Ukraine.

Debatte zu den Konflikten in der Ukraine. Wir bitten insbesondere hier um eine zivilisierte Kommunikation. Aus schlechter Erfahrung beschränken wir jedoch auch bei diesem Thema die Zugriffe auf jene Benutzer, die explizit an der Diskussion teilnehmen möchten, wie bereits im "Politischen Forum".
Benutzeravatar
Bluewolf
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1373
Registriert: 25 Nov 2010, 14:18
Wohnort: Karlsruhe/ N.N.
Kontaktdaten:

Re: Ukraine.

Beitrag von Bluewolf »

m1009 hat geschrieben: 05 Jul 2022, 15:31
Bluewolf hat geschrieben: 05 Jul 2022, 13:37
Die sind auch nicht vor "den Russen" abgehauen,
Ich war ab Ende der Siebziger und in den Achtzigern, auch waerend des Kriegsrechts, mind. 3 x im Jahr in Schlesien. Wenn die Opas und Omas auf Deutsch so erzaehlten, sind die vorm Russen gefluechtet. So zumindest mein Eindruck.

https://landsmannschaft-schlesien.de/fl ... 1945-1947/
Da gibt es sicher auch unterschiedliche Beweggründe. Von der Familie meines Opas (Schlesien) weiß ich so gut wie nichts, nur, dass sie in der Umgebung von Breslau gelebt haben. Bei meiner Oma (Böhmen) bin ich mir durch viele Gespräche in einigen Dingen bei ihrer Meinung sicher:
  • Schuld an den Erfrierungen meines Opas im Ostkrieg war nicht Russland, sondern das NS Regime, vor allen Dingen unfähige Logistikoffiziere. Daher keinerlei Vorurteile gegenüber RU.
  • Wie Du auch am Beispiel der Grundbesitzer/ Landwirte dargelegt hast, ging es gegen Ende des Krieges um viel Neid. "Die "besten" Nachbarn und Freunde kamen schon Wochen vor der "Befreiung" und wollten den Besitz meiner Vorfahren aufteilen. Mein Urgroßvater starb bei einer dieser Debatten, als jemand seine Kühe abtransportieren wollte. Da war der Punkt erreicht, wo es nur noch um das eigene Leben ging. Bis "die Russen" da was hätten verteilen können, wäre niemand mehr da gewesen, um zu protestieren.
Die Verbitterung war so groß, dass ich das erste Mal von noch lebenden Verwandten in Böhmen erfuhr, als meine Urgroßmutter ihren 90. Geburtstag feierte. Das war 1994, die Möglichkeit eines Besuchs war also schon länger wieder gegeben. Meine Mutter spricht bis heute nicht über das Thema, obwohl sie als Kleinkind sicher auch schon die Stimmung mitbekommen hat. Zumindest dann in Nachkriegsdeutschland, als die Flüchtlinge auch nicht gerade mit Handkuss aufgenommen wurden.
Normalerweise spricht man ja bei solchen Reisen in die Vergangenheit auch mit Nachbarn, Schulkameraden usw. Ehrlich gesagt hatte ich Angst davor. Insbesondere, da meiner Frau bei den Begegnungen mit Einheimischen wesentlich freundlicher entgegen gekommen wurde, als mir.
Benutzeravatar
Fritz
Insider/in
Insider/in
Beiträge: 215
Registriert: 09 Jun 2021, 00:00
Wohnort: München, Maikop

Re: Ukraine.

Beitrag von Fritz »

Bluewolf hat geschrieben: 05 Jul 2022, 13:37 Die sind auch nicht vor "den Russen" abgehauen, genauso wenig wie in Böhmen, sondern vor den Polen und Tschechen. Eigene Familiengeschichte, darum auch mein Trip in die Vergangenheit vor wenigen Wochen. Konnte sogar das Geburtshaus meiner Großmutter in Karlsbad noch finden.
Vor den unmittelbaren Kampfhandlungen flüchtete man sicher "vor dem Russen". Danach, im "Frieden", wurde man von den Tschechen oder Polen davongejagt. Meine Oma, Baujahr 1926, erzählt heute noch manches Mal, wie sie mit ihrer Familie buchstäblich vom Mittagstisch weg aus Elbing unter Kanonendonner gen Westen aufgebrochen ist. Nur mit dem Nötigsten bepackt; darunter ein Atlas, in dem wir noch heute gerne blättern.
Benutzeravatar
Bluewolf
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1373
Registriert: 25 Nov 2010, 14:18
Wohnort: Karlsruhe/ N.N.
Kontaktdaten:

Re: Ukraine.

