Naila hat geschrieben:Das ist nicht war, ich bewarb mich 1990 als Studentin. Zu dem Zeitpunkt war ich in keiner kommunistischen Organisation, was damals noch nicht üblich war.
Du meinst wohl, das es zu der Zeit nicht mehr üblich gewesen sein mag.
Was Du ansonsten über Deinen Werdegang schreibst, ist nur eine der berühmten Ausnahmen, die lediglich die Regel bestätigen. Meine Frau hat fast eine identische Entwicklung hinter sich.
Dennoch ist das nicht verallgemeinerbar und ich stimme Dietrich zu 100% zu.
Es ist nunmal eine unumstößliche Tatsache, die durch umfangreiche sozialwissenscaftliche Studien unterlegt ist, dass sich die kommunistische Nomenklatura im gesamten Ostblock spätestens seit Ende der 1960er Jahre fast ausschließlich aus sich selbst reproduziert hat.
Es haben natürlich auch immer mal wieder Leute von "draußen" geschafft, aber die wurden dann zumeist gute Experten in ihren Fächern - gelangten aber nahezu niemals in Leitungspositionen, um etwa Entscheidungen zu treffen, die über ihren Arbeitsbereich hinaus gingen.
Ganz nebenbei bemerkt: Ich bin "nur" in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Aber selbst dort waren Hochschulzugänge massivst so gesteuert, wie Dietrich schreibt.
Mir selbst war es trotz bester Leistungen nicht möglich, dort zu studieren. Das konnte ich erst als die Mauer gefallen war, und die Schule schon recht lange hinter mir lag.
Meine berufliche Laufbahn begann dann auch parallel dazu mit der Analyse der sozialen und politischen Strukturen in den postkommunistischen Gesellschaften.
Zu der Zeit kamen auch zahlreiche russische Gastwissenschaftler an meine Fakultät, die genau die o.g. Diagnose bestätigten.
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)