Wir sind hier ja in der Provinz. Da ist die Situation ganz anders. Wir haben gewaltige Schwierigkeiten, wirklich gute Leute zu finden. Also die Hochqualifizierten mit der Fähigkeit, selbständig Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen in der Lage sind, von denen Ihr schreibt. Dem entsprechend ist dann aber auch unser Lohnniveau deutlich niedriger, was durch die sehr günstigen Lebenshaltungskosten hier aber mindestens kompensiert wird. Sprich die Leute im mittleren und oberen Management verdienen nach hiesigen Maßstäben gut, nach deutschen aber natürlich wenig.inorcist hat geschrieben: Während einfache Angestellte in Russland in der Regel deutlich weniger verdienen als ihre Kollegen in Deutschland, verdienen wirklich qualifizierte Angestellte mindestens dasselbe, wenn nicht sogar mehr als in Deutschland. Mit qualifiziert meine ich hier Ausbildung auf westlichem Niveau, mindestens eine Fremdsprache, Fähigkeit selbst Entscheidungen zu treffen und Leute, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Bei uns im Unternehmen (Finanzbranche) zahlen wir den wirklich guten Leuten in Russland etwa 10% mehr als vergleichbar guten Leuten in London oder Zürich. Allerdings ist das nur ein kleiner Teil und diese Leute sind auch entsprechend schwierig zu finden und zu halten. Ein Freund, der eine Zeit lang in Russland als Ingenieur für einen grossen europäischen Maschinenbauer gearbeitet hat, hat mir ähnliches berichtet. Die Lohndiskrepanz führt teilweise aber auch zu Spannungen zwischen den Mitarbeitern.
Ich vermute mal, dass es bei der genannten Frage im Hinblick auf die kaufmännische Ausbildung nicht um diese Kategorie von Hochqualifizierten in diesem Sinne geht. Eine kaufmännische Ausbildung kann dann gefragt sein, wenn es um die Organsiation der Verwaltung nach westlichen Maßstäben gehen soll. Also Warenein- und ausgang usw. usf. Ein großes Thema ist auch die Buchhaltung, wenn eine doppelte Buchhaltung (eine nach russischen Vorschriften, eine nach IFRS) geführt werden soll. Oder die Übertragung der Werte aus 1C ins IFRS System. Die Programme, die uns angeboten wurden, sind viel zu unflexibel, Russian Consulting & Co. sind viel viel zu teuer. Also machen wir diese Überführung komplett selber. Diese Problematik ist sicher weit verbreitet.
Sprich ich könnte mir schon einieges vorstellen, wo die deutsche kaufmännische Ausbildung in Russland durchaus gefragt sein kann.