Beitrag von Bluewolf »

Fritz hat geschrieben: 05 Jul 2022, 16:50
Bluewolf hat geschrieben: 05 Jul 2022, 13:37 Die sind auch nicht vor "den Russen" abgehauen, genauso wenig wie in Böhmen, sondern vor den Polen und Tschechen. Eigene Familiengeschichte, darum auch mein Trip in die Vergangenheit vor wenigen Wochen. Konnte sogar das Geburtshaus meiner Großmutter in Karlsbad noch finden.
Vor den unmittelbaren Kampfhandlungen flüchtete man sicher "vor dem Russen". Danach, im "Frieden", wurde man von den Tschechen oder Polen davongejagt. Meine Oma, Baujahr 1926, erzählt heute noch manches Mal, wie sie mit ihrer Familie buchstäblich vom Mittagstisch weg aus Elbing unter Kanonendonner gen Westen aufgebrochen ist. Nur mit dem Nötigsten bepackt; darunter ein Atlas, in dem wir noch heute gerne blättern.
Auch das ist sicherlich für eine Menge Leute richtig. Der Hass, speziell auf Großbauern, war leider aber schon auf Grund der Umstände (Hunger!) da, nachdem klar war, dass es keinen Endsieg geben wird. Dieses Verhalten verzeichne ich aber trotz des Leids als tief menschlich.
Für alle anderen galt bis zum letzten Moment auszuhalten. Warum hätte man vorher ins deutsche Kernland flüchten sollen, wohl wissend, dass das Leben dort noch schwieriger sein würde? Und es gab genug Menschen, die schon vor Kriegsende nichts mehr hatten. Die sind meist auch geblieben und bilden bis heute die deutschstämmige Bevölkerung. Wenn auch nur noch knapp 40.000, aber im Gebiet der Kurbäder und in Prag trifft man (für mich) überraschend viele.

Bleibt die Frage:
Wie sind wir denn jetzt aus der Ukraine in Schlesien/ Böhmen gelandet? Ok ich bin nicht ganz unschuldig, evtl. den Teil abtrennen bitte ;)
m1009

Re: Ukraine.

Beitrag von m1009 »

Bluewolf hat geschrieben: 05 Jul 2022, 16:59
Wie sind wir denn jetzt aus der Ukraine in Schlesien/ Böhmen gelandet?
Voellig normal. ;) ...
agence1
Insider/in
Insider/in
Beiträge: 208
Registriert: 14 Feb 2022, 03:05

Re: Ukraine.

Beitrag von agence1 »

Die erfundenen Vergewaltigungen
Im Ukraine-Krieg sind Vergewaltigungen grausige Realität. Nun kommt heraus, dass die ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Ljudmyla Denissowa Ende Mai vorzeitig aus dem Amt geworfen wurde. Es geht um das Eingeständnis, dass die Ombudsfrau gemäss Lukashovas Zeitung, andere Medien weltweit sowie die Vereinten Nationen mit vermeintlichen Fällen von sexualisierter Gewalt durch russische Soldaten getäuscht hat.

L. Denissowa räumte schliesslich ein, sie habe übertrieben. Sie habe versucht, die Welt davon zu überzeugen, Waffen bereitzustellen und Druck auf Russland auszuüben. Für diese Mission war sie in Italien und auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Sie sei dort unabgestimmt hingereist, hiess es aus der Ukraine. Auch das war wohl ein Grund, warum ihre Absetzung zum 31. Mai beschlossen wurde.

