Fremdsprachenunterricht in Russland

Nachhilfeunterricht und Sprachkurse sind in dieser Rubrik zu finden. Hier können auch Eigenarten im Russischen und Deutschen diskutiert werden. Wer Hilfe beim Übersetzen braucht, sollte in diesem Unterforum eine Anfrage stellen.
Benutzeravatar
7punkt
Supersmile
Supersmile
Beiträge: 4185
Registriert: 24 Jun 2004, 16:55
Wohnort: Moskau, HH

Fremdsprachenunterricht in Russland

Beitrag von 7punkt »

Zeppelin hat geschrieben:...2. Sprache. Es geht hiebei vor allem um Unterstützung von Sprachverständnis und Artikulationsmöglichkeiten, die hier gängig sind, aber im russ. akademischen Ausbildungssystem kaum vermittelt werden können...
Sorry, aber das stimmt doch nicht. Gerade im Bereich Spracherwerb war Russland immer stark. An Fakultaeten fuer Fremdsprachen wird Phonetik zum Beispiel 3 Studienjahre studiert, wobei sie in theoretische (1 Jahr) und praktische (2 Jahre) eingeteilt wird. Also bitte nicht alles ueber einen Kamm scheren ;)

7punkt
"Ich weigere mich, einen Unterschied zwischen den Voelkern zu machen und von guten und schlechten Nationen zu sprechen, aber einen Unterschied zwischen den Menschen muss ich machen." F. Duerrenmatt "Der Verdacht"
Benutzeravatar
Zejtnot
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 14590
Registriert: 30 Jun 2006, 11:25
Wohnort: Sibirien, Sachsen

Re: Erfahrungen bei Arbeitssuche des russ. Partners

Beitrag von Zejtnot »

7punkt hat geschrieben:Sorry, aber das stimmt doch nicht. Gerade im Bereich Spracherwerb war Russland immer stark. An Fakultaeten fuer Fremdsprachen wird Phonetik zum Beispiel 3 Studienjahre studiert, wobei sie in theoretische (1 Jahr) und praktische (2 Jahre) eingeteilt wird.
Ja, aber wer kann nach diesen drei Jahren auch nur halbwegs kommunizieren? Von meinen Freunden konnte es keiner ... sie haben es, wenn Interesse bestand, alle nachher bei privaten Schulen gelernt. Die Fachfremdsprachenausbildung paukt leider oft nur Worte, aber selten das Sprechen.
Benutzeravatar
7punkt
Supersmile
Supersmile
Beiträge: 4185
Registriert: 24 Jun 2004, 16:55
Wohnort: Moskau, HH

Re: Erfahrungen bei Arbeitssuche des russ. Partners

Beitrag von 7punkt »

Zejtnot hat geschrieben:Ja, aber wer kann nach diesen drei Jahren auch nur halbwegs kommunizieren? Von meinen Freunden konnte es keiner ... sie haben es, wenn Interesse bestand, alle nachher bei privaten Schulen gelernt. Die Fachfremdsprachenausbildung paukt leider oft nur Worte, aber selten das Sprechen.
Na ich konnte das schon..und meine Komilitoninnen auch. Die Aussprache wurde gerade in solchen Stunden extra trainiert (Lieder, Gedichte, Prosastuecke, Alltagssprache, zahlreiche Uebungen etc. mit Transkribieren und Intonieren nach allen Regeln, versteht sich). Das Sprechen wurde dann in Konversationsstunden etc. geuebt. Ausserdem gab es eine ganze Reihe von Faechern, die in Deutsch unterrichtet wurden: Grammatik (theoretische, praktische), Geschichte Deutschlands, Lexikologie, deutsche Literatur, analytisches Lesen etc. etc. etc. Wir hatten Lektoren aus Goethe-Institut, fuer die Deutsch ihre Muttersprache war. Jede Woche sollte jeder von uns einen Bericht aus einer beliebigen deutschen Zeitung zu einem aktuellen Thema auf Deutsch machen. Dazu gab's auch Buecher, die so genannte Hauslektuere: Drei Kameraden, Das Parfuem, Homo Faber...solche Sachen also alles auf Deutsch gelesen und dann Stueck fuer Stueck in der Stunde auf Deutsch besprochen. Also wir haben echt viel Deutsch gesprochen an der Uni. Wer es wollte, konnte fast akzentfrei sprechen. Hatte alle Moeglichkeiten dafuer.

