7punkt, stimmt, ich hab nicht in der UdSSR gelebt, mein Mann aber schon, und hin und wieder reden wir sogar miteinander :P . Und ich hatte auch außerhalb der UdSSR eine schöne, sozialistische Kindheit. Ich weiß auch, dass nicht alles schlecht war und dass sich viel geändert hat (jetzt gibt es Jeans und Coca Cola überall... zum Beispiel

)
In der Politik aber hat sich nicht viel geändert. Da sind die gleichen Leute am Ruder, die auch zu Sowjetzeiten was zu sagen oder irgendwelche wichtigen Positionen inne hatten. Da wird immer noch empfohlen, eingesetzt und ernannt, statt richtig gewählt (wer kannte Putin? wer hätte ihn gewählt, wenn er nicht von Jelzin "eingesetzt" worden wäre? warum fragen alle, wen Putin als seinen Nachfolger sieht? und die Empfehlung, die Putin sich für die Wahlkampfzeit vorbehalten hat, wird letztlich maßgeblich sein). Die Partei, für die der Präsident öffentlich Sympathien bekundet hat, gewinnt haushoch alle Wahlen. Der Beamtenapparat ist größer statt kleiner geworden, die Bürokratie ist ähnlich wie früher. Die Politbonzen sind nach wie vor meilenweit von der Realität entfernt und genießen Sonderstatus. Die Nachrichten und Zeitungen sind meist ein schöner Einheitsbrei, selten kritisch, und wenn, dann kritisieren sie nur Dinge, die eh altbekannt sind. Bei Krisensituationen (Beslan, Kandapoga, ermordeten Journalisten und Bankieren etc.) wird erst mal der Kopf in den Sand gesteckt, die Offiziellen hüllen sich in Schweigen und warten ab. Der Westen muss nach wie vor immer mal wieder als Feindbild herhalten. In dieser Beziehung ist die Sowjetunion nach wie vor lebendig, was man ja auch daran erkennen kann, dass Lenin immer noch zur Verehrung auf dem Roten Platz liegt und dass die alten Staatssymbole auf Schritt und Tritt zu finden sind. Nach dem Ende des Hitlerregimes wurden alle dessen Symbole beseitigt. Und wer jetzt sagt, dass Sowjetmacht und Hitlerregime nicht vergleichbar sind (worüber man sicher diskutieren kann) - nach dem Ende der DDR wurden auch dort alle deren Symbole von und aus öffentlichen Gebäuden entfernt und damit ein Machtwechsel bekundet.
Das hier hab ich mit meinem Telefon im Pasportnij Stol im Moskauer Bezirk Zjablikovo geknipst:

Du erntest, was du säst.