
Europäern und Amerikanern gegenüber können Russen sich mega-freundlich, hilfsbereit, locker und gastfreundlich zeigen, kann sein, dass sie sich um alles kümmern wollen werden. Meistens ist das aber leider Angeberei oder Wunsch, Kontakte zu knüpfen (vor allem bei Mädchen natürlich). Auf Arbeit habe ich mehrmals erlebt, dass russische Kollegen sehr negativ, verachtend und auslachend über ausländische Kollegen und Partner gesprochen haben, bei denen sie sich eine Stunde zuvor einschmeichelt haben, das Gleiche habe ich bei Damen beobachtet, die gerade eben von einem Ausländer einen tollen Restaurant-Besuch bekommen haben.
Es hat sich bei Russen, trotz der allgemeinen Amerikanisierung, auch ein sehr starkes nationales/nationalistisches Gefühl entwickelt, was teilweise groteske Formen annimmt. Russen wollen dominieren und sich dem Westen gegenüber irgendwie überlegen fühlen, was natürlich nicht unbedingt klappen kann, so könnte dieses Bedürfnis sich als bornierter "Nationalstolz" und Verschlossenheit öffnen. Dadurch sublimiert sich bloß Neid und Frustration, finde ich.
Es gibt bestimmt viele Russen, bei denen es alles nicht so ist, bei denen, die im Ausland studiert oder gearbeitet haben, vor allem, oder auch andere, die trotz diesen schwierigen Verhältnissen wunderschön geblieben bin. Aber im Allgemeinen finde ich das ziemlich traurig, was aus den Leuten geworden ist (oder gemacht worden ist, kann man besser sagen).
Ich hoffe aber trotzdem, dass du deine Zeit in St.Petersburg genießen konntest und vielleicht auch gute Freunde fandest..
Ansonsten, was die Frage betrifft, wo man Russen kennen lernen kann, würde ich persönlich drei Wege probieren:
- auf Arbeit oder durch Partner,
- gegenseitiges Sprachunterricht (Deutsch gegen Russisch) inserieren, an den Unis oder in St.Petersburg Times (englischsprachige Zeitung, die kann man kostenlos in relativ respektablen Hotels und Clubs, etc.) kriegen
- (ein) Mädchen kennen lernen (am besten vielleicht auch über St.Petersburg Times) und durch sie auch andere Leute kennen lernen. Dabei aber sehr vorsichtig sein und nicht unbedingt viel Geld ausgeben.
liebe grüße,
olessia