7punkt
"Ich weigere mich, einen Unterschied zwischen den Voelkern zu machen und von guten und schlechten Nationen zu sprechen, aber einen Unterschied zwischen den Menschen muss ich machen." F. Duerrenmatt "Der Verdacht"
Zeppelin
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 3051
Registriert: 25 Jun 2006, 14:12
Wohnort: Berlin, Gartenhaus 2 Treppen rechts

Re: Erfahrungen bei Arbeitssuche des russ. Partners

Beitrag von Zeppelin »

7punkt hat geschrieben:Gerade im Bereich Spracherwerb war Russland immer stark. An Fakultaeten fuer Fremdsprachen wird Phonetik zum Beispiel 3 Studienjahre studiert, wobei sie in theoretische (1 Jahr) und praktische (2 Jahre) eingeteilt wird. Also bitte nicht alles ueber einen Kamm scheren ;)
Na wie Du meinst. Phonetik ist meist auch relativ gut entwickelt bei den mir bekannten Absolventen dieser Fakultäten - und das sind nicht wenige.
Es hapert aber oftmals an Verständnis für regionale Sprachfärbungen, Begrifflichkeiten etc. die ja in Deutschland sehr ausgeprägt sind. Von Dialekten ganz zu schweigen.
Das werfe ich den Leuten doch aber gar nicht vor. Es ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit für Ausländer (egal woher), dies ohne die sehr enge Unterstützung eines Muttersprachlers zu erlernen, der möglichst auch in der Lage sein sollte, seine eigene Sprache zu reflektieren.

Und ich muss hinzufügen, dass ein sehr großer Teil der Gesprächsinhalte in meiner nun schon fast sechsjährigen Ehe darin bestand und besteht, uns über solche Dinge zu unterhalten. Darunter befanden sich auch zahlreiche sehr amüsante Episoden, die ich hier nicht ausbreiten möchte.

Außerdem sind bei weitem nicht alle Ehepartner/-innen von uns Deutschen Absolventen von Fremdsprachfakultäten mit Schwerpunkt Deutsch.

Was also hast Du dagegen einzuwenden, wenn ich empfehle, bei Ausbau und Vertiefung von Sprachverständnis und Artikulationsmöglichkeiten zu unterstützen? :?
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)
Benutzeravatar
7punkt
Supersmile
Supersmile
Beiträge: 4185
Registriert: 24 Jun 2004, 16:55
Wohnort: Moskau, HH

Re: Erfahrungen bei Arbeitssuche des russ. Partners

Beitrag von 7punkt »

Zeppelin hat geschrieben:..Es hapert aber oftmals an Verständnis für regionale Sprachfärbungen, Begrifflichkeiten etc. die ja in Deutschland sehr ausgeprägt sind. Von Dialekten ganz zu schweigen...
Weil man Hochdeutsch studiert, ist ja klar...haette man noch zahlreiche deutsche Dialekte studiert, wuerde man das ganze Leben an der Uni hocken....Und ausserdem sehe ich keinen Sinn darin deutsche Dialekte zu studieren. Denn die wird man bestimmt net brauchen. Und fuer Kommunizieren reicht es schon, wenn man Hochdeutsch kann. Klar, in der Schweiz wird es schwer, da braeuchste Schwuetzer Duetsch ganz bestimmt. Ist aber eine andere Geschichte. Ausserdem koennen auch net alle Deutschen ihren Dialekt sprechen. Plattdeutsch z.B......sprechen vielleicht, aber schreiben :roll:
Zeppelin hat geschrieben:..Was also hast Du dagegen einzuwenden, wenn ich empfehle, bei Ausbau und Vertiefung von Sprachverständnis und Artikulationsmöglichkeiten zu unterstützen?
Nichts...Meine Ausssage bezog sich auf Dein:
Zeppelin hat geschrieben:..Sprachverständnis und Artikulationsmöglichkeiten, die.... im russ. akademischen Ausbildungssystem kaum vermittelt werden können...
Dagegen protestiere ich leicht ;)