Der Fall könnte auch unangenehm für das Kinderhilfswerk Unicef werden. Denn die UN-Organisation war Kooperationspartnerin für das Sorgentelefon für vergewaltigte Frauen und beschäftigte somit auch die Tochter von L. Denissowa. Die wiederum sagte bei Vernehmungen, sie habe ihrer Mutter «beim Tee» erzählt, was sie am Telefon so zu hören bekomme. Die vermeintlichen Tatsachen gab die Menschenrechtsbeauftragte dann wohl ohne Überprüfung weiter.

Die Journalistin Sonya Lukashova hat für die populäre Online-Zeitung «Ukrajinska Prawda» auch bereits über Gräueltaten geständiger russischer Kriegsverbrecher berichtet. Sie hat keine Zweifel daran, dass es diese Verbrechen gibt.
Wie sie nun schreibt, «könnte dieser Fall dem Staat während des Krieges schwer schaden», räumt S. Lukashova ein. «Es ist aber wichtig, dass die Ukraine in der Lage ist, Fehler einzugestehen und die Schuldigen zu bestrafen. Das unterscheidet uns vor allem vom Feind.»

Überall hat es Menschen, die übertrieben, sei es aus Geltungssucht oder anderen Gründen.
Benutzeravatar
arghmage
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1396
Registriert: 24 Aug 2010, 16:15

Re: Ukraine.

Beitrag von arghmage »

m1009 hat geschrieben: 05 Jul 2022, 00:08
arghmage hat geschrieben: 04 Jul 2022, 22:32
Vor allem würde auch kein Referendum kommen, wenn das Ergebnis nicht schon vorher sicher wäre. Wenn das zu Ungunsten Moskaus ausgehen würde, wäre das ja der Supergau.
Absolut.

Aber ist das in Deutschland oder USA etwa anders? ;)
Habe nicht gesagt, daß das hier anders wäre.
Wobei es in D durchaus Volksbegehren gibt, die abgelehnt wurden.
Hier wird z.B. gerade beim 365-Euro-Ticket ein zweiter Anlauf versucht.
Um das Rauchverbot gab es auch einen zähen Kampf ... das sind nun natürlich keine Abstimmungen über territoriale Fragen aber es ist ein Stück Demokratie.
Was mir noch einfällt ... Zusammenlegen von Berlin und Brandenburg ... hat das Volk auch nein gesagt.
Bei sowas wie Donbas<->Russland wird man auf jeden Fall auf Nummer sicher gehen. Die Russen bomben ja auch den Großteil der Bevölkerung raus. Was da früher Großstädte waren, sind ja nun eher Trümmerwüsten mit Dorfbevölkerung. Wobei UA ja auch fleißig mitbombt, nun sogar mit der Crème de la Crème der Rüstungsindustrie aus deutschen und amerikanischen Rüstungsschmieden.
Benutzeravatar
arghmage
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1396
Registriert: 24 Aug 2010, 16:15

Re: Ukraine.

Beitrag von arghmage »

m1009 hat geschrieben: 05 Jul 2022, 00:08
arghmage hat geschrieben: 04 Jul 2022, 22:32
Vor allem würde auch kein Referendum kommen, wenn das Ergebnis nicht schon vorher sicher wäre. Wenn das zu Ungunsten Moskaus ausgehen würde, wäre das ja der Supergau.
Absolut.

Aber ist das in Deutschland oder USA etwa anders? ;)
Fällt mir aktuell grad noch Schottland ein (ok ist UK), die versuchen es auch schon zum zweiten Mal.

Abschreckendes Beispiel evtl. Puerto Rico, Vasallenstaat der USA, so werden wohl auch die Donbas-Republiken enden.
Benutzeravatar
saransk
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 717
Registriert: 13 Nov 2011, 01:25
Wohnort: Augsburg / Saransk

Re: Ukraine.