7punkt
"Ich weigere mich, einen Unterschied zwischen den Voelkern zu machen und von guten und schlechten Nationen zu sprechen, aber einen Unterschied zwischen den Menschen muss ich machen." F. Duerrenmatt "Der Verdacht"
Zeppelin
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 3051
Registriert: 25 Jun 2006, 14:12
Wohnort: Berlin, Gartenhaus 2 Treppen rechts

Re: Erfahrungen bei Arbeitssuche des russ. Partners

Beitrag von Zeppelin »

7punkt hat geschrieben:
Zeppelin hat geschrieben:..Unterstützung von Sprachverständnis und Artikulationsmöglichkeiten, die hier gängig sind, aber im russ. akademischen Ausbildungssystem kaum vermittelt werden können...
Dagegen protestiere ich leicht ;)
Das ist mir nicht entgangen. Ich schrieb aber nicht NICHT VERMITTELT WERDEN KÖNNEN, sondern KAUM... - Siehste: Dir ist dieser kleine Unterschied sicher geläufig, aber vielen anderen eher nicht.
Meinst Du etwa, meine Frau hätte nicht genau so wie Du alle Anstrengungen unternommen, um aktuelle Literatur und Presse zu verstehen, so eng wie möglich mit deutschen Lektoren zusammen zu arbeiten, an Austauschprogrammen teilzunehmen etc.etc., bevor sie dann auf Dauer hier her kam und sich weitestgehend allein zurecht zu finden?
Alles bestens.
Dennoch habe ich ihr anfangs viel helfen müssen/dürfen/können, vor allem in der Schrift- und Korrespondenzsprache die optimalen Formulierungen zu wählen. Und auch so manche Vokabel, die man in der Lektüre von Elfriede Jelinek vorfindet findet sich ebenso wenig in Wörterbüchern, wie etwa Formulierungen Hans Falladas.

Sich jedoch über dergleichen auszutauschen ist doch auch ein ganz wesentlicher Bestandteil von Partnerschaftsbeziehungen.

Doch das Leute aus RUS oftmals überempfindlich reagieren, ist mir selbstverständlich geläufig. ;)
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)
Benutzeravatar
7punkt
Supersmile
Supersmile
Beiträge: 4185
Registriert: 24 Jun 2004, 16:55
Wohnort: Moskau, HH

Re: Erfahrungen bei Arbeitssuche des russ. Partners

Beitrag von 7punkt »

Zeppelin hat geschrieben:
7punkt hat geschrieben:
Zeppelin hat geschrieben:..Sprachverständnis und Artikulationsmöglichkeiten, die.... im russ. akademischen Ausbildungssystem kaum vermittelt werden können...
Dagegen protestiere ich leicht ;)
Das ist mir nicht entgangen. Ich schrieb aber nicht NICHT VERMITTELT WERDEN KÖNNEN, sondern KAUM... - Siehste: Dir ist dieser kleine Unterschied sicher geläufig, aber vielen anderen eher nicht...
Daher hab ich ja auch LEICHT PROTESTIERE geschrieben :-P
Zeppelin hat geschrieben:Meinst Du etwa, meine Frau hätte nicht genau so wie Du alle Anstrengungen unternommen, um aktuelle Literatur und Presse zu verstehen, so eng wie möglich mit deutschen Lektoren zusammen zu arbeiten, an Austauschprogrammen teilzunehmen etc.etc., bevor sie dann auf Dauer hier her kam und sich weitestgehend allein zurecht zu finden?...
Ich meine gar nichts. Ich bin bloss dagegen alles ueber einen Kamm zu scheren. Ich weiss, wie man hier Fremdsprachen beibringt und weiss auch: wenn man will, wird gut sprechen.
Zeppelin hat geschrieben:Doch das Leute aus RUS oftmals überempfindlich reagieren, ist mir selbstverständlich geläufig.
Wie auch Vertreter anderer Nationen es oftmals tun ;)

7punkt
"Ich weigere mich, einen Unterschied zwischen den Voelkern zu machen und von guten und schlechten Nationen zu sprechen, aber einen Unterschied zwischen den Menschen muss ich machen." F. Duerrenmatt "Der Verdacht"
Benutzeravatar
Zejtnot
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 14590
Registriert: 30 Jun 2006, 11:25
Wohnort: Sibirien, Sachsen

Re: Erfahrungen bei Arbeitssuche des russ. Partners

Beitrag von Zejtnot »

7punkt hat geschrieben:Ausserdem gab es eine ganze Reihe von Faechern, die in Deutsch unterrichtet wurden: Grammatik (theoretische, praktische), Geschichte Deutschlands, Lexikologie, deutsche Literatur, analytisches Lesen etc. etc. etc.
Ja, bei Linguisten gebe ich Dir Recht. Da habe ich zwar auch Ausnahmen erlebt, aber im Großen und Ganzen ist es schon brauchbar. Aber Zeppelin ging es ja nicht nur um Linguisten, sondern allgemein um Akademiker. Und welcher Ingenieur hat schon vernünftig Englisch oder Deutsch an der Uni gelernt? "Чтение со словарём" ... steht in vier von fünf Bewerbungen, die ich bekomme.
Benutzeravatar
7punkt
Supersmile
Supersmile
Beiträge: 4185
Registriert: 24 Jun 2004, 16:55
Wohnort: Moskau, HH

Re: Erfahrungen bei Arbeitssuche des russ. Partners

Beitrag von 7punkt »

Zejtnot hat geschrieben:... Aber Zeppelin ging es ja nicht nur um Linguisten, sondern allgemein um Akademiker. Und welcher Ingenieur hat schon vernünftig Englisch oder Deutsch an der Uni gelernt?...
Ha..das ist doch eine andere Frage, da ist der Stundent dann zum Teil wohl selber schuld und nicht der Professor/ Lektor etc., wenn er (Student) die Sprache net beherrscht. Wer fleissig lernt/ studiert, erwirbt Kenntnisse, die er dann weiter gebrauchen kann. So ist meine Meinung.
"Ich weigere mich, einen Unterschied zwischen den Voelkern zu machen und von guten und schlechten Nationen zu sprechen, aber einen Unterschied zwischen den Menschen muss ich machen." F. Duerrenmatt "Der Verdacht"
Zeppelin
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 3051
Registriert: 25 Jun 2006, 14:12
Wohnort: Berlin, Gartenhaus 2 Treppen rechts

Re: Erfahrungen bei Arbeitssuche des russ. Partners

Beitrag von Zeppelin »

7punkt hat geschrieben:Ha..das ist doch eine andere Frage, da ist der Stundent dann zum Teil wohl selber schuld und nicht der Professor/ Lektor etc., wenn er (Student) die Sprache net beherrscht. Wer fleissig lernt/ studiert, erwirbt Kenntnisse, die er dann weiter gebrauchen kann. So ist meine Meinung.
Achso. Da hat also ein Student der Physik und Halbleitertechnik eben mal so seine Hausaufgaben nicht gemacht, weil er sich auf seine Hauptfächer konzentrierte?

Ich beziehe mich auch bei Weitem nicht nur auf Akademiker/-innen, sondern ganz besonders auch auf solche unserer Partener/-innen Freunde und Freundinnen, die ohne eine solche Vorbildung hier an den Start kommen müssen.
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)
Antworten

Zurück zu „Spracherwerb & #Sprachunterricht Deutsch - Russisch“