Beitrag von saransk »

arghmage hat geschrieben: 05 Jul 2022, 22:33 Abschreckendes Beispiel evtl. Puerto Rico, Vasallenstaat der USA, so werden wohl auch die Donbas-Republiken enden.
Für die Donbas-Republiken kommt es aber noch dicker. Beide Seiten (Ru und UA) verwenden Uranhaltige Munition. Diese hat halt den Vorteil, leichte Panzerungen oder Schutzwesten durchschlagen zu können. Und das Zeug bleibt dann in der Leiche oder im Boden und wird im Laufe weniger Jahre ausgewaschen.
Da sich Uran aber nun mal nicht einfach in Luft auflöst, sondern mit der Umgebung eine Verbindung eingeht, ist davon auszugehen, das sowohl Trinkwasser als auch Feldfrüchte in dieser Region noch sehr lange stark radioaktiv belastet sind. Mit allen Folgen für die Gesundheit. Die Zukunftsaussichten im Donbas sind jedenfalls strahlend und krebsverseucht.

Dann doch lieber Puerto Rico. Da stört nur ab und zu mal ein Tropensturm. Die Armut ist ähnlich und die Zukunftsperspektiven auch.
Benutzeravatar
Auaiauy
Insider/in
Insider/in
Beiträge: 157
Registriert: 21 Dez 2021, 07:08
Wohnort: St.Petersburg

Re: Ukraine.

Beitrag von Auaiauy »

https://www.youtube.com/watch?v=zNBPbn-j_H0

Hier sprach irgendein deutscher General. Er sagt, dass Putin völlig verzockt hat. Er erklärte dies damit, dass Putin an seinen Grenzen weniger Nato wolle, aber mehr Nato bekomme. Weil Schweden und Finnland jetzt der NATO beitreten. Das einzige Problem ist, dass Schweden und Finnland offenbar ohnehin der NATO beitreten müssten, aber erst nach der Ukraine. Es war ein Plan, Russland einzukreisen. Und jetzt wird die Ukraine höchstwahrscheinlich nicht der NATO beitreten. Einige von uns haben einen Ausflug nach Finnland gemacht, und sie sagen, dass dort seit langem antirussische Stimmungen gedeihen. Alles begann lange vor den Ereignissen in der Ukraine.
Benutzeravatar
arghmage
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1396
Registriert: 24 Aug 2010, 16:15

Re: Ukraine.

Beitrag von arghmage »

saransk hat geschrieben: 06 Jul 2022, 13:52
arghmage hat geschrieben: 05 Jul 2022, 22:33 Abschreckendes Beispiel evtl. Puerto Rico, Vasallenstaat der USA, so werden wohl auch die Donbas-Republiken enden.
Für die Donbas-Republiken kommt es aber noch dicker. Beide Seiten (Ru und UA) verwenden Uranhaltige Munition. Diese hat halt den Vorteil, leichte Panzerungen oder Schutzwesten durchschlagen zu können. Und das Zeug bleibt dann in der Leiche oder im Boden und wird im Laufe weniger Jahre ausgewaschen.
Da sich Uran aber nun mal nicht einfach in Luft auflöst, sondern mit der Umgebung eine Verbindung eingeht, ist davon auszugehen, das sowohl Trinkwasser als auch Feldfrüchte in dieser Region noch sehr lange stark radioaktiv belastet sind. Mit allen Folgen für die Gesundheit. Die Zukunftsaussichten im Donbas sind jedenfalls strahlend und krebsverseucht.

Dann doch lieber Puerto Rico. Da stört nur ab und zu mal ein Tropensturm. Die Armut ist ähnlich und die Zukunftsperspektiven auch.
Ja über die Uran-Thematik hatte ich früher schonmal geschrieben. Das ist auch in Afghanistan, Syrien etc. so, interessiert aber keine Sau. In Afghanistan sie die Krebsraten gestiegen, weil das Zeug halt auch ins Grundwasser geht. Der Donbas wird halt auf viele Jahre kein lebenswerter Ort sein, aber hauptsache befreit (von was auch immer).
Antworten

Zurück zu „Politisches Forum: Aktuelles zum Ukraine-Konflikt“